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Australien: Ein besseres Leben?

Wie bereits im vergangenen Jahr und in jenem davor schaffte es Australien auch bei der OECD-Studie 2015, dem Better Life Index, auf Platz eins. Besonders gut hat Australien bei den Themen bürgerschaftliches Engagement, Gesundheit und Bildung abgeschnitten. Am unteren Ende der Liste – und im Vergleich dazu etwas aus dem Rahmen fallend – befindet sich die Work-Life-Balance. Von insgesamt 36 Ländern liegt Australien hier an 30. Stelle. Die Studie besagt, dass 14% aller Angestellten 50 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten und die Australier nur 60% ihres Tages persönlichen Bedürfnissen (Schlafen, Essen etc.) und Freizeitaktivitäten widmen. Damit liegt Australien unter dem OECD-Durchschnitt und hinter allen europäischen Ländern.

Lebensqualität
Warum möchten so viele Deutsche unbedingt nach Australien auswandern? Neben dem guten Wetter wird oftmals als erstes die Lebensqualität genannt. Diese soll ja (angeblich) in Australien so viel besser sein. Aber was genau versteht man denn eigentlich darunter? Bezieht sich das wirklich nur auf die vielen Sonnenstunden? Die Nähe zur Natur? Den Traum vom Leben am Meer? Oder die Hoffnung, Teil einer stressfreieren Gesellschaft zu sein? Formale Themen wie Bildung, Arbeit, Sicherheit und Gesundheit sollten hier zwar ebenfalls eine Rolle spielen, werden aber nur selten als Grund genannt, um nach Australien auszuwandern. Viele Auswanderer oder jene, die es gerne noch werden wollen, sind in erster Linie an der einzigartigen Lebensqualität dieses Landes interessiert. Und ich gebe zu – in einer wunderschönen Stadt wie Sydney zu leben, in der es Strände, Natur und Freizeitangebote im Überfluss gibt – ist schon etwas ganz besonderes. Die Leute sind locker drauf, stressen tut sich hier kaum jemand und wenn, dann lässt man es sich nicht anmerken. Ist es jedoch den Preis wert, den man für diese Lebensqualität bezahlt?

(Über)leben
Sydney ist ein teures Pflaster. Klar kann man in Australien auch günstig leben, wenn man sich irgendwo auf dem Land niederlässt, diesen Traum verfolgen jedoch nicht alle. Den Großteil zieht es in die Städte und dort ist das Leben teuer. Eine Neubauwohnung in Sydneys Inner West mit 75 m² kostet schnell mal $700 Miete pro Woche (nein, ich habe mich nicht verschrieben, es ist wirklich pro Woche). Ein Zimmer in einer WG, das man sich mit einer anderen Person teilen muss, kostet so um die $180 pro Woche. Für ein Einzelzimmer wären das also $360. Der Brutto-Mindestlohn in Australien beträgt derzeit knapp $35.000 im Jahr (ca. $16,40 pro Stunde). Wieviel man in Australien durchschnittlich verdient, ist schwer zu sagen, da es hierzu unzählige Statistiken gibt und jede einen anderen Betrag nennt, sie variieren jedoch meistens zwischen $55.000 und $75.000 im Jahr. Laut einem aktuellen Bericht des Business Insider muss man in Sydney jedoch mindestens $106.000, in Melbourne $75.400 im Jahr verdienen, um sich ein Eigenheim im Mittelsegment leisten zu können. Wie gut die Australier mit ihrem Gehalt zurecht kommen, könnt ihr in diesem Bericht nachlesen.

Work-Life-Balance
Als Angestellter in Australien hat man in New South Wales nur neun Feiertage und 20 Urlaubstage im Jahr. Im Vergleich dazu genießt man in Österreich 13 Feiertage und 25 Tage Urlaub. Deutschland hat neun Feiertage in Berlin, zwölf Feiertage in Bayern und durchschnittlich ebenfalls 25 Tage Urlaub (oder sogar 30). Da auch Modelle wie Gleitzeit und Zeitausgleich hier weitgehend unbekannt sind, verbringt man in Australien wesentlich mehr Zeit seines Lebens am Arbeitsplatz – und diese wird hoch bewertet: Lieber ein Angestellter, der zwischendurch im Internet surft und nicht effizient arbeitet, dafür aber anwesend ist, als ein Angestellter, der seinen Job zwar schnell und gut macht und dafür aber früher nach Hause geht. Im Normalfall wird auch von einem erwartet, dass man unbezahlte Überstunden macht. Laut einer Studie des Australia Institute sind das durchschnittlich sechs Stunden pro Woche. Weiters heißt es in der Studie, dass 50% der Befragten ihren Jahresurlaub nicht oder nur teilweise in Anspruch nehmen. Jeder fünfte Angestellte verzichtet auf seine Mittagspause. Als Gründe hierfür nennen viele Australier, dass sie sich direkt oder indirekt vom Chef unter Druck gesetzt fühlen oder Angst davor haben, die Arbeitsstelle zu verlieren.

Australische Auswanderer
Genau aus diesen Gründen zieht es auch einige Australier ins Ausland: Carly Hulls, die nach Wien ausgewandert ist, gefällt an Österreich unter anderem die Work-Life-Balance besonders gut. Sie habe hier gelernt, alles etwas ruhiger anzugehen und ihre Wochenenden und ihre Freizeit mehr zu schätzen. Auch die Familie Binning, die nach Dänemark ausgewandert ist, weiß die »gesunde Arbeitskultur, in der auch Platz für ein Leben außerhalb der Arbeit ist« sehr zu schätzen. Auch sie hätten sich in Australien nicht getraut, den vollen Jahresurlaub in Anspruch zu nehmen, aus Angst den Job zu verlieren oder der Karriere zu schaden. Ähnlich Positives hatte auch eine Freundin von mir zu berichten, die als Australierin zwei Jahre in Dänemark gelebt und gearbeitet hat.

Fazit: Nur weil Australien immer wieder zur lebenswertesten Nation der Welt gekürt wird, heißt das noch lange nicht, dass jeder Auswanderer hier findet, was er sucht. Die Nähe zum Meer und das Leben in einem Land, in dem alle ziemlich locker drauf sind, ist für viele der Traum schlechthin. Ob es den Preis tatsächlich wert ist, den man dafür bezahlt, muss aber jeder für sich entscheiden. Denn wer Lebensqualität in erster Linie mit einer gesunden Work-Life-Balance gleichsetzt, für den ist Australien vielleicht dann doch nicht das Richtige.

No worries!

FOTO: NICK DH.B. (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Heimweh – Was tun?

Wir alle kennen das Gefühl. Heimweh gehört zum Auswandern genauso dazu, wie die schwierige Entscheidung, wie man bloß all sein Hab und Gut in einen Koffer packt. Auch ich hatte in meiner ersten Zeit in Australien sehr viel Heimweh. Erst als ich nach eineinhalb Jahren das erste Mal wieder auf Besuch in Österreich war, habe ich festgestellt, dass es doch einiges gibt, was ich am Leben in Australien sehr zu schätzen weiß. Danach ging es etwas besser. Heute kommt das Heimweh in Wellen, aber nicht mehr ganz so regelmäßig. Am schlimmsten ist es, wenn ich gerade von einem Heimaturlaub zurück nach Australien komme. Umgekehrt fühle ich mich in Australien am wohlsten, wenn ich weiß, dass ich bald wieder Urlaub in der Heimat mache (und ertappe mich dabei, wie ich mir im letzten Moment denke, eigentlich will ich gar nicht heim, ist doch grade so schön hier).

Ich habe hier in aller Ausführlichkeit aufgeschrieben, was mir im Laufe der Zeit gegen Heimweh geholfen hat bzw. mir immer noch hilft. Vielleicht sind für den einen oder anderen Auswanderer unter euch ein paar Tipps dabei.

Sportclubs oder Vereinen beitreten. Gleich zu Beginn habe ich mir verschiedene Sportclubs heraus gesucht und bin Mitglied in einem Volleyballverein geworden. Einerseits ist es gut, wenn man raus kommt und sich sportlich betätigt, andererseits hat es mir auch geholfen, neue Leute kennen zu lernen. Vor allem hat es mich aber unabhängiger gemacht. Ich bin ein sehr aktiver Mensch und hatte zu Beginn nur meinen Mann, mit dem ich Sachen unternehmen konnte. Diese Abhängigkeit hat mich sehr eingeschränkt. Gerade im Volleyballverein habe ich viele andere Auswanderer kennen gelernt und eine dieser Bekanntschaften hat sich sogar zu einer bis heute andauernden Freundschaft entwickelt.

Sich eine neue Herausforderung suchen. Ich bin ein Mensch, der keine Veränderungen mag. Am liebsten ist es mir, wenn alles so bleibt, wie es ist. Daher werfen mich einschneidende Erlebnisse – wie z.B. nach Australien auszuwandern – leicht aus der Bahn. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich eine Routine habe und es fiel mir anfangs sehr schwer, loszulassen und mich auf etwas Neues einzulassen. Irgendwann zwischen »ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll« und »ich weiß gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin und was ich will«, habe ich den Entschluss gefasst, Surfen zu lernen. Einfach mal so. Und nicht aufzugeben, bis ich (halbwegs) gut darin bin. Das war meine große Herausforderung und es hat mir geholfen, mich auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren. Das mache ich auch heute noch so. Wenn ich wieder mal alles in Frage stelle, dann konzentriere ich mich gedanklich (und wenn es geht auch aktiv) einfach aufs Surfen. Gleichzeitig hat es mir das Land und die Leute ein Stück näher gebracht und als Bonus habe ich dadurch auch einige nette Australier kennen gelernt. Deshalb: Geh raus und such dir deine eigene Herausforderung, jeder hat Träume und braucht Ziele! 

Den regelmäßigen Kontakt mit den Liebsten daheim erhalten. Einerseits gibt es im digitalen Zeitalter genug Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben, egal wo auf der Welt man sich gerade befindet, andererseits kann die Kommunikation übers Internet aber keine menschlichen Kontakte ersetzen. Die Zeitverschiebung macht es auch nicht unbedingt leichter. Ich habe den Fehler gemacht, mich viel zu schnell abzukoppeln und hatte lange Zeit keinen regelmäßigen Kontakt mit Freunden und Familie daheim. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass das notwendig ist und man auch seine »digitalen« Freundschaften pflegen muss, wenn man den Anschluss nicht verlieren will. Heute achte ich bewusster darauf, in Kontakt zu bleiben. Es tut einfach wahnsinnig gut, wenn man zwischendurch ein Foto oder eine liebe Nachricht von einem guten Freund geschickt bekommt. Es gibt einem das Gefühl, immer noch Teil von dessen Leben zu sein.

Traditionen aufrecht erhalten. In Maßen. Mein erstes Weihnachten in Australien habe ich bewusst ausgelassen. Ich habe mir damals gedacht: Wieso feiern? Weit weg von der Familie, kein Schnee weit und breit, stattdessen Hitze, nicht mal ein richtiger Baum, zu warm für Weihnachtskekse ... Mein Mann hat es generell nicht so mit Traditionen, aber als er gemerkt hat, wie unglücklich mich das machte – Weihnachten auszulassen – hat er spontan einen Baum aufgestellt. Ja, er war aus Plastik und mickrig obendrein. Aber die Geste hat mir bewusst gemacht, dass Traditionen wichtig sind und nur weil man in ein anderes Land zieht, sollte man nicht einfach alles, was bis dahin Bedeutung hatte, über Bord werfen. Es ist okay, seine Traditionen mitzunehmen. Aus diesem Grund habe ich an meinem zweiten Weihnachten in Australien wie verrückt Kekse gebacken, Glühwein gekocht, Weihnachtslieder gehört, einen Baum gekauft und sogar einen Adventskalender gebastelt. Ganz so übertrieben muss man sich aber auf nicht an Traditionen klammern. (Ich habe ziemlich schnell fest gestellt, dass Weihnachten im Sommer und Let It Snow nicht so ganz zusammen passen.) Noch besser ist also, wenn man anfängt, neue Traditionen anzunehmen und gleichzeitig alte zu behalten und mit anderen zu teilen. Man hat dann sozusagen das Beste von beiden Welten.

Deutsche Gerichte kochen. Das Essen habe ich von Anfang an sehr vermisst. Es gab eine ganze Liste an Dingen, ohne die ich nicht leben konnte. Diese Liste gibt es zwar noch immer, aber sie ist mittlerweile um einiges kürzer. Damals bin ich ganz Sydney abgefahren, um irgendwo geräucherten Speck und »richtigen« Schnaps zu finden, bin regelmäßig zum deutschen Metzger und zum deutschen Bäcker, habe die Rezepte von meiner Mama nachgekocht, selber Knödel geformt, Spätzle gemacht, ja ich war nahe dran, selber Brot zu backen. Damals hat mir das sehr über das Heimweh hinweg geholfen, heute sehe ich das Ganze etwas lockerer. Mit der Zeit wird man erfinderisch und passt sich an, geht Kompromisse ein und entdeckt neue Vorlieben. Dafür freut man sich dann um so mehr auf Mamas Küche beim nächsten Besuch in der Heimat.

Sich mit anderen Auswanderern austauschen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, so sagt man. Und es stimmt tatsächlich. Als frisch gebackener Auswanderer trifft man sich am besten mit anderen frisch gebackenen Auswanderern. Man kann sich über Erfahrungen und erste Eindrücke in der neuen Heimat austauschen und stellt oft fest, selbst wenn man nicht viel gemeinsam hat, hat man doch mehr gemeinsam als man denkt: und zwar die selben Wurzeln. Um seine Erlebnisse zu verarbeiten, ist es also unabdingbar, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Ich finde es immer wieder spannend, neue Leute kennenzulernen, die ebenfalls den Schritt gewagt haben, in ein anderes Land auszuwandern. Ich möchte diese Erfahrung auf keinen Fall missen. Der einzige Nachteil: Man lernt leider auch sehr viele Leute kennen und schätzen, die dann plötzlich wieder weg sind (weil in die Heimat zurück gekehrt).

Sich ein Zuhause schaffen, indem man sich wohl fühlt. Viel zu lange habe ich nach dem Motto gelebt: Ich weiß ja nicht, wie lange ich in Australien bleiben werde, also kaufe ich mir am besten gar nichts. Das hat auch dazu geführt, dass ich mich ein Jahr lang geweigert habe, unsere Wohnung zu dekorieren. Ich wollte einfach kein Herzblut (oder Geld) in irgendetwas stecken, dass ich dann vielleicht wieder zurücklassen muss. Unter diesen Umständen ein neues Leben zu beginnen, ist jedoch gar nicht so einfach. Man muss schon dazu bereit sein, ein bisschen zu investieren, um sich ein neues Zuhause zu schaffen. Immer zwischen zwei Stühlen zu sitzen, macht auf Dauer unglücklich.

Beratung oder Therapie in Anspruch nehmen. Manchmal kann das Gefühl von Heimweh die Oberhand ergreifen und vereinnahmt das ganze Leben. Man fühlt sich verloren, entwurzelt, weiß nicht mehr, was man will – doch wieder zurück oder hier bleiben – vermisst das, was man zurück gelassen hat und gleichzeitig wird man das Gefühl nicht los, dass man nicht mehr zurück kann. Ich weiß, wie verwirrend diese Gefühle sein können. Oft hilft es schon, über seine Erlebnisse zu sprechen, um diese zu verarbeiten. Was aber tun, wenn der Partner »die immer selbe Leier« schon nicht mehr hören kann, man seine Familie und Freunde daheim nicht belasten will und sonst eigentlich niemanden in der neuen Heimat hat, mit dem man offen reden könnte? Manchmal kann es durchaus hilfreich sein, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Sich einmal alles von der Seele zu reden und dabei weder kritisiert noch beurteilt zu werden, kann für den einen oder anderen Wunder wirken.

Immer die positiven Dinge hervorheben. Was mir auch sehr geholfen hat, ist ein kleines, aber feines Tagebuch zu führen, in dem ich mich auf die positiven Dinge konzentrierte – ein so genannten Glückstagebuch. Und das geht so: Jeden Abend vor dem Schlafen gehen, nimmst du dir einen Moment Zeit und denkst über deinen Tag nach. Dann schreibst du drei gute Dinge auf, die an diesem Tag passiert sind. Dabei geht es darum, bewusst die positiven Dinge im Leben wahrzunehmen und den Alltag schätzen zu lernen. Denn auch an (schlechten) Tagen, an denen man Heimweh hat, können gute Dinge passieren – wenn dich z.B. gerade dann ein guter Freund nach deinem Befinden fragt. Wenn man sich rückblickend anschaut, was im Tagebuch geschrieben steht, bekommt man auch ein besseres Gefühl dafür, was einen eigentlich glücklich macht. Das können schon ganz banale Dinge sein, wie z.B. ein guter Kaffee am Morgen. So lernt man, sich selbst über Kleinigkeiten zu freuen. Unbedingt ausprobieren!

Kurzfristige Ziele stecken. Wir können viel von Beppo, dem Straßenkehrer aus Michael Endes Kindergeschichte Momo lernen. Weise hat er festgestellt, dass es viel einfacher ist, nie an den ganzen Weg zu denken, sondern immer nur an einen Besenstrich nach dem anderen. Und wie Recht er doch hat. Als ich den Entschluss gefasst habe, nach Australien zu gehen, war vor allem der Gedanke an die Endgültigkeit meiner Entscheidung besonders furchteinflößend. Auszuwandern mit der Gewissheit, dass man nie mehr zurück kehren wird, muss ein schreckliches Gefühl sein. Auswandern »auf Probe« ist hingegen wesentlich leichter verdaulich. Es ist deshalb sehr hilfreich, sich kurzfristige Ziele zu stecken. So war der Besuch meiner Eltern, ein Jahr nachdem ich ausgewandert bin, der erste Meilenstein für mich. Als der Zeitpunkt jedoch gekommen war, habe ich mir ein neues Ziel gesteckt: Eine Reise, die ich unbedingt machen wollte. Der dritte Meilenstein war dann meine eigene Hochzeit in Australien. Egal was für kurzfristige Ziele du dir steckst, man schläft wesentlich beruhigter, wenn man bereits den nächsten Meilenstein vor Augen hat.

Spazieren gehen. Klingt komisch, hilft aber, zumindest kurzfristig. Nicht umsonst gibt es im Englischen das Sprichwort to walk it off. Was frei übersetzt so viel bedeutet wie »über etwas hinweg kommen«. Oftmals hilft es tatsächlich, einfach raus zu gehen, die Sonne zu genießen (die hier ja doch ziemlich oft scheint) und zu laufen. Mir hat es in vielen Situationen geholfen, meine Gedanken zu sortieren und mich zu entspannen. Nimm dir einfach vor, in einem schönen Park oder am Strand spazieren zu gehen und erst aufzuhören, wenn du dich besser fühlst. Manchmal dauert es zehn Minuten, manchmal drei Stunden – aber helfen tut es auf jeden Fall.

Urlaube planen (und machen). Ich habe irgendwo eine Studie gelesen, dass Menschen, die Urlaub machen, andere Länder bereisen und neue Kulturen kennenlernen, glücklicher sind. Ich denke daher, dass dies auch gegen Heimweh helfen kann. Wer reist und neue Dinge erlebt, ist abgelenkt, hat weniger Heimweh, ergo ist glücklicher. Und wenn man schon ans andere Ende der Welt auswandert, sollte man sich zumindest die Zeit nehmen, seine neue Heimat zu erforschen. Mach dir also eine Bucket List und plan schon mal deine nächste Reise. Für mich war und ist es immer noch sehr wichtig, mich auf den nächsten Urlaub freuen zu können. Auch wenn es nur ein Wochenende in Byron Bay ist. Nicht umsonst sagt man: Vorfreude ist die schönste Freude. 

Sich mit der neuen Heimat bewusst auseinandersetzen. Heimweh hat man, weil man etwas zurück gelassen hat, weil einem etwas fehlt. Gleichzeitig ist man jedoch in einer neuen Umgebung, die man gerne früher oder später auch Heimat nennen möchte. Ohne loszulassen, kann man sich aber nicht für Neues öffnen. Dieser Prozess ist langwierig und mitunter schmerzhaft. Aber genauso wie es physisch unmöglich ist, von einem Ort zum anderen zu laufen, ohne den Ort des Ursprungs tatsächlich zu verlassen, kann man auch nicht in der neuen Heimat ankommen, ohne sich ein Stück weit von der alten Heimat loszulösen. Ich kann jedem, der mitten in diesem Prozess steckt, nur empfehlen, sich intensiv mit Australien auseinanderzusetzen. Geh auf die Straße, rede mit Leuten, lauf mit offenen Augen und Ohren durch die Gegend, hör australische Radiosender, lies Zeitungen, besuch lokale Veranstaltungen. Sei offen und neugierig und lerne deine neue Heimat bewusst kennen. Du wirst sicher einiges entdecken, das dir (auf den ersten Blick) nicht so sehr gefällt, aber es wird dich auch vieles überraschen. Ich habe eine ganze Weile in einem Café gejobbt und dadurch viele interessante Gespräche mit Australiern geführt. Und ich habe zu jener Zeit auch angefangen, dieses Blog zu schreiben.

No worries!
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Australiens Bevölkerung in Zahlen

Das Institut für Gesundheit und Sozialfürsorge hat einen interessanten Bericht zum Leben in Australien veröffentlicht. Die Statistiken beziehen sich nicht nur auf Aspekte der Demographie, sondern beleuchten auch die Themen Ausbildung, Veränderungen am Arbeitsmarkt, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Überalterung der Gesellschaft und vieles mehr. Der gesamte Bericht kann hier eingesehen werden. Die Schlüsselerkenntnisse sind wie folgt zusammengefasst.

Australiens Bevölkerung wird älter
Australiens Bevölkerung wächst zwar stetig, wird aber auch immer älter. Noch macht die Gruppe der 25 bis 64-Jährigen die klare Mehrheit aus. 2014 waren 15% der Bevölkerung älter als 65 Jahre, im Jahr 2054 soll diese Altersgruppe bereits mindestens 21% ausmachen.

Anzahl an Menschen mit Behinderung ist gleich geblieben
Der Prozentsatz an Menschen, die mit einer Behinderung leben, ist seit 2009 – trotz der Alterung der Gesellschaft – gleich geblieben und betrifft in Australien eine von fünf Personen, was ungefähr 19% aller Australier entspricht. 86% der betroffenen Gruppe sind jedoch 90 Jahre oder älter. Die Erwerbsquote der 15 bis 64-Jährigen, die mit einer Behinderung leben, liegt bei 53%.

Arbeitskräftewandel – Mehr erwerbstätige Frauen, Männer und Frauen arbeiten länger
Im Jahr 2004/05 lag das durchschnittliche Pensionsantrittsalter bei Männern bei 58 Jahren und bei Frauen bei 47 Jahren. Heute gehen Frauen erst mit 50 Jahren in Pension. Gleichzeitig ist die Beschäftigungsquote von Frauen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren von 62% auf 71% gestiegen, während sie beim männlichen Geschlecht ungefähr gleich geblieben ist. Weiters ist die Beschäftigungsquote im Alter von 65 bis 69 Jahren bei Männer um das Doppelte, bei Frauen sogar um das 4-Fache angestiegen.

Mehr Mieter, weniger Hauseigentümer
Die Zahl der Mieter ist von 1994/95 bis 2011/12 von 18% auf 25% gestiegen, während die Zahl der Hauseigentümer, die einen Kredit abzahlen müssen, von 30% auf 37% gestiegen ist. Gleichzeitig geht die Zahl derjenigen, die eine Wohnung oder ein Haus kreditfrei besitzen, stetig zurück. Haushalte mit niedrigem Einkommen geben 41% ihres Gehalts für die Miete aus. 4% der Bevölkerung lebt in einer Sozialwohnung.

Kleine Fortschritte bei den Ureinwohnern Australiens
Im Jahr 2012/13 waren Sozialleistungen nur mehr für 50% der australischen Ureinwohner die alleinige Einnahmequelle (im Vergleich zu 16% in der restlichen Bevölkerung). Zehn Jahre zuvor waren es noch 63%. Die Zahl der Ureinwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren, die einer Erwerbstätigkeit nachgeht, lag 2012/13 bei 48%. Laut eigenen Angaben können 41% der erwerbstätigen Ureinwohner von ihrem Einkommen leben. Diese Zahl ist seit 2002 um 9% gestiegen.

Einige weitere interessante Fakten:
  • 28% der Bevölkerung wurde nicht in Australien geboren – in dieser Gruppe stammen 37% aus Europa, 35% aus Asien und 12% aus dem ozeanischen Raum.
  • 71% aller Australier leben in Großstädten.
  • 23% aller Australier leben in einem Single-Haushalt.
  • Haushalte mit niedrigem Einkommen verdienen durchschnittlich $475 pro Woche, während Haushalte mit hohem Einkommen $1.814 pro Woche verdienen.
  • Die Beschäftigungsquote bei Männern ist mit 71% etwas höher als bei den Frauen (59%).
  • Das Durchschnittsalter beim ersten Baby beträgt bei der Frau 30,8 Jahre und beim Mann 33 Jahre.
  • Australien hat eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt – Babys die zwischen 2011 und 2013 geboren wurden, können ein Alter von 80,1 Jahren (Jungen) und 84,3 Jahren (Mädchen) erreichen.
  • 48% aller Kinder bis 12 Jahre verbringen regelmäßig Zeit in der Kinderkrippe. Familien die besser verdienen, nützen externe Kinderbetreuung wesentlich öfter, als Familien mit niedrigem Einkommen.
  • Die Anzahl der 18 bis 24-Jährigen, die bei den Eltern leben, ist von 1997 bis 2012/13 von 50% auf 60% gestiegen.
  • 21% aller jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren trinken Alkohol in Mengen, die sich dauerhaft schädlich auf ihre Gesundheit auswirken könnten, während 29% der gleichen Altersgruppe Drogen konsumieren.
  • Die Jugendarbeitslosigkeit im Jahr 2014 betrug 13,3%. Weiters ist zu beobachten, dass immer mehr junge Leute Teilzeit arbeiten (44%) und die Zahl der Vollzeitbeschäftigten (43%) zurück geht.
  • 67% der erwachsenen Bevölkerung hat einen höheren Abschluss als den Pflichtschulabschluss. Im Jahr 2014 betraf dies 69% aller Männer und 66% aller Frauen.
  • 2014 arbeiteten 25% aller 25 bis 64-Jährigen in einem Teilzeitjob.
  • Männer in Vollzeitbeschäftigung arbeiten durchschnittlich 41,4 Stunden pro Woche während Frauen durchschnittlich 36,9 Stunden pro Woche arbeiten.
  • 2010 verrichteten 38% der Frauen und 34% der Männer eine gemeinnützige Arbeit. Am ehesten werden Sportveranstaltungen und -vereine unterstützt.
No worries!

FOTO: GREG SCALES (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Was will man Meer

Was findet ihr besonders schön an Australien? Für mich gehört unter anderem die Tierwelt und die Nähe zur Natur dazu. Vor allem das Meer und seine Meeresbewohner haben es mir angetan. Und das obwohl ich schon seit Kindertagen kein Freund von Strand bzw. Sand bin.

Schön ist auch die Tatsache, dass man die Tiere nicht suchen oder gar eine Tour machen muss – man begegnet ihnen meistens von ganz alleine. Seit ich in Australien lebe, konnte ich bereits etliche Male Delphine beobachten. In Manly und Cronulla habe ich sie beim Surfen gesehen. Hyams Beach südlich von Sydney ist ein wunderschöner Strand, an dem man auch sehr oft Delphinen begegnet. Ebenso in Byron Bay, dem östlichsten Punkt von Australien. Den Ausblick, den man vom Leuchtturm aus hat, vergisst man so schnell nicht wieder. Ist gerade Walsaison, sollte man sein Fernglas keinesfalls vergessen – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man den einen oder anderen Meeressäuger zu Gesicht bekommt. Haie mit eingeschlossen.

Wer gerne aus nächster Nähe eine Robbe bei ihrem Verdauungsschläfchen beobachten möchte, kann dies beim Sydney Opera House tun. Dort wurde extra die VIP-Stiege abgesperrt, über die normalerweise besondere Gäste vom Wasser aus zum Opera House gelangen, damit der mittlerweile regelmäßige Besucher ungestört in der Sonne dösen kann. Und selbst Wasserschildkröten und Pinguine konnte ich beim Surfen in Sydney bereits beobachten.

Und was ist mit Kängurus und Koalas? Die kleineren Wallabys sieht man ziemlich oft, sobald man raus aufs Land fährt. Ein heißer Tipp um Kängurus zu sehen, sind Golfplätze, da dort das saftigste, grünste Gras wächst. Koalas, die in den letzten Jahrzehnten immer mehr an den Rand der Existenz gedrängt wurden, sind nicht ganz so leicht zu finden. Tatsächlich konnte ich sie erst ein einziges Mal in freier Natur beobachten und das war im Otway National Park in Victoria. Die größte Chance Dingos zu sehen, hat man übrigens auf Fraser Island in Queensland.

No worries!

FOTO: NINA FISCHER
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Begegnung mit Bluebottles

Welcome to Australia! Dies war der Kommentar eines Australiers darauf, dass ich vergangene Woche von mehreren Bluebottles gestochen wurde. So ist das nunmal hier. Man ist kein richtiger Aussie, wenn man nicht mindestens einmal im Leben mit einer Qualle gekämpft hat, meinte er.

Genau genommen sind Bluebottles – in Europa eher unter dem Namen Portuguese Man-Of-War bekannt – gar keine richtigen Quallen. Sie bestehen nämlich nicht aus einem einzigen Lebewesen, sondern aus unterschiedlichen Polypen, die zusammen eine Kolonie gebildet haben. Diese können nur in Koexistenz zueinander existieren, sie sind alleine nicht überlebensfähig. Jeder Polyp konzentriert sich auf eine bestimmte Aufgabe, einige sind z.B. für das Fangen der Beute zuständig, andere für die Verdauung und wieder andere für die Reproduktion. Ganz schön interessant eigentlich, oder nicht?

Diese faszinierende Polypenansammlung lebt innerhalb einer blau schimmernden Blase – auch ein Polyp – der quasi als Segel dient. So werden Bluebottles von Wind und Wetter durch die Ozeane geblasen. Sie sind zwar nur 2-12 cm groß, ihre Fangarme können jedoch mehrere Meter lang werden. Ohne eine Möglichkeit der Steuerung, werden sie im Sommer bei anhaltendem onshore wind an Australiens Strände gespült. Ein nicht gerade gern gesehener, aber sehr häufiger Gast in Sydney.

Gerade als Surfer ist es ein Wunder, dass ich bisher noch keiner Bluebottle begegnet bin. Klar, bei Ebbe trifft man sie öfter mal am Strand an, nachdem sie mit der Flut angespült wurden, im Wasser hatte ich das Vergnügen jedoch noch nicht. Das hat sich vergangene Woche geändert. Leichte Panik kam bei mir auf, als ich da auf meinem Surfboard saß und plötzlich ein paar Bluebottles an mir vorbei getrieben sind. Und schon hat mich eine am Bein gestreift. Ist doch gar nicht so schlimm, denk ich mir, und konzentriere mich wieder aufs Surfen. Leider haben mich dann kurz darauf zwei weitere Bluebottles im Team »angegriffen«, eine hat sich um meinen Oberschenkel gewickelt und die anderen um meinen rechten Fuß und ist dabei blöderweise in meiner leg rope hängen geblieben.

Der Stich einer Bluebottle ist extrem schmerzhaft, habe ich mir immer sagen lassen. Und ja, es brennt wie Feuer, aber es war lange nicht so schlimm, wie ich es mir erwartet hatte. Schnell raus aus dem Wasser und mit frischem Wasser abwaschen, nach 30 Minuten ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Rote Linien mit weißen Punkten, da wo das Gift eingedrungen ist, sind auf meinen Beinen zurück geblieben. So weit so gut. Noch am gleichen Tag wurde ich jedoch von pochenden Kopfschmerzen geplagt und fühlte mich total schlapp und ausgelaugt. 24 Stunden später hatte ich einen richtig fiesen Ausschlag, mein Bein war angeschwollen und es hat mich der schlimmste Juckreiz gepackt, den ich je in meinem Leben verspürt habe. Es hat viel Disziplin, Kortisonsalbe und einige Antihistamin-Tabletten gebraucht, um dem Juckreiz zu widerstehen.

Zwei Tage später waren die Stiche feuerrot und an manchen Stellen haben sich klitzekleine Blasen gebildet. Heute ist es eine Woche her und es schaut alles schon wieder viel besser aus. Seid ihr auch schon Bluebottles begegnet und was sind eure Erfahrungen mit diesen Tierchen?

No worries!

FOTO: NINA FISCHER
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Auf Wohnungssuche in Sydney

Was für Arten von Wohnungen gibt es?
In Sydney gibt es nicht nur viele Apartments, sondern auch kleine Häuser mit Garten zur Miete. Diese können einstöckig oder zweistöckig sein und sind zumeist sehr schmal gebaut. Die kleinste Variante ist gerade mal 3 m breit und hat an die 100 m² Wohnfläche inklusive Veranda und kleinem Garten. Wird in einer Anzeige von einer terrace gesprochen, dann sind damit Reihenhäuser gemeint. Wird die Wohnung als semi bezeichnet, dann bedeutet dies, dass das Haus auf einer Seite freistehend ist, auf der anderen Seite teilt man sich die Wand mit dem Nachbar. Freestanding wäre dann ein Haus, dass auf keiner Seite an das Nachbarhaus angrenzt.

Trotz der Tatsache, dass Sydney eine große Stadt ist, leben doch verhältnismäßig viele Menschen in townhouses. Man möchte gerne sein Eigenheim mit Garten haben, aber gleichzeitig möglichst nahe am Geschehen sein. Sobald man also den CBD – Central Business District – verlässt, findet man viele Wohngegenden mit kleinen Häusern, nicht mehr als 10 Minuten Autofahrt vom Stadtkern entfernt.

Wie findet man eine Mietwohnung?
Die bekanntesten Webseiten zur Immobiliensuche in Australien sind Realestate und Domain. Dort werden aktuelle Wohnungsangebote gepostet. Ausgeschrieben werden die Wohnungen ausschließlich von Maklern, denn in Australien ist es eher schwierig, von jemandem privat zu mieten. Die öffentlichen Besichtigungstermine sollten unbedingt wahr genommen werden, denn einen privaten Termin mit den Maklern zu vereinbaren, ist gar nicht so leicht. Versucht man es trotzdem, muss man hartnäckig sein – meistens wird man ignoriert oder nie zurück gerufen.

Wie wohnt man überhaupt in Australien?
Für unsereins erscheinen wohl manche Dinge etwas seltsam, was für die Australier jedoch ganz normal ist. Es ist hier beispielsweise üblich, in der ganzen Wohnung – mit Ausnahme von Küche und Bad – Spannteppiche zu haben. Einbauküchen sind auch eher eine Seltenheit, meistens ist die Küchenzeile aus verschiedenen Teilen zusammen gebastelt. In Australien ist es auch üblich, dass jeder Mieter seinen eigenen Kühlschrank mitbringt. Andererseits wird vom Vermieter normalerweise eine Waschmaschine zur kostenlosen Benutzung zur Verfügung gestellt. Zwar keine Einbauküche, aber dafür gibt es in jedem Schlafzimmer einen Einbauschrank. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Eine eingebaute Klimaanlage ist in Australien leider nur in neuen Apartments Standard, nicht aber in den etwas älteren townhouses. 

Was mir sonst noch so aufgefallen ist: Es gibt in australischen Wohnungen keinen Flur, wo man seine Jacke aufhängt oder Schuhe abstellt. Oft landet man direkt im Wohnzimmer oder der Küche, wenn man die Wohnung bzw. das Haus betritt. Eine Wohnung mit großer Küche zu finden, ist auch ein schwieriges Unterfangen. Und da die Australier keine richtigen Doppelbetten haben, sondern normalerweise auf einem queen oder king bed schlafen, sind auch die Schlafzimmer dementsprechend klein. Ich war schon in Wohnungen, wenn wir dort unser österreichisches/deutsches Doppelbett aufgebaut hätten, hätte man von der Schlafzimmertüre aus direkt ins Bett hüpfen können.

Was sollte man bei Wohnungsanzeigen beachten?
Von den Maklern wird viel Geld in die Bewerbung einer Wohnung investiert. Die Bilder werden normalerweise von professionellen Fotografen aufgenommen und sind gephotoshoppt was das Zeug hält. Wird die Wohnung möbliert dargestellt, greift man dabei auch gerne in die Trickkiste: Die Möbel werden je nach Blickwinkel verrückt, um den Raum größer wirken zu lassen, als er eigentlich ist. Eine Angabe zur Quadratmeterzahl sucht man meistens vergebens. Wenn bei einem Angebot nicht mindestens ein Foto von jedem Raum (Küche, Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer) gepostet wurde, kann man auch davon ausgehen, dass da irgendwas faul ist. Es kann z.B. sein, dass die Küche gerade neue renoviert wurde, das Bad jedoch 20 Jahre alt ist. Man spart sich also viel Zeit und Energie, wann man diese kleine Regel beachtet: Geh zu keiner Wohnungsbesichtigung, bei der nicht die gesamte Immobilie in der Anzeige vorgestellt wurde.

Auch durch die Sprache, die bei der Anzeige verwendet wird, kann auf den Zustand der angepriesenen Wohnung rückgeschlossen werden. Kommen darin Wörter vor wie character, charme oder classic, dann bedeutet dies übersetzt zumeist veraltet oder altmodisch. Man beachte also, in Australien ist mehr Schein als Sein gefragt und man sollte nicht enttäuscht sein, wenn die Wohnung in Realität zehn Jahre älter ausschaut. Oder die Größe eines Schuhkartons hat.

Wohnungsbesichtigung – und jetzt?
Die Besichtigungstermine sind meist Mittwochs oder Samstags. Zu einer vorher bekannt gegeben Zeit, steht die Wohnung für 15-30 Minuten allen Interessenten offen. Man sollte sich übrigens gleich darauf gefasst machen, dass man womöglich eine Drecksbude betritt – außer man sieht sich einen Neubau oder eine neu renovierte Wohnung an. Ich habe mich wirklich schon oft darüber gewundert, wie es den Maklern so überhaupt nicht peinlich ist, eine total verdreckte und vernachlässigte Wohnung zu präsentieren. Das kommt hier leider viel zu oft vor.

Gefällt einem die Wohnung, muss man sich dafür bewerben. Je nach Stadtteil und Lage herrscht in Sydney reger Andrang. 30 Bewerber kann es da mitunter schon mal geben. Um als Mieter überhaupt in Frage zu kommen, muss man bei den meisten Immobilienmaklern einen Fragebogen ausfüllen, der Themen wie das letzte Mietverhältnis, derzeitige Anstellung, Gehaltszettel und so genannte references – zu Deutsch »Empfehlungsschreiben« – abdeckt. Weiters muss man seine Identität mittels dem 100-Punktesystems nachweisen können.

Wie zahlt man Miete?
In Australien wird die Miete pro Woche bezahlt. Der Makler verlangt keine Provision, da seine Provisionsgebühr bereits einen Prozentsatz des gesamten Mietpreises ausmacht. D.h. man bezahlt die Maklergebühren quasi laufend mit der Miete mit. Nebenkosten oder Betriebskosten, wie wir sie von daheim kennen, gibt es hier nicht. Mietverträge werden entweder für sechs oder zwölf Monate abgeschlossen. Läuft also alles glatt und man bekommt die Wohnung, für die man sich beworben hat, müssen im Normalfall zwei Wochenmieten im Voraus bezahlt werden. Zusätzlich müssen vier Wochenmieten Kaution hinterlegt werden.

Läuft der abgeschlossene Mietvertrag aus, hat der Mieter drei Monate Kündigungsschutz, sofern man sich immer vorbildlich verhalten hat. Trifft man seine Verpflichtungen als Mieter nicht, sprich man hat die Miete für zwei Wochen oder länger nicht bezahlt, dann kann der Vermieter den Mieter mit nur zwei Wochen Kündigungsfrist kündigen. Möchte der Mieter das Mietverhältnis beenden, hat dieser 21 Tage Kündigungsfrist einzuhalten.

No worries!

FOTO: NINA FISCHER
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Zu lange in Australien

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie sehr ihr euch verändert habt, seit ihr in Australien lebt? Wie sehr ihr den Lebensstil, alltägliche Rituale und auch Dinge, die ihr vielleicht als seltsam erachtet, angenommen habt? Wie weiß man, wie australisch man bereits geworden ist?

Darüber nachzudenken war lustig. Ich muss zugeben, dass ich mich nach drei Jahren schon sehr an den australischen Lebensstil gewöhnt habe. Wenn also auch auf euch mindestens die Hälfte der 50 Punkte zutreffen, dann seid ihr wohl auf gutem Wege, waschechte Aussies zu werden!

  • Du verwendest den Ausdruck »no worries« mindestens einmal am Tag.
  • Du sprichst Australien als »Stralya« aus.
  • Du kennst den Unterschied zwischen den Ausdrücken »thongs« und »string« und kannst sie dementsprechend anwenden.
  • Du hast den Film Castle mindestens einmal gesehen.
  • Zu Ostern kaufst du keinen Schokohasen sondern einen »easter bilby«.
  • Du bist der Meinung, dass Rauchen total out ist.
  • Bei einem Haialarm verlässt du in aller Ruhe und ohne Eile das Wasser.
  • Du würdest dich eher mit einem Freund auf ein Bier, als auf einen Kaffee treffen.
  • Du putzt dich so richtig heraus, wenn du am Abend ausgehst.
  • Du hast kein Problem damit, jemandem ins Gesicht zu lügen und fühlst dich auch gar nicht schlecht dabei.
  • Du weißt, was ein »drop bear« ist und erzählst liebend gerne nichts ahnenden Touristen davon.
  • Du kennst den Unterschied zwischen einem Wallaby und einem Känguru. 
  • Du weißt, was eine »roobar« ist.
  • Du glaubst, dass Recycling Zeitverschwendung ist.
  • Du glaubst auch nicht unbedingt an Klimawandel.
  • Am Nationalfeiertag bist du besonders Stolz in Australien zu leben.
  • Manchmal feierst du Weihnachten zwei Mal im Jahr – einmal im Dezember und einmal im Juli.
  • Du trinkst immer gerne eine Tasse Tee, auch wenn draußen gerade 30° C herrschen.
  • Du weißt, dass sich der Ausdruck »chuck a u-ey« auf ein Fahrmanöver bezieht.
  • Du glaubst fest daran, dass Russel Crowe Australier ist.
  • Du glaubst auch, dass Australier die Pavlovatorte erfunden haben.
  • Du weißt, was ein »flat white« ist.
  • Du nennst McDonalds »Maccas«.
  • Kakerlaken erschrecken dich überhaupt nicht.
  • Du hast auch keine Angst vor giftigen Tieren und verzichtest bei Gartenarbeit gerne auf Handschuhe.
  • Du glaubst, dass es umweltschonender ist, den Motor im stehenden Auto laufen zu lassen, als ständig ein- und auszuschalten.
  • Du hast nichts dagegen, barfuss auf die öffentliche Toilette zu gehen.
  • Du schaust die Sitcom Neighbours und findest sie so richtig komisch.
  • Du begrüßt jeden mit »mate« und bist auch nicht überrascht, wenn dich ein Wildfremder mit »mate« anspricht.
  • Du fragst auch jeden Fremden: »How are you going?«
  • Du verwendest mit Vorliebe Abkürzungen wie »brekkie«, »arvo«, »barbie« ...
  • Du isst Vegemite zum Frühstück und findest es irgendwie gut.
  • Du liebst ein saftiges Steak, Kängurufleisch hingegen sollen die Touristen essen.
  • Du weißt, dass man knappe Badehöschen »budgie smugglers« nennt und diese nur von Lifeguards getragen werden. Oder deutschen Touristen. Oder dem australischen Premierminister Tony Abbott.
  • Du findest es überhaupt nicht seltsam, dass einer der größten australischen Helden, Ned Kelly, eigentlich ein Krimineller war.
  • Du besitzt ein Paar Ugg Boots.
  • Du kannst dir auch vorstellen, in Ugg Boots und Jogginghose einkaufen zu gehen.
  • Du glaubst nicht, dass es Sommer ist, bis das Lenkrad so heiß ist, dass man es kaum mehr anfassen kann.
  • Du siehst Neuseeländer als den naiven Cousin vom Lande an.
  • Du bist der Meinung, dass alle Amerikaner laut und ignorant sind. 
  • Du bist der Meinung, dass Australien so gar keine Gemeinsamkeiten mit Amerika hat.
  • Du nennst einen Engländer gerne »pom«.
  • Je kürzer der Spitzname desto sympathischer ist dir jemand.
  • Du sagst »reckon« anstatt »think« und »whinge« anstatt »whine«.
  • Du kennst die Unterschiede zwischen AFL, Rugby League, Rugby Union usw.
  • Du wettest gerne, vor allem auf Pferde.
  • Du bist der Meinung, ein Strand ohne Wellen ist kein richtiger Strand.
  • Am Strand versteckst du den Autoschlüssel in deinen Schuhen. Kein Dieb hat dieses Versteck jemals entdeckt.
  • Du glaubst, dass auf einem Hamburger rote Beete nicht fehlen darf.
  • Du bist der Meinung, dass jedes Essen mit BBQ Sauce verfeinert werden kann.
  • Du kannst dir kein Event – sei es die Eröffnung eines Parlaments oder eines Bauhauses – ohne Würstelstand oder BBQ vorstellen.
Und was fällt euch noch dazu ein? Hab ich etwas Wichtiges vergessen?

No worries!

FOTO: BRIAN GIESEN (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Australien und das Ungeziefer

Es kreucht und fleucht. Ihr habt sicher schon von ihnen gehört, die vielen lästigen Kriechtierchen, mit denen man in Australien Haus und Hof bzw. Wohnung teilt. Manche trifft man draußen an, manche kommen nur des Nachts heraus, manche können fliegen, manche sind so klein, man sieht sie kaum, andere wiederum sind eine allgegenwärtige Plage. Rückblickend hat mich dies als frisch gebackener Auswanderer am meisten abgeschreckt. Oft habe ich mir die Frage gestellt: Mit Kakerlaken unter einem Dach leben – kann ich das? Ob ich kann oder nicht, ich muss. Helfen tut da oftmals nur ein bisschen Humor.

Kakerlaken
Damit wären wir schon bei Plage Nummer eins, der Küchenschabe. Davon gibt es in Australien eine Menge, vor allem in der Großstadt. Die lästigen Viecher verstecken sich sowohl drinnen als auch draußen, lieben Elektrogeräte, alles was irgendwie Wärme ausstrahlt und natürlich Essensreste. Es gibt sowohl kleine, also auch große, als auch solche, die fliegen können. Sehr ungeschickt zwar, aber sie können es. Kakerlaken gehören in Australien zum Leben dazu wie die Wurst für den Deutschen. Sie werden liebevoll als »little pets« bezeichnet, aber ohne mit der Wimper zu zucken beseitig. Geheimtipp der Australier: Immer einen Flip-Flop bereit halten und einfach drauf los schlagen – funktioniert wie eine Fliegenklatsche!

Bettwanzen 
Bei der bloßen Vorstellung daran, dass kleine Tierchen in meiner Matratze leben könnten und nur darauf warten, des Nachts auf mir herum zu spazieren und mein Blut zu saugen, stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Und ausgewachsene Bettwanzen sind wohlgemerkt nicht gerade klein. Ekelhaft! Leider muss man sagen, wo eine auftaucht, leben normalerweise viele. Bettwanzen lassen sich im eigenen Heim vielleicht vermeiden, aber als Reisender mit kleinem Budget ist man den Blutsaugern in Australien hilflos ausgeliefert.

Ameisen
Eigentlich mag ich Ameisen. Sie leben bevorzugt bei uns in der Küche und im Badezimmer und räumen brav alle toten Tierchen weg. So gefällt mir das. Was ich nicht so gerne mag, ist wenn keine toten Tierchen herum liegen und die Ameisen so hungrig werden, dass sie unseren Müll durchwühlen, sich im Geschirrspüler verirren oder ganz frech ihre Straßen quer über die Küchenzeile anlegen. Dann gibt es auch noch die so genannte Bulldoggenameise, eine Spezies, vor der die Australier großen Respekt haben. Diese Art erreicht eine Länge von 4 cm, besitzt ein starkes zangenartiges Mundwerkzeug und ist äußerst aggressiv. Lebensgefährlich kann deren schmerzhafter Stich sein (ja, sie besitzen einen Stachel), wenn man allergisch darauf reagiert.

Milben
Mehlmilben sind klein und schwer auszumachen. Die gute Nachricht ist, sie sind nicht schädlich. Die schlechte Nachricht, es dauert meist eine Weile, bis man sie bemerkt. Dann hat man die ungewollten Proteine bereits nichts ahnend mit den Nahrungsmitteln aufgenommen. Mahlzeit! Haben sie sich einmal in Vorräte eingenistet, sind sie schwer wieder los zu werden. Da hilft nur noch eine radikale Lösung: ab damit in den Müll. Dann heißt es, viel Geduld haben, alle trockenen Nahrungsmittel weg sperren und warten bis auch die letzte Milbe verhungert ist.

Mücken und Fliegen
Wer schon mal Zeit im Outback verbracht hat, der weiß, wie nervig die vielen Fliegen dort sein können. Sie gehen einem an die Augen, in die Nase, in die Ohren und in den Mund, wenn man ihn gar zu weit aufmacht. Gegen Stechmücken helfen nur chemische Keulen mit »tropical strength«. Je weiter man in den Norden geht, desto schlimmer sind sie. Und die so genannten Sandfliegen sind sowieso die Gemeinsten überhaupt. Die winzigen stechenden Biester, die sich vor allem in der Nähe von Sandufern aufhalten, sieht und hört man nicht, man spürt jedoch deutlich deren Stich, der weitaus mehr juckt als ein normaler Mückenstich und wenn man empfindlich reagiert, auch einen Ausschlag auslösen kann.

Seeläuse
Manche sagen: Seemannsgarn. Ich sage, sie existieren wirklich. Umgangsprachlich werden sie Seeläuse genannt, in Wirklichkeit sind es jedoch winzige Quallenlarven, die mit freiem Auge nur schwer auszumachen sind. Sie werden mit den Strömungen an die Strände gespült und feuern ihr Gift ab, wenn sie mit Menschen kollidieren. Dies geschieht in erster Linie, wenn sie an den Rändern des Bikinis, in der Badehose oder unter einem Rashshirt hängen bleiben. Zum Glück bekommen die meisten Leute von alledem gar nichts mit – nur Menschen die empfindlich auf das Quallengift reagieren, entwickeln arg juckende Ausschläge die den Bissen von Bettwanzen zum Verwechseln ähnlich schauen.

Zikaden
Zikaden sind doch eigentlich was Schönes, in Österreich freuen wir uns immer, an einem lauen Sommerabend den Geräuschen der Grillen lauschen zu können. In anderen Ländern können Zikaden aber auch eine Plage sein, sind sie doch die lautesten Insekten der ganzen Welt. Vergangenes Jahr gab es eine besonders große Population in Sydney und Umgebung. Sie können so laut sein, dass man sich daneben nur schwer unterhalten kann. Bis zu 120 dB können die Zikadengeräusche erreichen – vergleichbar mit einem Presslufthammer oder einer Kettenseite. Nicht so toll, wenn man gerade unter Migräne oder ähnlichem leidet.

Geckos
Geckos? Ungeziefer? Eigentlich nicht, sollte man meinen. Fakt ist jedoch, dass Geckos, obwohl sehr nützlich im Haushalt, hier doch eher unbeliebt sind und das nicht nur bei Australiern, sondern auch bei Touristen. Der »Hausgecko« lebt im nördlichen Teil des Landes, denn er hat es gerne warm und feucht. Die größte bekannte Spezies erreicht eine maximale Länge von 12 cm. Sie sind nachtaktiv und ernähren sich mit Vorliebe von Mücken und anderen Insekten. Unbeliebt sind sie vor allem auf Grund der Exkremente, die sie überall im Haus hinterlassen.

Und jetzt fragt ihr euch bestimmt, wie vielen dieser Tierchen man im täglichen Leben tatsächlich begegnet. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: vermutlich macht man früher oder später Bekanntschaft mit allen. Kakerlaken im Haus? Unvermeidlich. Fliegende Kakerlaken, die sich in den Haaren verfangen? Auch schon erlebt. Bettwanzen? Zwar nicht im eigenen Haus, aber doch. Ameisen? Natürlich! Bulldoggenameise? Glücklicherweise nicht. Milben? Totalbefall aller trockener Lebensmittel. Von Sandfliegen zerstochen? Zwar nicht in Sydney, aber durchaus in Queensland – die Biester lieben mich! Seeläuse? Leider mehr als einmal. Lärmende Zikaden? Auch schon gehört. Geckos? Nicht in Sydney, aber im Norden des Landes sind sie auf jeden Fall allgegenwärtige Hausgäste.

No worries!

FOTO: ROXANNE READY (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Haialarm

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie das so abläuft, wenn es am Strand einen Haialarm gibt? Die Strände rund um Sydney werden an den Sommerwochenenden, wenn heiße Temperaturen herrschen und viele Leute Zeit am Meer verbringen, zusätzlich mit Helikoptern patrolliert, die die Küste auf und ab fliegen. Auch Boote sind dafür im Einsatz. Werden Haie in unmittelbarer Nähe zum Strand entdeckt, wird per Sirene Alarm geschlagen und die Leute werden angewiesen, das Wasser bis auf Weiteres zu verlassen. Die Haie werden dann mit Hilfe von Booten vertrieben. Passiert nicht all zu oft, ich habe es jedoch auch schon live miterlebt.

Wie kann man sich das Ganze vorstellen? Irgendwie hat man wohl das Bild im Kopf, das man vom Weißen Hai her kennt – mit angstverzerrten Gesichtern rennen die Badegäste panikartig aus dem Wasser. Wir befinden uns aber in Australien und nicht in einem amerikanischen Hollywoodfilm, die Aussies nehmen's natürlich wesentlich gemütlicher, als so manche Touristen glauben würden ...

No worries!



FOTO: ROD CUTHBERT (FLICKR)
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Ohne Anzahlung läuft nichts

Schon öfter habe ich erörtert, dass Australier nicht gerade die vertrauenswürdigsten und verlässlichsten Menschen sind. Hier wird schnell mal viel versprochen, ist ja alles kein Problem, no worries, und dann aber leider nicht eingehalten. Ein freundliches Lächeln bekommt man aber immer (selbst wenn einem dabei gerade ins Gesicht gelogen wird). Wenn man diese Eigenart des australischen Volkes kennt, kann man sich zumindest darauf einstellen. Ich musste jedoch, wie viele andere wahrscheinlich auch, alles auf die harte Tour lernen.

So war ich erstmals sehr erstaunt, dass man in Australien gar nicht selten eine Anzahlung für eine zu erbringende Leistung zahlen muss. Das sind zumeist 50% des Gesamtbetrages. Wenn man z.B. einen Auftrag an die Druckerei schickt, muss man mitunter sogar die komplette Summe im Voraus bezahlen. Mir ist da immer wieder etwas mulmig zu Mute, zumal ich schon so einige Scherereien mit verpatzten Druckaufträgen hatte. Es wird aber von mir als Kunde erwartet, das Geld auf den Tisch zu legen, bevor ich die Ware überhaupt gesehen habe.

Nicht anders verhält es sich mit Aufträgen in der Kreativbranche. Ohne eine fette Anzahlung geht da nichts. Zu Beginn habe ich mich sehr darüber gewundert, hatte ich davon in Österreich doch noch nie gehört. Wenn ein Kunde mich beauftragt, ein Logo für ihn zu gestalten, dann stelle ich doch nicht als erstes eine Rechnung aus? Heute ist mir klar, warum das in Australien jeder macht. Ich war nämlich leider auch schon in der Situation, keine Anzahlung verlangt zu haben und der Kunde hat sich schlussendlich davor gedrückt, die Rechnung zu begleichen. Heute passiert mir das nicht mehr – denn ohne Anzahlung läuft hier nichts.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen in Australien gemacht?

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Eingestellt von : Nina Fischer
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Dresscode

Ganz egal wo man in Australien hin geht, man kann sich sicher sein, dass es immer einen Dresscode gibt. Casual, smart casual, dressy casual, business formal, business casual, white tie, black tie, lounge suit, cocktail – da soll sich doch noch mal einer auskennen! Jedes Mal wenn wir eine Einladung erhalten, komme ich ins Schwitzen. Als erstes wird gegoogelt, dann stehe ich eine Weile ratlos vor dem Kleiderschrank. Der einzige Trost: Anscheinend tun sich manche Australier genau so schwer wie ich.

Vor kurzem wurden wir zu einem Event im Ivy, Sydneys bekanntestem Club, eingeladen. Auf der Einladung stand: Dresscode Smart Casual. Wieder einmal stellte sich die Frage, was soll ich anziehen? Mein Australier empfahl mir ein knappes Kleidchen, hohe Schuhe und den Blazer lieber weg lassen. Hin und her habe ich überlegt – soll ich mich nun an Smart Casual halten oder lieber auf meinen Freund hören? Natürlich habe ich auf ihn gehört. Er muss es ja wissen, er ist schließlich hier aufgewachsen. Den Blazer habe ich aber trotzdem angezogen und auf die hochhackigen High Heels habe ich verzichtet. Als wir im Ivy ankamen, habe ich nicht schlecht gestaunt, denn alle hatten sie – wie war es anders zu erwarten – hautenge Minikleider und zehn Zentimeter hohe Haken an. Noch mal Glück gehabt, dass ich zumindest mein kurzes Kleidchen angezogen habe! Und was habe ich daraus gelernt? In Sydney kann man einfach nie zu overdressed sein.

Ich habe dann aber doch eine andere Person im Raum entdeckt, die genau wie ich, nicht so ganz ins Bild gepasst hat. Es war keine große Überraschung, als sich schließlich heraus stellte, dass die besagte junge Frau keine Australierin, sondern Europäerin war. So ist das wohl, wenn man als Ausländerin in einem fremden Land lebt – irgendwann hat man ein Auge dafür, in einem Raum mit 300 Leuten die einzige andere Europäerin zu entdecken.

No worries!

FOTO: DOLTONE HOUSE
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Darf man Kinder alleine lassen?

In letzter Zeit liest man immer wieder Berichte über dieses Thema in der Zeitung. Es gibt in Australien nämlich ein Gesetz, das besagt, dass man Kinder nicht unbeaufsichtigt alleine lassen darf und das gilt auch fürs Auto. D.h. wenn man an einer Tankstelle tankt und das schlafende Baby zwei Minuten im Auto lässt, während man bezahlen geht, ist das illegal. Auch ein älteres Kind zehn Minuten im Auto zu lassen, während man schnell in die Apotheke, zur Bank oder zur Post läuft, ist illegal. Verletzt man die Aufsichtspflicht, wird dies zur Anzeige gebracht und man muss sich vor Gericht dafür verantworten. Im Bundesstaat Queensland kann dies im schlimmsten Fall sogar drei Jahre Haft bedeuten, wenn man ein Kind unter 12 Jahren alleine lässt. Aber nicht nur im Auto, sondern auch daheim darf man Kinder laut australischem Gesetz nicht sich selber überlassen.

Daher wundert es mich, dass es in Australien (noch) kein Gesetz für ein vorgeschriebenes Mindestalter zum Babysitten gibt. Das soll dann doch wieder individuell entschieden werden, hier wird ausnahmsweise mal gesunder Menschenverstand erwartet. Es wird jedoch klar davon abgeraten, Minderjährige auf kleine Kinder aufpassen zu lassen, da im Falle eines Falles der minderjährige Babysitter nicht haftbar ist und somit die Eltern haften, sollte etwas passieren. In Deutschland darf man übrigens (mit Einschränkungen in Stundenanzahl und Uhrzeit) ab 13 Jahren babysitten und in Österreich ab 14 Jahren. Seltsam ist dann aber doch, dass eine australische Studie mit 10.000 befragten Kindern im Alter von 10-11 Jahren zeigt, dass jedes vierte Kind mindestens einmal in der Woche für eine Stunde oder länger allein zu Hause gelassen wird. Still und heimlich tun das viele also doch.

Auch die Polizei scheint hier im Nanny-Staat nicht müde zu sein, den Eltern im Umgang mit ihren Kindern drein zu reden. So wurden mehrere Eltern verwarnt und darüber belehrt, dass sie beispielsweise ihren 7-Jährigen nicht alleine zum Zeitungsstand (400 Meter vom Haus entfernt) laufen lassen dürfen, oder dass es verantwortungslos sei, eine 10-Jährige alleine Bus fahren zu lassen.

Ich weiß nicht so recht, was ich von dieser Debatte halten soll, zumal sich bei diesem Thema wahrscheinlich die Geister scheiden. Trotzdem habe ich so im Allgemeinen das Gefühl, dass die Australier schon noch ein bisschen mehr »overprotective« sind, als die Österreicher oder Deutschen. Ich selber bin als Kind sehr wohl ein paar Stunden allein zu Hause gewesen und ich kann mich nicht erinnern, dass mich das nachträglich in irgendeiner Art und Weise geschädigt hat. Auch habe ich als 12-Jährige schon für Verwandte auf kleine Kinder aufgepasst, bin im Alter von vier Jahren alleine in den Kindergarten gelaufen, im Alter von neun Jahren bin ich zur Schule geradelt und im Alter von zehn Jahren habe ich den Bus dahin genommen. Wie jeder andere auch damals. Und das ist doch eigentlich noch gar nicht so lange her bei Jahrgang 1985 ... 

Ein sehr guter und ausführlicher Bericht zur Gesetzeslage in Australien, deren Tücken und dem Phänomen dass Kinder zusehends in Watte gepackt aufwachsen, gab es auch mal im Australian. Zum Vergleich ein Bericht aus Deutschland in dem es um folgende Frage geht: »Ist es unverantwortlich, Kinder unter acht Jahren allein zu Hause zu lassen?« Interessant ist, dass die Debatte in Australien eher bei 10- oder 11-Jährigen beginnt. Von 8-Jährigen redet hier ja noch gar keiner ... das ist doch sonnenklar, dass die nicht alleine sein können! So bin ich auch nicht verwundert über einen der Kommentare zu diesem Artikel: »Als in Deutschland lebende Australierin bin ich immer wieder schockiert, mit welchem Leichtsinn Eltern in Deutschland ihre viel zu jungen Kinder allein lassen. Selbständig werden? So ein Quatsch! Ein 7-jähriges Kind für zwei Stunden allein zu lassen ist unverantwortlich und gefährlich. Warum muss jeder unwichtige Blödsinn im Gesetz hier festgeschrieben werden, aber es gibt keine Regelung für die Kinderaufsichtspflicht!?« Tja, der Frau würde ich jetzt einfach mal sagen, dass man in gewissen Ländern noch an den gesunden Menschenverstand appelliert, während man in anderen Ländern nur blind nach Gesetzen schreit.

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Ist das Leben in Australien zu teuer?

Vor kurzem habe ich wieder einmal eine interessante Diskussion auf dem australischen Radiosender Triple J verfolgt. Ist Australien wirklich so teuer? Oder meckern die Australier einfach nur gerne? Ist es gerechtfertigt, sich über die (hohen) Preise zu beschweren oder sollte man lieber hervorheben, dass die Löhne in Australien auch dementsprechend hoch sind? Geht es uns viel zu gut?

Da sind wieder einmal viele unterschiedliche Meinungen zusammen gekommen. Ein Anrufer war vor kurzem in Berlin und hat von den »Dritte-Welt-Preisen« geschwärmt, die dort herrschen. Da kann man um den selben Preis, um den man in Australien ein Bier bekommt, gleich vier haben!

Ein anderer meinte, dass Australien im Grunde gar nicht so teuer sei. Man könne hier sehr gut leben, wenn man nicht über seine Verhältnisse hinaus lebt. Das Bild des »überteuerten« Australien würde nur dadurch entstehen, dass die Aussies viel zu viel Geld verbraten und nicht gut im Sparen sind.

Als nächstes wurde über Australiens hohe Löhne diskutiert, wobei die Kluft zwischen Vielverdiener und Leuten, die grade mal über die Runden kommen, ziemlich groß ist. Menschen unter 30 und über 60 sind diejenigen, die oft durch das Netz rutschen und ein Leben in der Stadt nur schwer bestreiten können. Gesetzlicher Mindeststundenlohn in Australien ist derzeit übrigens 15,96 Australische Dollar.

Ein Australier der in Amerika gelebt hat, meinte, es sei doch normal, dass in Australien alles teurer ist. Hier sei ja schließlich auch der Lebensstandard viel höher als in den USA oder in Europa. Da haben die Radiomoderatoren gleich zugestimmt ... In Australien hat man es nun mal wirklich gut – und das kommt nicht ohne Preis: »Wir genießen hier den höchsten Lebensstandard der Welt und dafür zahlen wir halt auch ein bisschen mehr.«

An dieser Stelle muss ich nun mal kurz protestieren. Ich glaube nicht, dass man allgemein sagen kann, dass es sich in Australien besser leben lässt, als z.B. in Österreich, Deutschland, der Schweiz oder einem der nordeuropäischen Staaten. Wenn die Australier mit Lebensstandard »Sonne« meinen, die relaxten Gemüter oder dass hier jeder ach so zufrieden mit seinem Leben ist, dann haben sie vielleicht Recht. Nicht umsonst zählt Australien zu den »glücklichsten Nationen der Welt«. Meinen sie aber grundsätzliche Bedürfnisse wie Kleidung, Nahrung, Wohnen, ärztliche Versorgung, Einkommen, Preis-Leistungsverhätlnisse usw. dann bin ich da anderer Meinung.

Da wären wir nämlich wieder einmal beim Thema, das mich so sehr beschäftigt: Sind die Australier deshalb so glücklich, weil sie sich das einreden bzw. weil sie von klein auf eingetrichtert bekommen, dass sie im besten Land der Welt leben? Wenn man sich auf diese Weise die viel zu teuren Preise schön reden kann und dadurch ruhiger schläft, dann hat der Staat auch noch was davon ...

Wie dem auch sei, einig war man sich in der Diskussion dann aber doch darüber, dass Australien zu den Ländern mit den höchsten Hauspreisen der Welt gehört und dass auch die Nebenkosten für Strom, Gas, Internet etc. im letzten Jahrzehnt kontinuierlich gestiegen sind. Die Preise für ein Eigenheim in der Stadt sind mittlerweile so hoch, dass sie kaum mehr höher werden können. Schon jetzt gibt es in Australien die »Generation Mieter«, Menschen, die keinen festen Partner haben und sich deshalb den Traum vom Eigenheim mit nur einem Einkommen allein nicht mehr leisten können.

Wie sehen andere Zuwanderer dieses Thema? Ist das Leben in Australien unverschämt teuer oder sind die hohen Preise angemessen?

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Keine Ahnung?

Keine Ahnung von irgendetwas? Gar kein Problem, dann bist du in Australien richtig aufgehoben. Nur eines muss man beherrschen: Sich mit vielen (leeren) Worten aus der Sache raus zu reden. Oder wie das unser Guide bei einer Weintour im Hunter Valley formuliert hat: »Ihr könnt mich auch wirklich alles fragen was ihr wollt und ihr werdet immer eine Antwort darauf bekommen. Und wenn ich mal was nicht weiß, dann erzähl ich euch halt irgendeine erfundene Geschichte ... haha. Geschichten fallen mir immer ein!«

In Australien begegnet man immer wieder Menschen, die keine Ahnung von irgendetwas haben. Das Problem ist nur, sie würden es niemals zugeben. Hier gilt die Devise, lieber etwas erfinden, als gar nichts sagen. Außerdem wollen einem ja alle immer helfen, freundlich wie sie sind (selbst wenn sie keine Ahnung haben). Da redet man also lieber drum herum, erfindet eine Geschichte oder lenkt gekonnt vom Thema ab. Ich mache mir mittlerweile schon einen Spaß daraus, in Geschäfte zu gehen und die Verkäufer mit Fragen zu nerven. Es ist immer wieder interessant (und amüsant), mit was für Blödsinn sie daherkommen, wenn sie die Fragen nicht beantworten können. Einfach mal zugeben, dass sie leider keine Ahnung haben? Das wär doch mal was ...

Um das Ganze nun mit ein paar Beispielen zu untermauern: Im Postamt habe ich regelmäßig lustige Erlebnisse. Um Karten nach Europa zu verschicken, braucht man Briefmarken im Wert von 1,60 Dollar. Ich weiß das, weil ich es im Internet nachgeschaut habe. Die Verkäufer im Postamt wollen mir aber regelmäßig was anderes andrehen. Einmal behaupten sie steif und fest, dass ich meine Karten auch mit 80 Cent verschicken kann, ein andermal wollen sie mir weis machen, dass ich mindestens 2,40 Dollar drauf kleben muss. Als ich selbstsicher lächelnd sage, dass ich es besser weiß, schaut mich die Verkäuferin ganz bestürzt an. Meine Karten würden so aber nie und nimmer in Europa ankommen, das könne sie mir garantieren! No worries, bis jetzt hat’s immer geklappt.

Vor kurzem habe ich mit einem Vertreter eines Papiervetriebs telefoniert, weil ich mich nach einem C6 Kuvert erkundigen wollte. C6 ist die offizielle Bezeichnung des Kuverts, in das A6 Papier hinein passt, also z.B. eine Postkarte. C6? Was das denn für eine Größenbezeichnung sei? Von dem hätte er noch nie gehört, ob ich vielleicht A6 meinen würde? Da bin ich wieder mal perplex. Nein, nicht A6, es heißt C6 und ist auch etwas größer als das DIN A6 Format. Sollte man so was nicht wissen, wenn man in einem Papiervertrieb arbeitet und Papier verkauft?

Im Künstlerbedarf-Laden will ich mich über die Siebdruck Sets bzw. deren Inhalt informieren (auf der Verpackung steht nur, wie einfach das alles ist). Der Verkäufer der mir weiterhelfen will, hat null Ahnung von der Technik des Siebdruckens (oder was sich in der Box befindet), das merke ich sofort. Er will mir aber helfen, also erzählt er mir eine Geschichte von den chinesischen »stencil artists«. Ich soll doch mal nach Chinatown gehen, dann sehe ich was die da so für coole Sachen machen und das könne ich dann auch machen. Aha, das hilft mir unglaublich weiter und beantwortet alle meine Fragen. Natürlich kaufe ich das Set nicht.

Mein nächster Clou wird sein, dass ich in ein Elektrofachgeschäft gehe und mich erkundige, welche digitalen Spiegelreflexkameras RAW Format verwenden. Das wird ein Spaß! Wollt ihr schon mal Wetten abschließen, was für tolle Geschichten mir die Aussies auftischen werden?

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Eingestellt von : Nina Fischer
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Dumm sein macht glücklich

Ich lese regelmäßig das österreichische Nachrichtenmagazin Profil. Ich muss ja schließlich wissen, was zu Hause vor sich geht. Was ich an der Zeitschrift so mag, sind die Berichte, die oft sehr kritisch sind, manchmal auch kontrovers und sehr stark in ihren Meinungen. So was braucht ein Land. Leute sollen die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu sagen, Missstände ins Licht zu rücken, Skandale aufzudecken oder auch einfach Dinge kritisch zu hinterfragen.

So was gibt es in Australien nicht. Ich suche und suche und suche und habe nichts gefunden. Es gab in Australien einmal ein Nachrichtenmagazin, The Bulletin, das jedoch 2008 auf Grund sinkender Verkaufszahlen eingestellt wurde. Innerhalb von 10 Jahren sei die Leserschaft auf 50% geschrumpft. Man könnte die Time lesen, die aber auf den gesamten Südpazifischen Raum konzentriert ist und eigentlich wenig mit Australien zu tun hat. Außerdem misst sie im Umfang gerade mal ein Drittel des Profils, kostet aber doppelt so viel. Der Australian hat zumindest einen Teil seiner Wochenendausgabe dem »Inquirer«, auf Deutsch vielleicht am besten mit »Fragesteller« zu übersetzen, gewidmet, wo teilweise auch kritisch hinterfragt wird.

Ich muss zugeben, manchmal ist es aber auch ganz schön praktisch, einfach nur dumm zu sein. Wenn ich das Profil lese, wo von der Krise in Europa, aufstrebenden Kommunistenparteien, peinlichen Korruptionsvorfällen, dem auseinanderfallenden Pensionssystem und dem dringend reformbedürftigen Bildungswesen die Rede ist, dann macht mich das ganz depressiv. Es scheint fast so, also wäre mein Heimatland verloren, nicht mehr zu retten und versinkt demnächst im Chaos. Manchmal beginne ich sogar zu zweifeln: Ist in Australien nicht vielleicht doch alles besser?

Es wäre aber auch möglich, dass mir in Österreich nur deshalb alles so negativ erscheint, weil es Leute gibt, die darüber berichten. In Australien halten alle zusammen und preisen das gelobte Land. Unwissenheit macht halt doch irgendwie glücklich ...

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Eingestellt von : Nina Fischer
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Ich bremse für Tiere!

Roadtrips sind was Schönes, ich gehe immer wieder gerne auf Urlaub, leihe mir einen Mietwagen und fahre durchs Land. In Australien hat das aber klar auch seine Schattenseiten. Nach der Kollision mit einem Känguru vor ein paar Monaten, die sowohl für das Auto als auch das Tier fatal geendet hat (den Insassen ist Gott sei Dank nichts passiert), bin ich noch vorsichtiger als vorher geworden. Wenn ich selber fahre, geht es, dann habe ich die Kontrolle, die Verantwortung und das reine Gewissen, dass ich alles in meiner Macht stehende tue, um nicht ein Tier zu überfahren. Als Beifahrer sitze ich jedoch in verkrampft aufrechter Position im Wagen, meine Augen scannen unermüdlich die Straßenränder ab, vor jeder Kurve oder jedem Hügel würde ich am liebsten auf die Bremse drücken, fliegt ein Vogel aus dem Gebüsch, erschrecke ich. Den Fahrer macht mein Verhalten natürlich auch nicht gerade ruhiger.

Wenn man in Europa wohnt und noch nie in Australien oder Neuseeland mit dem Auto unterwegs war, kann man sich auch schlecht vorstellen, was einem hier auf den Landstraßen begegnet: Tausende von überfahrenen Tieren. Wallabys, Kängurus, Wombats, Ameisenigel, Possums, Beutelmarder und unzählige Vögel. Ich wette sogar, dass so gut wie jeder Tourist sein erstes wildes Känguru tot am Straßenrand liegen sieht. Nicht so eine schöne Vorstellung, oder? Manche sind schon halb verwest oder ganz verrottet, andere frisch getötet. Keiner räumt sie weg, sie liegen mitten in der Straße, so wie sie gestorben sind und werden noch hundert mal platt gefahren. Andere Tiere ernähren sich von den Kadavern und werden dadurch selber zum Opfer der Straße.

In Gegenden wo es große Kängurus gibt, werden diese zumindest von der Straße weg geräumt, bevor noch weitere Unfälle verursacht werden. Auf Tasmaniens und Neuseelands Landstraßen ist es aber besonders schlimm. Die Opfer sind zumeist relativ kleine Tiere – um die kümmert sich sowieso niemand. Aber auch tote Wallabys können ein Hindernis auf der Straße darstellen. Auf manchen Strecken war es in unserem Urlaub geradezu wie auf einem Hürdenlauf – denn die frisch gestorbenen Tiere einfach nochmals zu überfahren, das bringe ich nicht übers Herz (im Gegensatz zu vielen Australiern).

Sie tun mir einfach Leid, die ganzen Tiere ... und Leid tut mir auch, dass es dem Durchschnittsaustralier so ziemlich egal ist. Das Bild von der idyllischen Begegnung mit dem Känguru in Australiens wilder Natur, mit dem die Tourismusbranche gerne wirbt, gibt es so eigentlich nicht. Hier wächst man mit einem dicken Pelz auf. Viele Tiere werden als Plage und nicht als Bereicherung angesehen, so auch das Känguru. Bremsen für Tiere – das würde vielen nicht einmal im Traum einfallen! Es gibt sogar genug Leute, die sich denken, oh, da ist ein Tier auf der Straße, ich drück mal schnell auf die Tube und schwenke aus, damit ich es auch ja erwische. Gibt ja eh genug davon. Ignorant wie sie sind, meinen viele Australier, dass die Straße ihnen gehört und ihnen allein. Und sowieso, ein wildes Tier hat da nichts zu suchen und verirrt es sich doch dahin – Pech gehabt.

Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass viele Unfälle verhindert werden könnten. Es müssten nur halb so viele Tiere auf Australiens Landstraßen sterben, wenn die Autofahrer etwas langsamer fahren würden, vor einem Hügel oder einer Kurve bremsen würden und wenn es Nachts, wo die meisten Tiere auf der Straße sind, eine strikte Geschwindigkeitsbegrenzung gäbe. Stattdessen darf man auf vielen Landstraßen 110 km/h fahren. Die Australier fahren dann natürlich mindestens noch um 10 bis 20 km/h schneller. Da ist klar, dass man keine Chance hat, zu bremsen, selbst wenn man wollte. Da es auf dem Land sowieso kaum Fahrradfahrer gibt (diese sind nämlich im wahrsten Sinne des Wortes lebensmüde), muss man sich auch keine Gedanken darüber machen, dass hinter der nächsten Kurve ein Mensch auf der Straße sein könnte.

Anfangen müsste es also mit einem Umdenken des ignoranten weißen Mannes, der Australien erobert hat. Die wilden Tiere, die schon wesentlich länger auf diesem Kontinent leben, haben mehr Respekt und Würde verdient. Aber wie sich ein Australier zu meiner Kritik äußerte: »Ich bin hier aufgewachsen, ich weiß schon was richtig ist und wie man zu fahren hat!« Bis da also ein Umdenken geschieht, kann man wohl noch lange warten ... bis es zu spät ist?

No worries!

FOTO: NEERAV BHATT (FLICKR)
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Man gewöhnt sich an alles

Wirklich? Tut man das? An gewisse Dinge gewöhnt man sich mit der Zeit schon. Meistens sind es die Kleinigkeiten, die einem zu Beginn besonders auf den Wecker gehen. Hier eine Liste mit 25 Dingen, die mittlerweile schon (fast) ganz normal sind:

1. Dass alle nur über Rugby und Cricket reden.
2. Dass nicht so viel Wert auf Hygiene und Sauberkeit gelegt wird.
3. Dass Weihnachten in der falschen Jahreszeit stattfindet.
4. Dass viele Australier keine Tischmanieren haben.
5. Dass kein normaler Mensch es schafft, die Fußgängerampel bei Grün zu überqueren.
6. Dass man sich bei jedem neuen Produkt über die Preisaufkleber ärgern muss, die so bombenfest kleben, dass man zuerst mal stundenlang schrubben muss.
7. Dass die Straßenverhältnisse hier teilweise wirklich schlecht sind.
8. Dass Käse prinzipiell so verpackt wird, dass man die Verpackung nur aufreißen und wegschmeißen, aber nicht wieder verwenden kann.
9. Dass man sich das Haus mit Kakerlaken teilt.
10. Dass man in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken darf.
11. Dass der Handyempfang, so bald man die Stadt verlässt, miserabel ist.
12. Dass die Australier Brot in Plastiksäcken verkaufen (damit es auch extra schön weich ist).
13. Dass die Wurstscheiben einfach viel zu dick geschnitten sind.
14. Dass man auf der linken Seite Auto fährt.
15. Dass die vielen Patch-Work-Gehsteige immer wieder für Stolperfallen sorgen.
16. Dass die Schlösser anders herum abgesperrt werden (da fall ich immer wieder drauf rein).
17. Dass alles »Made in China« und unverschämt teuer ist.
18. Dass die Häuser so schlecht isoliert sind.
19. Dass man den Staubsauger nicht hinter sich herziehen kann, weil der Stecker immer sofort aus der Steckdose springt.
20. Dass Internetanbieter keine Flatrate im Programm haben.
21. Dass man die Eierpackung im Supermarkt immer ganz genau kontrollieren muss, weil viele angeknackste darunter sind.
22. Dass Milch und Saft hauptsächlich aus Plastikflaschen konsumiert wird.
23. Dass das Recycling-Zeichen – wenn es überhaupt eins gibt – so klein auf den Produkten abgebildet ist, dass man es nur ganz schwer findet (mal davon abgesehen, dass viele hier gar nicht wissen, dass es überhaupt ein Recycling-Zeichen gibt).
24. Dass viele Stecker von Aufladegeräten so beschaffen sind, dass aus Platzgründen nie zwei nebeneinander in die Doppelsteckdose passen. Wer erfindet bitte so was?
25. Dass man sich das Meer mit Quallen und Haien teilen muss.

An eine Sache werde ich mich jedoch nie gewöhnen können und das ist gleichzeitig auch das, was mich am meisten an Australien stört: Die Australier. Dieses wundersame Volk ist mir einfach ein Rätsel. Ich versteh sie einfach nicht, ich kapier nicht wie sie ticken, ich kann ihr Handeln manchmal beim besten Willen nicht nachvollziehen und hin und wieder fühl ich mich wie das schwarze Schaf oder der Fisch der gegen den Strom schwimmt. Oder jemand der aus der Zukunft in die Vergangenheit reist oder umgekehrt. Oder zum Mond fliegt. Kann man sich jemals an diese australische Mentalität des Schein ist mehr als Sein, jeder ist super relaxt und freundlich und dafür absolut unzuverlässig, gewöhnen?

No worries!
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Hilfsbereit, aber leider inkompetent

Ein typisches australisches Erlebnis. Ich gehe ins Schreibwarengeschäft. Ist zwar die größte Kette, die es in Australien gibt, aber die Auswahl ist zu belächeln. Vor dem Regal mit Kopierpapier türmen sich die verschiedenen Anbieter. Ist aber alles Standardpapier in 80 g/m², Variationen in Papierdicke gibt es keine. Ein freundlicher junger Mann mit einem netten Lächeln will mir helfen. Was ich denn genau suche? Ich hätte gerne Kopierpapier für Inkjetdrucker. Weil das normalerweise eine etwas rauere Oberfläche hat. Hhhmm, da kann er mir nicht helfen, die sind ja alle gleich, die Papiere. Da suche ich lieber selber, sage ich und lache (ihn eher aus). Der hat ja hinten und vorne keine Ahnung, denke ich mir. Das verunsichert den jungen Mann etwas, er will mir unbedingt helfen. Er wagt noch einen Versuch und erklärt mir, dass man hier auf der Verpackung nachschauen kann, da steht so ein Zahl, 80, er weiß eigentlich nicht genau, was das heißen soll, dieses »g« hinten dran, aber es hat irgendwas mit der Dicke des Papiers zu tun, das weiß er jedenfalls. Also wenn ich eines mit 80 nehme, dann funktioniert das super für alle verschiedenen Drucker! Ich danke dem jungen Mann und sage, dass ich mich selber zurecht finde. Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll, weil die Leute hier einfach keine Ahnung haben. Er fügt noch an, also wenn ich spezielle Fragen zum Fotopapier habe, dann hilft er mir gerne weiter, da kennt er sich aus. Da muss ich mich abrupt verabschieden und um die Ecke in den nächsten Gang verschwinden, wo mein australischer Freund und ich uns das Lachen nicht mehr verkneifen können. Sogar er muss zugeben, das ganze ist absurd: Ein Verkäufer in einem Laden der keine Ahnung hat, was er verkauft? Typisch Australien halt. Mehr lustige Erlebnisse mit ahnungslosen Verkäufern gibt es hier.

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Kalender

Vor kurzem wäre mir fast etwas Peinliches passiert. Da gehe ich in einen Laden und kaufe mir einen Kalender. Zu Hause packe ich ihn aus und hänge ihn auf. Da fällt mir auf ... da stimmt doch was nicht, das kann doch nicht sein! Der Kalender ist falsch, der beginnt ja mit Sonntag! Das muss ein Druckfehler sein ... aber wie kann man so was verkaufen? Das ist wieder mal typisch Australier! Ich stampfe vor Wut mit dem Fuß auf, schnaufe einmal tief durch und will zurück zum Laden stürmen. Gott sei Dank hat mich mein Australier gestoppt. Was denn das Problem sei? Was für Qualitätsmängel ich diesmal entdeckt hätte? Als ich ihm den Fehler zeige, beginnt er zu lachen. Ich soll ruhig zurück zum Laden gehen und dort meine Beschwerde anbringen, dann hätten die Verkäufer den Rest des Tages was zu lachen. Schließlich erklärt er mir, dass das kein Druckfehler ist – die Woche beginnt in Australien tatsächlich mit dem Sonntag. Häääh? Wer hat denn schon von so was gehört? Die Taschenkalender beginnen aber alle mit Montag, entgegne ich. Ja, der sei ja auch für die Arbeitswoche gedacht. Aha. Ein Kalender für die Freizeit, einer für die Arbeit? Wo haben sich die Australier das bloß abgeschaut? Ich bin ganz verwirrt. Hier muss auch alles irgendwie anders sein ...

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Surfbug

Ich bin krank, ich habe mir einen australischen Virus eingefangen, der sich als äußerst hartnäckig erweist: Den Surfbug. Wer einmal den Biss hatte und so weit gekommen ist, eine ungebrochene Welle zu surfen, der ist mit ziemlicher Sicherheit verloren. Adrenalin und Glücksgefühle strömen durch den Körper. Man fühlt sich, als hätte man etwas erreicht und als wäre man so ziemlich Eins mit der Natur. Ähnlich wie wenn man mit seinem Snowboard oder den Schiern auf der Spitze eines Berges steht, die kalte Luft einatmet und auf den verschneiten Abhang unter sich blickt.

Richtig gut surfen zu lernen, braucht aber viel Ausdauer und Zeit. Es schaut sehr einfach aus, ist aber ähnlich wie Schi fahren: Man braucht viele Jahre um es zu perfektionieren. Meiner Meinung nach ist es sogar noch um einiges schwieriger. Aber auch die kleinen Erfolge, die sich nach einer Weile einstellen, sind schon riesige Schritte. Man muss in erster Linie viel Geduld mitbringen, denn jeder Tag da draußen ist anders. Die Natur macht, was sie will und wir müssen uns nach ihr richten. Es ist ein ständiges Auf und Ab – an manchen Tagen geht der Ozean ruhig und sanft mit uns um, an anderen ist er unberechenbar und rau.

Das erste Mal mit dem Surfboard im Wasser, hat man zuerst einmal Angst. Oder zumindest fühlt man Unbehagen. Man weiß nicht, was einen erwartet, man ist schließlich nicht am Ozean aufgewachsen und wenn überhaupt, dann kennt man nur das ruhige Mittelmeer. Der pazifische Ozean ist eine ganz andere Liga. Hier gibt es hohe Wellen, die eine unglaubliche Kraft haben und starke Strömungen die unerfahrene Touristen immer wieder in gefährliche Situationen bringen. Dann sind da noch Quallen und Haie, Gefahren die man nicht komplett ignorieren kann. Auch wenn sich die Vorfälle in Grenzen halten, werden doch immer wieder Haie gesichtet – ein Surfer dringt schließlich in deren Jagdgebiet ein. Mit dieser Tatsache muss man sich wohl einfach arrangieren.

Ich selber habe eine ganze Weile gebraucht, bis ich mich an den wilden Ozean gewöhnt habe. Es hat mich mitunter viel Überwindung gekostet. Man fühlt sich erstmals, als hätte man keine Kontrolle darüber, was da geschieht – kein Wunder, man kennt es ja auch nicht. Ähnlich muss es einem Australier gehen, der das erste Mal in den Alpen Schi fahren geht und noch nie wirklich Schnee gesehen hat. Dies sorgt auch immer wieder für Diskussionsstoff mit meinen australischen Surfkollegen – denn für sie ist Surfen der sicherste Sport der Welt und Snowboarden an diesen steilen Hängen in den Bergen da, das sei ja so was von gefährlich, da kann viel zu viel passieren. Ich sehe das genau anders rum: Beim Surfen kann dich schnell mal ein Brett am Kopf treffen und verletzen, eine Welle kann dich runter drücken und dir die Luft zum Atmen nehmen, eine Qualle kann dich stechen oder ein Hai kann dich fressen. So sind die Meinungen verschieden: Was man kennt, gibt einem das Gefühl von Sicherheit. Das Unbekannte jedoch macht einem Angst.

Ich träume also den Fiebertraum vom Surfboard unter mir, meine Füße hängen im Wasser, die Sonne scheint mir ins Gesicht, ich lausche der morgendlichen Stille und dem Geräusch der brechenden Wellen, den Blick gespannt zum Horizont gerichtet, wo sich bald auf wundersame Weise die nächste Welle formen wird.

Für mich ist diese Zeit im Wasser zusammen mit den Australiern und mein Wille in einem mir unbekannten Umfeld etwas Neues zu lernen, meine Art der Anpassung. Es bringt mich diesem Land und seinen Leuten ein Stückchen näher. Ich kann es jedem Auswanderer nur wärmstens empfehlen.

No worries!

FOTO: NINA FISCHER
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