Bild

Bild

Carbon Tax

Wir haben ja bereits gehört, dass Australiens Premierministerin, Julia Gillard, bei den Australiern sehr unbeliebt ist. Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist die so genannte »Carbon Tax«, zu Deutsch am ehesten bekannt als CO2-Steuer, die Australien vor kurzem eingeführt hat. Julia Gillard hatte damals vor aller Welt versprochen, dies zu verhindern, sollte das Volk sie zur Premierministerin von Australien wählen und konnte dadurch viele Wählerstimmen für sich gewinnen. Die Australier jedenfalls fühlen sich betrogen und das nicht ohne Grund.

Die CO2-Steuer ist eine Steuerabgabe, die unter dem Vorwand der Nachhaltigkeit und der Bekämpfung des Klimawandels eingeführt wurde und dabei große Konzerne zur Kasse bitten soll. Mit 35% sorgt der Energiesektor in Australien für die größte Umweltbelastung, davon wiederum 90% sind dem Kohlebergbau zuzuschreiben. Dies stellt gleichzeitig auch den lukrativsten Wirtschaftszweig des Landes dar, das mit Abstand der weltweit größte Kohle-Exporteur ist. In der Folge ist Australien auch eines der westlichen Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Ausstoß an möglichen klimaschädlichen Emissionen, weil Strom hauptsächlich aus dem Verbrennen von umweltschädlicher Kohle produziert wird.

Die neu eingeführte Steuer soll also große Unternehmen dazu bringen, etwas zur Umwelterhaltung beizutragen und erstmals auch ein Bewusstsein für Umweltschutz und Energieverbrauch zu entwickeln. Fakt ist jedoch, dass diese Steuer genau die am meisten trifft, die am wenigsten haben. Du und ich, unser Nachbar und das kleine Café um die Ecke. Und es trifft die Menschen nicht nur ein bisschen, es trifft sie hart. Seit 1. Juli 2012, da beginnt nämlich das Finanzjahr in Australien, wird nun also eine Steuer behoben, die hier eigentlich niemand will und auch nicht versteht. Stark kritisiert wird auch der Preis der Steuer, der mehr als doppelt so hoch angesetzt ist, wie jener des europäischen Verschmutzungszertifikat. Die große Frage ist auch, wo das Geld – man rechnet mit 7,7 Milliarden Australischen Dollar im ersten Jahr – tatsächlich hin fließen wird. Auch das scheint nicht ganz geklärt zu sein und sorgt für wesentlichen Unmut.

Was das im Endeffekt für den einzelnen Verbraucher bedeutet? Dass die Stromrechnung entscheidend teurer wird. Sie soll sich mindestens um ein Drittel erhöhen, wenn nicht sogar verdoppeln. Die Unternehmen haben bereits vorab bekannt gegeben, dass sie die Mehrkosten an den Kunden abwälzen werden und da ist der Energiesektor keine Ausnahme. Strom ist jetzt einfach teurer und du und ich bleiben schließlich darauf sitzen.

Verständlicherweise macht das den Menschen Angst. Tausende gingen im Juli auf die Straße, um gegen die Einhebung der CO2-Steuer zu demonstrieren. Kleine bis mittelständige Unternehmen ließen vermerken, dass auch sie die neu anfallenden Kosten an die Kunden weitergeben werden, was zur Folge hat, dass die Preise steigen. Viele haben Bedenken, dass dies eine Kettenreaktion auslösen könnte und das Leben in Australien – sowieso schon teuer genug – in Zukunft noch mehr kosten wird. Ob sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten werden und welche Auswirkungen die CO2-Steuer tatsächlich auf das Leben in Australien hat, kann jedoch frühestens in ein, zwei Jahren beurteilt werden. Und ob sie ihren eigentlichen Sinn und Zweck – die Menschen dazu anzuregen umweltbewusster zu leben – überhaupt erfüllen kann.

Vielleicht wird nach der nächsten Wahl aber auch wieder alles anders sein. Oppositionsführer Tony Abbott hat nämlich schon angekündigt, sollte Australien ihn zum nächsten Premierminister machen, dann wird die Carbon Tax ohne Diskussionen sofort wieder abgeschafft. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor ...

No worries!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen