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Geschichte der Stadt Sydney

Sydney ist insofern speziell, da es die einzige große Stadt in Australien ist, die nicht nach einem sorgfältig ausgearbeiteten Masterplan entstanden ist. Es gibt kein ersichtliches Raster, keinen Stadtkern und es fehlt an einer gut durchdachten Infrastruktur. Wie die Stadt Sydney aufgebaut ist, wirkt also nicht nur planlos – vergleicht man zum Beispiel mit Melbourne – sondern sie ist es tatsächlich auch. Man könnte sich also fragen, was haben sich die Architekten und Stadtplaner von damals gedacht? Wieso ist Sydney so planlos entstanden?

Die Antwort ist relativ simpel: Die ersten Siedler kamen nicht nach Australien, um zu bleiben. Sie hatten daher kein Interesse daran, eine Stadt für die Zukunft zu planen. Sydney entstand quasi nach und nach von selbst. Das, was wir heute als George Street kennen, hatte wahrscheinlich den größten Einfluss auf die Entwicklung der Stadt. Die Straße war ursprünglich nicht mehr als ein Trampelpfad, der die Verbindung von The Rocks, wo sich das Camp der Sträflinge befand, zur nächsten Ziegelgrube darstellte. Der Weg führte entlang einem kleinen Fluss, der als Frischwasserquelle diente und heute nur mehr unterirdisch verläuft. Die Ziegelgrube befand sich ziemlich genau dort, wo jetzt der Hauptbahnhof Central Station liegt. Das Gebiet um The Rocks ist heute Sydneys beliebtes Altstadtviertel, eine hübsche Gegend mit vielen Galerien, Restaurants, Pubs und historischen Gebäuden. Das war jedoch nicht immer so. Als die Sträflinge sich westseits der George Street niederließen, war The Rocks nicht mehr als ein steiniges unwegsames Gelände, aus dem schon bald der Slum von Sydney werden sollte.

Östlich der George Street ließ sich Captain Arthur Phillip, der erste Gouverneur Australiens, nieder. Das heutige Museum of Sydney befindet sich exakt an jener Stelle, an der das erste richtige Gebäude stand: Australia’s First Government House. Es war sowohl politisches Zentrum der Macht, als auch Wohnstätte des Gouverneurs und seiner Familie. Die Bauarbeiten dafür begannen bereits im Jahre 1788, jenem Jahr in dem die ersten Sträflinge die Küste von Australien erreichten. So kam es auch, dass sich die freien Siedler östlich der George Street niederließen, während die Sträflinge hauptsächlich auf der westlichen Seite lebten. Im modernen Sydney 200 Jahre später ist diese historisch bedingte Trennung zwischen Ost und West immer noch zu spüren: Alle offiziellen Regierungsgebäude und Zentren der Macht befinden sich auf der östlichen Seite, während sich die Industrie und die ärmsten Gegenden in Sydneys Westen befinden.

Lachlan Macquarie, der 1810 sein Amt antrat, war übrigens der erste Gouverneur, der während seiner Amtszeit unzählige Versuche unternahm, aus einer temporären Siedlung eine Stadt zu machen. Unter anderem entstand während seiner Amtszeit das erste richtige Krankenhaus, die Parramatta Road und die Hyde Park Barracks, eine Unterkunft für Sträflinge, in dem sich heute ein Museum befindet. Macquarie wurde seines Amtes jedoch frühzeitig enthoben und nach London zurück beordert. Die Obrigkeit teilte seine Visionen nicht und war der Meinung, dass er unnötig viel Geld für eine Sträflingskolonie ausgeben würde. Erst 1842, als die Entsendung von Sträflingen in diesen Teil von Australien praktisch beendet war und nur mehr freie Siedler nach New South Wales kamen, wurde Sydney offiziell zur Stadt erklärt.

Mehr Informationen zu Sydneys Geschichte gibt es hier. Wer gerne zu Fuß die Stadt erkundet, dem kann ich auch wärmstens die Sydney Architecture Walks, Sydney Living Museums und The Rocks Discovery Museum empfehlen.

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FOTO: NINA FISCHER
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Fraser Island

Captain James Cook war der erste, der 1770 Fraser Island entdeckte und nannte sie »Great Sandy Peninsula«, da er glaubte, dass eine Verbindung zum Festland bestehen würde. Tatsächlich ist der 1.840 km² große Landstrich, der hauptsächlich aus Sand besteht, eine Insel. Genauer, die größte Sandinsel der Welt. 

Die Aborigines, die Fraser Island schlicht und einfach als »Paradies« bezeichneten, hatten sich bereits vor 5.500 Jahren auf der Insel niedergelassen. Mit der Ankunft der Weißen, die sowohl den Alkohol als auch Krankheiten mit sich brachten, sollte dies jedoch ein jähes Ende haben. Spätestens ab 1863, als die Holzfällerindustrie Fraser Island entdeckte, waren die dort ansässigen Ureinwohner dem Untergang geweiht. Ende des 19. Jahrhundert wurden die wenigen von ihnen, die noch übrig geblieben waren, auf das Festland umgesiedelt. Die Population der Aborigines auf Fraser Island ist – ähnlich der Insel Tasmanien – innerhalb kürzester Zeit komplett zerstört worden.

Ihren heutigen Namen verdankt Fraser Island einer gewissen Dame namens Eliza Fraser. 1836 stach Captain James Fraser in See, um von Sydney nach Singapur zu segeln. Leider kam das Schiff nur bis in den Norden von Queensland, es kenterte am Riff des Great Barrier Reef. Die wenigen Überlebenden – darunter James Fraser und seine Frau Eliza – ruderten in Rettungsbooten Richtung Süden und stießen nach etwa einem Monat auf Fraser Island. Die Hoffnung, von dort gerettet zu werden, schwand dahin, als sie auf ansässige Aborigines trafen, die den Fremden gegenüber nicht unbedingt freundlich gesinnt waren. Sie wurden zwar aufgenommen, mussten aber Arbeiten verrichten, ihre Kleidung und wenigen Habseligkeiten wurden ihnen weg genommen und sie standen unter ständiger Beobachtung, die eine Flucht nur schwer möglich machte. Eliza Fraser wurde schließlich von einem Suchtrupp gerettet und zurück aufs Festland gebracht. Sie hat die Zeit auf der Insel als einzige überlebt, um von ihrer (teils sehr umstrittenen) Geschichte zu erzählen.

Lange Zeit war Fraser Island für viele Australier lediglich eine unbedeutende Insel, deren natürliche Ressourcen – Holz und Mineralien wie Rutil, Zirkon und Monazit – ausgebeutet werden konnten. Das so genannte »sand mining« wurde in den 70er Jahren eingestellt, das Abholzen von Pinienwäldern erst in den 90er Jahren verboten. Seit 1992 gehört Fraser Island offiziell dem UNESCO Weltkulturerbe an – die Insel ist heute eine der beliebtesten Touristenattraktionen in ganz Australien. Sie besteht zwar in erster Linie aus Sand, man findet dort jedoch ebenso subtropischen Regenwald, wunderschöne Süßwasserseen und viele australische Tiere. Auch einige, denen man lieber nicht begegnen möchte ... Das Meer rund um Fraser Island besteht aus tückischen Strömungen und äußerst starkem Wellengang, außerdem halten sich in diesen Gewässern besonders viele Haie und Quallen auf. Die giftigsten Schlangen und Spinnen, die in Australien beheimatet sind, leben ebenfalls auf der Insel. Weiters kann man Tiere wie Kookaburras, Goanas, Dingos, Meeresschildkröten, Delfine und Wale beobachten. Fraser Island ist aber auch als 4WD- und Campingparadies bekannt, denn nirgendwo anders gibt es einen »75-Mile Beach«, der als Highway genutzt wird und wer schon mal auf Fraser Island sein Zelt aufgeschlagen hat, wird den spektakulären Sternenhimmel so schnell nicht wieder vergessen. Mehr zu Fraser Island und seiner Geschichte findet ihr hier.

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FOTO: NINA FISCHER
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Aborigines – Kultur und Geschichte

Die Aborigines sind ein Nomadenvolk, das ursprünglich in großen Familienverbänden als Jäger und Sammler zusammenlebte. Die Ältesten bestimmen die Gesetze, die in ihrem Stamm praktiziert werden sollen, und treffen alle wichtigen Entscheidungen. Frauen hingegen haben nur einen geringen Stellenwert in der Gesellschaft. Die Aborigines können jedoch nicht als einheitliches Volk gesehen werden, da die vielen verschiedenen Stämme unterschiedliche Rituale, als auch unterschiedliche Sprachen und Dialekte verwenden. Heute werden in Australien von ursprünglich 250 noch 17 Sprachen aktiv gesprochen.

Die Ureinwohner Australiens folgen einer Naturreligion. Dreamtime ist die Bezeichnung für die Erschaffung der Welt und spielt eine zentrale Rolle in deren Kultur und Glaube. Jeder Stamm hat sein eigenes Gebiet und ist jeweils dafür verantwortlich, das Land vor Einflüssen von außen zu beschützen und zu bewahren. Die Aborigines glauben auch, dass von vielen heiligen Plätzen – wie z.B. dem berühmten Uluru – eine spirituelle Kraft ausgeht. Schriftliche Überlieferungen gibt es bei den Aborigines nicht, denn Werte und Traditionen werden ausschließlich mündlich weiter gegeben. Auch das Rechtssystem stellt eine Besonderheit dar. Bei den Aborigines gibt es z.B. kein persönliches Eigentum, daher existiert das Prinzip des Stehlens nicht, denn jeglicher Besitz wird gerecht auf alle Stammesmitglieder verteilt (was meines ist, ist auch deines). Ebenso wird in der Kultur der Aborigines mit Wissen anders umgegangen, als in der westlichen Kultur. Wissen war immer auf bestimmte Personenkreise, Geschlechter- oder Altersgruppen beschränkt. Viele Rituale sind geheim und heilige Stätte dürfen nur von bestimmten Personen betreten werden. Daher lässt sich das Recht auf Bildung und Wissen für alle nur sehr schwer mit den traditionellen Werten der Aborigines-Kultur vereinen.

Die Kunst – Felszeichnungen, Körperbemalung und heute auch Malereien – hatte immer einen besonderen Stellenwert in der Kultur der Aborigines. Sie diente dazu, mit den Ahnen zu kommunizieren und stellte auch eine Möglichkeit dar, spirituelle Werte an die jüngere Generation weiterzugeben. Das heute auf der ganzen Welt bekannte dot painting entstand erst in den 1970er Jahren: Lange Zeit war es den Aborigines streng verboten, Symbole aus der Traumzeit darzustellen. Durch das Malen mit Punkten ließen sich jedoch Motive verschleiern und die Aborigines entdeckten eine neue Möglichkeit, geheime Erzählung aus der Traumzeit für die Öffentlichkeit – in Form von Kunst – zugänglich zu machen. Auch Musik und Tanz spielen eine zentrale Rolle im Leben der Aborigines. Das berühmte Digeridoo, das heute vor allem im Tourismus sinnbildlich für Australien steht, wurde ursprünglich nur von den Stämmen im Norden des Landes verwendet und breitete sich erst in den 1950er Jahren über den Rest des Kontinents aus.

Mit der Besiedlung des letzten Kontinents prallten zwei grundlegend verschiedene Kulturen aufeinander. Die Kultur der Aborigines konnte sich über 40.000 Jahre hinweg isoliert entwickelt, ganz ohne Einflüsse von außen. Als Ende des 18. Jahrhunderts die ersten Sträflingssiedlungen in Australien entstanden, waren Konflikte mit der indigenen Bevölkerung vorprogrammiert. 100 Jahre lieferten sie sich gegenseitig Kämpfe um Land und Ressourcen. Der Konflikt eskalierte so weit, dass Aborigines von den Weißen gezielt gejagt und getötet wurden – nicht nur als Strafe, sondern auch zur Abschreckung. Das letzte große Massaker fand 1928 statt. Einzig die Missionare setzten sich während dieser Zeit für die Aborigines ein und gründeten Missionsstationen, die den Ureinwohnern Zuflucht boten. Die Bekehrung zum christlichen Glauben war jedoch oberstes Ziel und die Missionare waren rechtlicher Vormund der dort lebenden Aborigines. Gleichzeitig beschloss die australische Regierung die Zwangsverfrachtung der Ureinwohner in Reservate in abgelegene unfruchtbare Gebiete. Ende des 19. Jahrhundert, als es immer mehr Farmen gab, wurden viele Aborigines auch als Landarbeiter angeworben. Laut Gesetz musste ihnen jedoch nur ein Drittel des Lohns gezahlt werden, den ein Weißer zu jener Zeit erhielt.

Ab 1910 wurde auch die Assimilationspolitik der australischen Regierung, die heute unter der Bezeichnung Stolen Generations bekannt ist, vermehrt betrieben. Um die schwarze Rasse »auszuzüchten« wurden Aborigines-Kinder ihren Eltern weggenommen und in staatliche Einrichtungen gebracht. In diesen Erziehungsheimen sollten sie an die Lebensweise der Weißen angepasst werden. Zum Teil wurden die Kinder auch zur Adoption freigegeben oder von weißen Pflegefamilien aufgenommen. Durch diesen institutionellen Kindesraub, der bis in die 1960er Jahre noch weit verbreitet war, sind ganze Familien auseinander gerissen worden.

Ab 1940 wurden in einigen Bundesstaaten schließlich Bürgerrechte für Aborigines eingeführt. Sie mussten allerdings besondere Bedingungen erfüllen, um diese zu erlangen: Kontakt mit anderen Aborigines war verboten, sie mussten unter der weißen Bevölkerung leben und ihre Kultur aufgeben. Man musste sich also entscheiden und konnte nur entweder Aborigine oder Australier sein. Erst 1967 wurden deren Rechte durch eine Verfassungsänderung anerkannt. Bei einer Volksbefragung stimmten über 90% der Australier dafür, dass die Aborigines die vollen Bürgerrechte erhalten sollten. Von nun an durften sie an Wahlen teilnehmen, hatten das Recht auf gleichen Lohn und die Kinder bekamen Zugang zum Schulsystem. Seither erhalten Aborigines eine staatliche Sozialhilfe. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, ist diese sowohl Segen als auch Fluch, denn mit den neu erlangten Rechten verfielen viele dem Alkohol und rutschten in die Dauerarbeitslosigkeit.

Erst vor gut 20 Jahren wurde dieses Kapitel der australischen Geschichte in der Öffentlichkeit aufgearbeitet. 1993 wurde von Seiten der Regierung offiziell der Native Title Act – dem Anspruch auf das traditionell angestammte Land – eingeführt. So wurden viele Gebiete Australiens, knapp die Hälfte der Fläche des Northern Territories (etwas 15% der Gesamtfläche Australiens) an die Aborigines zurückgegeben. Zwei Jahre später wurde eine staatliche Untersuchung unter dem Titel »Bringing Them Home« durchgeführt. Die erschreckende Wirklichkeit über den Leidensweg der Aborigines, die man bis dahin weitgehend geleugnet oder totgeschwiegen hatte, wurde so der ganzen Welt offen gelegt. Die Untersuchungskommission sprach sich in der Folge für eine Wiedergutmachung in Form eines Entschädigungsfonds, Unterstützung bei der Zusammenführung von Familien und einer öffentliche Entschuldigung aus. Auf letztere sollte die indigene Bevölkerung noch 13 weitere Jahre warten müssen. Nachdem sich der damalige Premierminister John Howard nicht nur weigerte, die Ergebnisse des Berichts anzuerkennen, sondern auch keine öffentliche Entschuldigung abgeben wollte, weil doch »viele Kinder mit dem Einverständnis der Eltern entfernt wurden und es schließlich um das Wohlergehen der Kinder ging«, brach in Australien eine Welle der Empörung aus – sowohl unter der schwarzen, als auch unter der weißen Bevölkerung. Der Druck der Öffentlichkeit konnte dem Premierminister jedoch nichts anhaben, erst als dieser sein Amt abtreten musste und Kevin Rudd von der Sozialdemokratischen Partei in die Regierung gewählt wurde, war es soweit: Am 13. Februar 2008 entschuldigte sich Australiens Premierminister für das Leid, dass den Aborigines zugefügt wurde. Damit sollte der Weg für eine neue Versöhnungspolitik endlich geebnet sein.

Die Informationen zum ersten Teil dieses Berichts stammen aus dem Buch »Aborigines gestern und heute« von Sabine und Burkhard Koch. Im zweiten Teil dieses Berichts über die Ureinwohner von Australien wird es um das Leben zwischen Tradition und Moderne gehen.

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FOTO: MICHAEL LOKE (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Kleine Geschichte der Namensgebung

Sind euch auch schon mal die vielen seltsamen Ortsnamen in Australien aufgefallen? Kommt euch jeder zweite Straßenname irgendwie bekannt vor? Warum gibt es so viele Plätze, Orte, Straßen, Firmen und Institutionen die Macquarie heißen? Wie hat die Stadt Sydney ihren Namen bekommen?

Das Interessante an der Namensgebung in Australien ist, dass man die historische Verknüpfung aufgrund der relativ jungen Geschichte noch recht leicht machen kann. Als Gouverneur Arthur Phillip 1788 die erste Sträflingssiedlung gründete, bekam die heutige Stadt Sydney ihren vorläufigen Namen Sydney Cove. Ursprünglich sollte die Siedlung Albion getauft werden, benannt wurde sie jedoch nach dem englischen Innenminister Thomas Townshend, auch als Lord Sydney bekannt, der für die Ansiedlung der Sträflinge in Australien verantwortlich war. Lachlan Macquarie hingegen war der erste Gouverneur von New South Wales, der gut 20 Jahre später in Australien mehr als nur eine Sträflingskolonie sah. Er hatte die Vision eines Staates, der zwar zum britischen Empire gehörte, in dem aber freie Bürger leben sollten. So trieb er nicht nur den Bau von Straßen, Brücken, Gebäuden und Häfen voran, sondern förderte auch die Erkundung des Kontinents. Weiters war Lachlan Macquarie der Erste, der 1817 offiziell die Bezeichnung »Australien« verwendete und gilt daher auch als Gründervater dieses Landes.

Viele Straßennamen (Elisabeth Street, Macarthur Street, Bourke Street, Hunter Street, Marion Street, Campbell Street, George Street usw.) gehen ebenfalls auf berühmte australische bzw. englische Vorfahren zurück. So trifft man innerhalb von Australien, ja sogar innerhalb von Sydney, nur allzu oft auf dieselben Straßennamen. Sie werden allein durch die Zugehörigkeit zu den Vierteln unterschieden. Nicht anders verhält es sich mit Vororten – Abbotsford, Fairfield, Kensington und Cremorne findet man sowohl in Sydney, als auch in Melbourne. Namen, die man aus der englischen Stadt London kennt, tauchen in Sydney ebenfalls als wichtige Landmarks wieder auf: Unter anderem gibt es da die Oxford Street, Kings Cross und den Hyde Park. Der Bundesstaat Victoria wurde nach der englischen Queen benannt, ebenso Queensland, die Stadt Darwin bekam ihren Namen zu Ehren des berühmten Naturwissenschaftlers Charles Darwin und Tasmanien wurde nach dem niederländischen Seefahrer Abel Tasman benannt, der als erster Europäer Neuseeland entdeckte.

Es gibt auch einige Ortsnamen in Australien, die auf französische oder deutsche Herkunft verweisen. Sans Souci (wird als Sän Susi ausgesprochen) heißt übersetzt so viel wie »no worries«. Leichhardt wurde nach dem deutschen Entdecker Ludwig Leichhardt benannt. Besonders viele Namen stammen aus der Sprache der Aboriginals: Wollongong, Barangaroo, Ulladulla, Kurri Kurri, Jimboomba, Mollymok, Toowoomba, Wagga Wagga, Jindabyne ... Weiters fällt auf, dass australische Inseln nicht ungern nach Tieren benannt wurden: Kangaroo Island, Cockatoo Island, Shark Island, Goat Island, Snapper Island, Wasp Island, Lizard Island, Penguin Island ... Nur die Koala-Insel scheint es nicht zu geben. Ausgefallene Ortsnamen wie Come By Chance, Nowhere Else, Doo Town, Dee Why, Banana, Surfers Paradise, Monkey Mia, Tom Price und Seventeen Seventy findet man ebenso in Down Under. Eine umfangreiche Datenbank zur Namensgebung in Australien gibt es hier.

Und wo hat das Känguru seinen Namen eigentlich her? Laut einem Mythos, der in Australien gerne erzählt wird, bekam das hüpfende Beuteltier seinen heutigen Namen durch ein Missverständnis. Es ist überliefert, dass Captain Cook, der als erster Europäer Fuß auf den australischen Kontinent setzte und dort die britische Flagge hisste, einen Ureinwohner nach dem Namen dieses seltsamen Tiers fragte. Dieser soll mit dem Wort kangaroo geantwortet haben, was so viel bedeutet wie »ich verstehe dich nicht«. Erst 1970 wurde diese Überlieferung als reiner Mythos entlarvt. Das Wort gangurru steht in einer der Sprachen der Ureinwohner für eine seltene Känguruart. Die Geschichte find ich trotzdem gut.

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FOTO: NINA FISCHER
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Unbekanntes südliches Land

Woher kommt eigentlich der Name Australien? Vor langer Zeit einmal, eigentlich schon seit dem antiken Griechenland, als dieser Teil der Erde noch nicht entdeckt war, glaubten Wissenschaftler in Europa daran, dass sich in der südlichen Hemisphäre ein riesiger unbekannter Kontinent befinden muss. Dieser wurde als »terra australis incognita«, wortwörtlich unbekanntes südliches Land bezeichnet. Man stellte sich diesen fiktiven Kontinent – ähnlich wie in der Karte von 1587 – als große zusammenhängende Landmasse vor. Genau genommen wurden damit jedoch zwei zu jener Zeit unentdeckte Kontinente umfasst: Australien und die Antarktis.

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Australien und der Rassismus

Australien ist, wie beispielsweise die USA und Kanada, ein Einwanderungsland. Die relativ kurze Geschichte ist jedoch eine völlig andere. Als der letzte unentdeckte Kontinent erobert war und Anfang des 20. Jahrhundert seine Unabhängigkeit erlangte, hatten die Menschen, die hier lebten, alles andere im Sinn, als ein multikulturelles Einwanderungsland zu werden. Jahrzehnte lang redete man vom »weißen Australien«, das geschützt werden sollte von »fremden« Einflüssen, namentlich den Ureinwohnern und den Asiaten. Dies war nicht nur eine generelle Gesinnung, sondern fest in den australischen Gesetzen verankert. Rassismus gegen all jene Menschen, die nicht weiß waren und/oder nicht aus Europa kamen, waren genauso an der Tagesordnung, wie die Vertreibung und Versklavung der Ureinwohner Australiens. Ein Umdenken fand erst nach der Zeit des Zweiten Weltkriegs statt. Mit dem Racial Discrimination Act von 1973 endete die Rassendiskriminierung in Australien offiziell.

Diese Fakten und die Tatsache, dass Australier nicht viel von Vergangenheitsbewältigung halten und ihre Vergangenheit deshalb weitgehend unaufgearbeitet bleibt, macht die Geschichte ja genau so problematisch. In Australien schaut man nicht gerne zurück. Zu lästig sind Erinnerungen an die Verbrechen gegen die Menschheit, die hier bis in die frühen 70er Jahre an den Ureinwohnern begangen wurden. »Das waren schließlich nicht wir, das waren die Europäer – also eigentlich wart das ja ihr!« So oder ähnlich grenzen sich die Menschen von ihrer eigenen Vergangenheit ab. Man schaut nach vorn und lässt die Geschichte lieber mal hinter sich.

In Australien wird ständig das Image aufpoliert, dass in diesem Land jeder gleich ist, jeder die gleiche Chance hat und jeder willkommen ist. Klingt ja auch irgendwie logisch, wenn man bedenkt, dass die Population hauptsächlich aus Einwanderern oder Abstämmigen von Einwandererfamilien besteht. Vielleicht kann man Australien aber auch genau deshalb als rassistisches Land bezeichnen. Denn wo sind die gemeinsamen Wurzeln in einem Land, in dem es keine Vergangenheit gibt bzw. in der man das kleine bisschen an Geschichte, das man besitzt, am liebsten vergisst oder tot schweigt?

Im Grunde genommen sehe ich das so: Australien mag vielleicht von der Gesetzeslage her heute ein offenes Einwanderungsland sein, die soziale Stimmung ist jedoch eine andere. Rassismus existiert hier, auch wenn das viele gerne leugnen. Und wenn man es schon nicht offen zugeben kann, dann packt man es mal schön in einen Witz und überspielt das ganze mit Humor. Jeder der sich dann angegriffen fühlt, gilt als humorlos. Nur allzu oft liest man in den Zeitungen auch über diskriminierende Übergriffe von »weißen« Australiern auf Andersfarbige oder sogar Touristen. Dafür gäbe es genug Beispiele, die ich hier auflisten könnte. Der bekannteste gewalttätige Zwischenfalls waren wohl die Cronulla Riots.

Blinder Hass, Alkohol und Gewaltbereitschaft, sowie eine Hetze in den Medien (die in Australien sehr viel Einfluss haben), führte dazu, dass eine Demonstration von 5.000 »weißen« Australiern am 11. Dezember 2005 in einem Vorort von Sydney eine Eigendynamik entwickelte, mit der die Polizei heillos überfordert war. Die rassistisch motivierten Unruhen gegen libanesische Bevölkerungsgruppen begannen mit Hassparolen und endeten mit Massenprügeleien, 26 Verletzen, 16 Verhaftungen und zahllosen Sachbeschädigungen. In den darauf folgenden Tagen griff das Feuer der Unruhen auch auf andere Vororte über und gleichzeitig mobilisierten sich Gruppen von libanesisch-stämmigen Zuwanderern, die einen Rachefeldzug starteten. Auf der ganzen Welt war man geschockt über die Unruhen in Australien – einem als offen und herzlich geltenden Einwanderungsland.

Vergleicht man beispielsweise Österreich und Australien, dann besteht in meinen Augen ein wesentlicher Unterschied darin, dass wir uns des Rassismus eher bewusst sind. Würde mich ein Australier fragen, ob Österreich ein rassistisches Land ist, dann würde ich ja sagen (so Leid es mir tut). Gerade in unserer Politik spiegelt sich das sehr unverblümt wider. Frage ich aber einen Australier, ob Australien ein rassistisches Land ist, dann würde dieser nein sagen. Politik und Gesetzeslage sind meines Erachtens weniger »rassistisch motiviert« als in Österreich – mit Ausnahme der Asylpolitik. Die persönliche Einstellung der (weißen) australischen Bevölkerung ist jedoch wieder eine ganz andere Geschichte. Da diese Art des »offen Zugeben« hier nur schlecht möglich ist, wird Rassismus von den meisten in Humor verpackt und somit gesellschaftsfähig gemacht. Es war also auch zu erwarten, dass viele Aussies über die Aussagen des britischen Komikers John Oliver, über die man vergangene Woche in der Zeitung lesen konnte, gar nicht glücklich waren: Der Artikel mit dem Titel »Australien fühlt sich sehr wohl mit dem Rassismus« handelt vom wahren Kern, der in rassistisch motiviertem Humor steckt und den so viele Australier gerne leugnen. Link zum Artikel

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FOTO LINKS: KATE ANDREWS (FLICKR) / FOTO RECHTS: WARREN HUDSON (WIKIPEDIA)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Tasmanischer Tiger

Ausgestorben
Es gab einmal ein Tier, das in Australien heimisch war. Auf dem Festland war es bereits zu Zeiten der Besiedlung durch die Europäer so gut wie ausgestorben. Ein scheues Raubtier, das auf dem Festland mit dem Dingo in einem Konkurrenzkampf um Futter stand, in der Wildnis Tasmaniens aber noch in großer Zahl überlebt haben soll (Dingos sind dort nicht heimisch).

Der so genannte Tasmanische Tiger gehörte zur Familie der fleischfressenden Beuteltiere. Und genau dies wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Seit der Besiedlung Tasmaniens Anfang des 19. Jahrhunderts wurde er, ähnlich wie der Wolf zuvor in Europa, gezielt gejagt und getötet. Diese seltsame Kreatur war den Menschen unheimlich. Man konnte dieses fleischfressende nachtaktive Tier, das aussieht wie ein Hund, aber in keinerlei Weise mit dem wilden Dingo verwandt ist, Streifen wie ein Tiger hat und ähnlich einem Känguru mit einem dicken steifen Schwanz und einem Beutel ausgestattet ist, nicht einordnen.

Der Tasmanische Tiger ist ein Tier der Evolution. Es wird vermutet, dass sich dessen Aussehen nach und nach dem der Hundartigen angepasst hat. Deshalb wird er heute auch oft noch als Beutelwolf bezeichnet. Eine Besonderheit war sein Kiefer, den er in einem Winkel von 120 Grad öffnen konnte. Der Tasmanische Tiger soll einen steifen Gang gehabt haben und wurde auch hin und wieder dabei beobachtet, sich kurzzeitig auf die Hinterbeine zu stellen oder sich sprunghaft fortzubewegen. Auch hatte dieses Tier ein ganzes Repertoire an Lauten zur Verfügung. Unter anderem konnte der Tasmanische Tiger ein hustenartiges Bellen, fauchende, knurrende, als auch winselnde Laute von sich geben.

Leider bekam er schnell den Ruf eines blutrüstigen Jägers, der sich über Schafe und Hühner hergemacht haben soll. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Tasmanische Tiger als Plage angesehen und von der Regierung zur Ausmerzung aufgerufen. Kopfgeldprämien wurden auf den Tasmanischen Tiger ausgesetzt. Damit schien das Schicksal dieses außergewöhnlichen Tiers besiedelt zu sein. Viel zu spät, und zwar erst 1936, wurde der Tasmanische Tiger unter Artenschutz gestellt – noch im selben Jahr verstarb das letzte Exemplar in einem Zoo in Hobart.

Spurensuche
Damit schien der Tasmanische Tiger endgültig ausgerottet zu sein. Er soll in der Wildnis zwar noch bis in die 60er Jahre überlebt haben, spätestens seit 1986 ist er aber offiziell als ausgestorbene Tierart anerkannt. Trotz der Tatsache, dass bis heute kein Beweis dafür existiert, dass der Tasmanische Tiger noch irgendwo in der unberührten Wildnis Tasmaniens überlebt hat, wurden in Australien seit 1936 über 3.800 Sichtungen gemeldet. 1973 tauchte die erste Videoaufnahme auf, die einen durch Zufall gefilmten Tasmanischen Tiger zeigen soll. Dies konnte jedoch nie bestätigt werden, da die Qualität des Filmmaterials zu schlecht war. Dem folgten bis heute unzählige Fotos, Videos und Berichte von Sichtungen – Menschen die davon überzeugt sind, dass es irgendwo da draußen noch Tasmanische Tiger gibt. Die letzte offizielle Suche nach Überlebensspuren des Tasmanischen Tigers wurde 1982 (erfolglos) abgeschlossen.

Die Hoffnung, dass dieses Tier doch überlebt haben könnte, ist jedoch so groß, dass man sie fast als kollektives Bewusstsein bezeichnen könnte. In Tasmanien leben unzählige Menschen, die fest daran glauben, dass der Tasmanische Tiger weiterhin irgendwo in den unberührten Wäldern und Bergen, weit weg von menschlichen Siedlungen, existiert. Unzählige Webseiten widmen sich der Spurensuche des Tasmanischen Tigers. Das ehemalige australische Nachrichtenmagazin The Bulletin rief im Jahre 2005 offiziell zur Suche nach dem Tasmanischen Tiger auf und versprach demjenigen eine Prämie von über 1 Mio. Australischen Dollar, der ein lebendes Exemplar fangen konnte. Natürlich ist das niemandem gelungen ... aber es zeigt, wie sehr die Leute glauben und hoffen, dass der Tasmanische Tiger noch lebt.

Wiedergeboren
Der vermutlich nächste Verwandte des Tasmanischen Tigers ist der viel kleinere Tasmanische Teufel – ein nachtaktives Beuteltier, das sich hauptsächlich von As ernährt und heute nach wie vor ausschließlich in Tasmanien heimisch ist. Zusammen mit dem Tasmanischen Tiger dienen beide Tiere gerne als Wahrzeichen für die Insel. Sowohl das Wappen, als auch das offizielle Logo der tasmanischen Regierung zeigen den Tasmanischen Tiger. »Explore the possibilities« steht unter dem Logo geschrieben. Auch begegnet man auf einer Reise durch Tasmanien unzähligen Bars, Restaurants, Firmen usw. die den Tasmanischen Tiger als Logo verwenden. Warum also ist dieses Tier, das auf der Insel geradezu Kultstatus hat und zu dessen Ausrottung Tasmaniens Bewohner vor knapp 80 Jahren noch aktiv beigetragen haben, ihnen heute so wichtig?

Gründe dafür können viele sein. Irgendwo habe ich gelesen, dass Tasmanien mit Würde zugeben kann, Fehler aus der Vergangenheit erkannt zu haben und deshalb heute alles tut, damit so etwas nicht wieder geschieht. Auch ist der Tasmanische Tiger das einzige heimische Tier, das seit der Besiedlung der Insel ausgerottet wurde. Darauf ist Tasmanien, der als »the natural state« gilt, stolz. Anders sieht es nämlich auf dem Festland aus, wo unzählige Tierarten seit der Besiedlung durch die Europäer an den Rande der Existenz gedrängt oder sogar ausgerottet wurden. In nur 200 Jahren sind die Hälfte aller heimischen Säugetiere für immer vom Festland verschwunden. Auch der Koala (der in Tasmanien nicht heimisch ist) gehört mittlerweile zu den gefährdeten Tierarten, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Man will den Tasmanischen Tiger also um jeden Preis retten. Irgendwie. Das Australian Museum sorgte vor einigen Jahren für Schlagzeilen, als Pläne bekannt gegeben wurden, den Tasmanischen Tiger durch das Klonen von DNA aus alten Gewebeproben wieder auferstehen zu lassen. Die Forscher die an diesem Projekt arbeiten, sind davon überzeugt, das einzig Richtige zu tun. Es wird jedoch stark kritisiert, dass die dafür benötigen Ressourcen doch besser in die Rettung von aktuell stark bedrohten Tierarten gesteckt werden sollten. Die emotionale Bindung zu diesem außergewöhnlichen Tier, scheint jedoch stärker zu sein. Ob sie wohl irgendwo da draußen noch existieren?

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Eingestellt von : Nina Fischer
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Tasmanien – Kultur und Geschichte

In Australien findet man Kultur und Geschichte meines Erachtens viel zu wenig. Wie vermisse ich manchmal einen Urlaub in Europa mit prachtvollen Kulissen, Architektur und Museen wo man nach Lust und Laune seine Wissbegierigkeit stillen kann! So was gibt es hier schon auch (wer sucht, der findet), aber Kultur und Geschichte werden zumeist eher versteckt oder vernachlässigt – auf keinen Fall jedoch groß angepriesen.

Da war ich äußerst erstaunt darüber, dass wir in Tasmanien anderes erlebt haben. Das MONA, Museum of Old and New Art, befindet sich in der Hauptstadt Hobart und gilt als eines der besten Museen in Australien. Man kann sich darin stundenland zwischen alter und moderner Kunst in den verschiedenen Stockwerken bewegen, hier ist für jeden etwas dabei. Das Gebäude selbst, dass in die Klippen der Küste hinein gearbeitet ist und sich auf der Anhöhe eines Weinguts befindet, ist allemal sehenswert. 

Auch befinden sich fünf der elf australischen »convict sites« (ehemalige Sträflingslager) die als Weltkulturerbe gelistet sind in Tasmanien. Darunter Port Arthur, wahrscheinlich der meist besuchte dieser Orte. Interessant ist die Tatsache, dass deren Bewohner nach der Schließung im Jahre 1877 die Zeit der Sträflingslager aus dem allgemeinen Gedächtnis ausradieren wollten. Man änderte sogar den Namen des Ortes kurzzeitig in Carnarvon und wollte einfach alles vergessen, was bis dahin geschehen war. Da sich aber bereits Ende des 19. Jahrhunderts viele Touristen auf den Weg machten, diese wichtige Kulturstätte zu besuchen, erkannten die Menschen in Port Arthur ziemlich schnell, dass man Geschichte nicht so einfach auslöschen kann. Die Leute die heute dort leben, scheinen stolz auf ihre Vergangenheit zu sein und darauf, dass sie ein Teil davon sind und ihr Wissen weitergeben können. Wie bitte? So was ist mir also in Sydney noch nicht passiert, dass da jemand gerne über die Zeiten der Sträflingslager spricht ...

Mit Staunen habe ich dann festgestellt, dass ich bereits eine andere dieser australischen »convict sites« besucht habe: Cockatoo Island – eine Insel im Hafen von Sydney. Schade, dass ich zwar dort war, aber gar nicht mitbekommen habe, dass ich mich an einem Ort mit so viel Geschichte und Vergangenheit befinde. Irgendwas machen die Australier hier also falsch ... Die Tasmanier sind wohl entweder etwas mehr an ihrem eigenen Erbe interessiert oder haben zumindest gemerkt, dass sich Touristen dafür interessieren und man damit Geld machen kann. Welchen Grund es auch haben mag, dass uns so viel Kultur und Geschichte in Tasmanien begegnet ist, es war jedenfalls die Reise wert.

Tasmanien wird von den meisten Australiern immer ein bisschen belächelt und auch von den Touristen gerne noch übersehen. Hobart sei mit seinen 210.000 Einwohnern ja nichts weiter als ein verschlafenes »country town«, sagt man. Die Kombination von alt und neu, Geschichte und Kultur spürt man jedoch in so machen Vierteln der Stadt und dass ab und zu eine kalte Brise weht und sich die Autofahrer nicht ganz so gehetzt durch den Verkehr bewegen, hat mich eigentlich auch nicht sonderlich gestört. Sollte ich jetzt noch erwähnen, dass der »Australia Day« in Hobart vergleichsweise ruhig verlief und zu meinem Erstaunen bei den Tasmaniern kaum Gefühle von Patriotismus und Nationalstolz aufgekommen sind? Kein Wunder, dass der Rest von Australien gar nicht nachvollziehen kann, dass Hobart im Lonely Planet unter den Top 10 Städten für 2013 gelistet ist – als einzige australische Stadt. Ich aber schon! Link zum Artikel 

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FOTO: NINA FISCHER
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Vergangenheitsbewältigung

Die Australischen Ureinwohner, das ist so ein Tabuthema hier. Da redet man nicht gern darüber. Im Tourismus wird fleißig mit der reichen Kultur der Aborigines geworben, tatsächlich kommt man aber äußerst selten in Berührung mit den Ureinwohnern Australiens – außer man bereist das Land als Tourist.

Die schwierige gemeinsame Vergangenheit hat die Aborigines relativ weit an den Rand der Existenz gedrängt. Die sonst so lockeren Australier, die doch mit Vorliebe Scherze über alles und jeden machen, verstehen gar keinen Spaß wenn es um dieses Thema geht. Am liebsten wird es nämlich tot geschwiegen ... oder klein geredet. Vergangenheitsbewältigung ist ja schließlich auch ein deutsches Wort.

Obwohl sich (erst!) in den letzten Jahren doch einiges getan hat. Der National Sorry Day wurde 1998 eingeführt und zehn Jahre später hat sich der damalige Premierminister von Australien in einem offiziellen Statement bei den Aborigines dafür entschuldigt, ihnen das Land und die Kinder (»Stolen Generations« ca. 1870-1970) weg genommen zu haben.

Kurzer Gedankensprung. Ein Thema über das die Australier jedoch liebend gerne reden und scherzen: Hitler! Für die Inselbewohner ist dieser Mann, dessen Namen wir nicht allzu laut aussprechen wollen, wohl so eine Art Kultfigur die immer wieder für abwechslungsreichen Gesprächsstoff sorgt. Auch Hitlerkostüme für Kinder sind ein absolutes Ding der Realität hier. Ein Partyknüller! Wo es uns alle Nackenhaare aufstellt, wir uns schon verstohlen umblicken und am liebsten im Erdboden versinken würden, legen die Australier noch einen Hitlergruß drauf.

Wie zum Beispiel im Jahre 2010 als ein Kind in Hitlerverkleidung an einer katholischen Grundschule unter begeisterten Hilter-Rufen den Kostümwettbewerb gewann. Die Reaktion der Eltern? Es hätte ja noch weit grausigere Kostüme gegeben, wie beispielsweise ein Vampir oder der Sensenmann. Link zum Artikel

Das ist also der ganz normale Wahnsinn in Down Under. Die eigene Vergangenheit totschweigen und die Vergangenheit anderer locker lässig auf die Schippe nehmen.

No worries!

FOTO: MSHAI (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Anzac Day

Diese Woche war Anzac Day, neben dem Australia Day wahrscheinlich der wichtigste Feiertag in Australien. Die legendäre Schlacht um Gallipoli (Türkei) während des Ersten Weltkriegs endete mit einer Niederlage und großen Verlusten an der australischen und neuseeländischen Front. 1916 wurde der Anzac Day offiziell als Gedenktag für die im Krieg gefallenen Soldaten eingeführt.

Jedes Jahr findet nun repräsentativ im ersten Licht des Morgengrauens ein Militärbegräbnis statt, der so genannte »Dawn Service«. Weiters folgt eine Zeremonie am Australian War Memorial und eine Militärparade durch die Stadt. Die Flaggen werden auf Halbmast herunter gesetzt und man sieht vermehrt Mohnblumen in der Stadt – ein Symbol der gemeinsamen Erinnerung und des Andenkens. Für die Australier ist der Anzac Day auf jeden Fall ein wichtiger Tag im Jahr. Und was gehört neben dem Formellen sonst noch dazu? Anzac Biscuits natürlich. Und das Glücksspiel »Two-Up«, das bei den Soldaten beliebt war und nur am Anzac Day gespielt werden darf (den Rest des Jahres ist es illegal). Die Pubs sind alle gerammelt voll und man verbringt den lieben langen Tag mit Trinken und wettet um sein Leben. 

Manch einer meint, die Tatsache dass Australien seine schlimmste Niederlage feiert, ist doch schon etwa seltsam. Außergewöhnlich auf jeden Fall. Könnte das etwas mit Australiens relativ junger Geschichte zu tun haben? Oder mit Patriotismus? Zusammengehörigkeitsgefühlen?

No worries!

FOTO: CROUCHY69 (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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