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Paljor aus Nepal

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Paljor aus Nepal, der mit 18 nach Australien ausgewandert ist und sich in Sydney mittlerweile schon richtig daheim fühlt.

Über dich und deine Erlebnisse:

Woher kommst du, wie alt bist du und was machst du in Australien? Wie lange bist du schon hier? 
Ich wurde in Nepal geboren und habe dort meine Kindheit und Jugend verbracht. Meine Familie lebt nach wie vor dort. Mit 18 Jahren bin ich zum Studieren nach Australien gezogen und habe mir hier schließlich ein neues Leben aufgebaut. Heute bin ich 28 Jahre alt und arbeite als Marketing Koordinator für eine Sprachschule in Sydney.

Warum genau Australien? 
Es gibt mehrere Gründe, warum ich mich dazu entschlossen hatte, auszuwandern. Die Dinge standen damals sehr schlecht in Nepal, es gab Korruption, wo immer man auch hinsah und die Karriereaussichten waren sehr beschränkt. Ich konnte einfach das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen und um ehrlich zu sein, ich kann es auch heute noch nicht, was sehr traurig ist.

Ausschlaggebend um nach Australien zu gehen, war sicherlich, dass es damals für nepalesische Studenten sehr einfach war, ein Visum zu bekommen. Außerdem sind die Ausbildungen hier top und damals waren auch die Studiengebühren noch relativ erschwinglich. Mein anderes Wunschziel wäre die USA gewesen, ein Visum für Amerika zu bekommen, war jedoch nicht ganz einfach.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt? 
Obwohl es schon zehn Jahre her ist, erinnere ich mich an den Landeanflug in Sydney, als wäre es erst gestern gewesen. Es war bereits Nacht und ich erinnere mich an all die Lichter, die ich vom Flugzeug aus sah und kurz wurde ich auch ein bisschen nervös, als ich daran dachte, dass ich nicht eine einzige Menschenseele in der Stadt dort unten kenne. Außerdem hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nur ein einziges anders Land besucht – Indien – es war also alles sehr neu und aufregend für mich. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie ich mit dem Taxi zu meiner Unterkunft gefahren bin und meine zukünftigen Mitbewohner kennen gelernt habe.

Was war dein größter Kulturschock? 
Ich würde es nicht unbedingt als Kulturschock bezeichnen, eher als falsche Vorstellung, die ich von Australien hatte. Ich dachte immer, dass Australien eine Mischung zwischen Großbritannien und Amerika ist, mit ähnlicher Kultur und Lebensweise. Und obwohl Australien auch heute noch als Land bezeichnet wird, das kulturell gen Westen ausgerichtet ist, wurde mir bald klar, dass es seine ganz eigene Identität hat, sowohl bedingt durch die einzigartige Lage und die Bereicherung durch die Kultur der Aborigines und Torres Strait Islander, als auch durch die vielen multi-ethnischen Migranten, die das Land zu dem gemacht haben, was Australien heute ist. Ich habe mich von Anfang an richtig wohl unter Australiern gefühlt und war sehr neugierig darauf, ihren Lebensstil und ihre Kultur näher kennen zu lernen und je länger ich hier lebe, desto mehr weiß ich den »Australian Way of Life« zu schätzen.

Wenn ich Australien mit Nepal vergleichen müsste, weiß ich gar nicht genau, wo ich anfangen soll. Die Liste der Unterschiede wäre unendlich... angefangen von der Lage, Lebensweise, dem politischen System, der Kultur, den Familienstrukturen... Ich muss aber sagen, dass Australier und Nepalesen auf ähnliche Art und Weise ein sehr freundliches Volk sind – die Charakterzüge Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit sind in beiden Gesellschaften hoch angesehen.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir? 
Manchmal habe ich Heimweh, aber nur nach meiner Familie und meinen Freunden, die in Nepal leben. Ich sehe meine Familie nur ca. alle drei Jahre. Meine Schwester studiert gerade Medizin in China. Das Land an sich vermisse ich jedoch nicht.

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben? 
Australien – ein Naturparadies, wunderschöne Küstenlandschaften und fantastisches Wetter. Die Australier würde ich als sehr gelassen, aber zielstrebig bezeichnen, sie können mitunter Rowdys sein, haben aber eine warmherzige Art, sie sind alle sehr verschieden, aber doch geeint.

Was gefällt dir besonders gut an Australien? 
Ich liebe die Tatsache, dass man in Australien so viele unterschiedliche Erlebnisse haben kann – große glamouröse Städte (Sydney, Melbourne), kleine malerische Örtchen (Yamba, Byron Bay) und das ländliche Outback (Alice Springs). Nur eine Stunde Autofahrt von Sydney entfernt liegt beispielsweise das schöne kleine Dorf Wisemans Ferry oder Stanwell Tops, eine atemberaubende Küstenstraße.

Das Essen hat es mir hier ebenfalls angetan. Die Australier sind richtige »Foodies« und man findet in Sydney authentische Küche aus aller Welt. Neben moderner australischer Küche in top Restaurants (Quay in The Rocks), kann man auch authentisch japanisch essen gehen (ich empfehle Kuki Tanuki in Newtown), traditionelle indische Spezialitäten kosten (am besten bei Maya da Dhaba in Surry Hills), spanische Tapas genießen (unbedingt Tapavino in Sydneys Innenstadt besuchen) und selbst exotische nepalesische Küche findet man hier (Little Nepal in Burwood). Wer also auf ein gastronomisches Abenteuer aus ist, der ist in Sydney auf jeden Fall richtig.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Ganz ehrlich, ist gibt nicht eine einzige Sache, die ich hier nennen könnte. Das Leben in Australien ist einfach großartig, ich liebe dieses Land!

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien? 
Kurz gesagt: Sydney. Vielleicht bin ich in meiner Meinung dadurch beeinflusst, dass Sydney heute meine Heimatstadt ist, aber ich denke, dass die Stadt wirklich für jeden etwas zu bieten hat – egal was für Interessen oder Geschmack man hat, ob man ein Fan von Natur oder von Großstadt ist.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Auf jeden Fall!

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an? 
Meistens schon, ja. Das geht ganz automatisch.

Isst du Vegemite zum Frühstück? 
Da ich bereits als Kind in Nepal Vegemite zum Frühstück gegessen habe, war das auf jeden Fall nichts Neues für mich. Mein Vater war als Kind in einem Internat in Indien untergebracht, das von Engländern geführt wurde. Daher kam er schon früh mit Marmite in Berührung (die englische Variante von Vegemite) und so wurde die Tradition in unserem Haus fortgesetzt und auch ich bin mit Marmite bzw. Vegemite zum Frühstück aufgewachsen.

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Weihnachten habe ich erst richtig in Australien kennen gelernt. Das Christentum ist in Nepal nicht wirklich verbreitet, mehr als 80% der Nepalesen sind hinduistisch. Trotz dieser Tatsache sind die Leute sehr tolerant und es ist sogar verbreitet, mehreren Religionen gleichzeitig zu folgen. Meine Mutter zum Beispiel ist sehr gläubig und praktiziert sowohl den Hinduismus, als auch den Buddhismus. Mein Vater ist in einem buddhistischen Haushalt aufgewachsen, hat sich aber irgendwann zum Agnostiker entwickelt. Als ich alt genug war, über meine Religionszugehörigkeit zu entscheiden, entschied ich mich für den Atheismus. Trotz alledem feiern wir nach wie vor hinduistische und buddhistische Feste mit Familie und Freunden, ähnlich wie ich hier in Australien an den Feierlichkeiten zu Weihnachten teilhabe – nicht unbedingt im religiösen Sinne, aber einfach als eine Zeit, die man mit seinen Liebsten zusammen verbringt. Letzte Weihnachten habe ich mit meiner Familie und Freunden Geschenke ausgetauscht, es gab viel gutes Essen und es war einiges los!

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du? 
Ich mag Wellen sehr gerne, obwohl ich mich noch nie im Surfen versucht habe. Im Bodyboarden jedoch schon.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots? 
Oh nein, niemals!

No worries!

FOTO: PALJOR LAMA
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Pascale aus Deutschland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Pascale, die mit 15 von Deutschland nach Neuseeland ausgewandert ist und mittlerweile seit zwei Jahren in Australien lebt. Sie hat sowohl einen deutschen, als auch einen neuseeländischen Pass und auf meine Frage, ob sie sich eher als Deutsche oder Neuseeländerin fühlt, hat sie mir geantwortet: definitiv beides. Nur ihren deutschen Akzent würde sie gerne verlieren.

Über dich und deine Erlebnisse:

Woher kommst du, wie alt bist du und was machst du in Australien? Wie lange bist du schon hier? 
Ich komme ursprünglich aus München. Als ich 15 Jahre alt war, zogen meine Eltern und ich nach Neuseeland. Erstmals sollte es nur für ein Jahr sein, wir sind dann aber geblieben. Meine Mama kam schon 1977 der Liebe wegen nach Neuseeland und hat damals auch eine Weile dort gelebt. Ich habe insgesamt sieben Jahre in Auckland verbracht und dort sowohl die High School, als auch meinen Bachelor gemacht habe. Jetzt bin ich 23 Jahre alt und lebe seit zwei Jahren in Brisbane. Mein Freund, der Neuseeländer ist, kam schon im Dezember 2012 hier an und ich bin ihm im März 2013 gefolgt, da ich noch einen Kurs an der Uni fertig machen musste.

Warum genau Australien? 
Mein Freund – mit dem ich seit fünfeinhalb Jahren zusammen bin – wurde an der Uni in Brisbane in Medizin angenommen und deshalb bin ich dann gleich mit ihm hierher gezogen. Während meiner Zeit in Deutschland haben meine Eltern mich jedoch fast jährlich nach Australien in die Ferien mitgenommen – anstelle von z.B. Italien oder Mallorca – und ich habe dieses Land daher immer schon geliebt. Lustigerweise haben wir Australien in den sieben Jahren, in denen ich in Neuseeland gewohnt habe, nur ein einziges Mal besucht.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt? 
An meinem ersten Tag in Australien mussten wir gleich umziehen, da die Vermieterin meines Freundes hoch religiös war und uns nicht erlaubt hat, als unverheiratetes Paar dort gemeinsam zu wohnen. Ich weiss noch, dass wir nur eine Matratze und ein Bücherregal hatten. Die neue Wohnung war in der Garage unseres (neuen) Vermieters und es war total nett, da es draußen um die 35°C hatte und die Wohnung schön kühl war.

Was war dein größter Kulturschock? 
Nichts wirklich, da ich ja schon sieben Jahre in Neuseeland gelebt hatte und Australien eh kannte. Aber das Wetter – vor allem der viele Regen im Sommer – war etwas, an das ich mich in Brisbane gewöhnen musste, sowie die vielen Tiere überall. Die Trink-Kultur hat mich auch etwas geschockt, aber nur weil ich in einem Pub gearbeitet habe, und nicht wie in Neuseeland in einer französischen Weinbar. Australier und Neuseeländer sind sich generell aber sehr ähnlich, vor allem was die Freundlichkeit betrifft, und das mag ich total gerne!

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir? 
Eigentlich gar nicht … weder nach Deutschland noch nach Neuseeland. Obwohl ich in den ersten zwei Monaten, als ich keinen Job fand, eigentlich wieder zurück nach Neuseeland wollte. Ich habe zwei super Jobs in Auckland aufgegeben und dann mit Manager Certificate, Bachelor of Arts, vier Sprachen und fünf Jahren Gastroerfahrung in Australien nichts zu finden, war echt blöd. Neuseeland hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert – Auckland zumindest – und es gibt immer mehr tolle Restaurants: das vermisse ich. Ansonsten wirklich nur meine Katzen (noch nicht mal wirklich meine Eltern).

Was mir von Deutschland fehlt, sind die U-Bahnen und das billige Essen. Ich habe zwar noch einige Verwandte dort – Onkel, Tanten, Kusinen und ein paar Freunde – ich würde aber nie wieder zurück nach Deutschland ziehen wollen. Urlaub machen schon, wie zuletzt 2013 als ich eine 4-wöchige Europatour gemacht habe.

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben? 
Ein Land mit tausend verschiedenen Landschaften, wo Menschen und Tiere tatsächlich zusammen leben.

Was gefällt dir besonders gut an Australien? 
Die Menschen, alle sind so freundlich hier! Sowie die Stadt Brisbane – ich liebe den Fluss, die Sonne und das Wetter.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
An den vielen Regen im Sommer und die hohen Essenspreise kann ich mich nur schwer gewöhnen.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien? 
Broome, Great Barrier Reef und die Wüste gefallen mir sehr gut. Aber eher für Ferienabenteuer, nicht um dort zu leben.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Immer wieder! Ich liebe dieses Land! Vielleicht mal eine andere Stadt, aber ansonsten ist alles hier richtig toll. Neuseeland ist zwar auch sehr schön, aber nicht ganz so warm und jobmäßig gibt es in Australien doch mehr Möglichkeiten.

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an? 
Auf alle Fälle!

Isst du Vegemite zum Frühstück? 
Nein – und sogar meine Mama, die seit 1977 immer wieder in Neuseeland gelebt hat, mag kein Vegemite.

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Letzte Weihnachten habe ich in Neuseeland mit meinen Eltern und meinem Freund verbracht, so wie jedes Jahr. Am 24. Dezember untertags haben wir gemeinsam den Baum geschmückt und dann gab’s Abendessen und Geschenke. Das Essen ist immer irgendwas … aber nichts Deutsches! Am 25. Dezember habe ich mit der Familie von meinem Freund gefeiert, so wie das die Neuseeländer und Australier traditionell machen.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du? 
Strand find ich ganz nett, aber ich bevorzuge Städte, die was zu bieten haben, vor allem was Essen und Läden betrifft. Ich mag Schwimmen schon gerne – gesurft bin ich noch nie – aber irgendwie ist das Stadtleben eher so mein Ding.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots? 
Ja, aber die ziehe ich nur im Winter in Neuseeland an!

No worries!

FOTO: PASCALE DE SULLY
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Einfach gefragt

Marten fragt auf seinem Blog gerne mal genauer nach. Dabei interessieren ihn Geschichten von Auswanderern genauso, wie Menschen die von ihrem Beruf und ihren Hobbys erzählen, Tipps zum Hausbau geben oder das Verfahren des Ultraschallschweißens erklären. Auf seinem Blog kommen Landschaftsbauer, professionelle Kreuzworträtsellöser, Buchautoren und andere Leute zu Wort, die gerne von ihren Erfahrungen berichten. 

Das Interview, das Marten mit mir über das Leben in Australien geführt hat, könnt ihr hier nachlesen.

No worries!

FOTO: JULIA GRIDLING
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Anne aus Deutschland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Anne aus Deutschland, die schon seit Kindertagen vom Leben in Australien träumt.

Über dich und deine Erlebnisse:

Woher kommst du, wie alt bist du und was machst du in Australien? Wie lange bist du schon hier? 
Ich bin Anne aus Deutschland, 26 Jahre alt und arbeite auf Stundenbasis für eine Universität in Sydney als wissenschaftliche Mitarbeiterin und leite dort außerdem mein eigenes kleines Pilotprojekt (unbezahlt natürlich) im Bereich der Gesundheitsförderung. In Australien bin ich nun seit knapp zehn Monaten und fliege in ein paar Tagen zurück. Eigentlich bin ich mit der Hoffnung nach Australien gekommen, hier auch zu bleiben – es war »Auswandern auf Probe«.

Warum genau Australien? 
Ich hab mich schon als Kind durch TV-Reportagen von der Einzigartigkeit Australiens hinreißen lassen. Die Koalas und Kängurus, die freundlichen Menschen, die immer scheinende Sonne und das Surfen – das zog mich damals schon an. Seit ich in der 5. Klasse meinen Aufsatz über meinen Wunschurlaub darüber verfasste, stand es ganz oben auf meiner Möchte-ich-mal-hin-wenn-ich-groß-bin-Liste. Nach dem Abi hab ich mich dann doch erst mal für die »sicherere Variante« entschieden und bin mit einer Agentur für ein Jahr in die USA. Nach dem Studium war dann Australien dran. Durchweg hab ich Leute kennengelernt, die schon hier waren, allerdings nur auf Urlaub oder zum Work & Travel. Sie alle schwärmten im Übermaß davon und ich habe nicht ein einziges Mal etwas Negatives gehört, was meine Erwartungen an mein Traumland ins Unermessliche steigen ließ. Im Nachhinein glaube ich, dass genau das das größte Problem war – meine Erwartungen waren viel zu hoch. Andererseits musste ich mich wohl selbst vom Gegenteil überzeugen, sonst hätte ich es mir ein Leben lang vorgehalten …

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt? 
Schon beim Landeanflug und dem Blick über die Stadt war ich völlig aus dem Häuschen (trotz des Regens)! Es regnete wirklich in Strömen und ich weiß noch, dass ich total begeistert war, dass ich hier niemanden rauchen sah bzw. roch. Und die ersten Australier, die wir im Zug trafen, waren super nett und haben uns geholfen, den Weg zu finden. Heute fragen mich Leute nach dem Weg – wie sich die Zeiten ändern!

Was war dein größter Kulturschock? 
Dass ich kaum »richtige« Australier sah – zumindest nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich hätte nie gedacht, dass Australier die Sonne meiden (was mit ein bisschen Menschenverstand auch Sinn macht). Außerdem hätte ich nicht erwartet, dass hier sooo viele Menschen mit asiatischem Hintergrund leben. Teilweise sieht man nach dem Aussteigen an gewissen Bahnstationen nur noch Schilder auf Koreanisch. An das zu Beginn sehr unverständliche Englisch musste ich mich auch monatelang gewöhnen. Die Preise und der freizügige Kleidungsstil zählen jetzt nicht primär zur Kultur, aber waren trotzdem ein Schock für mich.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir? 
Heimweh würde ich es nicht nennen. Ich weiß viele Dinge durch den Abstand einfach mehr zu schätzen. Am meisten fehlen mir gute Konversationen, echte Freunde, meine Mama und Ehrlichkeit. Damit eingeschlossen ist auch die Sprache, denn auch in 50 Jahren werde ich nicht akzentfrei ein 100% perfektes Englisch sprechen. Das nervt mich mittlerweile am meisten. Außerdem kann ich es kaum abwarten, wieder eine eigene Wohnung zu haben, die hier auf Grund der Mietpreise leider nicht im Budget lag. Das Essen hat mir am Anfang sehr gefehlt, aber man probiert dadurch auch mehr Neues aus oder backt sich sein Vollkornbrot selbst.

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben? 
Wunderwunderschön, sonnig, entspannt, ein großartiger Lifestyle und eine sehr große Vielfalt an Kulturen. Leider muss ich aber auch sagen, dass es gerade in Sydney sehr oberflächlich zugeht und viel Wert auf materielle Dinge gelegt wird, um das »Show and Shine« Image aufrechtzuerhalten und mit Geld meiner Meinung nach extrem verschwenderisch umgegangen wird.

Was gefällt dir besonders gut an Australien? 
Mir gefällt hier immer noch sehr viel gut und ich finde, dass die Australier einiges richtig gemacht haben. Aber besonders gut gefällt mir wohl die entspannte Arbeitsweise! In Deutschland sind 120% nicht gut genug, hier reichen 70%. Burnout ist ein Fremdwort, denn die Welt geht nicht unter, weil man dies und das jetzt zwei Minuten später fertig hat. Ich finde die Menschen hier deutlich weniger neidisch als in Deutschland, die Erfahrung habe ich gemacht und weiß das so zu schätzen! Die Leute gönnen dem anderen etwas, weil sie selbst alles haben und (meist) glücklich sind. Sie sind deutlich ausgeglichener als in Deutschland und dadurch auch wesentlich netter im alltäglichen Leben. Großartig finde ich hier auch die nicht vorhandene Gehässigkeit, wie man sie in Deutschland sehr oft erlebt. Hier wird man nicht schief angeschaut, von niemandem, NIE! Es interessiert die Leute einfach nicht, was andere tun und lassen. Das werde ich sehr vermissen! Was ich gerade in Sydney mag ist der Lifestyle. Wenn man hier einen vernünftigen Job hat, kann man sich einfach so viel mehr leisten als in Deutschland. Klar sind die Lebenshaltungskosten deutlich höher, trotzdem finde ich, dass die australische Regierung hier eindeutig mehr für die Menschen macht (z.B. kostenlose BBQ Stationen in Parks oder am Strand, kostenlose Sportprogramme, rauchfreie Zonen überall). Ich als Fan der Gesundheit bin fasziniert von dem riesen Vorsprung gegenüber Deutschland auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Die Mietpreise in Sydney, die Oberflächlichkeit, die Unzuverlässigkeit, dass hier für alles ein Vermögen berechnet wird, der freizügige Kleidungsstil und die teilweise unverschämte Inkompetenz von allerlei Angestellten.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien? 
Puh, das ist schwer! Wenn ich Ort im Sinne von dort Leben betrachte, wäre das ganz klar Sydney. Meinen schönsten Moment hatte ich zum einen am Great Barrier Reef beim Tauchen mit Schildkröten und zum anderen bei einem Fallschirmsprung am Mission Beach mit Blick auf ganz viele Trauminseln. Diese Momente sind unter den Top 5 meines Lebens.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Ich finde Australien und gerade Sydney nach wie vor traumhaft schön, deshalb kann ich niemals nie sagen. Wer weiß, was die Zukunft bringt?

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an? 
Ich kann mich beim besten Willen nicht an den australischen Slang gewöhnen. Aus Freundlichkeit und um ein Gespräch zu beginnen, ist es dennoch der beste Einstieg, dann aber in »ordentlichem« Englisch. Traurig finde ich allerdings, dass die Antwort auf diese Frage eh niemanden interessiert, denn es ist schlichtweg eine Floskel ohne Bedeutung.

Isst du Vegemite zum Frühstück? 
Baahh! Nee! Oder trinkt ihr Maggi zum Frühstück?

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Da war ich noch in Deutschland, also so, wie man es dort eben verbringt – Zeit mit der Familie, gutes Essen und leckeren Glühwein. Ich freue mich riesig, pünktlich zu Weihnachten wieder zu Hause zu sein!

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du? 
Ganz klar Wellen, aber am liebsten ohne die vielen Menschen und gefährlichen Tiere.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots? 
Nö. Aber dafür liebe ich Flipflops!

No worries!

FOTO: NINA FISCHER
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Bloggerin Nina aus Sydney

Passend zu meinem zweiten Jahrestag in Australien wurde ich zur Abwechslung mal von jemandem interviewt. In dem Interview geht es um meine Beweggründe nach Australien auszuwandern, meine (Miss)Erfolge im Beruf, Überraschungen und Enttäuschungen im Aussie Leben und dass man irgendwann wohl in beiden Welten zu Hause ist. Wer also mehr über mich erfahren will, der kann hier gerne nachlesen: Bloggerin Nina aus Sydney

Danke Dorothée und no worries!
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Niina aus Finnland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Niina aus Finnland, die es der Liebe wegen nach Australien verschlagen hat.

Über dich und deine Erlebnisse:

Wie alt bist du, woher kommst du und was machst du in Australien? 
Ich bin 34 Jahre alt und komme aus Finnland, im Moment suche ich gerade Arbeit in Melbourne. Seit ein bisschen länger als einem Jahr teste ich bereits das Aussie-Leben in der schönen Stadt Melbourne.

Warum genau Australien?
Einfache Antwort: Der Liebe wegen. Mein Ehemann ist Australier und nachdem wir einige Jahre zusammen in Europa verbracht haben, wollte er in die Heimat zurückkehren. Auch ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war herauszufinden, wie es wohl ist im Land Down Under zu leben. Ich wollte auch mehr über sein Heimatland erfahren.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt?
Ich war davor bereits zwei Mal in Australien. An meinem allerersten Tag, das war an Ostern 2007, führte mich mein (damals noch) Freund durch das Stadtzentrum von Melbourne und ich weiß noch, wie komisch es für mich war, dass die Leute auf der »falschen« Seite Fahrrad fahren.

Was war dein größter Kulturschock?
Da Australien mir also nicht ganz neu war, wusste ich ungefähr was mich erwartet. Aber irgendwie war es doch ein bisschen ein Schock am Anfang, vor allem weil hier Sommer war, während in Finnland gerade der dunkle und kalte Winter herrschte. Als ich im Dezember 2011 in Melbourne ankam, hab ich mich schon innerlich darauf vorbereitet, dass ich wohl ein paar Monate hier bleiben werde. Ich habe mich dann aber schon bald dabei ertappt, wie ich viele Dinge mit dem Gedanken hinterfragt habe: »Was, wenn ich nun doch länger hier bleiben werde?« Manche der australischen Angewohnheiten haben mich anfangs besonders irritiert – sie sind mir sogar richtig auf die Nerven gegangen – wie z.B. dass Linksverkehr herrscht, dass in vielen älteren Häusern Warm- und Kaltwasser aus zwei verschiedenen Hähnen kommt, dass die Häuser so schlecht isoliert sind und dass die Australier Essensreste einfach mit dem Restmüll entsorgen. Wie dem auch sei, ich versuchte (und versuche noch immer) mir stets den Rat vor Augen zu halten, den mir jemand vor langer Zeit gegeben hat, als ich in Italien gelebt habe: Ich bin in einem fremden Land und muss die finnische Art zu denken einfach mal vergessen, sonst mache ich mich nur verrückt.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir?
Ja, sehr sogar! Das Heimweh kommt und geht in Wellen und während es mir vergleichsweise leicht fällt, mir die Distanz zum Heimatland als »nur 24 Stunden entfernt« schön zu reden, gibt es aber auch Tage, wo ich am liebsten sofort meine Sachen packen und nach Hause fliegen würde. Natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde, aber auch traditionell finnisches Essen wie Roggenbrot, Waldbeeren, Rentierfleisch und salzige Lakritze. Und da ich den Winter liebe, vermisse ich auch den Schnee und Langlaufen ganz schrecklich. Mir fehlen die verschiedenen Jahreszeiten, die Stille und die Schönheit der finnischen Natur mit Seen und Wäldern. Außerdem gibt es kaum etwas Besseres zum Entspannen, als in die Sauna zu gehen und anschließend zur Abkühlung in einen See zu springen (sehr erfrischend vor allem im Winter!).

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben?
Isoliert, Land der Extreme und der Möglichkeiten, gemütliche Leute und Beuteltiere.

Was gefällt dir besonders gut an Australien?
Das Land hat einige Naturwunder zu bieten, die Menschen sind generell sehr freundlich. Ich mag auch Melbourne mittlerweile sehr und entdecke immer wieder neue interessante Plätze, Veranstaltungen und Aktivitäten. Frische und saisonale Produkte von lokalen Bauernmärkten, süße kleine Cafés und der Radweg am Yarra River sind nur ein paar wenige Dinge, die Melbourne so liebeswert machen. Die Stadt ist auch ein Schmelztiegel der Kulturen, was sich in der vielfältigen Küche aus aller Welt widerspiegelt.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Erstens, die Distanz zu Finnland – sowohl in der Entfernung als auch in der Zeitverschiebung. Zweitens, obwohl viele denken, dass das Wetter eine der Hauptattraktionen von Australien ist, fühle ich mich persönlich bei heißem Wetter nicht allzu wohl. In Finnland haben wir ein spezielles Wort für heißes Wetter – helle – was jegliche Temperaturen über 25°C beschreibt. So gesehen gibt es in Australien unzählige heiße Tage! Zum Glück ist Melbournes Wetter aber sehr wechselhaft (man sagt, dass man in Melbourne vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann) und die Temperaturen können auch sehr schnell fallen, wenn sich die Windrichtung ändert. Leider werden diese typischen Wetterumschwünge in der Baubranche nur bedingt berücksichtigt, was viel zu oft in Häusern resultiert, die im Winter viel zu kalt und im Sommer viel zu heiß sind. Das ist definitiv etwas, an das ich mich nur sehr schlecht gewöhnen kann, nachdem ich in gut isolierten finnischen Häusern aufgewachsen bin. Drittens, Australien ist sehr rückständig was Umweltprobleme betrifft (z.B. Kohlebergbau, erneuerbare Energien kommen nur spärlich zum Einsatz) und als Umweltwissenschaftlerin von Beruf finde ich es sehr entmutigend, dass es auch kaum Unterstützung auf staatlicher Ebene gibt, um die Situation zu verbessern. Andererseits ist eine Veranstaltung wie das Sustainable Living Festival, das kürzlich in Melbourne stattfand, ein fantastisches Beispiel wie man auf diese Dinge aufmerksam machen und Leute dazu inspirieren kann, umweltbewusster zu leben. Achja, und während die Top 3 der tödlichsten Tiere zu Hause Hunde, Wespen und Kühe sind, sind die Top 3 in Australien wesentlich angsteinflößender: Würfelqualle, Taipan Schlange und Salzwasser Krokodile. Ich liebe es im Wald zu joggen, bin aber im besorgt, ich könnte potenziell gefährlichen Vertretern der Tierwelt begegnen!

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien?
Ich hatte noch nicht allzu viel Gelegenheit um zu reisen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre das wohl Fraser Island. Die Insel ist einer der schönsten Orte, die ich bis jetzt gesehen habe. Die Great Ocean Road hat aber auch eine atemberaubende Kulisse zu bieten.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Ich glaube, ich würde immer noch »ja« sagen, zumal ich mit einem Australier als Mann früher oder später sowieso den Schritt wagen hätte müssen. Trotzdem bin ich im Moment aber auf Probe hier, es wird sich zeigen wie lange.

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how’re you doing« an?
Nein, überhaupt nicht. Ich antworte oftmals nur darauf, wenn ich selber gefragt werde.

Isst du Vegemite zum Frühstück?
Nein, ich mag Vegemite nicht!

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Den Weihnachtsabend verbrachten wir zusammen mit Freunden. Wir haben typisch finnische Leckereien zubereitet – Quarkkuchen, Lebkuchen und Zimtbrötchen. Am nächsten Tag feierten wir auf australische Art zusammen mit der Familie meines Mannes. Es ist lustig, dass viele Australier alte englische Traditionen beibehalten haben und ein reichhaltiges, schweres Mittagessen zu sich nehmen, während es draußen sehr, sehr heiß ist. Zum Essen gab es Truthahn, Schinken und Braten mit verschiedenen Saucen und gegartem Gemüse. Als Nachtisch bekamen wir Pflaumenpudding mit Brandy, Eis, Vanillesauce und Brandy-Butter. Es gab auch traditionell englische »Bonbons«, die eine Papierkrone, einen schlechten Witz und einen unnützen Preis enthalten.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du?
Ein Strand ist ein Strand – mit oder ohne Wellen! Ich bevorzuge jedoch prinzipiell einen ruhigen Strand. Ich versuche aber auch immer mehr, mich durch Bodyboarding und Surfen an den rauen Ozean und die Wellen zu gewöhnen. Obwohl Wasser eigentlich gar nicht mein Element ist, ist Surfen etwas, das ich gerne lernen möchte, so lange ich hier bin.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots?
Nochmals, ich bin wirklich nicht sehr australisch – ich besitze keine Ugg Boots!

No worries!

FOTO: NINA FISCHER
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Kathy aus Holland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Kathy aus Holland, die sich in Australien mit Southern Cross Horse Treks ihren Traum einer Pferdefarm erfüllt hat und für Urlauber Treks durch den australischen Busch organisiert.


Über dich und deine Erlebnisse:

Wie alt bist du, woher kommst du und was machst du in Australien?
Ich komme aus Holland, bin aber zweisprachig aufgewachsen, weil meine Mutter Deutsche ist. Ich bin 43 Jahre alt, bin gelernte Psychologin und habe einen Reitferienbetrieb in New South Wales in der Nähe von Port Macquarie. Ich lebe – wie so viele meiner Reitgäste sagen – ganz »im Paradies« zusammen mit meinem deutschen Freund, meinem australischen Hund und zehn Pferden auf einer 25 Hektar großen Farm im Hinterland, die ca. 25 km vom Strand entfernt liegt. Ich bin damals im Januar 2000 (zusammen mit meinem holländischen Ex-Mann) nach Australien ausgewandert, also bin ich mittlerweile schon fast 13 Jahre hier.

Warum genau Australien?
1993/94 (nach meinem Studium) war ich als Backpacker mit »Working Holiday Visum« neun Monate in Australien und zwei Monate in Neuseeland. Gleich als ich am Anfang in Australien war, wusste ich, dass ich in diesem Land bleiben und leben will. Es war ein Gefühl von Freiheit, Natur, Platz, wenig Menschen (außerhalb der Städte) und vor allem dass alles hier ganz anders ist als zu Hause, was mich so beeindruckt, fasziniert und angezogen hat. In Holland ist immer schlechtes Wetter und das Land ist zu klein für die vielen Menschen. Als wir 2000 ausgewandert sind, hatten Australien und Holland die gleiche Einwohnerzahl und dabei ist Holland in Größe die Hälfte oder zwei Drittel von Tasmanien. Ich hatte immer den Wunsch in einem anderen Land zu leben, aber war nie wirklich interessiert an Australien, bis ich dann hier war. Nachträglich glaube ich, dass die Anziehungskraft dieses Landes zwar teils auch wirklich mit Australien zu tun hatte, aber sicherlich auch zum Teil einfach nur dadurch entstanden war, weil ich ein Jahr die Freiheit hatte, zu reisen und zu machen was ich wollte. Viele Backpacker wollen am Ende ihres Jahres in Australien bleiben und so ist es mir auch gegangen. Um meinen Traum zu verwirklichen, musste ich aber fünf Jahre warten und in Holland arbeiten, bis ich die genug Berufserfahrung als Psychologin hatte, um mein »Permanent Residency« Visum zu bekommen (mittels australischem Punktesystem). Da hatte ich auch schon die Idee, einen Reitferienbetrieb aufzubauen. Wo und wie ich jetzt wohne und lebe wäre mir so in Holland nie möglich gewesen. 

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt?
Als Backpacker 1993: Ankunft im Hostel in Kings Cross, Spaziergang durch die »Botanical Gardens« und zum Harbour. Eine komplett unerwartete Welt da ich mich vorher überhaupt nicht informiert hatte über Australien. Ich bin zu den »Rocks« gelaufen, dort war eine Hochzeitskutsche, ich habe den Kutschenfahrer angesprochen, ob er ein Job für mich hat und er hat mir die Telefonnummer von seinem Kumpel gegeben. Daraufhin habe ich in Echuca (Victoria) fünf Monate mit Pferden gearbeitet – so hat sich mein erster Job in Australien ergeben. An den ersten Tag, als ich im Jahre 2000 nach Australien auswanderte, kann ich mich hingegen kaum mehr erinnern. Wir hatten eine völlige Krise, was wir da bloß gemacht hatten. Unsere Jobs, unser Haus, unser Alles zu Hause aufgegeben und ab nach Australien ohne genügend Vorbereitungen.

Was war dein größter Kulturschock?
Als wir hier angekommen sind und anfingen uns nach Jobs, einer Mietwohnung, Auto etc. zu erkundigen, haben wir viel per Telefon gemacht, und dann habe ich gemerkt, dass ich die Australier am Telefon gar nicht verstehe und sie mich auch nicht! Daraufhin wurde uns auch bald klar, dass man hier für alles eine »Reference« und einen »Good Credit Record« braucht, weil viele Australier wohl ihre Rechnungen nicht bezahlen. Also ohne ein vorheriges Leben in Australien kann man das ja nicht vorweisen und dann ist es ganz schön schwierig eine Mietwohnung zu finden oder Telefon- und Stromanschluss zu bekommen. Und als Drittes kam dann die Ernüchterung, als ich schließlich lernte, dass in einen Land herum reisen und in ein Land wohnen zwei ganz unterschiedliche Sachen sind.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir?
Mittlerweile bin ich schon so lange hier, dass ich kein Heimweh mehr habe, weil ich hier jetzt mein Zuhause habe. Manchmal wenn ich in Holland bin, habe ich Heimweh nach Australien! Aber bis ich dahin gekommen bin, hatte ich viele Jahre Heimweh – nicht so sehr nach Holland, aber nach meiner Familie und meinen Freunden. Irgendwann nach sieben oder acht Jahren kam dann die Gefühlswende. Am schwierigsten finde ich es, wenn meine Freunde mich hier besuchen und wieder abreisen. Dann wünsche ich mir, sie würden auch nach Australien auswandern.


Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben?
Das einzigartige Land auf der anderen Seite der Welt, wo alles anders ist.

Was gefällt dir besonders gut an Australien?
Mein Leben in Australien! Die Natur, das Leben draußen, die Ruhe, der einsame Strand, die Tiere, der Duft von Eukalyptus an heißen Tagen, das Wetter (wenn auch die letzten drei Jahre nicht so gut waren), das Gefühl von Freiheit. In Australien hatte ich die Möglichkeit, mir ein ganz besonderes Zuhause zu schaffen und mir meinen Traum vom Leben mit Pferden zu verwirklichen – etwas was mir in Europa wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre. Es gibt aber auch Nachteile: Vieles ist teuer (Futter für Mensch UND Tier, Leben in einer kleinen Wohnung in der Stadt UND auch auf einem Grundstück auf dem Lande), aber dafür sind andere Sachen hier doch noch viel einfacher und teilweise sogar billiger – so wie z.B. eine kleine Farm kaufen und ein Pferdegeschäft aufbauen.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Im Allgemeinem: Von vielen australischen Gewohnheiten, die in deinem Blog schon ausführlich besprochen wurden, bin ich nicht sehr begeistert. Obwohl ich mich in zwölf Jahren wohl an alles gewöhnt habe, staune ich manchmal immer noch über bestimmte Verhaltensweisen. Aber gib mir noch fünf weitere Jahre und mich wundert nichts mehr! Man kann aber auch so rum fragen: Woran werden die Australier sich wohl nie bei mir gewöhnen? Die direkte, unkomplizierte und informelle Art mit der man sich in Holland begegnet, ist für viele Australier merkwürdig. Entweder sie finden es witzig oder sie sind beleidigt oder auch beides. Nur eins lerne ich nie: Dass es nirgendwo zum Kaffee ein vernünftiges Stück Kuchen zu einem normalen Preis zu kaufen gibt. Und wie schrecklich viele Australier mit ihren Tieren umgehen.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien?
Zum Sonnenuntergang der Lighthouse Beach in Byron Bay (New South Wales); zum Sonnenaufgang die leuchtenden Farben der Felsen von Wilpena Pound in den Flinders Ranges (South Australia); unter dem funkelnden Sternenhimmel (am besten in Western Australia); im Sommer die roten Steine und glasklares Wasser im Freycinet Nationalpark (Tasmanien); im Winter die blaue Wasserfarbe und der weiße Sand bei den Whitsunday Islands (Queensland). Auf jeden Fall ist der schönste Ort für mich kein von Menschen geschaffenes, sondern ein Naturerlebnis. Und davon ist ganz Australien voll.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Ich weiß es nicht, aber ich habe mir damals Australien ausgesucht, wollte unbedingt hierhin auswandern, habe jetzt hier mein Zuhause und fühle mich wohl in meinem Leben hier.

 Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an?
Ja, soweit ist es jetzt tatsächlich gekommen. Es ist mit der Zeit automatisch geworden, wie sehr ich mich auch dagegen gewehrt habe. Antworten tue ich aber meistens nicht, wenn mich jemand damit anspricht (z.B. im Supermarkt) aber das ist eigentlich ja auch schon sehr australisches Benehmen.

Isst du Vegemite zum Frühstück?
Ich habe Vegemite vor vielen Jahren gekostet – einmal und nie wieder! Ich bin immer erstaunt, dass meine australischen Reitgäste das Glas Vegemite auf unserem Frühstückstisch tatsächlich essen, denn eigentlich habe ich das nur hingelegt als Witz, damit die Touristen das mal kosten können.

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Ich bin seit zwölf Jahren in Australien und habe seit zwölf Jahren keine Weihnachten erlebt. Dieses Fest ist aus meinem Leben verschwunden, seit ich hier bin. Und da ich im australischen Dezember sowieso keine Weihnachtsstimmung habe, vermisse ich es eigentlich auch gar nicht so sehr. Nur wenn man bei Aldi wieder mal Lebkuchen hat, dann fällt mir ein, dass wohl bald Weihnachten ist. Der Lebkuchen schmeckt aber gar nicht, wenn es draußen 30°C im Schatten hat.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du?
Ich bevorzuge das ruhige Meer, damit ich gemütlich schwimmen kann, ohne gleich in der Waschmaschine zu landen.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots?
Nein, ich teile – zum Glück – nicht das australische Modebewusstsein, denn da gibt es noch viel schlimmere Sachen, die die Leute hier anziehen!

No worries

FOTO: KATHY HOLTRUST
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Lisa aus Deutschland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Lisa aus Deutschland, die aufgrund einer beruflichen Entsendung nach Sydney gekommen ist und hier erstmals ein paar Jahre das Leben in Australien testen möchte.

Über dich und deine Erlebnisse:

Wie alt bist du, woher kommst du und was machst du in Australien?
Ich komme aus Herford, einer 70.000 Einwohner großen Stadt im schönen Ostwestfalen (NRW) Deutschlands, wo die Leute im Allgemeinen mürrisch und hart zu knacken sein sollen, aber im Inneren ganz ganz feine, treue und loyale Menschen sind. Ich bin 27 Jahre alt und bin im Rahmen einer 2-jährigen beruflichen Entsendung in Sydney zum Arbeiten gelandet und bin nun seit neun Monaten hier.

Warum genau Australien?
Bei einer beruflichen Entsendung kann man es sich als Arbeitnehmer nicht aussuchen, wohin die Reise geht, aber ich dachte zuvor immer: Wenn mal im Ausland arbeiten und leben, dann wäre Australien mein Favorit. Ansonsten wären Kanada und Japan weitere Kandidaten gewesen, allerdings war Japan nach der Nuklearkatastrophe letztes Jahr dann raus.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt?
An meinem ersten Tag hat mich ein Arbeitskollege, der ursprünglich auch aus Deutschland kommt, aber schon seit drei Jahren in Australien arbeitet und lebt, vom Hotel abgeholt und in die Stadt gefahren. Zum ersten Mal das Opera House und die Harbour Bridge bei schönstem Sonnenschein sehen, das war schon aufregend. Kaffee trinken in der Opera Bar und am Darling Harbour und durch die Stadt spazieren, das war ein nettes Sightseeing Programm. Aber am Folgetag begann der Ernst des Lebens mit der Arbeit ...


Was war dein größter Kulturschock?
Die Arbeitsmentalität. Ich muss sagen, dass die Australier (ich nenne jetzt einfach mal alle Australier, die hier eine Permanent Residency oder Citizenship haben – denn ab wann kann man sagen: Du bist Australier?), die ich zu Beginn privat kennengelernt habe super hilfsbereit, liebenswert, interessiert und aufgeschlossen mir gegenüber als neuer Person waren. Auch bei der Arbeit schien der Eindruck identisch zu sein, aber nach wenigen Monaten verblasste dieser Schein. Künstliche Fassaden kann man nicht allzu lange aufrecht halten. Nun ist der Eindruck wie folgt: »Australier« gehen im Allgemeinen nicht gern arbeiten. Und wenn sie sich dann morgens aufgerafft haben und bei der Arbeit erscheinen, sollte man es bloß nicht wagen sie zu stören. Denn der Durchschnittsangestellte scheint zu denken: Ich werde für Anwesenheit bezahlt, nicht für Leistung. Das schlimme daran ist, dass die Führungskraft dies nicht sonderlich sanktioniert. Aber wie auch ... sie merken es ja meist nicht mal. Und wenn man dann auch noch die Dreistigkeit besitzt und versucht Abläufe, Prozesse und simple Tätigkeiten zu verbessern, dann hat man ganz verloren. Denn neben dem eigentlichen Arbeiten ist Veränderung ja immer noch das Schlimmste. Aber dies sind nur die Durchschnittsaustralier ... natürlich gibt es auch Ausnahmen ... wenige ...


Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir?
Mir fehlt meine Familie, meine besten Freunde, die Option sich schnell mal treffen zu können, das Grün in Deutschland, die Luft draußen zum Atmen, die Traditionen wie das Sonntags-Frühstück mit der Familie, mit deutschen Brötchen, Aufschnitt und ganz viel leckerem Käse, das Essen gehen, bei dem man qualitativ gutes Essen zu einem anständigen Preis bekommt, Wohnfläche die sogar als Eigentum finanzierbar ist, 20 km, die in maximal 20 Minuten mit dem Auto zu bewältigen sind, die Kollegen und Arbeitskultur der deutschen Firma ...

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben?
»Laid back«, viel zu teuer und ein wenig strukturlos.

Was gefällt dir besonders gut an Australien?
Die Strände und die Sportbegeisterung hier.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Die Arbeitskultur mit der fehlenden Arbeitsmotivation, den fürchterlichen Verkehr bzw. die fehlende Infrastruktur für eine 4 Millionen Einwohnerstadt, die Wucher-Preise in Supermärkten und Restaurants, den Lebensstil der Australier.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien?
Da Australien so unglaublich groß ist, habe ich es bislang mit den wenigen Urlaubstagen, die man als australischer Angestellter hat, nur nach Brisbane im Norden, Canberra im Inland, Tasmania außerhalb von der großen Insel und an der Küste entlang nach Melbourne und ein bisschen weiter zu den Twelve Apostles geschafft – definitiv einer der schönsten Fleckchen Erde hier, wobei die gesamte Strecke landschaftlich einfach super schön ist. Aber mein Lieblingsstrand ist und bleibt Hyams Beach, gut drei Stunden südlich von Sydney. Kaum Wellen, feinster weißer Sandstrand, ein super süßes freundliches Café mit leckerem Kaffee und Essen und noch hinzu mit nicht allzu vielen Besuchern.


Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Hhmm ... ich denke, dass es noch wesentlich unattraktivere Länder für eine Entsendung als Australien gibt. Aber je öfter oder länger man von »zu Hause« weg ist, desto mehr lernt man die Dinge, die dort gut laufen, zu schätzen und zu vermissen. Das »schlimmste« an Australien ist, dass es so weit weg ist. Nicht nur von Deutschland sondern irgendwie von allem. Würde man in Spanien leben, hätte man zumindest die Option hin und wieder mal nach Hause zu fliegen. So gibt es diese Option leider nicht. Und da Australien außer Fisch und Rindfleisch nichts günstig kann, sind die Flüge in der Regel auch noch super teuer. Eine Erfahrung ist es aber allemal wert.

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an?
Nein, ich liebe Abwechslung und kann mich mehrerer Begrüßungsfloskeln sogar in der Englischen Sprache bedienen.

Isst du Vegemite zum Frühstück?
Niemals ... widerlich .... baaahhhh!

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Ich kann mich selbst als Glückskind bezeichnen, dass ich direkt in der ersten Woche in Australien über Zufälle und Umwege meinen jetzigen Freund kennengelernt habe. Er selbst ist nach Australien ausgewandert und so haben wir Weihnachten, Deutsche feiern ja immer noch am 24. Dezember, zu zweit erst am Strand, dann mit einem leckeren Essen, Geschenken und später mit Freunden in der Mitternachtsmesse in der St Mary Cathedral verbracht. Ohne ihn wäre es ein Graus gewesen, aber so war Weihnachten sehr schön.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du?
Zum Schwimmen bevorzuge ich Buchten, in denen das Meer wellenfrei ist und ich somit alles, was um mich herum im Wasser passiert sehen kann. Zum Erholen liebe ich das Geräusch der Wellen, aber aufgrund der vielen giftigen Quallen, der Haie und was es sonst noch so in Australien gibt, traue ich mich dort kaum ins Wasser, höchstens zum schnellen Abkühlen im Sommer.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots?
Haha, ja ... aber kein in Australien, sondern in den USA erworbenes Paar. Und ich bin sehr froh, dass ich es habe, denn die australischen Winter sind kälter, als ich es angenommen hatte.

No worries!

FOTO: NINA FISCHER
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Eingestellt von : Nina Fischer
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