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Das beste Land der Welt

Patriotismus wird in Australien GROSS geschrieben. Die Liebe und der Stolz auf das eigene Land und die eigene Kultur scheint größer zu sein, als ... ich weiß auch nicht, als alles andere jedenfalls!

Aus der Sicht eines Australiers (der noch nie in einem anderen Land gelebt hat) schaut das so aus: Australien ist ganz ehrlich das beste Land der Erde. Sieh dich doch mal um? Wir haben keine Krise wie in Europa! Wir starten keine Kriege, wie Deutschland in der jüngeren Geschichte! Wir spielen nicht die Weltpolizei und mischen uns in Angelegenheiten anderer ein, wie das die USA macht! Wir haben keine schwächelnde Wirtschaft wie die Neuseeländer! (Warum sonst würden diese bitteschön alle nach Australien ziehen wollen?) Und Kanada? Mein Gott, wen interessiert schon Kanada? Und dann schau dir unsere Stadt an – Sydney ist doch die schönste Stadt der Welt, das musst du einfach zugeben. Hier bekommt jeder eine staatliche Krankenversicherung, unsere Kinder bekommen eine Ausbildung, wir können ganzjährig das milde Klima und viel Sonne genießen, haben die schönsten Strände der Welt und alle Menschen haben die gleiche Chance – was will man mehr? 

Ja, klingt doch wirklich wie das Traumland schlechthin. Manchmal klingt es in meinen Ohren aber auch, als wären die Australier alle einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Weil: Es gibt einfach kein perfektes Land auf Erden. Es gibt überall Mängel, überall Dinge, die man kritisieren oder verbessern könnte. Und nur weil man diese totschweigt, ignoriert oder darüber hinweg lächelt (bzw. lieber kritisiert, was in anderen Ländern nicht gut läuft), sind sie trotzdem da. Ich behaupte also einfach mal: So gut dieses Land auch sein mag, auch Australien ist nicht perfekt. 

Als Australier scheint man aber mit dem Bewusstsein aufzuwachsen – ja das gehört hier fast zur Erziehung – dass alles total super ist und man sich glücklich schätzen kann, im besten Land der Welt geboren zu sein. Natürlich denken nicht alle so – aber prinzipiell sind die Australier wesentlich weniger kritisch eingestellt, als z.B. wir Mitteleuropäer. Dementsprechend war ich auch nicht erstaunt, als ich folgende Diskussion im Radio mitverfolgt habe. Es ging dabei um dieses Thema: Darf bzw. soll man als Australier am eigenen Land Kritik äußern oder sollte man lieber einfach froh sein, dass man es hier so gut hat? Die Antworten der Anrufer waren sehr unterschiedlich. Einige meinten, es sei gut wenn Leute sich über Missstände beschweren und dass die Australier viel zu wenig ihre Meinung sagen würden. Andere wiederum vertraten die typische Aussie-Ansicht: »Hey, jetzt mal ehrlich, wir leben im besten Land der Welt, worüber willst du dich beschweren? Ich finde es total unangebracht, wenn sich Aussies wegen Kleinigkeiten aufregen. Niemand auf der Welt hat es so gut wie wir. Seid also lieber einfach stolz auf euer Land!«

Das ist ja schön und gut, wenn die meisten Australier so zufrieden sind mit allem. Es ist aber auch irgendwie gefährlich ... Nicht nur macht es überheblich, sondern es erzieht die Leute zu Schafen, denen man eintrichtert: Wir leben im besten Land der Welt, niemand hat es so gut wie du, also beschwer dich gefälligst nicht und schluck alles, was man dir auftischt. Ich kann die Australier also irgendwie verstehen, denn wenn man mit diesem Bewusstsein aufwächst, dann glaubt man wahrscheinlich auch wirklich daran. Aber auf der anderen Seite tun sie mir auch Leid: In einem Land, in dem es nichts zu kritisieren gibt, gibt es nämlich auch nichts zu verbessern.

Wenn ich meinen Australier zu Hause frage (der zwei Jahre in Deutschland gelebt hat), warum er stolz auf sein Land ist, dann ist das für ihn schwer zu erklären. Weil wir so eine sportliche Nation sind ... D.h. du bist stolz darauf, dass Australier sich nur in Sportarten messen, in denen sie auch wirklich gut sind? Weil die Arbeitskultur so relaxt ist ... D.h. du findest es gut, dass du dich in der Arbeit nicht auf die Leute verlassen kannst, weil sie zwischendurch auf ein Bier ins Pub verschwinden? Weil die Leute so freundlich und hilfsbereit sind ... D.h. du findest es gut, dass die Leute ständig lächeln und dich fragen wie es dir geht, aber in Wirklichkeit interessiert es sie nicht die Bohne? Irgendwann seufzt er und gibt auf. Ich würde das nie verstehen können, ich sei halt kein Aussie und nur ein Aussie weiß, was es heißt, stolz auf sein Land zu sein.

Da hat er wohl recht. Ich werde das wirklich nie verstehen können. Patriotische Gefühle gegenüber meinem Heimatland? Wohl kaum ... Ich wage nicht zu behaupten, dass Österreich das beste Land der Welt und absolut fehlerfrei ist. Ich gehe am Nationalfeiertag auch nicht mit einer österreichischen Flagge bewaffnet auf die Straße und feiere mein Land. Weder tätowiere ich mir die österreichische Flagge oder »stolz Österreicher zu sein« auf den Körper, noch besitze ich ein Kleidungsstück mit der österreichischen Flagge, noch kann ich den Text unserer Nationalhymne auswendig. Ich muss ehrlich zugeben, ich habe für den Rest meines Lebens die maximale Dosis an patriotischen Gefühlen in diesem einen Jahr in Australiern erhalten. So viel »Aussie-Pride«, wie man das hier offiziell nennt, verträgt nämlich kein Mensch auf die Dauer. Außer natürlich man ist selber Australier und stolz darauf.

Und was denken die Aussies über mich? Die können nicht verstehen, dass ich meine Nationalhymne nicht singen kann. Dass keine sentimentalen Gefühle bei mir geweckt werden, wenn ich eine österreichische Flagge sehe und dass wir am Nationalfeiertag nicht raus auf die Straße gehen und einander zu unserem tollen Land gratulieren. Ob ich denn gar nichts habe, worauf ich in Österreich stolz sein kann? Das ist eine gute Frage. Ich bin schon auch stolz, aber auf eine andere Art und ich muss es nicht ständig jedem erzählen und mit der Flagge herum wedeln. Das wiederum werden wohl die Aussies nie verstehen, denn dazu müsste man nämlich Österreicher sein ...

No worries!

Kommentare:

  1. Warum sind die Australier die tollsten?
    Nun, es ist einfach am Beispiel vieler Ausgewanderter und dessen Komentaren auf div. Foren zu entnehmen.

    Es sind die Nachrichten die Konsumiert werden.
    Deutsche die in Australien leben, bekommen die Tagesschau auf SBS, den Spiegel, Wirtschaftswoche oder Nachrichtenticker kostelos aufs Handy.
    Es sind kritische Nachrichten, die hinterfragen und informieren.
    Was bekommen wir aber im australischen Fernsehen an Informationen?
    Neben Kochsendungen, oder der Suche nach dem besten Taenzer, Saenger oder anderen Idolen, laufen Fernsehserien billigster amerikanischer Machart, in denen Ausserirdische, Muelltonnen klauen und der Polizei das Recht geben, jedes Buergerrecht zu brechen und sogar foltern.
    Damit will man den Leuten zu verstehen geben, dass die Polizei alles darf. (He, das darf Sie doch heute schon ungestraft)
    Die Nachrichten sind von derart minderwertiger Qualitaet, dass sogar das "Goldene Blatt", oder "Bild der Frau" als Nachrichtenquelle, noch mehr serioesen Informationsgehalt haben.
    Kanal 7 informierte 30 Sekunden ueber den Klimagipfel- und das nur 1x. Dann war das Thema gestorben.
    Wird ein Hund ueberfahren, so wird 2 Tage darueber Berichtet, Ueber ne Oma die in einer von Wanzen verseuchten Wohnung lebt, laeuft die Werbung ueber Wochen. Unfaelle sind Sonderberichte in den Nachrichten- passend zum spaeteren Werbespot gegen Raser und Trinker im Verkehr.
    Es werden in den australischen Nachrichten einfach keine wirklichen Nachrichten gebracht.
    Kritik ist undenkbar. Selbststaendiges Denken fast unmoeglich (woher soll es denn kommen?)
    Einerseits berichtet man von zensierter Presse in China oder Nordkorea.
    Auf der anderen Seite passiert hier nichts anderes.
    Bewust und gezielt werden die Nachrichten manipuliert, im Sinne staatlichen denkens.
    Und das Ergebnis kennen wir ja.
    Erinnert mich an einen Spruch dem man frueher sagte:
    "Sprach der Fuerst zum Priester, Ich halte Sie arm und Du haeltst Sie dumm"
    Nachtrag- es ist nun Hart was ich hier schreibe, aber dies ist auch einer gewissen Gesellschatsschicht bekannt.
    Meine letzte kundin, eine in Ihrer Jugend viel durch die Welt gereiste Aerztin, fragte mich, wer wohl Bloeder sei? Amerikaner oder Australier? Ich war total von der Frage ueberrascht und nachdem ich so tat, als ob ich Nachdenke, hab ich gelogen. Sie muss es an meinem Gesicht gesehen haben und hat gelaechelt.
    Schoene Gruesse aus Adelaide
    Thomas

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  2. Hallo Thomas,

    mit der Medienlandschaft stimme ich dir zu - dazu gab's hier ja auch schon einige Posts. Ich könnte mich manchmal sehr drüber aufregen, wie einseitig und unseriös die Berichterstattung in Australien ist und wieviel Müll die Leute eigentlich glauben... Leider gibt es in Australien viel zu viele Menschen von dieser Sorte - die nicht selber nachdenken, sondern alles nur hinnehmen und nichts hinterfragen. Du hast es ganz formuliert ;-)

    Vielen Dank für deinen Kommentar!
    Und schöne Weihnachten...

    Lg aus Sydney

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