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Lisa aus Deutschland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Lisa aus Deutschland, die aufgrund einer beruflichen Entsendung nach Sydney gekommen ist und hier erstmals ein paar Jahre das Leben in Australien testen möchte.

Über dich und deine Erlebnisse:

Wie alt bist du, woher kommst du und was machst du in Australien?
Ich komme aus Herford, einer 70.000 Einwohner großen Stadt im schönen Ostwestfalen (NRW) Deutschlands, wo die Leute im Allgemeinen mürrisch und hart zu knacken sein sollen, aber im Inneren ganz ganz feine, treue und loyale Menschen sind. Ich bin 27 Jahre alt und bin im Rahmen einer 2-jährigen beruflichen Entsendung in Sydney zum Arbeiten gelandet und bin nun seit neun Monaten hier.

Warum genau Australien?
Bei einer beruflichen Entsendung kann man es sich als Arbeitnehmer nicht aussuchen, wohin die Reise geht, aber ich dachte zuvor immer: Wenn mal im Ausland arbeiten und leben, dann wäre Australien mein Favorit. Ansonsten wären Kanada und Japan weitere Kandidaten gewesen, allerdings war Japan nach der Nuklearkatastrophe letztes Jahr dann raus.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt?
An meinem ersten Tag hat mich ein Arbeitskollege, der ursprünglich auch aus Deutschland kommt, aber schon seit drei Jahren in Australien arbeitet und lebt, vom Hotel abgeholt und in die Stadt gefahren. Zum ersten Mal das Opera House und die Harbour Bridge bei schönstem Sonnenschein sehen, das war schon aufregend. Kaffee trinken in der Opera Bar und am Darling Harbour und durch die Stadt spazieren, das war ein nettes Sightseeing Programm. Aber am Folgetag begann der Ernst des Lebens mit der Arbeit ...


Was war dein größter Kulturschock?
Die Arbeitsmentalität. Ich muss sagen, dass die Australier (ich nenne jetzt einfach mal alle Australier, die hier eine Permanent Residency oder Citizenship haben – denn ab wann kann man sagen: Du bist Australier?), die ich zu Beginn privat kennengelernt habe super hilfsbereit, liebenswert, interessiert und aufgeschlossen mir gegenüber als neuer Person waren. Auch bei der Arbeit schien der Eindruck identisch zu sein, aber nach wenigen Monaten verblasste dieser Schein. Künstliche Fassaden kann man nicht allzu lange aufrecht halten. Nun ist der Eindruck wie folgt: »Australier« gehen im Allgemeinen nicht gern arbeiten. Und wenn sie sich dann morgens aufgerafft haben und bei der Arbeit erscheinen, sollte man es bloß nicht wagen sie zu stören. Denn der Durchschnittsangestellte scheint zu denken: Ich werde für Anwesenheit bezahlt, nicht für Leistung. Das schlimme daran ist, dass die Führungskraft dies nicht sonderlich sanktioniert. Aber wie auch ... sie merken es ja meist nicht mal. Und wenn man dann auch noch die Dreistigkeit besitzt und versucht Abläufe, Prozesse und simple Tätigkeiten zu verbessern, dann hat man ganz verloren. Denn neben dem eigentlichen Arbeiten ist Veränderung ja immer noch das Schlimmste. Aber dies sind nur die Durchschnittsaustralier ... natürlich gibt es auch Ausnahmen ... wenige ...


Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir?
Mir fehlt meine Familie, meine besten Freunde, die Option sich schnell mal treffen zu können, das Grün in Deutschland, die Luft draußen zum Atmen, die Traditionen wie das Sonntags-Frühstück mit der Familie, mit deutschen Brötchen, Aufschnitt und ganz viel leckerem Käse, das Essen gehen, bei dem man qualitativ gutes Essen zu einem anständigen Preis bekommt, Wohnfläche die sogar als Eigentum finanzierbar ist, 20 km, die in maximal 20 Minuten mit dem Auto zu bewältigen sind, die Kollegen und Arbeitskultur der deutschen Firma ...

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben?
»Laid back«, viel zu teuer und ein wenig strukturlos.

Was gefällt dir besonders gut an Australien?
Die Strände und die Sportbegeisterung hier.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Die Arbeitskultur mit der fehlenden Arbeitsmotivation, den fürchterlichen Verkehr bzw. die fehlende Infrastruktur für eine 4 Millionen Einwohnerstadt, die Wucher-Preise in Supermärkten und Restaurants, den Lebensstil der Australier.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien?
Da Australien so unglaublich groß ist, habe ich es bislang mit den wenigen Urlaubstagen, die man als australischer Angestellter hat, nur nach Brisbane im Norden, Canberra im Inland, Tasmania außerhalb von der großen Insel und an der Küste entlang nach Melbourne und ein bisschen weiter zu den Twelve Apostles geschafft – definitiv einer der schönsten Fleckchen Erde hier, wobei die gesamte Strecke landschaftlich einfach super schön ist. Aber mein Lieblingsstrand ist und bleibt Hyams Beach, gut drei Stunden südlich von Sydney. Kaum Wellen, feinster weißer Sandstrand, ein super süßes freundliches Café mit leckerem Kaffee und Essen und noch hinzu mit nicht allzu vielen Besuchern.


Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Hhmm ... ich denke, dass es noch wesentlich unattraktivere Länder für eine Entsendung als Australien gibt. Aber je öfter oder länger man von »zu Hause« weg ist, desto mehr lernt man die Dinge, die dort gut laufen, zu schätzen und zu vermissen. Das »schlimmste« an Australien ist, dass es so weit weg ist. Nicht nur von Deutschland sondern irgendwie von allem. Würde man in Spanien leben, hätte man zumindest die Option hin und wieder mal nach Hause zu fliegen. So gibt es diese Option leider nicht. Und da Australien außer Fisch und Rindfleisch nichts günstig kann, sind die Flüge in der Regel auch noch super teuer. Eine Erfahrung ist es aber allemal wert.

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an?
Nein, ich liebe Abwechslung und kann mich mehrerer Begrüßungsfloskeln sogar in der Englischen Sprache bedienen.

Isst du Vegemite zum Frühstück?
Niemals ... widerlich .... baaahhhh!

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Ich kann mich selbst als Glückskind bezeichnen, dass ich direkt in der ersten Woche in Australien über Zufälle und Umwege meinen jetzigen Freund kennengelernt habe. Er selbst ist nach Australien ausgewandert und so haben wir Weihnachten, Deutsche feiern ja immer noch am 24. Dezember, zu zweit erst am Strand, dann mit einem leckeren Essen, Geschenken und später mit Freunden in der Mitternachtsmesse in der St Mary Cathedral verbracht. Ohne ihn wäre es ein Graus gewesen, aber so war Weihnachten sehr schön.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du?
Zum Schwimmen bevorzuge ich Buchten, in denen das Meer wellenfrei ist und ich somit alles, was um mich herum im Wasser passiert sehen kann. Zum Erholen liebe ich das Geräusch der Wellen, aber aufgrund der vielen giftigen Quallen, der Haie und was es sonst noch so in Australien gibt, traue ich mich dort kaum ins Wasser, höchstens zum schnellen Abkühlen im Sommer.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots?
Haha, ja ... aber kein in Australien, sondern in den USA erworbenes Paar. Und ich bin sehr froh, dass ich es habe, denn die australischen Winter sind kälter, als ich es angenommen hatte.

No worries!

FOTO: NINA FISCHER

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