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Kathy aus Holland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Kathy aus Holland, die sich in Australien mit Southern Cross Horse Treks ihren Traum einer Pferdefarm erfüllt hat und für Urlauber Treks durch den australischen Busch organisiert.


Über dich und deine Erlebnisse:

Wie alt bist du, woher kommst du und was machst du in Australien?
Ich komme aus Holland, bin aber zweisprachig aufgewachsen, weil meine Mutter Deutsche ist. Ich bin 43 Jahre alt, bin gelernte Psychologin und habe einen Reitferienbetrieb in New South Wales in der Nähe von Port Macquarie. Ich lebe – wie so viele meiner Reitgäste sagen – ganz »im Paradies« zusammen mit meinem deutschen Freund, meinem australischen Hund und zehn Pferden auf einer 25 Hektar großen Farm im Hinterland, die ca. 25 km vom Strand entfernt liegt. Ich bin damals im Januar 2000 (zusammen mit meinem holländischen Ex-Mann) nach Australien ausgewandert, also bin ich mittlerweile schon fast 13 Jahre hier.

Warum genau Australien?
1993/94 (nach meinem Studium) war ich als Backpacker mit »Working Holiday Visum« neun Monate in Australien und zwei Monate in Neuseeland. Gleich als ich am Anfang in Australien war, wusste ich, dass ich in diesem Land bleiben und leben will. Es war ein Gefühl von Freiheit, Natur, Platz, wenig Menschen (außerhalb der Städte) und vor allem dass alles hier ganz anders ist als zu Hause, was mich so beeindruckt, fasziniert und angezogen hat. In Holland ist immer schlechtes Wetter und das Land ist zu klein für die vielen Menschen. Als wir 2000 ausgewandert sind, hatten Australien und Holland die gleiche Einwohnerzahl und dabei ist Holland in Größe die Hälfte oder zwei Drittel von Tasmanien. Ich hatte immer den Wunsch in einem anderen Land zu leben, aber war nie wirklich interessiert an Australien, bis ich dann hier war. Nachträglich glaube ich, dass die Anziehungskraft dieses Landes zwar teils auch wirklich mit Australien zu tun hatte, aber sicherlich auch zum Teil einfach nur dadurch entstanden war, weil ich ein Jahr die Freiheit hatte, zu reisen und zu machen was ich wollte. Viele Backpacker wollen am Ende ihres Jahres in Australien bleiben und so ist es mir auch gegangen. Um meinen Traum zu verwirklichen, musste ich aber fünf Jahre warten und in Holland arbeiten, bis ich die genug Berufserfahrung als Psychologin hatte, um mein »Permanent Residency« Visum zu bekommen (mittels australischem Punktesystem). Da hatte ich auch schon die Idee, einen Reitferienbetrieb aufzubauen. Wo und wie ich jetzt wohne und lebe wäre mir so in Holland nie möglich gewesen. 

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt?
Als Backpacker 1993: Ankunft im Hostel in Kings Cross, Spaziergang durch die »Botanical Gardens« und zum Harbour. Eine komplett unerwartete Welt da ich mich vorher überhaupt nicht informiert hatte über Australien. Ich bin zu den »Rocks« gelaufen, dort war eine Hochzeitskutsche, ich habe den Kutschenfahrer angesprochen, ob er ein Job für mich hat und er hat mir die Telefonnummer von seinem Kumpel gegeben. Daraufhin habe ich in Echuca (Victoria) fünf Monate mit Pferden gearbeitet – so hat sich mein erster Job in Australien ergeben. An den ersten Tag, als ich im Jahre 2000 nach Australien auswanderte, kann ich mich hingegen kaum mehr erinnern. Wir hatten eine völlige Krise, was wir da bloß gemacht hatten. Unsere Jobs, unser Haus, unser Alles zu Hause aufgegeben und ab nach Australien ohne genügend Vorbereitungen.

Was war dein größter Kulturschock?
Als wir hier angekommen sind und anfingen uns nach Jobs, einer Mietwohnung, Auto etc. zu erkundigen, haben wir viel per Telefon gemacht, und dann habe ich gemerkt, dass ich die Australier am Telefon gar nicht verstehe und sie mich auch nicht! Daraufhin wurde uns auch bald klar, dass man hier für alles eine »Reference« und einen »Good Credit Record« braucht, weil viele Australier wohl ihre Rechnungen nicht bezahlen. Also ohne ein vorheriges Leben in Australien kann man das ja nicht vorweisen und dann ist es ganz schön schwierig eine Mietwohnung zu finden oder Telefon- und Stromanschluss zu bekommen. Und als Drittes kam dann die Ernüchterung, als ich schließlich lernte, dass in einen Land herum reisen und in ein Land wohnen zwei ganz unterschiedliche Sachen sind.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir?
Mittlerweile bin ich schon so lange hier, dass ich kein Heimweh mehr habe, weil ich hier jetzt mein Zuhause habe. Manchmal wenn ich in Holland bin, habe ich Heimweh nach Australien! Aber bis ich dahin gekommen bin, hatte ich viele Jahre Heimweh – nicht so sehr nach Holland, aber nach meiner Familie und meinen Freunden. Irgendwann nach sieben oder acht Jahren kam dann die Gefühlswende. Am schwierigsten finde ich es, wenn meine Freunde mich hier besuchen und wieder abreisen. Dann wünsche ich mir, sie würden auch nach Australien auswandern.


Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben?
Das einzigartige Land auf der anderen Seite der Welt, wo alles anders ist.

Was gefällt dir besonders gut an Australien?
Mein Leben in Australien! Die Natur, das Leben draußen, die Ruhe, der einsame Strand, die Tiere, der Duft von Eukalyptus an heißen Tagen, das Wetter (wenn auch die letzten drei Jahre nicht so gut waren), das Gefühl von Freiheit. In Australien hatte ich die Möglichkeit, mir ein ganz besonderes Zuhause zu schaffen und mir meinen Traum vom Leben mit Pferden zu verwirklichen – etwas was mir in Europa wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre. Es gibt aber auch Nachteile: Vieles ist teuer (Futter für Mensch UND Tier, Leben in einer kleinen Wohnung in der Stadt UND auch auf einem Grundstück auf dem Lande), aber dafür sind andere Sachen hier doch noch viel einfacher und teilweise sogar billiger – so wie z.B. eine kleine Farm kaufen und ein Pferdegeschäft aufbauen.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Im Allgemeinem: Von vielen australischen Gewohnheiten, die in deinem Blog schon ausführlich besprochen wurden, bin ich nicht sehr begeistert. Obwohl ich mich in zwölf Jahren wohl an alles gewöhnt habe, staune ich manchmal immer noch über bestimmte Verhaltensweisen. Aber gib mir noch fünf weitere Jahre und mich wundert nichts mehr! Man kann aber auch so rum fragen: Woran werden die Australier sich wohl nie bei mir gewöhnen? Die direkte, unkomplizierte und informelle Art mit der man sich in Holland begegnet, ist für viele Australier merkwürdig. Entweder sie finden es witzig oder sie sind beleidigt oder auch beides. Nur eins lerne ich nie: Dass es nirgendwo zum Kaffee ein vernünftiges Stück Kuchen zu einem normalen Preis zu kaufen gibt. Und wie schrecklich viele Australier mit ihren Tieren umgehen.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien?
Zum Sonnenuntergang der Lighthouse Beach in Byron Bay (New South Wales); zum Sonnenaufgang die leuchtenden Farben der Felsen von Wilpena Pound in den Flinders Ranges (South Australia); unter dem funkelnden Sternenhimmel (am besten in Western Australia); im Sommer die roten Steine und glasklares Wasser im Freycinet Nationalpark (Tasmanien); im Winter die blaue Wasserfarbe und der weiße Sand bei den Whitsunday Islands (Queensland). Auf jeden Fall ist der schönste Ort für mich kein von Menschen geschaffenes, sondern ein Naturerlebnis. Und davon ist ganz Australien voll.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Ich weiß es nicht, aber ich habe mir damals Australien ausgesucht, wollte unbedingt hierhin auswandern, habe jetzt hier mein Zuhause und fühle mich wohl in meinem Leben hier.

 Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an?
Ja, soweit ist es jetzt tatsächlich gekommen. Es ist mit der Zeit automatisch geworden, wie sehr ich mich auch dagegen gewehrt habe. Antworten tue ich aber meistens nicht, wenn mich jemand damit anspricht (z.B. im Supermarkt) aber das ist eigentlich ja auch schon sehr australisches Benehmen.

Isst du Vegemite zum Frühstück?
Ich habe Vegemite vor vielen Jahren gekostet – einmal und nie wieder! Ich bin immer erstaunt, dass meine australischen Reitgäste das Glas Vegemite auf unserem Frühstückstisch tatsächlich essen, denn eigentlich habe ich das nur hingelegt als Witz, damit die Touristen das mal kosten können.

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Ich bin seit zwölf Jahren in Australien und habe seit zwölf Jahren keine Weihnachten erlebt. Dieses Fest ist aus meinem Leben verschwunden, seit ich hier bin. Und da ich im australischen Dezember sowieso keine Weihnachtsstimmung habe, vermisse ich es eigentlich auch gar nicht so sehr. Nur wenn man bei Aldi wieder mal Lebkuchen hat, dann fällt mir ein, dass wohl bald Weihnachten ist. Der Lebkuchen schmeckt aber gar nicht, wenn es draußen 30°C im Schatten hat.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du?
Ich bevorzuge das ruhige Meer, damit ich gemütlich schwimmen kann, ohne gleich in der Waschmaschine zu landen.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots?
Nein, ich teile – zum Glück – nicht das australische Modebewusstsein, denn da gibt es noch viel schlimmere Sachen, die die Leute hier anziehen!

No worries

FOTO: KATHY HOLTRUST

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