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Hunter Valley

Das Hunter Valley ist eine beliebte Weinregion in New South Wales und liegt ca. zwei Stunden nördlich von Sydney. Bekannt ist die Gegend vor allem für ihren Shiraz und den weltbesten Semillon, der neben Frankreich hauptsächlich in Australien produziert wird. Viele Sydneyianer ziehen sich hier übers Wochenende zurück. Sie kommen zur Kur, zum Heiraten, zum Golf spielen, für ein Wellness-Wochenende oder gönnen sich eine Auszeit von der Großstadt.

Landschaftlich gesehen ist das Hunter Valley nicht ganz so spektakulär wie vielleicht erwartet. Die Gegend ist relativ trocken und sehr heiß im Sommer – ideale Bedingungen für den Wein um gut zu gedeihen. Es gibt an die 150 Weingüter in der Region, nur 3% des hier produzierten Weins werden jedoch australienweit über die »Bottleshops« vertrieben. Viele leben ausschließlich vom Verkauf ab »Cellar Door«. Das ganze Jahr über kommen massenweise Touristen auf Besuch und auch viele Australier pendeln von einem Weingut zu nächsten. Und kaufen was das Zeug hält. Ich hab echt wieder mal nicht schlecht gestaunt, wie viel Geld die Sydneyianer hier ausgeben. Da bin ich mir mit meinen drei Flaschen, die ich während den drei Tagen erstanden habe, geradezu lächerlich vorgekommen. 

Auch sonst deuten die Preise im Hunter Valley darauf hin, dass hier Leute Urlaub machen, die entweder viel Geld haben oder einfach gerne Geld ausgeben. Typische Australier halt. Beim Einchecken ins Luxus-Hotel musste ich fast ein bisschen lachen über die lächerlichen Preise. 20 Australische Dollar pro Tag fürs Wireless, 2 Dollar für eine Postkarte, 17 Dollar um einen Film auszuleihen, 15 Dollar für eine (aus Frankreich importierte) Tafel Schokolade, 10 Dollar so genannte »Lieferkosten« für den Zimmerservice. Dass ich nicht lache. Da war ich fast verwundert, dass für den Parkplatz nicht auch noch extra verlangt wurde.

Das Hunter Valley steht also für Luxus, Rückzug aus der Stadt und eine Auszeit vom Alltag. Dabei ist es meiner Meinung nach etwas schade, dass die Region den eigenen Stil eher vernachlässigt und lieber (teilweise ziemlich kläglich) versucht, Europas Weinregionen – hier insbesondere Frankreich – nachzuahmen. Dies spiegelt sich mitunter sehr deutlich in der Architektur wieder. Einige Gebäude haben mich beim näheren Betrachten einfach an die Nachbildungen im Europapark erinnert. Ein bisschen mehr Authentizität könnte dem Hunter Valley also nicht schaden. Auch sonst scheinen viele zu glauben, nur »en vogue« zu sein, wenn man aus Frankreich importierte Lebensmittel anbietet, im französischen Stil dekoriert, Dinge mitunter auf Französisch anschreibt oder sogar – einfach aus Lust und Laune – auf einer Weintour immer wieder französische Sätze ins Englische mischt. Der Witz dabei ist, die Australier können kein Französisch. Verstehen tun sie also weder das »Journaux« auf dem Zeitungsständer, noch das Schild »Vin de vie« über der Weinschenke oder dass die »Chocolat noir« eine Zartbitter-Schokolade ist.

Und was gibt es sonst noch im Hunter Valley? Eine Touristenattraktion sind mitunter auch die vielen Kängurus, die überall herum hüpfen. Neben Wein bietet diese Region aber auch viel gutes Essen, ein paar Brauereien, eine Käserei, eine Schokoladenfabrik, top Golfplätze und schöne Gartenanlagen. Wer also ein bisschen schlemmen will, etwas Luxus sucht und nebenbei erstklassigen Wein trinken möchte, der wird sich hier wohl fühlen. Vorausgesetzt man hat das Geld. Der eine oder andere lässt sich sogar mit dem Helikopter vom Hotel abholen, um zu einem unvergesslichen Rundflug über die Weinberge zu starten. Kein Scherz, ich war dabei und hab’s mit eigenen Augen gesehen.

Fazit also: Es lässt sich im Hunter Valley gut entspannen und vor allem wirklich erstklassigen Wein genießen, vorausgesetzt man drückt ein Auge zu bei den Preisen. Oder besser zwei.

No worries!

FOTO: NINA FISCHER

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