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Ein Herz für Tiere?

Wie viel wisst ihr über den Tierschutz in Australien, wie gut seid ihr informiert? Ich höre immer wieder von anderen Auswanderern, die entsetzt über manche Praktiken sind, die in Australien toleriert werden. Skandale im Bereich Tierschutz umfassen unter anderem das Leiden verstümmelter Schafe auf Australiens Wollfarmen, das gezielte Töten von Koalas (die auf der Liste der bedrohten Tierarten stehen) in überbevölkerten Regionen, die Jagd auf Haie (die unter Artenschutz stehen) in Westaustralien, die Massaker an wilden Pferden und Kamelen oder die weit verbreiteten puppy factories, in denen Hunde in Zuständen die der Massentierhaltung gleichen, am laufenden Band Welpen zur Welt bringen, die dann in Zoofachhandlungen verkauft werden. Anders als in Österreich und vielen anderen europäischen Ländern ist auch die Haltung von exotischen Wildtieren in Zirkussen und das Betreiben von Delfinarien erlaubt.

Umstrittener Tierschutzverband
Laut Statistiken des größten australischen Tierschutzverbandes RSPCA haben 40% aller Haushalte in Australien einen Hund und 29% eine Katze. Trotz der großen Beliebtheit von Haustieren wurden im Jahr 2013/14 sowohl 7.313 unvermittelbare Hunde, als auch 15.491 Katzen eingeschläfert. Hier ist es, anders als z.B. in Österreich, legal ein kerngesundes Tier einzuschläfern, wenn »es niemand haben will und kein neues Zuhause gefunden werden kann«. Dies betrifft momentan ca. 15% aller Hunde und 30% aller Katzen, die im Tierheim landen. Im Jahr 2010/11 war die Zahl der eingeschläferten Tiere noch doppelt so hoch (30% aller Hunde und 60% aller Katzen), ist jedoch aufgrund heftiger Kritik seither stetig gesunken.

Was uns die Rennindustrie lieber verheimlicht
Pferde- und Hunderennen erfreuen sich in Australien nicht nur äußerster Beliebtheit, sondern werden auch immer wieder stark kritisiert. Rennpferde, die nicht genug Potenzial zeigen oder verletzt sind, werden größtenteils ausgesondert und zu Hundefutter verarbeitet. Sie können bei Auktionen für sehr geringe Summen ersteigert werden – nur wenige haben jedoch das Glück, einen neuen Besitzer zu finden. Es gibt zwar keine offiziellen Zahlen, laut Schätzungen werden pro Jahr aber mindestens die Hälfte aller Vollblüter, die für Pferderennen gezüchtet werden, entsorgt. Dies entspricht ca. 8.000 Pferden die als »Abfallprodukt« jährlich beim Schlachter landen. Noch schlimmer sieht es bei den Hunderennen aus. Neben der umstrittenen Praxis, Greyhounds mit lebender Beute zu trainieren – normalerweise Kaninchen, Ferkeln oder Possums – kann auch das Schicksal der Hunde, die raus aus dem Renngeschäft sind, nur als hoffnungslos bezeichnet werden. 17.000 Hunde, das sind 96% aller für Hunderennen gezüchteten Greyhounds, werden pro Jahr getötet, weil sie kein Potenzial zeigen, ausgedient haben oder aufgrund ihrer antrainierten Verhaltensweisen nicht in ein normales Familienleben integriert werden können. Es gab bereits Skandale über Tierärzte, die mit dem Einschläfern von völlig gesunden jungen Hunden Profit machen und mehrere Massengräber, in denen die Gebeine von Hunden gefunden wurden – vermutlich erschossen oder zu Tode geprügelt.

Freilandhaltung – gibt es das tatsächlich?
In der australischen Eierindustrie gibt es weder nationale Standards, noch eine einheitliche Kontrollinstanz. Der Begriff free range, auf deutsch Freilandhaltung, ist nicht per Gesetz definiert und kann daher frei interpretiert werden. Nur weil also free range drauf steht, muss das noch lange nicht heißen, dass die Hühner artgerecht gehalten werden. Eine Firma kann z.B. angeben, dass ihre Eier aus Freilandhaltung stammen, muss jedoch nur die eigens auferlegten Standards beachten. Dies kann mitunter heißen, dass statt der gängigen Praxis, nicht mehr als 1.500 Hennen pro Hektar zu halten, 10.000 oder sogar 20.000 Hennen pro Hektar gehalten werden. Weiters sind die Firmen nicht dazu verpflichtet, Daten zu veröffentlichen. Auch das Wort organic bedeutet nicht unbedingt, dass die Eier aus ökologischer Haltung stammen, sondern kann lediglich darauf hinweisen, dass bei der Fütterung auf Zusatzstoffe verzichtet wird. Konsumententäuschung wird in der australischen Lebensmittelindustrie ziemlich offen betrieben. Skandale in den letzten Jahren haben jedoch dazu geführt, dass die Einführung nationaler Standards nun endlich diskutiert wird.

Spitzenreiter im Fleischkonsum
Australier lieben Fleisch. Laut diesem Bericht konsumierte der Durchschnittsaustralier im vergangenen Jahr 90 Kilogramm Fleisch. Damit ist Australien Spitzenreiter im Fleischkonsum und hat mittlerweile sogar die USA, die Jahre lang an erster Stelle stand, überholt. Besonders beliebt ist Hühnerfleisch, aber auch Rindfleisch wird gern gegessen und Schweinefleisch – traditionell nicht sehr beliebt bei den Australiern – ist ebenfalls auf dem Vormarsch, Tendenz steigend. Während viele Rinder in Australien ein relativ angenehmes Leben führen, einen Großteil ihres Daseins draußen verbringen und mit Gras gefüttert werden, stammt ca. 95% des Schweinefleischs und Hühnerfleischs aus industrieller Massentierhaltung. Weder für die Schweine- noch die Hühnerhaltung gibt es festgelegte nationale Standards und das Wort free range wird hier genauso irreführend und willkürlich verwendet, wie in der Eierindustrie. Wer sich weiterbilden möchte, der kann sich bei Animal Welfare Labels einen Überblick über einige im Supermarkt erhältliche Produkte verschaffen.

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FOTO: DAVID KENT (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Flüchtlingskrise – Wie reagiert Australien?

Das kennen wir auch aus Europa: Nicht immer stimmt die Meinung des Volkes mit den Taten der Politiker überein. In Angesicht der weltweiten Flüchtlingskrise gerät Australiens Regierung jedoch zusehends unter Druck. Während Länder wie Deutschland Kriegsflüchtlinge willkommen heißen und zugesagt haben, 500.000 und mehr aufzunehmen, kristallisieren sich in Australien gerade zwei Dinge heraus.

Zum Ersten scheint der Plan, Asylsuchende in Kambodscha anzusiedeln, nun endgültig in sich zusammen zu brechen. 55 Mio. Australische Dollar hat diese fragwürdige Aktion bisher gekostet. Die australische Regierung verbannt Bootsflüchtlinge, die versuchen, die australische Küste zu erreichen, seit einigen Jahren auf die pazifischen Inseln Nauru oder Manus Island, in so genannten »offshore detention centres«. Alle Flüchtlinge, die dorthin kommen, haben keine Chance, in Australien angesiedelt zu werden. Das Problem ist nur, dass diese armen Inselstaaten unmöglich so viele Flüchtlinge aufnehmen können, daher hat Premierminister Tony Abbott vergangenes Jahr mit Kambodscha einen neuen Deal geschlagen: 55 Mio. Australische Dollar dafür, dass anerkannte Flüchtlinge, die in Nauru oder Manus Island festsitzen – anstatt in Australien – in Kambodscha angesiedelt werden. Und das Resultat? Gerade einmal vier Personen wurden seit Juni in dem Dritte-Welt-Land aufgenommen. Einer von ihnen möchte laut Medienberichten nun freiwillig in seine alte Heimat zurückkehren.

Zum Zweiten soll Australien nun auch seinen Teil zur weltweiten Flüchtlingskrise beitragen und mehr Asylsuchende aus Syrien aufnehmen. Dem hat die australische Regierung am vergangen Sonntag zwar zugestimmt, sich gleichzeitig aber ein Hintertürchen offen gelassen: Es sollen in Zukunft zwar mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen werden, dafür aber weniger Menschen aus anderen Krisengebieten. Die Quote muss gleich bleiben. Gleichzeitig ist eine heftige Diskussion darüber entbrannt, dass nur christliche Syrer aufgenommen werden sollen. Die vorherrschende Stimmung im Parlament: »Wir wollen keine muslimischen Männer«. Die australische Regierung ließ heute verlautbaren, dass ein Entschluss gefallen sei. Premierminister Tony Abbott hat zur Überraschung aller nachgegeben: Zusätzlich zur jährlichen Flüchtlingsquote von 13.750, sollen nun auch 12.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen werden. Bedingung bleibt jedoch, in erster Linie »verfolgten Minderheiten« eine permanente Aufenthaltsbewilligung in Australien zu gewähren.

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FOTO: MICHAEL COGHLAN (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Australiens Energiewende

Premierminister Tony Abbott hat den erneuerbaren Energien den Krieg erklärt. Obwohl das Land sehr viel Potenzial im Bereich Wind- und Solarenergie hätte – riesige Küstengebiete und viel Sonnenschein sorgen für ideale Bedingungen – verhält sich die Regierung zögerlich und rückwärts denkend. Erst kürzlich ließ der Premierminister verlautbaren, »Windfarmen sind hässlich und laut und wer weiß, was sie sonst noch für (gesundheitliche) Auswirkungen haben«.

Investitionen in erneuerbare Energien sind seit Beginn der Amtszeit der derzeitigen Regierung stetig gesunken, Förderungen wurden gestrichen. Gerade im Bereich Solarenergie ist die Wende spürbar: Die Installation von Photovoltaik Anlagen ist von 2012 auf 2013 um mehr als die Hälfte gesunken. Der geplante Ausbau der erneuerbaren Energien – ein Beschluss der vorherigen Regierung, deren Vision es war, die Energiegewinnung durch fossile Brennstoffe bis 2030 auf 43% zu reduzieren – soll nun noch weiter verlangsamt werden. Anstatt 41.000 Gigawattstunden, sollen bis 2020 nur 33.000 Gigawattstunden pro Jahr durch Solar- und Windenergie gewonnen werden. Laut Schätzungen sind das nicht mehr als 20%.

Diese Woche wurde ein weiterer Beschluss der Regierung gefasst: Die Clean Energy Finance Corporation, die von der vorherigen Regierung ins Leben gerufen wurde, um innovative Technologien zu fördern, die zur Reduktion des CO2-Ausstoßes beitragen, darf in Zukunft nicht mehr in Windenergie investieren. Auch die Installation von Photovoltaik Anlagen soll nicht mehr unterstützt werden. Laut dem Jahresbericht des Unternehmens wurden 2014 insgesamt $900 Mio. Australische Dollar investiert. 33% ging an Solarenergie, 30% an den Bereich Energie Effizienz, 21% an Windenergie und 16% an andere Technologien.

Grund für die Abwendung von einer progressiven Klimapolitik dürfte die Kohleindustrie sein, die demnächst weiter ausgebaut werden soll. Kohle ist günstig, während der Ausbau von Wind- und Solarenergie teuer ist. So ließ die Regierung diese Woche ebenfalls verlautbaren, dass Verhandlungen mit einem chinesisches Unternehmen geführt werden, das eine Kohlemine in New South Wales, fünf Stunden Autofahrt entfernt von Sydney, eröffnen möchte. Nicht nur die ansässigen Farmer sind besorgt, dass in einem der fruchtbarsten Gebiete in Australien eine Mine entstehen soll, auch Umweltaktivisten sind alarmiert, leben auf dem 847 Hektar großen Gebiet auch 262 Koalas, deren Lebensraum komplett zerstört werden würde.

Derzeit stammen übrigens 88,2% der gewonnenen Energie in Australien aus fossilen Brennstoffen, 8,1% aus Wasserkraft und 3,7% aus Windenergie.

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FOTO: CERTIFIED SU (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Australien: Rauchen ist out

Denjenigen unter euch, die schon mal in Australien waren, ist sicher aufgefallen, wie wenig Raucher man hier sieht. Sydney ist eine absolute Nichtraucher-Stadt, wie generell der gesamte Bundesstaat New South Wales und sowieso der Großteil Australiens. Raucher sind hier so dünn gesät, dass es einem richtig auffällt, wenn man plötzlich irgendwo Zigarettenqualm schnuppert. Denn Rauchen ist so gut wie überall verboten: in Lokalen, an öffentlichen Plätzen, in Bars und Restaurants, am Flughafen, in Sportstadien, im Umkreis von zehn Metern um Kinderspielplätze, im öffentlichen Schwimmbad, teilweise auch an den Stränden, auf Märkten oder Veranstaltungen unter freiem Himmel, an Bushaltestellen, Bahnhöfen und Taxiständen. Wer Zigarettenstummel unachtsam aus dem Autofenster wirft, muss ebenfalls mit einer Geldstrafe in der Höhe von 200 Dollar rechnen.

Seit 2012 dürfen Zigaretten in Australien nicht mehr beworben werden und nur mehr in einer einheitlichen »Schockverpackung«, d.h. großflächige Bilder von Krebsgeschwüren, verfaulenden Beinen und Raucherlungen, verkauft werden. Das Markenlogo darf seither nur mehr ganz klein in einer Ecke stehen. Auch in den Shops dürfen Zigaretten nicht mehr ausgestellt, sondern nur mehr über die Theke verkauft werden. Ab Juli 2015 wird das Anti-Raucher-Gesetz in New South Wales noch einmal verschärft. Einerseits wird die 4-Meter-Regel ausgeweitet, die besagt, dass vor Eingängen zu öffentlichen Gebäuden, Restaurants, Bars, Cafés, Krankenhäusern, Kirchen, Schulen, Einkaufszentren, Hotels, Geschäftseingängen etc. nicht mehr geraucht werden darf, andererseits ist das Rauchen im Außenbereich von Lokalen und in Autos, in denen Kinder unter 16 Jahren mitfahren, in Zukunft verboten.

Die australische Regierung gibt jedes Jahr mehrere Millionen Dollar für Anti-Raucher-Kampagnen aus und gehört zu den Ländern, mit den schärfsten Anti-Raucher-Gesetzen der Welt. Es verwundert einen also nicht, dass hier so wenig Menschen zum Glimmstängel greifen. Rauchen wird in der Gesellschaft generell als uncool betrachtet, Raucher werden wegen ihres Lasters eher belächelt und erleben eine ständige Verunsicherung, da sie vor allem im öffentlichen Stadtleben nirgends rauchen können, ohne möglicherweise ein Gesetz zu brechen. Einen Artikel zu diesem Thema aus der Sicht eines Australiers gibt es hier.

Und was sagen die Statistiken? Laut einer Umfrage von 2014 greifen nur 12,8% aller Australier über 14 Jahren täglich zur Zigarette. 1991 waren es noch 24,3% – die Zahl der Raucher hat sich demnach in den vergangenen 23 Jahren um die Hälfte verringert. Zigaretten dürfen in Australien übrigens erst ab dem 18. Lebensjahr legal erworben werden.

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FOTO: RIC MCARTHUR (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Australien: Ein liberales Land?

Was meint ihr, ist Australien ein fortschrittliches Land? Was für Rechte hat man hier, wo wird Toleranz gezeigt, wer wird benachteiligt, wie streng sind die Gesetze und wie groß sind die persönlichen Freiheiten, die man hier genießt? Ein kleiner Überblick über einige aktuelle Themen.

Diskriminierung
Lange Zeit hat der australische Staat die so genannte White Australia Policy verfolgt, die zum Ziel hatte, die Einwanderung von Nicht-Weißen konsequent zu unterbinden. Erst 1975 wurde die Diskriminierung von Andersfarbigen mit dem Racial Discrimination Act endgültig abgeschafft. Seither hat sich viel getan. Mittlerweile gibt eine ganze Reihe an Gesetzen, die Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht, Behinderung oder Alter unterbinden sollen. In der Realität lässt sich das aber selbst in einem heute sehr multikulturellen Land wie Australien nicht immer umsetzen. Studien zufolge hat man auf dem Arbeitsmarkt zum Beispiel sehr viel bessere Chancen, wenn man einen englischen Namen hat.

Homosexualität
Die gleichgeschlechtliche Ehe wird in Australien nicht anerkannt. Der Bundesstaat Australian Capital Territory hat mit dem Marriage Equality Act 2013 versucht, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren. Der Beschluss wurde jedoch auf Bundesebene mit der Begründung zerschmettert, dass ein Gesetz wie dieses nicht von den einzelnen Ländern beschlossen werden kann. Anders sieht es bei der Adoption aus, diese wird nämlich auf Landesebene geregelt und ist in einigen Bundesstaaten für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt. Sydney gehört übrigens zu den schwulenfreundlichsten Städten der Welt, in der auch jedes Jahr das berühmte Mardi Gras Festival stattfindet.

Abtreibung
Die Abtreibungsraten in Australien sind, wenn man den Medien und Abtreibungsgegnern glaubt, sehr hoch. Es werden aber mit Ausnahme von Südaustralien in keinem Bundesstaat relevante Daten gesammelt und veröffentlich. Laut Statistiken wurden im Jahr 2011 ca. 20% aller Schwangerschaften in Südaustralien abgebrochen. Abtreibungsgesetze sind auf Landesebene geregelt und werden zum Beispiel in New South Wales generell als legal betrachtet, »wenn der zuständige Arzt feststellen kann, dass einer Frau durch eine bevorstehende Schwangerschaft ernste physische oder psychische Schäden drohen, wobei wirtschaftlicher und sozialer Druck ebenfalls als Grund genannt werden können«. Die einzigen Bundesstaaten, in denen Abtreibung ohne wenn und aber legal ist, sind Victoria (bis zur 24. Woche) und das Australian Capital Territory. Eine Umfrage des Medical Journal Australia im Jahr 2010 ergab, dass 61% der befragten Australier der Meinung sind, dass Frauen im ersten Trimester der Schwangerschaft das uneingeschränkte Recht auf Abtreibung haben sollten.

Prostitution
Prostitution ist in Australien auf Landesebene geregelt und mittlerweile in allen Bundesstaaten legalisiert worden. Das heißt, der Akt der Prostitution an sich wird als legal erachtet. Je nach Staat gelten jedoch unterschiedliche Bedingungen. In Westaustralien, Südaustralien, Tasmanien und dem Northern Territory sind Bordelle beispielsweise verboten. Die strengsten Regelungen, durch die Sexarbeiter immer noch stark kriminalisiert werden, hat Südaustralien. New South Wales hingegen ist moderat: Prostitution, Straßenstrich und Bordelle sind erlaubt, es gilt jedoch ein Werbeverbot und die Bordelle dürfen nicht in Sichtweite von Wohnungen, Schulen, Kirchen oder Krankenhäusern sein.

Immigration
Jährlich emigrieren an die 190.000 Menschen nach Australien. Die Zahl der bewilligten Arbeitsvisa ist ungefähr doppelt so hoch, wie die Zahl der Familienzusammenführungen. Australien ist generell sehr offen gegenüber Einwanderern, so lange diese (wortwörtlich) den Preis dafür bezahlen, denn ein Visum für Australien ist nicht gerade günstig und auch mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden. Wer eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung will, muss sowohl einen Gesundheitscheck als auch einen Charaktertest bestehen. Unter anderem wird auf AIDS und Tuberkulose getestet. Sollte das Ergebnis positiv ausfallen, kann einem mitunter die Einreise verweigert werden.

Asylrecht
Australien ist Unterzeichner der Genfer Flüchtlingskonvention, wird aber aufgrund der harschen Asylpolitik immer wieder in der Weltöffentlichkeit angeprangert. Nur 3% aller Flüchtlinge kommen über den Seeweg nach Australien, trotzdem wird von der Regierung eine regelrechte Hetzkampagne gegen die so genannten boat people betrieben. Die Flüchtlinge werden entweder direkt auf hoher See abgefangen und zur Umkehr gezwungen oder in notdürftige Lager auf abgelegene pazifische Inseln gebracht. Australien bezahlt arme Staaten wie Nauru und Papua-Neuguinea – seit kurzem existiert auch ein Vertrag mit Kambodscha – riesige Summen, damit diese die »australischen« Flüchtlinge aufnehmen. Die Flüchtlinge müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Lagern ausharren, ohne zu wissen, wann oder ob ihr Antrag auf Asyl in Australien bearbeitet wird. Auch schwangere Frauen und Kinder werden inhaftiert. Diejenigen, die Glück haben, verbringen die oftmals lange Wartezeit in Internierungslagern auf dem australischen Festland.

Australien ging kürzlich noch einen Schritt weiter und erließ ein neues Gesetz, das schwer im Verdacht steht, gegen internationales Recht zu verstoßen. Es erlaubt der Regierung unter anderem, anerkannten Flüchtlingen den Daueraufenthalt zu verweigern, indem ihnen nur ein temporäres Visum ausgestellt wird. Weiters hat sich die Regierung rechtlich abgesichert, Flüchtlinge, die auf hoher See abgefangen werden, direkt in ihr Heimatland zurück schicken zu können, selbst wenn ihnen dort möglicherweise Verfolgung und Tod droht.

Meinungsfreiheit
Laut Reporter ohne Grenzen befindet sich Australien auf Platz 25 der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit. Platz 1 wird von Finnland belegt, Österreich befindet sich auf Platz 7, Deutschland auf Platz 12. Die Pressefreiheit wird in Australien immer wieder zum Thema gemacht, gerne hätte der Staat mehr Kontrolle über die Berichterstattung in den Medien. Die Regierung versucht schon seit Jahren, Pressereformen durchzuführen. Im Oktober letzten Jahres wurde schließlich ein neues Gesetz verabschiedet, dass die Pressefreiheit zu Gunsten der Anti-Terrorbekämpfung einschränkt. Journalisten machen sich nun strafbar – ihnen droht bis zu zehn Jahre Haft – wenn sie über Einsätze des australischen Geheimdienstes berichten (deren Beteiligte übrigens strafrechtliche Immunität genießen), selbst wenn es dabei um die Aufklärung von Mordfällen geht und die Berichterstattung im öffentlichen Interesse steht. Auch Blogger, Tweeter und Whistleblower sind von dem neuen Gesetz nicht ausgenommen.

Das Demonstrationsrecht steht in Australien ebenfalls unter schwerem Beschuss. In mehreren Bundesstaaten sind bereits Gesetzesentwürfe zu einem Anti-Demonstrationsgesetz umgesetzt worden. Nach Queensland, Tasmanien und Victoria ist es jetzt auch in Westaustralien soweit. Demonstranten, die sich aus Protest an Objekte ketten oder Gegenstände bei sich tragen, die hierfür verwendet werden könnten, sollen in Zukunft bis zu zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe bis zu 24.000 Dollar drohen. Gleichzeitig erhält die Polizei die Macht, Demonstrationen aufzulösen und Leute zu verhaften, die im Verdacht stehen, das neue Gesetz brechen zu wollen.

Wahlrecht
In Australien ist man ab 18 Jahren wahlberechtigt. Die Bundestagswahl bzw. Nationalratswahl ist in Australien nicht freiwillig, sondern seit 1924 eine bürgerliche Pflicht. Wer nicht wählen geht, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Die Wahlbeteiligung ist in Australien dementsprechend hoch. Gleichzeitig wird Straftätern, die eine drei- oder mehrjährige Strafe im Gefängnis absitzen, das Wahlrecht entzogen. Ähnlich verhält es sich bei Menschen mit psychischen Erkrankungen. Auch ihnen kann das Wahlrecht unter Umständen abgesprochen werden. Aborigines haben das uneingeschränkte Wahlrecht in Australien übrigens erst 1965 erhalten.

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FOTO: KAYVEE.INC (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Buchtipp: Asylpolitik Australien

Wer sich für die australische Asylpolitik interessiert, sollte unbedingt folgende in den letzten Jahren erschienene Bücher lesen. Beide wurden von australischen Autoren verfasst. In dem Buch »The People Smuggler« erzählt Robin De Crespigny die wahre Lebensgeschichte von Ali Al Jenabi, einem Iraker der unter dem Regime von Saddam Hussein aufwächst, in dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib gefoltert wird und über viele Umwege ein Jahrzehnt später schließlich in Australien Asyl für sich und seine Familie findet. Sein Weg führt ihn zunächst in das kurdisch-irakische Grenzgebiet, er unternimmt erfolglose Fluchtversuche nach Syrien und in die Türkei, harrt Monate lang in UN Camps aus, landet zuerst im Iran und schließlich in Indonesien. Nachdem er jedoch von Menschenschmugglern betrogen wird, sieht er nur mehr einen Weg, um nach Australien zu gelangen: Um sich die Flucht zu finanzieren, wird er selber zum Menschenschmuggler.

Das Wort people smuggler hat einen bitteren Beigeschmack, man sollte jedoch nicht allzu vorschnell urteilen. Das Buch erforscht die Tiefen der menschlichen Seele, wie wir zu dem werden, was wir sind und zeigt, wozu Menschen in ihrer Verzweiflung fähig sind. Es stellt auch die berechtigte Frage: Würden wir in dieser Situation nicht genau gleich handeln, würden wir nicht alles tun, um unsere Familie in Sicherheit zu bringen, koste es was es wolle?

Das zweite Buch, »The Undesirables«, wurde vom Whistleblower Marc Isaacs geschrieben. Der junge Autor kam relativ überraschend zu einem Job bei der Salvation Army und wurde kurzerhand ins Flüchtlingslager auf die abgelegene pazifische Insel Nauru geschickt, wo Australien ein so genanntes off-shore processing centre betreibt. Was ihn dort erwartete, darauf war er nicht vorbereitet. Im Camp, das bei seiner Ankunft 2012 hauptsächlich aus notdürftigen Zelten bestand, herrschte beklemmende Stimmung. Ohne jegliche Ausbildung oder Training wurden die Angestellten der Salvation Army als Sozialarbeiter eingesetzt, die den Flüchtlingen im Alltag behilflich sein sollten. Die Männer sind im Camp zum Nichtstun verdammt, ohne zu wissen, ob und wann ihnen ein Visum erteilt wird. Die tägliche Perspektivenlosigkeit und Ungewissheit und die Sorge um die zurück gelassene Familie gipfelten in Protesten und gewalttätigen Ausschreitungen. Selbstverletzendes Verhalten und Selbstmordversuche standen an der Tagesordnung. Marc Isaacs beschrieb sein Erlebnis so: »Widerstandsfähige Männer, denen die Flucht aus Kriegs- und Krisengebieten gelungen ist, werden langsam aber sicher zu Staub zermalmt«.

Angestellte der Salvation Army müssen ein Geheimhaltungsabkommen unterzeichnen, Kameras sind auf Nauru streng verboten und für ein Visum muss man an die 8.000 Australische Dollar hinblättern. Die australische Regierung tut alles, um den Umgang mit Flüchtlingen hinter verschlossenen Türen zu halten. Marc Isaacs hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die australische Öffentlichkeit – wohlgemerkt gegen den Willen der Regierung – über die harschen und menschenunwürdigen Bedingungen in den Camps zu informieren und den Flüchtlingen dadurch eine Stimme zu geben. Mehr Infos zum Thema Asylpolitik findet ihr hier.

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Eingestellt von : Nina Fischer
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Tony Abbott unbeliebtester Premierminister

Der derzeitige australische Premierminister hat sich mittlerweile zu einer Art Hassfigur entwickelt. Er ist nicht nur äußerst unbeliebt bei seinen Wählern, sondern auch in der eigenen Partei. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage hat die derzeitige Regierung wachgerüttelt, denn sie zeigt, dass die Unzufriedenheit der Wähler nichts mit der Partei selber zu tun hat: Das Problem ist Tony Abbott.

Gebrochene Wahlversprechen, inkompetent, nicht vertrauenswürdig – das sind die Hauptkritikpunkte am derzeitigen Premierminister. Während der Amtszeit von Julia Gillard hat sich Tony Abbott vor allem dadurch beliebt gemacht, jeden Schritt der damaligen Premierministerin öffentlich anzuprangern: Sie sei inkompetent und unzuverlässig, ja gar die schlechteste Staatsführerin der australischen Geschichte. Damit konnte er seinerzeit viele Wählerstimmen gewinnen. Was die Australier damals wohl als richtig erachteten – Tony Abbott ihre Stimme zu geben und ihn zum neuen Premierminister zu machen – fällt ihnen nun auf den Kopf: Heute glauben nur noch 50% daran, dass Tony Abbott seines Amtes fähig ist. Dies ist das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Befragungen im Jahre 1995. Im Vergleich dazu konnte Julia Gillard, die beim Volk auch eher unbeliebt war, sogar an ihrem absoluten Tiefpunkt noch 53% erreichen.

Oppositionsführer Bill Shorten, der ebenfalls nicht als vertrauenswürdiger Politiker gilt (»nobody you would trust feeding your dog«, wie es der Sydney Morning Herald umschreibt), wird von den Befragten trotzdem als »stärker, zuverlässiger und kompetenter« eingestuft. Ironischerweise schließt sich der Kreis so wieder, denn alles was Bill Shorten bisher geleistet hat, ist sich Tony Abbott und seiner Politik entgegenzustellen – denselben Weg hat Tony Abbott damals mit Julia Gillard eingeschlagen und so die darauf folgende Wahl gewonnen.

Aber nicht nur die Wähler sind unzufrieden. Der Sydney Morning Herald schreibt: »Tony Abbott ist zu einer Bürde für seine eigene Partei geworden.« Und was meint er selber dazu? Der australische Premierminister verlautbarte bei einem Meeting vergangene Woche, dass 2014 ein Jahr voller Erfolge gewesen sei. Mehr dazu hier.

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Eingestellt von : Nina Fischer
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Demonstrationen in Australien

Selten sieht man die Australier in Scharen auf die Straße strömen, um gegen etwas zu demonstrieren. Als kürzlich in Sydney ein Marsch zur Rettung des Great Barrier Reefs stattfand, waren geschätzte 2.500 Leute anwesend. Annähernd gleich viele haben an der Demo in Manly gegen die Jagd auf Haie teilgenommen. Um so mehr hat es mich verwundert, dass beim March in March, der vor ein paar Tagen in ganz Australien stattfand, mehr als 100.000 Leute gegen die aktuelle australische Regierung protestierten. In Sydney demonstrierten etwa 12.000 Menschen, in Melbourne waren es an die 25.000.

Ich hatte immer schon gehofft, es gibt sie irgendwo da draußen – diejenigen Australier, die nicht immer nur alles achselzuckend hinnehmen. Was hat also die Leute dazu bewegt, ihre No-Worries-Mentalität über Bord zu werfen, sich ein Schild zu basteln und gegen etwas zu protestieren? Der Frust auf einen einzigen Mann – Premierminister Tony Abbott – der schon jetzt als unbeliebtester Staatsführer in Australiens Geschichte gilt. Viele der Nachrichten waren direkt an ihn gerichtet. Unter anderem waren Sprüche zu lesen wie Abbott government planet killers; seeking asylum is a human right – shame on you Tony Abbott; open for business, closed for humanity; people before profit und the whole world is watching. Das Motto der vielen unzufriedenen Australier am vergangenen Wochenende lautete: Not in our name. Dies kann auch als Stellungsname zur internationalen Kritik gesehen werden, der Australien in letzter Zeit mit Themen wie Klimawandel, Flüchtlingspolitik und Umweltschutz vermehrt ausgesetzt war.

Die australische Regierung hat es in ihrer kurzen Amtszeit seit vergangenem September geschafft, viele Menschen zu vergraulen. Von der verschärften Flüchtlingspolitik und der Förderung des Kohlebergbaus im Naturschutzgebiet des Great Barrier Reefs einmal abgesehen, hat die Abbott Regierung auch die Jagd auf Haie genehmigt (von denen viele unter Artenschutz stehen), plant den Weltkulturerbestatus unberührter Wälder in Tasmanien aufzuheben (damit diese abgeholzt werden können), will in Zukunft die Fördermittel für erneuerbare Energien einstellen und möchte Kürzungen im Bereich Gesundheit und Bildung vornehmen, um die Staatskasse aufzubessern. Weiters hätte Tony Abbott gerne der Rundfunkanstalt ABC den Saft im Ausland abgedreht, nachdem er deren Berichterstattung als »nicht positiv genug« empfunden hatte. Zudem sollen bzw. sind bereits verschärfte Demonstrationsgesetze in Australien eingeführt worden.

Und was sagt Tony Abbott zu den Protesten gegen ihn und seine Politik? Er tat das ganze mit einem Lächeln und seinem typisch überheblichen Machogehabe ab. Soweit er informiert sei, sei die St. Patricks Day Parade der einzige Marsch, der am 16. März in Sydney stattgefunden hat. Dass ganz Australien demonstriert hat, wurde von den Politikern eiskalt ignoriert. Und nicht nur das, auch die Medien haben das Ereignis zum größten Teil totgeschwiegen. So schaffte es am Tag darauf nicht mal ein einziges Foto in die gedruckte Ausgabe des Sydney Morning Herald.

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Eingestellt von : Nina Fischer
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Keine Chance für Flüchtlinge

Die im Ausland stark kritisierte australische Flüchtlingspolitik hat es wieder einmal in die deutschen Nachrichten geschafft. Die zunächst friedlichen Protestaktionen von Asylsuchenden, die auf der Insel Manus festgehalten werden, sind eskaliert. Was genau der Auslöser war, kann niemand mit Sicherheit sagen. Das Resultat ist jedoch ein Toter und 77 zum Teil schwer verletzte Personen. Link zum Artikel

Die australische Flüchtlingspolitik war immer schon eine der härtesten der westlichen Welt. Seit der Machtübernahme von Premierminister Tony Abbott sind die Maßnahmen »zum Schutze der eigenen Grenzen« jedoch zusehends verschärft worden. Flüchtlinge, die versuchen das australische Festland per Boot zu erreichen, werden auf offener See von der Küstenwache abgefangen und entweder zur Umkehr nach Indonesien gezwungen oder in ausländische Abfanglager abtransportiert. Diese Internierungscamps befinden sich auf den abgelegenen Pazifikinseln Manus (Teil von Papa-Neuguinea) und dem kleinen Inselstaat Nauru. 

Der australische Premierminister, John Howard, führte die so genannte »pazifische Lösung« im Jahr 2001 ein. 2008 wurden die Camps von Kevin Rudd geschlossen, nur um dann kurz vor den Wahlen 2013 wieder geöffnet zu werden. Die UNHCR kritisiert, dass die Haftbedingungen auf Manus und Nauru keinesfalls internationalen Standards entsprechen und beobachtet im Jahr 2013 gar »eine Verschlechterung in der allgemeinen Qualität von Schutz und Unterstützung für Asylwerber und Flüchtlinge, die über den Seeweg nach Australien kommen.« Auch der Umgang mit den vielen Kindern, die ebenfalls in den abgelegenen Internierungslagern leben müssen, wird von Seiten der UNHCR, aber neuerdings auch von der australischen Menschenrechtskommission, stark kritisiert.  Link zum Artikel

Vielleicht sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass rund 90% der Flüchtlinge, die in Australien um Asyl bitten, nach jahrelangen Verfahren und mehrjähriger Internierung auch als Asylsuchende anerkannt werden. Die Wahrheit wird daher gerne verdreht, wenn australische Politiker boatpeople als reine Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen, die gerne im »Traumland Australien« leben wollen. Dass die Zahl der australischen Bootsflüchtlinge im internationalen Vergleich winzig ist, zeigen auch die Reporte der UNHCR. Link zum Post

Trotzdem hat man in Australien eine Riesenangst vor der »Flut an Flüchtlingen«, die von der Bevölkerung gerne als eine Bande Krimineller angesehen werden, die ihnen womöglich noch die Arbeitsplätze wegnehmen. Auch die neue Kampagne »Keine Chance. Australien wird nicht ihre Heimat werden.« und der von der Regierung veröffentlichte Komik verdeutlichen, dass man in Australien weder Verständnis hat, noch Mitgefühl für Flüchtlinge zeigt: In einer universell verständlichen Bildsprache wird die Reise eines Flüchtlings aus Afghanistan bis ins pazifische Internierungscamp geschildert, wo dieser unter schrecklichen Bedingungen leben muss und sein Vorhaben schließlich zu bereuen scheint. Hätte er es in der Heimat nicht doch viel besser gehabt?

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Eingestellt von : Nina Fischer
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Rettet das Great Barrier Reef!

Selten schaffen es Ereignisse in Australien in die Weltnachrichten, vergangene Woche war die Bedrohung des Great Barrier Reefs jedoch auch in Deutschland und Österreich in den Schlagzeilen. Der 31. Jänner 2014 war ein schwarzer Tag für Australien, denn bis zu diesem Datum hatte die australische Regierung Zeit, der UNESCO zu zeigen, dass Maßnahmen zum Schutze des Great Barrier Reefs getroffen werden. Leider wurden an jenem Tag ganz andere Pläne für das Naturwunder Australiens bekannt gegeben: Der Hafen Abbot Point soll zum weltgrößten Kohlehafen werden, gleichzeitig ist der industrielle Ausbau der gesamten Küstenregion geplant, unter anderem wurde auch der Bau von sechs neuen Minen genehmigt. In Zukunft sollen mindestens 7.000 Schiffe pro Jahr am Great Barrier Reef entlang fahren. Hinzu kommt, dass der Schlamm, der bei der Ausbaggerung des Hafens Abbot Point als Müll anfällt – drei Millionen Kubikmeter um genau zu sein – zur Entsorgung ins Riffgebiet gekippt werden darf. 

Australien ist bereits der größte Kohleexporteur der Welt und hat große Pläne für die Zukunft. Noch mehr soll abgebaut und exportiert werden, auch neue Arbeitsplätze werden dadurch geschaffen. Die Wirtschaft des Landes ist mehr oder weniger komplett abhängig vom Profit des Rohstoffabbaus und dessen Export. Dabei scheint es die Regierung gar nicht zu stören, dass die Umwelt leider auf der Strecke bleibt. Australien hat auch von allen Industriestaaten den höchsten Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 – dieser ist etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Einen umfangreichen Artikel zu diesem Thema gab es auch in der Süddeutschen Zeitung. Hoffen kann man nur, dass Australien wenigstens nicht die Schande erspart bleibt und die UNESCO ihre Drohung doch noch wahrmacht und das Great Barrier Riff als bedrohtes Weltkulturerbe auf die Rote Liste setzt.

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Antiaustralische Berichterstattung

In Australiens neuer Regierung wird wieder einmal der Pressefreiheit die Axt an den Hals gehalten. Diesmal hat es der derzeitige Premierminister Tony Abbott auf die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ABC abgesehen, die – seiner Meinung nach – in letzter Zeit vermehrt anti-australische Berichterstattung betreibt. Auch würde es einigen Reportern an einer »positiven Haltung gegenüber der Heimmannschaft« mangeln. Es wird von Seiten des Bundeskabinetts nicht nur mit einer Budgetkürzung gedroht, sondern auch laut darüber nachgedacht, der ABC die Rechte zur Ausstrahlung ihres Programms im asiatisch-pazifischen Ausland zu entziehen. Link zum Artikel

Von Seiten der ABC wurde zuletzt sowohl die aktuelle Flüchtlingspolitik, als auch der Umgang mit dem »Verräter« Snowden und seinen Enthüllungen kritisiert. Der Regierung missfällt, dass die Medien ihre Entscheidungen und Aussagen nicht unterstützen – besonders die negative Berichterstattung im Ausland ist Tony Abbott ein Dorn im Auge. Etwas mehr Patriotismus hätte sich der australische Premierminister von der Rundfunkanstalt erwartet.

Tatsache ist jedoch, dass Australien ein demokratisches Land ist und die Regierung kein Recht dazu hat, die Berichterstattung der ABC zu kontrollieren oder zu zensieren. Aber deren finanzielle Unterstützung zu kürzen und ihnen Rechte zu entziehen  – wie zuletzt angekündigt – das können sie leider schon. Willkommen im Land, in dem man nicht kritisieren darf?

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Mythos Klimawandel

Was haben Australiens Premierminister Tony Abbott und mein australischer Verlobter gemeinsam? Sie glauben beide nur bedingt an den Klimawandel. Seit in ganz New South Wales Buschbrände in einem Ausmaß herrschen, wie sie normalerweise nur im Hochsommer vorkommen, ist auch die Debatte um den Klimawandel wieder entflammt. Kann es sein, dass diese infernalen Großbrände eine direkte Folge des Klimawandels und der Erderwärmung sind? In Australien spalten sich die Meinungen zu diesem Thema. Selten bin ich so vielen Menschen begegnet, die auf Nachhaltigkeit pfeifen und davon überzeugt sind, dass der Klimawandel und dessen Folgen schlicht und einfach ein Mythos ist.

Klar, die Langzeitauswirkungen des Klimawandels sind nicht zu 100% vorhersagbar und auch dass der Mensch durch sein Handeln der Alleinverursacher dieser Veränderungen ist, kann nicht eindeutig festgestellt werden. Die meisten Forscher sind sich jedoch einig und die Wahrscheinlichkeit, dass Klimawandel als ein reales globales Problem zu betrachten ist, ist daher sehr hoch. Aus diesem Grund »glauben« wohl die meisten Menschen auch daran. Vorsicht ist doch immer noch besser als Nachsicht. Viele Australier scheinen das jedoch etwas lockerer zu sehen, allen voran Premierminister Tony Abbott, der nur all zu gerne in der Öffentlichkeit betont, dass Klimawandel absoluter »bullshit« sei.

Was soll man also von der ganzen Debatte halten? Trägt der Klimawandel direkt dazu bei, dass die Häufigkeit von infernalen Buschbränden in Australien zunimmt? Die richtige Antwort ist wahrscheinlich: Es kann sein, es kann aber auch nicht sein. Ist es deshalb aber weise dies in aller Öffentlichkeit als totalen Schwachsinn zu bezeichnen? Laut Tony Abbott gibt es nämlich keinen direkten Link zum Klimawandel, viel mehr seien Buschbrände ein ganz normaler Teil des australischen Alltags. Link zum Artikel

Auch einige australische Tageszeitungen wie der Daily Telegraph scheinen das Thema Klimawandel eher kritisch zu betrachten. Ein kürzlich erschienener Kommentar eines britischen Journalisten/Wissenschaftlers brachte mich beim Lesen leicht in Rage, behauptet Matt Ridley doch darin, dass Klimawandel der Menschheit bisher mehr positives als negatives gebracht hat und wozu sollte man sich jetzt mit den Langzeitfolgen beschäftigen, die frühestens in 70 Jahren eintreten? »Kurz gesagt, meine Kinder werden schon sehr alt sein, wenn die Langzeitfolgen des Klimawandels einen negativen Einfluss auf unser Leben haben werden.« Na dann ist ja alles gut, Hauptsache wir machen uns jetzt ein schönes Leben. Matt Ridleys Enkelkinder sind ihm wohl egal.

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Australien hat gewählt

Das Krokodil Big Wendell, das im Darwin Crocodile Park lebt, hat es richtig vorhergesagt: Tony Abbott ist Australiens neuer Premierminister, der Kampf der zwei Großparteien Labor (sozialdemokratisch) und Liberal (liberal konservativ) ist zu Ende. Die Parlamentswahlen, die in Australien alle drei Jahre statt finden, gingen mit 85 gewonnenen Sitzen – von insgesamt 150 Mandaten – klar zugunsten der Liberal Party aus.

Neuer Premierminister Tony Abbott, katholisch und konservativ aus Leidenschaft, hat am Tag nach seinem Wahlsieg bereits verkündet, dass er als erstes die CO2-Steuer wieder abschaffen und die Flüchtlingsboote stoppen wird. Genauer gesagt will er eine Militäroperation ins Leben rufen, »die den Menschenhandel bekämpfen und Australiens Grenzen schützen soll«. Weiters hat er vor die Wirtschaft anzukurbeln, Steuern zu senken und neue Jobs zu schaffen. Ob er seine Wahlversprechen einhält, wird sich in Kürze zeigen.

Für Klimaschutz, Asylanten, Homosexuelle oder Frauen hat der neue Mann an der Macht relativ wenig übrig – zumindest wenn man seiner losen Zunge und seinen tollpatschigen Ausrutschern glauben schenkt. So beschrieb er die Qualitäten einer Parteikollegin anhand ihres Sex-Appeals, gab zu, dass er sich durch Homosexuelle ein bisschen bedroht fühle und behauptete, dass Klimawandel absoluter Blödsinn sei.

Man muss das Ganze mit etwas Humor sehen, denn zumindest sorgt der sportliche Australier, der übrigens privat sozial sehr engagiert ist, immer wieder für ordentlich Gesprächsstoff (oder Kopfschütteln). Mein Lieblingszitat ist dieses hier: »Meiner Meinung nach trennt das moderne Australien eine tiefe moralische Kluft von Nazi-Deutschland. Aber können wir uns so sicher sein, dass wir unter dem Druck der Zeit nicht die selbe rutschige Piste hinunter schlittern? Wir müssen uns nur mal die Abtreibungsrate in diesem Land anschauen.« Mehr dazu gibt es hier: Abbottism

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FOTO: JAYDENE CHAPMAN
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Wir sitzen alle im selben Boot

Und hier noch eine gelungene Aktion die vor einem Monat in Sydney stattfand, ins Leben gerufen von einer Gruppe Australier, denen die Kampagne »No Visa« auch nicht so gut gefallen hat. Mit einer Parodie als Antwort auf die fragwürdigen Regierungs-Poster möchten sie darauf aufmerksam machen, wie unseriös, böswillig und fehl am Platz die Kampagne eigentlich ist.

Die Poster, die in der Innenstadt von Sydney hingen, zeigen die Endeavour – das Schiff mit dem Captain Cook die australische Küste erstmals erreichte. Die Nachricht dazu heißt: »Du bist mit dem Boot und ohne Visum hier angekommen, du hast dich in Australien niedergelassen.« Damit zeigen sie mit Witz und Ironie auf, dass selbst die Vorfahren der Australier damals per Schiff nach Australien gekommen sind – und das ebenfalls ohne Visum. Noch dazu als Sträflinge.

In dem Artikel über diese Aktion wird auch hervorgehoben, dass die Kampagne der Regierung ein Budget von 30 Mio. Australische Dollar hat. Ein Megakonzern wie Coca-Cola würde im Vergleich dazu ca. 22 Mio. pro Jahr für Werbung ausgeben.

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FOTO: JESS MILLER (NEWS)
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Wahlkampf: Asylpolitik

Nicht nur in Österreich steckt man gerade mitten im Wahlkampf, auch in Australien wird am 7. September 2013 das neue Parlament gewählt. Vor ein paar Monaten gab es in Australien bereits einen unerwarteten Regierungswechsel bzw. einen Wechsel an der Regierungsspitze. Premierministerin Julia Gillard ist zurück getreten, nachdem eine Abstimmung im Parlament ergab, dass ihr Herausforderer Kevin Rudd mehr unterstützende Stimmen in der eigenen Partei hat. Kevin Rudd war bereits in einer früheren Amtszeit von 2007 bis 2010 an der Macht und wurde damals auf ähnliche Weise von Julia Gillard abgelöst.

Seit der neue bzw. alte Premierminister der Labor Party (sozialdemokratische Ausrichtung) im Amt ist, hat sich einiges geändert, was die Asylpolitik betrifft. Dabei steht vor allem eine viel kritisierte Kampagne der Regierung im Vordergrund, die folgende Message hat: »Wer mit dem Boot und ohne Visum einreist, wird in Australien kein Bleiberecht erhalten.« Für fremde Ohren mag dies vielleicht Fragen aufwerfen. Für die Aussies ist aber klar, was damit gemeint ist: Die als illegal bezeichneten Flüchtlinge, die unter Lebensgefahr versuchen, australischen Boden per Boot zu erreichen, um hier um Asyl zu bitten.

Nicht umsonst ist die Asylpolitik Australiens Wahlkampfthema Nummer Eins. Seit den 90er Jahren war es lange Zeit üblich, Flüchtlinge die mit dem Boot die australische Küste erreichten, auf abgelegene Inseln oder andere Inselstaaten wie Papua Neu Guinea abzuschieben. Unter der Regierung von Julia Gillard wurde diese Praxis erstmals wieder abgeschafft, nur um dann von der selben Regierung 2012 wieder eingeführt zu werden.

Die so genannte »pazifische Lösung« wurde seit der Machtübernahme von Kevin Rudd wieder verstärkt betrieben. Flüchtlinge, die Australien mit dem Boot erreichen, werden umgehend nach Papua-Neuguinea oder Nauru abtransportiert, wo sie in einem Auffanglager auf ihren Bescheid warten müssen. Selbst wenn dieser positiv sein sollte, heißt das nicht automatisch, dass sie sich in Australien ansiedeln dürfen, so die Regierung.

Tony Abbott, Oppositionsführer der Liberal Party (konservativ liberale Ausrichtung) kritisierte stets den »milden« Umgang Julia Gillards mit der Asylpolitik. Ginge es nach ihm, dann würde er sogar noch einen Schritt weiter gehen als derzeitiger Premierminister Kevin Rudd und die Boote mit Hilfe des Militärs bereits auf hoher See stoppen und zum Umkehren zwingen. Mal ganz außer Acht dessen, dass viele dieser Boote kaum seetüchtig sind und etliche Menschen bei dem Versuch, Australiens Festland zu erreichen, ums Leben kommen.

Umstritten sind auch die Methoden, die die aktuelle Regierung unter Kevin Rudd eingesetzt hat, um die Kampagne »No visa« in Umlauf zu bringen. 30 Mio. Australische Dollar wurden dafür ausgegeben – finanziert durch den Steuerzahler. Dabei soll die Kampagne in erster Linie Menschenschmuggler erreichen. Ob diese jedoch australische Tageszeitungen wie den Australian oder Sydney Morning Herald im Ausland lesen, ist fraglich. Man könnte ganz einfach sagen: Zielgruppe verfehlt. Oder man könnte sich fragen, ob die Kampagne nur unter dem Deckmantel der Asylpolitik ins Leben gerufen wurde und eigentlich versteckte Wahlwerbung ist. Die Labor Party hat unter Julia Gillard viele Unterstützer beim australischen Volk verloren und tut nun alles, um das Ansehen der Partei vor der Wahl noch einmal kräftig aufzupolieren.

Am kommenden Samstag wird sich also zeigen, ob der neue Premierminister der alte bleibt, der Asylansuchende gleich ausweisen lässt und ihnen jegliche Chance nimmt, sich jemals in Australien niederlassen zu können oder ob es der aktuelle Oppositionsführer wird, der die Flüchtlinge bereits auf hoher See zurück schicken will. Zum Glück muss ich mich nicht entscheiden, was ich wählen soll. Man darf gespannt sein.

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Hat das Great Barrier Reef eine Zukunft?

Das Great Barrier Reef erstreckt sich 2.600 km entlang der Küste von Queensland und ist als größtes Korallenriff der Erde bekannt. Seit 1981 gehört es zum UNESCO Weltkulturerbe und beheimatet 350 verschiedene Korallenarten, Wale, Delphine, Seekühe, Haie, Rochen, sechs der sieben weltweit vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten und an die 1.500 Fischarten.

Das außergewöhnliche Naturwunder ist das Traumziel jedes Touristen, der nach Australien reist. Die ernst zu nehmende Frage ist jedoch, wie lange das Great Barrier Reef in der jetzigen Form noch existieren wird. Die Bedrohung des Riffs hat im letzten Jahrzehnt langsam aber sicher zugenommen, das empfindliche Ökosystem wird in der Folge immer mehr aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Gesundheit des Riffs hängt in direkter Linie von dessen Korallendichte ab – seit 1985 sind jedoch bereits 50% der Korallen verschwunden. Daher müssen wir uns fragen: Werden unsere Enkelkinder dieses Naturwunder noch mit eigenen Augen betrachten können?

Bereits in den Jahren 2011 und 2012 fiel der Report der UNESCO äußerst negativ aus. Bedroht wird das Weltkulturerbe in erster Linie durch die Auswirkungen des Klimawandels (Naturkatastrophen und Erwärmung der Ozeane), schädigende Umwelteinflüsse (Wasserverschmutzung), sowie Australiens lukrativstem Wirtschaftszweig, der Kohlebergbauindustrie, die im Gebiet des Great Barrier Reefs wichtige Exporthäfen hat.

Bedrohung durch Klimawandel
Die ideale Wassertemperatur für das Ökosystem im Great Barrier Reef beträgt 28-30°C. Schon eine geringe Abweichung davon kann das empfindliche Gleichgewicht stören und verheerende Folgen haben. Durch den Klimawandel und die Erderwärmung nehmen auch die Temperaturen der Ozeane zu, was in weiterer Folge die so genannte »Korallenbleiche« auslösen kann – ein Prozess bei dem die lebenswichtige Symbiose zwischen Algen und Korallen zerstört wird. Im schlimmsten Falle kann dies zum Massensterben von Korallen führen. Ein empfindliches Ökosystem wie das Great Barrier Reef leidet aber auch unter Naturkatastrophen wie Fluten und Zyklone, die sich in Queensland jedes Jahr in den Sommermonaten häufen. Dabei können mitunter große Teile des Riffs zerstört werden. Die Korallen regenerieren sich zwar, das Riff erholt sich von selber, der Prozess dauert jedoch 10-20 Jahre.

Bedrohung durch Wasserverschmutzung
Im Hinterland von Queensland befinden sich etliche Farmen und Plantagen deren Felder mit Dünger bearbeitet werden. All das was im Laufe der Zeit dort weg gespült wird, landet irgendwann früher oder später im Meer. Der Überschuss an Nährstoffen im Wasser stört einerseits das Wachstum von Korallen und fördert andererseits die Verbreitung von Plankton und Algen. Dies führt in weiterer Folge zu einer explosionsartigen Vermehrung von Dornenkronen-Seesternen. Diese ungeliebte Spezies ernährt sich von Korallen und kann in »Großangriffen« ganze Korallenriffe kahl fressen. Laut Forschern fand ein Befall von Dornenkronen-Seesternen, der mit einer Heuschreckenplage auf dem Land verglichen werden kann, früher nur alle 50-80 Jahre statt. Heute tritt das Problem schon alle 15 Jahre auf, was den Korallen nicht genug Zeit zur Regeneration lässt.

Bedrohung durch Bergbauindustrie
Australien ist der größte Kohleexporteur der Welt. Im Hinterland von Queensland befinden sich riesige Abbaugebiete – und der Weg auf dem die Rohstoffe nach Asien abtransportiert werden, geht direkt durch das Great Barrier Reef. Auch die Erdgasindustrie wird in Queensland zusehends aufgebaut und soll sich ebenfalls der Häfen und Exportwege durch das Great Barrier Reef bedienen. Der Ausbau von mindestens sechs neuen Mega-Häfen ist teilweise geplant oder sogar bereits in Bau. Die neuen Transportwege müssen zuerst einmal freigebaggert werden, dass dabei Teile des Great Barrier Reefs zerstört werden, ist unumgänglich. Damit wird in Zukunft mindestens ein riesiger Tanker pro Stunde die Bewohner des Riffs stören. Es sollen 330 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr direkt durch das Great Barrier Reef befördert werden. Von einer möglichen Katastrophe ganz zu schweigen, sollte ein Schiff auf das Riff auflaufen. Was das für Folgen hat, weiß man bereits aus dem Jahre 2010, als ein chinesischer Tanker einen 3 km langen Schaden am Riff anrichtete und dabei vier Tonnen Öl verlor. Die Stelle des Great Barrier Reefs ist heute so gut wie unbewohnt, Experten schätzen dass es 10-20 Jahre dauern wird, bis sich das Riff davon erholt hat.

Höchste Zeit zum Handeln
Die Probleme um das Great Barrier Reef sind vielschichtig. Globale Erwärmung, Naturkatastrophen und deren Folgen sind schwerer zu bekämpfen als der Ausbau der Industrie. Laut Expertenmeinungen braucht das Ökosystem seine ganze Kraft und Energie, um sich ersteren Problemen zu stellen, denn das Korallenriff steht durch äußere Umwelteinflüsse bereits so stark unter Stress, dass ihm kaum Zeit bleibt, sich zu regenerieren. Eine zusätzliche Belastung durch die Industrialisierung könnte deshalb fatale Folgen haben.

Laut Expertenmeinungen die aus dem aktuellen UNESCO Report hervorgehen, hat Australien leider auch dieses Jahr darin versagt, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um das Great Barrier Reef zu schützen. Die australische Regierung wird vor allem bezüglich dem Ausbau der Exporthäfen zur Beförderung von Kohle und Erdgas stark kritisiert, weil sie offensichtlich nicht willens ist, aktiv in den Interessenkonflikt zwischen wirtschaftlichem Profit und dem Schutz des Great Barrier Reefs einzugreifen. In einem Ultimatum hat Australien nochmals bis 1. Februar 2014 Zeit bekommen, um sich der Probleme anzunehmen. Sollte dies nicht geschehen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die UNESCO das Great Barrier Reef als »gefährdetes Weltkulturerbe« auf die Rote Liste setzt.

Wollen die Australier das tatsächlich auf sich sitzen lassen? Schon jetzt spricht man von einer Schande. Wie soll man das der Weltöffentlichkeit erklären? Und noch viel wichtiger, wie soll man das seinen Enkelkindern erklären, wenn das Great Barrier Reef bis dahin nicht mehr existiert? Auch die Tourismusbranche hat verständlicherweise Angst, hängen gar 60.000 Jobs in der Queensland Tourist Industry von den Besuchern aus aller Welt ab, die jedes Jahr nach Australien kommen, um das Great Barrier Reef mit eigenen Augen zu bestaunen. Die Zukunft des großen Naturwunders scheint ungewiss. Alle beteuern, wie wichtig ihnen das Great Barrier Reef sei. Wie lange es jedoch allen Widrigkeiten zum Trotz bestehen kann, bleibt unklar.

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Pressefreiheit ade?

In Australien gibt es gerade eine große Diskussion über die Pressefreiheit. Die derzeitige Regierung unter Premierministerin Julia Gillard, die der sozialdemokratischen »Labor Party« angehört, hat vor kurzem angekündigt, dass eine so genannte Pressereform durchgeführt werden soll. Diese soll nach offiziellen Worten die »Meinungsvielfalt in Australiens Medienlandschaft fördern«. Inoffiziell heißt das aber, dass die Regierung dem Journalismus in Zukunft etwas genauer auf die Finger schauen wird, sollte die Reform tatsächlich durchgeführt werden.

Das erste Mal in der Geschichte Australiens versucht die Regierung in Zeiten des Friedens gezielt Einfluss auf die Inhalte von Tageszeitungen zu nehmen. Der Aufschrei gegen diese geplante Einschränkung der Pressefreiheit war (gegenüber anderen Themen) vergleichsweise laut. Australiens Journalisten wollen keine »Zensur« durch den Staat. Dabei fühlte sich besonders News Limited, einer der größten Medienkonzerne Australiens, gewaltig auf den Schlips getreten. Die meist gelesene Tageszeitung, The Australian, berichtet nur all zu oft kritisch über die aktuelle Regierung und soll dadurch »zum Schweigen gebracht werden«, meinen aufgebrachte Stimmen.

Gleichzeitig ergreift auch Tony Abbott, Oppositionsführer und Mitglied der konservativen »Liberal Party«, die Gelegenheit, um seine Wahlchancen für September 2013 zu verbessern: Sollte die Medienreform tatsächlich durchgeführt werden, wird er diese bei Machtübernahme sofort wieder abschaffen. Das kennt man doch schon von irgendwoher ... war da nicht mal was mit der Carbon Tax?

Dies führt mich auch zur folgenden Frage: Wo steht Australien überhaupt in der Rangliste der Pressefreiheit weltweit? Schaut man sich den Index von Reporter ohne Grenzen an, dann lag Australien in der aktuellen Zählung von 2013 auf Platz 26. Im Vergleich dazu, Österreich belegte Platz 12, die Schweiz Platz 14 und Deutschland Platz 17. Auf Platz 1 war übrigens Finnland, gefolgt von den Niederlanden und Norwegen. Etwas bedenklich finde ich, dass man im Netz kaum australische Berichte über dieses Ranking findet. Wie ich aber gelesen habe, will man auch in der EU die Pressefreiheit zusehends einschränken ... Eine gefährliche Entwicklung? Muss man sich Sorgen machen?

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FOTO: LEN MATTHEWS (FLICKR)
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Hypocrisy

Es gibt ein Wort, das bei uns bei weitem nicht so häufig verwendet wird, wie in Australien. Täglich hört man die Aussies sagen, irgendjemand anderer sei ein »hypocrite« oder man beschwert sich über die »hypocritical« Medienlandschaft und die immer schlimmer werdende »hypocrisy« in der Politik. Aber was heißt das nun genau? Die deutsche Übersetzung dafür lautet »Heuchler« oder »Scheinheiliger«. Die Australier erklären das so: Ein Heuchler ist jemand, der etwas predigt, zu dem er selber nicht steht. Oder jemand, der ständig seine Meinung ändert und widersprüchlich handelt. So ähnlich wie ein Lügner halt.

Manche Aussies beklagen sich darüber, dass die australische Gesellschaft nur aus Heuchlern und Lügner bestehen würde und die Politik einem dasselbige vorlebt. Irgendwie scheint auch jeder hier mal den Status eines »hypocrite« erlangt zu haben: Premierministerin Julia Gillard, Oppositionsführer Tony Abbott, Julian Assange, Australiens reichste Frau Gina Rinehart, Mahatma Gandhi, die katholische Kirche, Jamie Oliver, AFL Player Leigh Matthews und so weiter und so fort. Es scheint, als wäre dies geradezu ein Modewort. Dabei ist »hypocrite« in der australischen Alltagssprache doch eigentlich nichts anderes, als eine Umschreibung eines Lügners. Jemand, dem man nicht trauen kann, dem man nichts glauben darf. Das Gegenteil von einem aufrichtigen Menschen.

Was steckt also dahinter? Bei den Australiern scheint ein bisschen »hypocrisy« fast ein ganz normaler Charakterzug zu sein, den sich viele Menschen hier – ob bewusst oder unbewusst – aneignen. Dazu bin ich über einen interessanten Bericht gestolpert, als ich ein Magazin durchgeblättert habe. Der Verfasser schreibt darin (sinngemäß): »Wir Australier lieben Heuchler. Wir empfangen sie mit offenen Armen, wir entschuldigen ihr Verhalten und wir belohnen sie sogar dafür, indem wir ihnen zu Machtpositionen verhelfen.« Er stellt sich selber die Frage, warum das australische Volk die ganzen Lügen in Politik und Medien einfach so hinnimmt und beantwortet sie wie folgt: »Weil die Australier selbst den heuchlerischen Traum leben.« Sie beschweren sich über die teuren Lebenshaltungskosten, belasten aber weiterhin fleißig und ohne mit der Wimper zu zucken ihre Kreditkarte. Sie trinken selber nur fettarme Milch, stopfen ihre Kinder aber mit Chips, Cookies und Cola voll. Sie reden lauthals darüber wie gesund barfuß laufen ist, tragen aber weiterhin ihre 10 cm hohen Stilettos. Sie machen gerne Luxus-Urlaube und gehen dafür bevorzugt in Dritte Welt Länder.

So kommt mir das manchmal auch vor. Australier handeln gerne widersprüchlich. Es scheint hier einfach viel wichtiger zu sein, wie jemand dasteht und was die anderen über einen denken, ob man beliebt ist und bei jemandem punktet, als dass man ein aufrichtiger und ehrlicher Mensch ist. Da tut man doch lieber so als ob. Auch wenn eigentlich jedem klar ist, was gespielt wird. Und genau so machen’s die Politiker hier ja auch. Jetzt bleibt nur die Frage: Hat ihnen das australische Volk das abgeschaut oder war es vielleicht doch anders rum?

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Eingestellt von : Nina Fischer
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Einwanderungspolitik: Boat people

Australiens größte, schwierigste und umstrittenste Debatte – die Einwanderungspolitik. Sie werden gerne abwertend »Boat people« genannt, gemeint sind Flüchtlinge, die ihr Leben auf offener See riskieren, um die Küste Australiens und – in ihren Augen – das Land der Freiheit zu erreichen. Das Problem ist nur, hier will sie niemand.

Es ist ein schwieriges Thema, an das ich mich kaum heran wage. So verzwickt, so umstritten, so verfahren, so zerredet. Als Außenstehender fällt es schwer, sich bei dieser endlosen Debatte Durchblick zu verschaffen. Das erste was jedoch ins Auge sticht – auch wenn man das Thema nur am Rande mitbekommt – ist die Diskussion darüber, was ein Flüchtling, also jemand der um Asyl ansucht, eigentlich ist. Denn viele Australier sind der Meinung, dass all diese Leute, die mit dem Boot unter Lebensgefahr hier ankommen, gar keine richtigen Flüchtlinge sind, sondern eben Leute, die schlicht und einfach die Hoffnung auf ein besseres Leben in Australien haben (also wirtschaftliche Flüchtlinge). Dann frage ich mich aber, riskiert ein normaler Mensch wirklich sein Leben (und sterben tun viele auf der Überfahrt) oder das Leben seiner Kinder, nur um im »Traumland Australien« leben zu können? Ist ein Leben in völliger Armut, ohne Perspektiven, ohne Bildung, ohne Jobs nicht Grund genug?

»Die wollen kein Asyl, die wollen eine Permanent Residency in dem Traumland ihrer Wahl. Sonst hätten sie sich doch genau so gut an der Tür eines anderen Landes anklopfen können. Schließlich muss jeder dieser so genannten Flüchtlinge auf dem Weg nach Australien durch andere Länder reisen, bevor er in See stechen kann.« Solche oder so ähnliche Aussagen sind hier an der Tagesordnung. Viele Australier zeigen absolutes Unverständnis gegenüber den »Boat people«. Das allgemeine Gedankengut wird von Geiz, Hass und einer vehementen Abwehrhaltung regiert. Das Wort Bedrohung spielt dabei eine zentrale Rolle.

»Jene die mit dem Boot hierher kommen, drängeln sich vor und tun damit jedem Unrecht. Ist ja praktisch wenn man es sich leisten kann nach Indonesien zu fliegen, dann seinen Pass wegschmeißt um sich auf die Überfahrt nach Australien zu begeben und dort um Asyl ansucht. Währenddessen sind andere wirtschaftlichen Flüchtlinge brav zu Hause geblieben, um auf dem korrekten Wege um Asyl zu bitten. Boat people sollen sich hinten anreihen, wie jeder andere auch!« Genau diese Meinung vertreten auch viele Politiker und nennen diese folglich »illegale Asylansuchende«. Keiner der aber offiziell um Asyl ansucht – egal ob er mit dem Boot kommt oder es auf andere Weise macht – ist jedoch per Migration Act von 1958 als illegal zu bezeichnen. Die Zahl der tatsächlichen Illegalen (Menschen die sich ohne gültigem Visum in Australien aufhalten) ist 10 x höher, als die der Asylansuchenden. Zudem besteht jene Gruppe zumeist aus Briten, Iren und Amerikaner, die ihre Visen überziehen.

Wenn man so die Zeitungen liest und Radio hört und mitbekommt, was Politiker sagen und wie die Medien darüber berichten, dann könnte man wirklich den Eindruck gewinnen, dass Australien nahezu von Flüchtlingen überschwemmt wird. Jetzt interessieren mich aber auch die Fakten, die man natürlich nirgends liest. Und die schauen laut dem Bericht der UNHCR im internationalen Vergleich doch irgendwie anders aus als erwartet. Australien ist nämlich nicht – wie man hier durch die Medien den Eindruck gewinnt – eines der Länder, in denen eine unglaubliche Masse an Menschen jedes Jahr um Asyl ansucht. Im Gegenteil. Von 441.300 Asylsuchenden im Jahre 2011, haben 327.000 in Europa um Asyl gebeten. Das sind knapp 75% aller Antragsteller! Nach Ländern aufgeteilt schaut das ganze so aus:

1. Platz:    74.000 USA
2. Platz:    51.900 Frankreich
3. Platz:    45.700 Deutschland
4. Platz:    34.100 Italien
5. Platz:    29.000 Schweden

Platz sechs bis zwölf sind von Belgien, United Kingdom, Kanada, Schweiz, Türkei, Österreich und den Niederlanden belegt. Dann folgt Australien auf 13. Stelle mit 11.800 Asylansuchenden. Das sind nur 3% aller Antragsteller auf der ganzen Welt! Die USA hatte im Vergleich dazu 17% und Deutschland 10%. Man könnte also auch das kleine Österreich, das nur ein Drittel von Australiens Einwohnern hat und nur knapp ein Zehntel dessen Fläche misst, miteinander vergleichen: Beide müssen pro Jahr die gleiche Anzahl an Asylansuchenden bewältigen. Fakt ist auch, dass nach wie vor Europa, USA und Kanada die attraktivsten Länder für Flüchtlinge sind. Das »Traumland Australien« ist da – anders als behauptet – nicht dabei. Wenn die Australier also auch fähig wären, nicht nur alles nachzuplappern was einem von den Massenmedien hier eingetrichtert wird und stattdessen mal über den Tellerrand bzw. über die Grenzen Australiens hinausschauen würden, dann wäre ihnen vielleicht auch bewusst, wie unangebracht und peinlich ihr Verhalten eigentlich ist. Link zur UNHCR

Warum genau hat also Australien so ein massives Problem mit Flüchtlingen? Warum hat man hier solche Angst davor, überschwemmt zu werden? Warum dieser Hass und diese ganze Propaganda gegen Asylansuchende, die mit dem Boot hier ankommen? Kein Land nimmt Flüchtlinge mit offenen Armen auf. Kein Land kann dieses Thema auf die leichte Schulter nehmen. Aber warum ausgerechnet Australien – das sich nach Außen hin als Einwanderungsland schlechthin gibt und wo fast jeder ein Elternteil oder Großeltern hat, die eingewandert sind – sich in so eine Lage bringt und sich hinter der Fassade als rassistisches und voreingenommenes Land entpuppt, darüber kann ich nur den Kopf schütteln.

Ein Journalist hat dieses australische Problem treffend beschrieben: »Als Nation sind wir stolz auf unser Konkurrenzdenken, wir streben die Top 5 in den Olympics an, den Titel der besten Cricket-Nation der Welt und den Preis für den Rugby World Cup. Aber wenn es um Mitgefühl geht, dann scheinen wir entschlossen zu sein, die Latte so niedrig wie möglich zu halten ... In anderen Worten: Wir sind eine der geizigsten Nationen der Welt, wenn es um die Unterstützung von Flüchtlingen geht. Da haben wir doch etwas, worauf wir stolz sein können. Oder nicht?« Link zum Artikel

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Daily Telegraph

Eine der meist gelesenen Zeitungen in Australien und die beliebteste Tageszeitung in Sydney: Der Daily Telegraph. Wird hin und wieder »Daily Terror« genannt. Auch ich gehöre zu den (dummen) Menschen, die diese Zeitung lesen – und ärgere mich immer wieder darüber, was für ein Müll da drinnen steht und vor allem wie einseitig die Berichterstattung ist. Und dass das hier niemanden zu stören scheint. In dem Café in dem ich arbeite, lesen an die 95% der Stammgäste diese Zeitung täglich. Weitere 4% gehen an den Sydney Morning Herald und ca. 1% liest den Australian. Alles grob geschätzt natürlich.

Der Daily Telegraph ist ein sehr konservatives und nationalistisch geprägtes Blatt. Die Artikel sind in meinen Augen reißerisch und aufgeputscht, die Themen sehr selektiv. Jeder noch so kleine Anlass wird zum Aufruf zur Ausländerfeindlichkeit genutzt. In erster Linie trifft dies Muslime und Asylanten. Eine typische Boulevardzeitung für die Massen. Die Artikel sind kurz und in einfacher Sprache gehalten. Laut einer Medien-Umfrage von Roy Morgan International gehört der Daily Telegraph aber auch zu den unglaubwürdigsten Zeitungen in Australien. 16% der Befragten waren der Meinung, dass alle australischen Zeitungen nicht genau, einseitig oder ungerecht berichten, 11% antworteten mit Herald-Sun und 9% mit Daily Telegraph. 

Ich persönlich kann und will so eine Zeitung einfach nicht ernst nehmen. Die Australier anscheinend auch nicht – trotzdem liest sie jeder und schlimmer noch, die meisten reagieren nur mit Achselzucken, wenn wieder mal Spekulationen als Fakten und Propaganda als Wahrheiten verkauft werden. Dummheit wird einfach akzeptiert, Kritik nur selten geäußert.

Dazu ein Beispiel zum Thema Asylanten. Eine kleine Info vorab: Menschen die in Australien Asyl ansuchen, werden für die Dauer des Verfahrens auf abgelegenen Pazifik-Inseln in Internierungslagern festgehalten und von vielen Australiern abwertend »boat people« genannt. 2011 wurde der Daily Telegraph stark kritisiert, als er folgende Headline auf der Titelseite veröffentlichte: »OPEN THE FLOODGATES – Exclusive: Thousands of boat people to invade NSW« Das englische Wort »invade« ist am ehesten mit einem »gewaltbereiten Eindringen und Besetzen eines fremden Landes« zu umschreiben. Somit warnte die Zeitung davor, was passieren wird, wenn man die Schleusen öffnet: Asylanten werden NSW erobern. Es gab noch eine weitere Überschrift, die für Unmut sorgte und zur Beschwerde beim australischen Presserat führte. »Detainee deluge for Sydney« was so viel bedeutet wie »Sintflut an Sträflingen für Sydney«. Dabei wurde die Bezeichnung »Sträfling« wiederum stark kritisiert und als unangebracht und wahrheitsverfälschend bezeichnet. Weiters hieß es in dem Artikel: »Thousands of boat people will be released into Sydney's suburbs as the government empties detention centres.« Auf Deutsch: »Wenn die Regierung die Internierungslager leert, werden tausende von Asylanten in Sydneys Vorstädte entlassen.«

Damit wird gerne gehetzt, fast täglich sind die Asylanten hier Thema. Auch wenn es eigentlich um ganz was anderes geht. Heute widmete sich der Leitartikel im Daily Telegraph der Kürzung des so genannten »Baby Bonus« (bei Geburt eines Kindes erhält man vom Staat 5.000 Australische Dollar). In Zukunft soll man diese Summe nur mehr für das erste Kind erhalten. Für jedes weitere Baby wird es nur noch 3.000 Dollar geben. Der Artikel berichtet über ein Loch in der Staatskasse, das auf diese Weise gestopft werden soll und mutmaßt doch prompt, dass die Explosion des Budgetplans für Asylverfahren schuld an dieser Misere ist. Der hetzerische Artikel kommentiert in fett gedruckten Lettern (sinngemäß): »Die australische Mittelklasse muss herhalten – zu hohe Ausgaben für boat people, der Baby Bonus wird gekürzt.« Unterstützt wird die Zeitung in ihrer Meinung von einer Mutter aus Sydney, die mit ihrem kleinen Baby in die Kamera lächelt und wie folgt zitiert wird: »Australisches Geld ist für Australier. Ich sehe nicht ein, warum uns der Baby Bonus gekürzt wird, um boat people zu unterstützen.«  

Damit hat es die Boulevardpresse wieder mal geschafft. So mir nichts dir nichts sind die boat people – wie so oft – an allem Schuld. Ich frage mich, wie viele Australier diesen Artikel heute ebenfalls gelesen haben und sich ehrlich darüber aufregen (so wie ich das gerade tue). Wie kann eine Zeitung Fakten so offensichtlich zu einer Geschichte zusammenstricken, um Leute gegen Asylanten aufzuhetzen? Und niemand runzelt die Stirn darüber? Der Online-Artikel des Daily Telegraph ist wesentlich glimpflicher ausgefallen und stark gekürzt, das Interview mit der Mutter fehlt. Hier aber trotzdem zum nachlesen: Link zum Artikel

Da interessiert es mich doch brennend, was andere Zeitungen schreiben. Ob die sich auch so ihre eigene Geschichte zusammen reimen und es dann als Leitartikel verkaufen. Nein, tun sie glücklicherweise nicht. Der Sydney Morning Herald hat heute online zwei Artikel veröffentlicht, die nicht miteinander in Verbindung stehen. Einer handelt von der Kürzung des Baby Bonus bzw. den politischen Verhandlungen darüber Link zum Artikel, der andere von Budgetproblemen im Asylverfahren Link zum Artikel. Im zweiten Artikel wird auch erwähnt, dass die Regierung anstrebt, das Defizit durch die Erhöhung der Visumkosten für Einwanderer auszugleichen. Ich frage mich also, wo der Daily Telegraph seine »Wahrheiten« her hat.

Es kränkt mich manchmal, in einem Land zu leben, wo Dummheit so offensichtlich akzeptiert wird. Keiner regt sich über den Müll auf, der in der Zeitung steht. Die ganzen Halb-Wahrheiten (und Lügen) werden einfach akzeptiert. Und ich wette es gibt hier genug Leute, die diese Art von Berichterstattung für bare Münze halten und dann womöglich wirklich denken, dass die Asylanten direkte Schuld an der Kürzung der Kinderbeihilfe haben.

Soll ich euch jetzt noch den Werbespot des Daily Telegraph zeigen? Wie erwartet strotzt dieser nur so vor Verherrlichung und patriotischen Gefühlen. »Wir gehören zu den Glücklichen 4,5 Mio. Menschen, die in der besten Stadt der Welt leben.« Ich bin erstaunt, dass keine einzige australische Flagge zu sehen ist.

No worries!

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Eingestellt von : Nina Fischer
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