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Rückkehr in die Heimat

Die Zeit ist vergangen wie im Flug, schon ein Jahr ist es her, seit ich Australien verlassen und zurück in die Heimat gezogen bin. Wie es mir dabei ergangen ist und ob ich meine Entscheidung bereut habe, könnt ihr hier nachlesen.

Als ich damals den Entschluss gefasst hatte, nach Österreich zurückzukehren, wusste ich natürlich nicht, ob dies die richtige Entscheidung ist. Mit dem Gedanken hatte ich zwar immer wieder mal gespielt, aber ich konnte mir bis dahin nie den Ruck geben, den Schritt tatsächlich zu wagen. Als ich jedoch in Österreich ein Jobangebot bekam, war mir klar, dass ich es zumindest versuchen muss. Ich hatte immer wieder Zweifel daran, ob das Leben in Australien das Richtige für mich ist und ich wollte mich einfach nicht mehr ständig fragen müssen, was wäre wenn.

Diese Entscheidung zu treffen, war jedoch nicht einfach. Ich habe wochenlang hin und her überlegt, bin wie eine Verrückte Surfen gegangen, als gäbe es kein Morgen mehr und als der Arbeitsvertrag schließlich unterschrieben war, hatte ich einige schlaflose Nächte deswegen. Ich hab mir ständig gedacht, was wenn ich zurück nach Österreich gehe und es dann bitter bereue? Wenn mir der Arbeitsplatz nicht gefällt oder ich mich in meinem alten Leben nicht mehr zurecht finde? Kann ich überhaupt noch ohne Surfen und den Blick aufs Meer leben? Je näher der Tag der Abreise gerückt ist, desto unsicherer bin ich geworden. Und als ich am Flughafen stand, war ich nur noch ein Häufchen Elend. Man musste mich regelrecht in den Flieger schubsen.

Die neue Heimat zu verlassen, war im Nachhinein betrachtet mindestens so schwer, wie die alte Heimat hinter mir zu lassen, um zu neuen Ufern aufzubrechen. Aber manchmal muss man Dinge einfach wagen und es versuchen und heutzutage ist sowieso nichts endgültig. Ich kenne einige Auswanderer, die in Australien nicht 100%ig glücklich waren, dann zurück in die Heimat sind, nur um festzustellen, dass sie sich dort auch nicht mehr zuhause fühlen und schließlich wieder nach Australien gezogen sind. Bei mir verlief es bisher zwar anders, aber wenn man es nicht ausprobiert, weiß man es nicht.

Auch wenn ich es mir oft nicht anmerken lasse, habe ich viele Tage, an denen ich Australien und das Leben dort unglaublich vermisse und insgeheim davon träume, wieder dorthin zu ziehen. Ich male mir dann aus, was ich diesmal anders machen würde und wie mein neues Leben dort aussehen wird. In die Heimat zurückzukehren war ganz klar eine Kopfentscheidung, der einzige logische Weg vorwärts. Mein Herz hängt aber nach wie vor sehr an Australien und das obwohl es mir persönlich in der alten Heimat einfach besser geht: Ich zweifle weniger an mir selbst und meinem Leben, bin ausgeglichener und ich genieße es sehr, wieder in der Nähe von Familie und Freunden zu sein. Und sollte sich das eines Tages mal ändern, hält mich nichts davon ab, einfach wieder zurück nach Australien zu gehen.

Ich denke, dass es vielen Auswanderern und Heimkehrern ähnlich geht wie mir. Man hat in zwei Ländern gelebt und dabei das Beste aus beiden Welten lieben und schätzen gelernt. Das kann man nicht einfach abstellen und die Welt, die wir zurück gelassen haben, wird immer ein Teil von uns sein. Und wir werden bis zu einem gewissen Grad immer hin und her gerissen sein. Nichtsdestotrotz habe ich meine Entscheidung bisher nicht bereut, auch wenn ich insgeheim natürlich weiterhin von Sonne, Strand und Meer träume.

No worries und verschneite Grüße aus Österreich!

FOTO: NINA FISCHER
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Der australische Traum

Oder: Über das Heimkehren. Es gibt sehr viele schöne Dinge am Leben in Australien, Dinge die ich nicht vermissen möchte. Surfen und Strandkultur, die Nähe zur Natur und Tierwelt, die kulinarischen Abenteuer, der gute Kaffee, die Freundlichkeit der Menschen, die vielen Sonnentage und die wunderschöne Stadt Sydney. Aber dann gibt es auch die andere Seite, die mich selbst nach vier Jahren immer wieder in Zweifel stürzen lässt. Kann man im Leben Erfüllung finden, wenn man mit seiner beruflichen Situation absolut unzufrieden ist? Diese Frage habe ich mir nur allzu oft gestellt und egal wie ich es drehe oder wende, es hat mich ständig das Gefühl verfolgt, irgendetwas zu verpassen. Irgendetwas versäumt zu haben. Irgendetwas nicht zu haben, das alle anderen haben.

Spätestens dann, wenn ich wieder einmal eine Nachricht von einem deutschen Grafikdesigner erhalten habe, der sich gerne seinen Traum erfüllen und nach Australien auswandern möchte, wurde ich mit der Frage konfrontiert: Wie erfüllt ist mein Leben eigentlich? Ja, es ist schön in Australien zu leben. Aber man ist auch sehr weit weg von der Familie und den Lieben daheim. Und dann ist da mein beruflicher Werdegang, der so ganz anders verlaufen ist, als ich mir das ausgemalt habe.

Ich bin mit einem Bachelor und Master in Design und ein bisschen Arbeitserfahrung nach Australien gekommen, habe hier eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung und somit auch uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt und hätte gerne in Sydney in der Designbranche Fuß gefasst. D.h. in einer Agentur zu arbeiten, von anderen Leuten zu lernen, Kontakte zu knüpfen und neue Erfahrungen zu sammeln. Leider wollte dies nicht so wirklich klappen. Außer schlecht bezahlten Freelancejobs, falschen Versprechen, respektlosen Menschen und unfairen Arbeitsverhältnissen. Das frustriert auf die Dauer. Das entmutigt. Es lässt einen an sich selber zweifeln. Natürlich gab es einen Plan B, ich habe mich selbstständig gemacht, nebenbei auch mal in einem Café gejobbt, auf einer Pferdefarm gearbeitet und als Surflehrer für Kinder ausgeholfen. Das waren alles sehr positive Erfahrungen, bei denen ich mit lieben Menschen zu tun hatte und die mir keiner mehr nehmen kann, ändern aber nichts an dem Gefühl, irgendwie von mir selber enttäuscht zu sein. Ich habe es schlicht und einfach nicht geschafft in Sydney.

Das erinnert mich an eine Geschichte, die mir mal jemand erzählt hat und diese geht so: Es war einmal ein Mann, der die Idee hatte, in Australien einen Keksladen zu eröffnen. Das lief unerwarteterweise so gut, dass er sein Geschäft immer weiter ausbaute und neue Läden im ganzen Land aufmachte. Als seine Frau nach Amerika auswandern wollte, dachte er sich, was hier funktioniert hat, funktioniert dort sicher auch. Er muss zwar nochmals von vorne anfangen, wird aber seinen Keksladen einfach wieder aufbauen. Sie wanderten also nach Amerika aus. Der Mann ging alles genau gleich an, wie er dies in Australien getan hatte, dachte sich, so anders ist die Kultur ja nicht, da kann nicht viel schief gehen. Aber was er auch versuchte, es wollte einfach nicht klappen. Niemand schien zu erkennen, wie gut seine Kekse waren. Niemand schien sich so wirklich dafür zu interessieren. Und viele Male fragte er sich, wieso klappt es bloß nicht? Lag es an ihm? Ging er die Sache falsch an? Oder hatte es gar nichts mit ihm zu tun, ticken die Amerikaner vielleicht einfach anders?

Aller Anfang ist schwer und so hat auch das Heimkehren seine Tücken. Ich vermisse so viele Dinge aus Australien. Aber ich habe einen guten Job hier, der mir Freude macht, bei dem ich täglich von netten Menschen umgeben bin und fair behandelt werde. So Leid es mir tut – und es tut mir ganz ehrlich Leid drum – Sydney war wohl einfach nicht der richtige Ort für mich. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich einige Wochen vor meiner Abreise den Coastalwalk von Bondi nach Coogee gemacht habe. Ich bin auf den Klippen gesessen, hatte den Wind im Gesicht und eine wunderschöne Aussicht vor mir liegen. Und ich habe mir gedacht, ich will das alles nicht aufgeben. Aber Sydney war nicht gut zu mir. Ich habe vier Jahre lang versucht, beruflich irgendwie Fuß zu fassen und diese Stadt hat mir keine Chance gegeben. Auch wenn ich sehr gemischte Gefühle hatte, irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen und dieser Tag war für mich gekommen.

Ich bin mir sicher, es ergeht anderen Menschen da draußen ähnlich wie mir. Menschen, die davon träumen, sich in Australien ein tolles Leben aufzubauen und bei denen es auch nicht so wirklich klappen will. So habe ich mich in dem Bericht einer jungen Irin, die den Versuch gewagt hat nach Australien auszuwandern, ein Stück weit wiedergefunden. Sie beschreibt darin, warum sie enttäuscht vom australischen Traum ist. Und wie man so schön sagt, wenn man nicht damit zufrieden ist, wie sich sein Leben entwickelt, sollte man die Richtung ändern. Auch wenn dies bedeutet, wieder in die Heimat zurückzukehren.

Sydney, ich vermisse dich wirklich sehr, aber: Es ist besser, mit den richtigen Leuten durch den Regen zu laufen, als mit den falschen in der Sonne zu stehen.

No worries!

FOTO: CHRIS DEVERS (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Australien: Ein besseres Leben?

Wie bereits im vergangenen Jahr und in jenem davor schaffte es Australien auch bei der OECD-Studie 2015, dem Better Life Index, auf Platz eins. Besonders gut hat Australien bei den Themen bürgerschaftliches Engagement, Gesundheit und Bildung abgeschnitten. Am unteren Ende der Liste – und im Vergleich dazu etwas aus dem Rahmen fallend – befindet sich die Work-Life-Balance. Von insgesamt 36 Ländern liegt Australien hier an 30. Stelle. Die Studie besagt, dass 14% aller Angestellten 50 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten und die Australier nur 60% ihres Tages persönlichen Bedürfnissen (Schlafen, Essen etc.) und Freizeitaktivitäten widmen. Damit liegt Australien unter dem OECD-Durchschnitt und hinter allen europäischen Ländern.

Lebensqualität
Warum möchten so viele Deutsche unbedingt nach Australien auswandern? Neben dem guten Wetter wird oftmals als erstes die Lebensqualität genannt. Diese soll ja (angeblich) in Australien so viel besser sein. Aber was genau versteht man denn eigentlich darunter? Bezieht sich das wirklich nur auf die vielen Sonnenstunden? Die Nähe zur Natur? Den Traum vom Leben am Meer? Oder die Hoffnung, Teil einer stressfreieren Gesellschaft zu sein? Formale Themen wie Bildung, Arbeit, Sicherheit und Gesundheit sollten hier zwar ebenfalls eine Rolle spielen, werden aber nur selten als Grund genannt, um nach Australien auszuwandern. Viele Auswanderer oder jene, die es gerne noch werden wollen, sind in erster Linie an der einzigartigen Lebensqualität dieses Landes interessiert. Und ich gebe zu – in einer wunderschönen Stadt wie Sydney zu leben, in der es Strände, Natur und Freizeitangebote im Überfluss gibt – ist schon etwas ganz besonderes. Die Leute sind locker drauf, stressen tut sich hier kaum jemand und wenn, dann lässt man es sich nicht anmerken. Ist es jedoch den Preis wert, den man für diese Lebensqualität bezahlt?

(Über)leben
Sydney ist ein teures Pflaster. Klar kann man in Australien auch günstig leben, wenn man sich irgendwo auf dem Land niederlässt, diesen Traum verfolgen jedoch nicht alle. Den Großteil zieht es in die Städte und dort ist das Leben teuer. Eine Neubauwohnung in Sydneys Inner West mit 75 m² kostet schnell mal $700 Miete pro Woche (nein, ich habe mich nicht verschrieben, es ist wirklich pro Woche). Ein Zimmer in einer WG, das man sich mit einer anderen Person teilen muss, kostet so um die $180 pro Woche. Für ein Einzelzimmer wären das also $360. Der Brutto-Mindestlohn in Australien beträgt derzeit knapp $35.000 im Jahr (ca. $16,40 pro Stunde). Wieviel man in Australien durchschnittlich verdient, ist schwer zu sagen, da es hierzu unzählige Statistiken gibt und jede einen anderen Betrag nennt, sie variieren jedoch meistens zwischen $55.000 und $75.000 im Jahr. Laut einem aktuellen Bericht des Business Insider muss man in Sydney jedoch mindestens $106.000, in Melbourne $75.400 im Jahr verdienen, um sich ein Eigenheim im Mittelsegment leisten zu können. Wie gut die Australier mit ihrem Gehalt zurecht kommen, könnt ihr in diesem Bericht nachlesen.

Work-Life-Balance
Als Angestellter in Australien hat man in New South Wales nur neun Feiertage und 20 Urlaubstage im Jahr. Im Vergleich dazu genießt man in Österreich 13 Feiertage und 25 Tage Urlaub. Deutschland hat neun Feiertage in Berlin, zwölf Feiertage in Bayern und durchschnittlich ebenfalls 25 Tage Urlaub (oder sogar 30). Da auch Modelle wie Gleitzeit und Zeitausgleich hier weitgehend unbekannt sind, verbringt man in Australien wesentlich mehr Zeit seines Lebens am Arbeitsplatz – und diese wird hoch bewertet: Lieber ein Angestellter, der zwischendurch im Internet surft und nicht effizient arbeitet, dafür aber anwesend ist, als ein Angestellter, der seinen Job zwar schnell und gut macht und dafür aber früher nach Hause geht. Im Normalfall wird auch von einem erwartet, dass man unbezahlte Überstunden macht. Laut einer Studie des Australia Institute sind das durchschnittlich sechs Stunden pro Woche. Weiters heißt es in der Studie, dass 50% der Befragten ihren Jahresurlaub nicht oder nur teilweise in Anspruch nehmen. Jeder fünfte Angestellte verzichtet auf seine Mittagspause. Als Gründe hierfür nennen viele Australier, dass sie sich direkt oder indirekt vom Chef unter Druck gesetzt fühlen oder Angst davor haben, die Arbeitsstelle zu verlieren.

Australische Auswanderer
Genau aus diesen Gründen zieht es auch einige Australier ins Ausland: Carly Hulls, die nach Wien ausgewandert ist, gefällt an Österreich unter anderem die Work-Life-Balance besonders gut. Sie habe hier gelernt, alles etwas ruhiger anzugehen und ihre Wochenenden und ihre Freizeit mehr zu schätzen. Auch die Familie Binning, die nach Dänemark ausgewandert ist, weiß die »gesunde Arbeitskultur, in der auch Platz für ein Leben außerhalb der Arbeit ist« sehr zu schätzen. Auch sie hätten sich in Australien nicht getraut, den vollen Jahresurlaub in Anspruch zu nehmen, aus Angst den Job zu verlieren oder der Karriere zu schaden. Ähnlich Positives hatte auch eine Freundin von mir zu berichten, die als Australierin zwei Jahre in Dänemark gelebt und gearbeitet hat.

Fazit: Nur weil Australien immer wieder zur lebenswertesten Nation der Welt gekürt wird, heißt das noch lange nicht, dass jeder Auswanderer hier findet, was er sucht. Die Nähe zum Meer und das Leben in einem Land, in dem alle ziemlich locker drauf sind, ist für viele der Traum schlechthin. Ob es den Preis tatsächlich wert ist, den man dafür bezahlt, muss aber jeder für sich entscheiden. Denn wer Lebensqualität in erster Linie mit einer gesunden Work-Life-Balance gleichsetzt, für den ist Australien vielleicht dann doch nicht das Richtige.

No worries!

FOTO: NICK DH.B. (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Heimweh – Was tun?

Wir alle kennen das Gefühl. Heimweh gehört zum Auswandern genauso dazu, wie die schwierige Entscheidung, wie man bloß all sein Hab und Gut in einen Koffer packt. Auch ich hatte in meiner ersten Zeit in Australien sehr viel Heimweh. Erst als ich nach eineinhalb Jahren das erste Mal wieder auf Besuch in Österreich war, habe ich festgestellt, dass es doch einiges gibt, was ich am Leben in Australien sehr zu schätzen weiß. Danach ging es etwas besser. Heute kommt das Heimweh in Wellen, aber nicht mehr ganz so regelmäßig. Am schlimmsten ist es, wenn ich gerade von einem Heimaturlaub zurück nach Australien komme. Umgekehrt fühle ich mich in Australien am wohlsten, wenn ich weiß, dass ich bald wieder Urlaub in der Heimat mache (und ertappe mich dabei, wie ich mir im letzten Moment denke, eigentlich will ich gar nicht heim, ist doch grade so schön hier).

Ich habe hier in aller Ausführlichkeit aufgeschrieben, was mir im Laufe der Zeit gegen Heimweh geholfen hat bzw. mir immer noch hilft. Vielleicht sind für den einen oder anderen Auswanderer unter euch ein paar Tipps dabei.

Sportclubs oder Vereinen beitreten. Gleich zu Beginn habe ich mir verschiedene Sportclubs heraus gesucht und bin Mitglied in einem Volleyballverein geworden. Einerseits ist es gut, wenn man raus kommt und sich sportlich betätigt, andererseits hat es mir auch geholfen, neue Leute kennen zu lernen. Vor allem hat es mich aber unabhängiger gemacht. Ich bin ein sehr aktiver Mensch und hatte zu Beginn nur meinen Mann, mit dem ich Sachen unternehmen konnte. Diese Abhängigkeit hat mich sehr eingeschränkt. Gerade im Volleyballverein habe ich viele andere Auswanderer kennen gelernt und eine dieser Bekanntschaften hat sich sogar zu einer bis heute andauernden Freundschaft entwickelt.

Sich eine neue Herausforderung suchen. Ich bin ein Mensch, der keine Veränderungen mag. Am liebsten ist es mir, wenn alles so bleibt, wie es ist. Daher werfen mich einschneidende Erlebnisse – wie z.B. nach Australien auszuwandern – leicht aus der Bahn. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich eine Routine habe und es fiel mir anfangs sehr schwer, loszulassen und mich auf etwas Neues einzulassen. Irgendwann zwischen »ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll« und »ich weiß gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin und was ich will«, habe ich den Entschluss gefasst, Surfen zu lernen. Einfach mal so. Und nicht aufzugeben, bis ich (halbwegs) gut darin bin. Das war meine große Herausforderung und es hat mir geholfen, mich auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren. Das mache ich auch heute noch so. Wenn ich wieder mal alles in Frage stelle, dann konzentriere ich mich gedanklich (und wenn es geht auch aktiv) einfach aufs Surfen. Gleichzeitig hat es mir das Land und die Leute ein Stück näher gebracht und als Bonus habe ich dadurch auch einige nette Australier kennen gelernt. Deshalb: Geh raus und such dir deine eigene Herausforderung, jeder hat Träume und braucht Ziele! 

Den regelmäßigen Kontakt mit den Liebsten daheim erhalten. Einerseits gibt es im digitalen Zeitalter genug Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben, egal wo auf der Welt man sich gerade befindet, andererseits kann die Kommunikation übers Internet aber keine menschlichen Kontakte ersetzen. Die Zeitverschiebung macht es auch nicht unbedingt leichter. Ich habe den Fehler gemacht, mich viel zu schnell abzukoppeln und hatte lange Zeit keinen regelmäßigen Kontakt mit Freunden und Familie daheim. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass das notwendig ist und man auch seine »digitalen« Freundschaften pflegen muss, wenn man den Anschluss nicht verlieren will. Heute achte ich bewusster darauf, in Kontakt zu bleiben. Es tut einfach wahnsinnig gut, wenn man zwischendurch ein Foto oder eine liebe Nachricht von einem guten Freund geschickt bekommt. Es gibt einem das Gefühl, immer noch Teil von dessen Leben zu sein.

Traditionen aufrecht erhalten. In Maßen. Mein erstes Weihnachten in Australien habe ich bewusst ausgelassen. Ich habe mir damals gedacht: Wieso feiern? Weit weg von der Familie, kein Schnee weit und breit, stattdessen Hitze, nicht mal ein richtiger Baum, zu warm für Weihnachtskekse ... Mein Mann hat es generell nicht so mit Traditionen, aber als er gemerkt hat, wie unglücklich mich das machte – Weihnachten auszulassen – hat er spontan einen Baum aufgestellt. Ja, er war aus Plastik und mickrig obendrein. Aber die Geste hat mir bewusst gemacht, dass Traditionen wichtig sind und nur weil man in ein anderes Land zieht, sollte man nicht einfach alles, was bis dahin Bedeutung hatte, über Bord werfen. Es ist okay, seine Traditionen mitzunehmen. Aus diesem Grund habe ich an meinem zweiten Weihnachten in Australien wie verrückt Kekse gebacken, Glühwein gekocht, Weihnachtslieder gehört, einen Baum gekauft und sogar einen Adventskalender gebastelt. Ganz so übertrieben muss man sich aber auf nicht an Traditionen klammern. (Ich habe ziemlich schnell fest gestellt, dass Weihnachten im Sommer und Let It Snow nicht so ganz zusammen passen.) Noch besser ist also, wenn man anfängt, neue Traditionen anzunehmen und gleichzeitig alte zu behalten und mit anderen zu teilen. Man hat dann sozusagen das Beste von beiden Welten.

Deutsche Gerichte kochen. Das Essen habe ich von Anfang an sehr vermisst. Es gab eine ganze Liste an Dingen, ohne die ich nicht leben konnte. Diese Liste gibt es zwar noch immer, aber sie ist mittlerweile um einiges kürzer. Damals bin ich ganz Sydney abgefahren, um irgendwo geräucherten Speck und »richtigen« Schnaps zu finden, bin regelmäßig zum deutschen Metzger und zum deutschen Bäcker, habe die Rezepte von meiner Mama nachgekocht, selber Knödel geformt, Spätzle gemacht, ja ich war nahe dran, selber Brot zu backen. Damals hat mir das sehr über das Heimweh hinweg geholfen, heute sehe ich das Ganze etwas lockerer. Mit der Zeit wird man erfinderisch und passt sich an, geht Kompromisse ein und entdeckt neue Vorlieben. Dafür freut man sich dann um so mehr auf Mamas Küche beim nächsten Besuch in der Heimat.

Sich mit anderen Auswanderern austauschen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, so sagt man. Und es stimmt tatsächlich. Als frisch gebackener Auswanderer trifft man sich am besten mit anderen frisch gebackenen Auswanderern. Man kann sich über Erfahrungen und erste Eindrücke in der neuen Heimat austauschen und stellt oft fest, selbst wenn man nicht viel gemeinsam hat, hat man doch mehr gemeinsam als man denkt: und zwar die selben Wurzeln. Um seine Erlebnisse zu verarbeiten, ist es also unabdingbar, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Ich finde es immer wieder spannend, neue Leute kennenzulernen, die ebenfalls den Schritt gewagt haben, in ein anderes Land auszuwandern. Ich möchte diese Erfahrung auf keinen Fall missen. Der einzige Nachteil: Man lernt leider auch sehr viele Leute kennen und schätzen, die dann plötzlich wieder weg sind (weil in die Heimat zurück gekehrt).

Sich ein Zuhause schaffen, indem man sich wohl fühlt. Viel zu lange habe ich nach dem Motto gelebt: Ich weiß ja nicht, wie lange ich in Australien bleiben werde, also kaufe ich mir am besten gar nichts. Das hat auch dazu geführt, dass ich mich ein Jahr lang geweigert habe, unsere Wohnung zu dekorieren. Ich wollte einfach kein Herzblut (oder Geld) in irgendetwas stecken, dass ich dann vielleicht wieder zurücklassen muss. Unter diesen Umständen ein neues Leben zu beginnen, ist jedoch gar nicht so einfach. Man muss schon dazu bereit sein, ein bisschen zu investieren, um sich ein neues Zuhause zu schaffen. Immer zwischen zwei Stühlen zu sitzen, macht auf Dauer unglücklich.

Beratung oder Therapie in Anspruch nehmen. Manchmal kann das Gefühl von Heimweh die Oberhand ergreifen und vereinnahmt das ganze Leben. Man fühlt sich verloren, entwurzelt, weiß nicht mehr, was man will – doch wieder zurück oder hier bleiben – vermisst das, was man zurück gelassen hat und gleichzeitig wird man das Gefühl nicht los, dass man nicht mehr zurück kann. Ich weiß, wie verwirrend diese Gefühle sein können. Oft hilft es schon, über seine Erlebnisse zu sprechen, um diese zu verarbeiten. Was aber tun, wenn der Partner »die immer selbe Leier« schon nicht mehr hören kann, man seine Familie und Freunde daheim nicht belasten will und sonst eigentlich niemanden in der neuen Heimat hat, mit dem man offen reden könnte? Manchmal kann es durchaus hilfreich sein, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Sich einmal alles von der Seele zu reden und dabei weder kritisiert noch beurteilt zu werden, kann für den einen oder anderen Wunder wirken.

Immer die positiven Dinge hervorheben. Was mir auch sehr geholfen hat, ist ein kleines, aber feines Tagebuch zu führen, in dem ich mich auf die positiven Dinge konzentrierte – ein so genannten Glückstagebuch. Und das geht so: Jeden Abend vor dem Schlafen gehen, nimmst du dir einen Moment Zeit und denkst über deinen Tag nach. Dann schreibst du drei gute Dinge auf, die an diesem Tag passiert sind. Dabei geht es darum, bewusst die positiven Dinge im Leben wahrzunehmen und den Alltag schätzen zu lernen. Denn auch an (schlechten) Tagen, an denen man Heimweh hat, können gute Dinge passieren – wenn dich z.B. gerade dann ein guter Freund nach deinem Befinden fragt. Wenn man sich rückblickend anschaut, was im Tagebuch geschrieben steht, bekommt man auch ein besseres Gefühl dafür, was einen eigentlich glücklich macht. Das können schon ganz banale Dinge sein, wie z.B. ein guter Kaffee am Morgen. So lernt man, sich selbst über Kleinigkeiten zu freuen. Unbedingt ausprobieren!

Kurzfristige Ziele stecken. Wir können viel von Beppo, dem Straßenkehrer aus Michael Endes Kindergeschichte Momo lernen. Weise hat er festgestellt, dass es viel einfacher ist, nie an den ganzen Weg zu denken, sondern immer nur an einen Besenstrich nach dem anderen. Und wie Recht er doch hat. Als ich den Entschluss gefasst habe, nach Australien zu gehen, war vor allem der Gedanke an die Endgültigkeit meiner Entscheidung besonders furchteinflößend. Auszuwandern mit der Gewissheit, dass man nie mehr zurück kehren wird, muss ein schreckliches Gefühl sein. Auswandern »auf Probe« ist hingegen wesentlich leichter verdaulich. Es ist deshalb sehr hilfreich, sich kurzfristige Ziele zu stecken. So war der Besuch meiner Eltern, ein Jahr nachdem ich ausgewandert bin, der erste Meilenstein für mich. Als der Zeitpunkt jedoch gekommen war, habe ich mir ein neues Ziel gesteckt: Eine Reise, die ich unbedingt machen wollte. Der dritte Meilenstein war dann meine eigene Hochzeit in Australien. Egal was für kurzfristige Ziele du dir steckst, man schläft wesentlich beruhigter, wenn man bereits den nächsten Meilenstein vor Augen hat.

Spazieren gehen. Klingt komisch, hilft aber, zumindest kurzfristig. Nicht umsonst gibt es im Englischen das Sprichwort to walk it off. Was frei übersetzt so viel bedeutet wie »über etwas hinweg kommen«. Oftmals hilft es tatsächlich, einfach raus zu gehen, die Sonne zu genießen (die hier ja doch ziemlich oft scheint) und zu laufen. Mir hat es in vielen Situationen geholfen, meine Gedanken zu sortieren und mich zu entspannen. Nimm dir einfach vor, in einem schönen Park oder am Strand spazieren zu gehen und erst aufzuhören, wenn du dich besser fühlst. Manchmal dauert es zehn Minuten, manchmal drei Stunden – aber helfen tut es auf jeden Fall.

Urlaube planen (und machen). Ich habe irgendwo eine Studie gelesen, dass Menschen, die Urlaub machen, andere Länder bereisen und neue Kulturen kennenlernen, glücklicher sind. Ich denke daher, dass dies auch gegen Heimweh helfen kann. Wer reist und neue Dinge erlebt, ist abgelenkt, hat weniger Heimweh, ergo ist glücklicher. Und wenn man schon ans andere Ende der Welt auswandert, sollte man sich zumindest die Zeit nehmen, seine neue Heimat zu erforschen. Mach dir also eine Bucket List und plan schon mal deine nächste Reise. Für mich war und ist es immer noch sehr wichtig, mich auf den nächsten Urlaub freuen zu können. Auch wenn es nur ein Wochenende in Byron Bay ist. Nicht umsonst sagt man: Vorfreude ist die schönste Freude. 

Sich mit der neuen Heimat bewusst auseinandersetzen. Heimweh hat man, weil man etwas zurück gelassen hat, weil einem etwas fehlt. Gleichzeitig ist man jedoch in einer neuen Umgebung, die man gerne früher oder später auch Heimat nennen möchte. Ohne loszulassen, kann man sich aber nicht für Neues öffnen. Dieser Prozess ist langwierig und mitunter schmerzhaft. Aber genauso wie es physisch unmöglich ist, von einem Ort zum anderen zu laufen, ohne den Ort des Ursprungs tatsächlich zu verlassen, kann man auch nicht in der neuen Heimat ankommen, ohne sich ein Stück weit von der alten Heimat loszulösen. Ich kann jedem, der mitten in diesem Prozess steckt, nur empfehlen, sich intensiv mit Australien auseinanderzusetzen. Geh auf die Straße, rede mit Leuten, lauf mit offenen Augen und Ohren durch die Gegend, hör australische Radiosender, lies Zeitungen, besuch lokale Veranstaltungen. Sei offen und neugierig und lerne deine neue Heimat bewusst kennen. Du wirst sicher einiges entdecken, das dir (auf den ersten Blick) nicht so sehr gefällt, aber es wird dich auch vieles überraschen. Ich habe eine ganze Weile in einem Café gejobbt und dadurch viele interessante Gespräche mit Australiern geführt. Und ich habe zu jener Zeit auch angefangen, dieses Blog zu schreiben.

No worries!
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Paljor aus Nepal

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Paljor aus Nepal, der mit 18 nach Australien ausgewandert ist und sich in Sydney mittlerweile schon richtig daheim fühlt.

Über dich und deine Erlebnisse:

Woher kommst du, wie alt bist du und was machst du in Australien? Wie lange bist du schon hier? 
Ich wurde in Nepal geboren und habe dort meine Kindheit und Jugend verbracht. Meine Familie lebt nach wie vor dort. Mit 18 Jahren bin ich zum Studieren nach Australien gezogen und habe mir hier schließlich ein neues Leben aufgebaut. Heute bin ich 28 Jahre alt und arbeite als Marketing Koordinator für eine Sprachschule in Sydney.

Warum genau Australien? 
Es gibt mehrere Gründe, warum ich mich dazu entschlossen hatte, auszuwandern. Die Dinge standen damals sehr schlecht in Nepal, es gab Korruption, wo immer man auch hinsah und die Karriereaussichten waren sehr beschränkt. Ich konnte einfach das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen und um ehrlich zu sein, ich kann es auch heute noch nicht, was sehr traurig ist.

Ausschlaggebend um nach Australien zu gehen, war sicherlich, dass es damals für nepalesische Studenten sehr einfach war, ein Visum zu bekommen. Außerdem sind die Ausbildungen hier top und damals waren auch die Studiengebühren noch relativ erschwinglich. Mein anderes Wunschziel wäre die USA gewesen, ein Visum für Amerika zu bekommen, war jedoch nicht ganz einfach.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt? 
Obwohl es schon zehn Jahre her ist, erinnere ich mich an den Landeanflug in Sydney, als wäre es erst gestern gewesen. Es war bereits Nacht und ich erinnere mich an all die Lichter, die ich vom Flugzeug aus sah und kurz wurde ich auch ein bisschen nervös, als ich daran dachte, dass ich nicht eine einzige Menschenseele in der Stadt dort unten kenne. Außerdem hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nur ein einziges anders Land besucht – Indien – es war also alles sehr neu und aufregend für mich. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie ich mit dem Taxi zu meiner Unterkunft gefahren bin und meine zukünftigen Mitbewohner kennen gelernt habe.

Was war dein größter Kulturschock? 
Ich würde es nicht unbedingt als Kulturschock bezeichnen, eher als falsche Vorstellung, die ich von Australien hatte. Ich dachte immer, dass Australien eine Mischung zwischen Großbritannien und Amerika ist, mit ähnlicher Kultur und Lebensweise. Und obwohl Australien auch heute noch als Land bezeichnet wird, das kulturell gen Westen ausgerichtet ist, wurde mir bald klar, dass es seine ganz eigene Identität hat, sowohl bedingt durch die einzigartige Lage und die Bereicherung durch die Kultur der Aborigines und Torres Strait Islander, als auch durch die vielen multi-ethnischen Migranten, die das Land zu dem gemacht haben, was Australien heute ist. Ich habe mich von Anfang an richtig wohl unter Australiern gefühlt und war sehr neugierig darauf, ihren Lebensstil und ihre Kultur näher kennen zu lernen und je länger ich hier lebe, desto mehr weiß ich den »Australian Way of Life« zu schätzen.

Wenn ich Australien mit Nepal vergleichen müsste, weiß ich gar nicht genau, wo ich anfangen soll. Die Liste der Unterschiede wäre unendlich... angefangen von der Lage, Lebensweise, dem politischen System, der Kultur, den Familienstrukturen... Ich muss aber sagen, dass Australier und Nepalesen auf ähnliche Art und Weise ein sehr freundliches Volk sind – die Charakterzüge Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit sind in beiden Gesellschaften hoch angesehen.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir? 
Manchmal habe ich Heimweh, aber nur nach meiner Familie und meinen Freunden, die in Nepal leben. Ich sehe meine Familie nur ca. alle drei Jahre. Meine Schwester studiert gerade Medizin in China. Das Land an sich vermisse ich jedoch nicht.

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben? 
Australien – ein Naturparadies, wunderschöne Küstenlandschaften und fantastisches Wetter. Die Australier würde ich als sehr gelassen, aber zielstrebig bezeichnen, sie können mitunter Rowdys sein, haben aber eine warmherzige Art, sie sind alle sehr verschieden, aber doch geeint.

Was gefällt dir besonders gut an Australien? 
Ich liebe die Tatsache, dass man in Australien so viele unterschiedliche Erlebnisse haben kann – große glamouröse Städte (Sydney, Melbourne), kleine malerische Örtchen (Yamba, Byron Bay) und das ländliche Outback (Alice Springs). Nur eine Stunde Autofahrt von Sydney entfernt liegt beispielsweise das schöne kleine Dorf Wisemans Ferry oder Stanwell Tops, eine atemberaubende Küstenstraße.

Das Essen hat es mir hier ebenfalls angetan. Die Australier sind richtige »Foodies« und man findet in Sydney authentische Küche aus aller Welt. Neben moderner australischer Küche in top Restaurants (Quay in The Rocks), kann man auch authentisch japanisch essen gehen (ich empfehle Kuki Tanuki in Newtown), traditionelle indische Spezialitäten kosten (am besten bei Maya da Dhaba in Surry Hills), spanische Tapas genießen (unbedingt Tapavino in Sydneys Innenstadt besuchen) und selbst exotische nepalesische Küche findet man hier (Little Nepal in Burwood). Wer also auf ein gastronomisches Abenteuer aus ist, der ist in Sydney auf jeden Fall richtig.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Ganz ehrlich, ist gibt nicht eine einzige Sache, die ich hier nennen könnte. Das Leben in Australien ist einfach großartig, ich liebe dieses Land!

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien? 
Kurz gesagt: Sydney. Vielleicht bin ich in meiner Meinung dadurch beeinflusst, dass Sydney heute meine Heimatstadt ist, aber ich denke, dass die Stadt wirklich für jeden etwas zu bieten hat – egal was für Interessen oder Geschmack man hat, ob man ein Fan von Natur oder von Großstadt ist.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Auf jeden Fall!

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an? 
Meistens schon, ja. Das geht ganz automatisch.

Isst du Vegemite zum Frühstück? 
Da ich bereits als Kind in Nepal Vegemite zum Frühstück gegessen habe, war das auf jeden Fall nichts Neues für mich. Mein Vater war als Kind in einem Internat in Indien untergebracht, das von Engländern geführt wurde. Daher kam er schon früh mit Marmite in Berührung (die englische Variante von Vegemite) und so wurde die Tradition in unserem Haus fortgesetzt und auch ich bin mit Marmite bzw. Vegemite zum Frühstück aufgewachsen.

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Weihnachten habe ich erst richtig in Australien kennen gelernt. Das Christentum ist in Nepal nicht wirklich verbreitet, mehr als 80% der Nepalesen sind hinduistisch. Trotz dieser Tatsache sind die Leute sehr tolerant und es ist sogar verbreitet, mehreren Religionen gleichzeitig zu folgen. Meine Mutter zum Beispiel ist sehr gläubig und praktiziert sowohl den Hinduismus, als auch den Buddhismus. Mein Vater ist in einem buddhistischen Haushalt aufgewachsen, hat sich aber irgendwann zum Agnostiker entwickelt. Als ich alt genug war, über meine Religionszugehörigkeit zu entscheiden, entschied ich mich für den Atheismus. Trotz alledem feiern wir nach wie vor hinduistische und buddhistische Feste mit Familie und Freunden, ähnlich wie ich hier in Australien an den Feierlichkeiten zu Weihnachten teilhabe – nicht unbedingt im religiösen Sinne, aber einfach als eine Zeit, die man mit seinen Liebsten zusammen verbringt. Letzte Weihnachten habe ich mit meiner Familie und Freunden Geschenke ausgetauscht, es gab viel gutes Essen und es war einiges los!

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du? 
Ich mag Wellen sehr gerne, obwohl ich mich noch nie im Surfen versucht habe. Im Bodyboarden jedoch schon.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots? 
Oh nein, niemals!

No worries!

FOTO: PALJOR LAMA
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Pascale aus Deutschland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Pascale, die mit 15 von Deutschland nach Neuseeland ausgewandert ist und mittlerweile seit zwei Jahren in Australien lebt. Sie hat sowohl einen deutschen, als auch einen neuseeländischen Pass und auf meine Frage, ob sie sich eher als Deutsche oder Neuseeländerin fühlt, hat sie mir geantwortet: definitiv beides. Nur ihren deutschen Akzent würde sie gerne verlieren.

Über dich und deine Erlebnisse:

Woher kommst du, wie alt bist du und was machst du in Australien? Wie lange bist du schon hier? 
Ich komme ursprünglich aus München. Als ich 15 Jahre alt war, zogen meine Eltern und ich nach Neuseeland. Erstmals sollte es nur für ein Jahr sein, wir sind dann aber geblieben. Meine Mama kam schon 1977 der Liebe wegen nach Neuseeland und hat damals auch eine Weile dort gelebt. Ich habe insgesamt sieben Jahre in Auckland verbracht und dort sowohl die High School, als auch meinen Bachelor gemacht habe. Jetzt bin ich 23 Jahre alt und lebe seit zwei Jahren in Brisbane. Mein Freund, der Neuseeländer ist, kam schon im Dezember 2012 hier an und ich bin ihm im März 2013 gefolgt, da ich noch einen Kurs an der Uni fertig machen musste.

Warum genau Australien? 
Mein Freund – mit dem ich seit fünfeinhalb Jahren zusammen bin – wurde an der Uni in Brisbane in Medizin angenommen und deshalb bin ich dann gleich mit ihm hierher gezogen. Während meiner Zeit in Deutschland haben meine Eltern mich jedoch fast jährlich nach Australien in die Ferien mitgenommen – anstelle von z.B. Italien oder Mallorca – und ich habe dieses Land daher immer schon geliebt. Lustigerweise haben wir Australien in den sieben Jahren, in denen ich in Neuseeland gewohnt habe, nur ein einziges Mal besucht.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt? 
An meinem ersten Tag in Australien mussten wir gleich umziehen, da die Vermieterin meines Freundes hoch religiös war und uns nicht erlaubt hat, als unverheiratetes Paar dort gemeinsam zu wohnen. Ich weiss noch, dass wir nur eine Matratze und ein Bücherregal hatten. Die neue Wohnung war in der Garage unseres (neuen) Vermieters und es war total nett, da es draußen um die 35°C hatte und die Wohnung schön kühl war.

Was war dein größter Kulturschock? 
Nichts wirklich, da ich ja schon sieben Jahre in Neuseeland gelebt hatte und Australien eh kannte. Aber das Wetter – vor allem der viele Regen im Sommer – war etwas, an das ich mich in Brisbane gewöhnen musste, sowie die vielen Tiere überall. Die Trink-Kultur hat mich auch etwas geschockt, aber nur weil ich in einem Pub gearbeitet habe, und nicht wie in Neuseeland in einer französischen Weinbar. Australier und Neuseeländer sind sich generell aber sehr ähnlich, vor allem was die Freundlichkeit betrifft, und das mag ich total gerne!

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir? 
Eigentlich gar nicht … weder nach Deutschland noch nach Neuseeland. Obwohl ich in den ersten zwei Monaten, als ich keinen Job fand, eigentlich wieder zurück nach Neuseeland wollte. Ich habe zwei super Jobs in Auckland aufgegeben und dann mit Manager Certificate, Bachelor of Arts, vier Sprachen und fünf Jahren Gastroerfahrung in Australien nichts zu finden, war echt blöd. Neuseeland hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert – Auckland zumindest – und es gibt immer mehr tolle Restaurants: das vermisse ich. Ansonsten wirklich nur meine Katzen (noch nicht mal wirklich meine Eltern).

Was mir von Deutschland fehlt, sind die U-Bahnen und das billige Essen. Ich habe zwar noch einige Verwandte dort – Onkel, Tanten, Kusinen und ein paar Freunde – ich würde aber nie wieder zurück nach Deutschland ziehen wollen. Urlaub machen schon, wie zuletzt 2013 als ich eine 4-wöchige Europatour gemacht habe.

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben? 
Ein Land mit tausend verschiedenen Landschaften, wo Menschen und Tiere tatsächlich zusammen leben.

Was gefällt dir besonders gut an Australien? 
Die Menschen, alle sind so freundlich hier! Sowie die Stadt Brisbane – ich liebe den Fluss, die Sonne und das Wetter.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
An den vielen Regen im Sommer und die hohen Essenspreise kann ich mich nur schwer gewöhnen.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien? 
Broome, Great Barrier Reef und die Wüste gefallen mir sehr gut. Aber eher für Ferienabenteuer, nicht um dort zu leben.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Immer wieder! Ich liebe dieses Land! Vielleicht mal eine andere Stadt, aber ansonsten ist alles hier richtig toll. Neuseeland ist zwar auch sehr schön, aber nicht ganz so warm und jobmäßig gibt es in Australien doch mehr Möglichkeiten.

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an? 
Auf alle Fälle!

Isst du Vegemite zum Frühstück? 
Nein – und sogar meine Mama, die seit 1977 immer wieder in Neuseeland gelebt hat, mag kein Vegemite.

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Letzte Weihnachten habe ich in Neuseeland mit meinen Eltern und meinem Freund verbracht, so wie jedes Jahr. Am 24. Dezember untertags haben wir gemeinsam den Baum geschmückt und dann gab’s Abendessen und Geschenke. Das Essen ist immer irgendwas … aber nichts Deutsches! Am 25. Dezember habe ich mit der Familie von meinem Freund gefeiert, so wie das die Neuseeländer und Australier traditionell machen.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du? 
Strand find ich ganz nett, aber ich bevorzuge Städte, die was zu bieten haben, vor allem was Essen und Läden betrifft. Ich mag Schwimmen schon gerne – gesurft bin ich noch nie – aber irgendwie ist das Stadtleben eher so mein Ding.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots? 
Ja, aber die ziehe ich nur im Winter in Neuseeland an!

No worries!

FOTO: PASCALE DE SULLY
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Einfach gefragt

Marten fragt auf seinem Blog gerne mal genauer nach. Dabei interessieren ihn Geschichten von Auswanderern genauso, wie Menschen die von ihrem Beruf und ihren Hobbys erzählen, Tipps zum Hausbau geben oder das Verfahren des Ultraschallschweißens erklären. Auf seinem Blog kommen Landschaftsbauer, professionelle Kreuzworträtsellöser, Buchautoren und andere Leute zu Wort, die gerne von ihren Erfahrungen berichten. 

Das Interview, das Marten mit mir über das Leben in Australien geführt hat, könnt ihr hier nachlesen.

No worries!

FOTO: JULIA GRIDLING
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Die Deutsche in mir

Je länger ich in Australien lebe, desto weniger bin ich nur Österreicherin. Irgendwie bin ich auch Deutsche oder Europäerin. Oder einfach »from overseas« ... Alles, bloß nicht Australierin. Die eigene Identität wandelt sich mit der Zeit und man merkt plötzlich, wie viel man mit anderen Europäern gemeinsam hat – ganz gleich aus welchem Land diese stammen – und wie fremd man eigentlich auf der großen Insel ist.

Das ist mir wieder einmal bewusst geworden, als ich den Post von Liv Hambrett gelesen habe, in dem die gebürtige Australierin, die seit einiger Zeit in Deutschland lebt, in 151 Beobachtungen das Wesen der Deutschen analysiert. Es fällt mir gar nicht schwer, mich da hinein zu versetzen, es kommt mir gar so vor, als spräche sie über mich. Was ich besonders interessant daran finde, ist die Tatsache, dass sie aus einer vergleichenden Perspektive heraus beschreibt. Die Dinge, die ihr an den Deutschen auffallen, sind ins Gegenteil gekehrt genau jene Punkte, die ich an den Australiern hervorheben könnte.

Irgendwie kamen mir ihre Beobachtungen auch unheimlich bekannt vor, denn mein australischer Verlobter, der einige Jahre mit mir in Deutschland gelebt hat, hätte eine sehr ähnliche Liste verfassen können. Das zeigt einem wieder einmal, wie unterschiedlich die Mentalitäten doch sind und dass gerade auch im Angesicht der derzeitigen Krise in der EU nicht unterschätzt werden sollte, wie viel wir Europäer eigentlich gemeinsam haben. Und wie anders die Australier im Gegensatz dazu doch ticken. Hier ein Auszug aus Liv Hambretts 151 Beobachtungen:
  • They are punctual. It’s in their genetic make up. They cannot be late.
  • In fact, Germans place an enormous premium on the three Ps – Practicality, Punctuality and Planning.
  • Germans worship wurst.
  • Germans worship the pig. He is revered as both a lucky (Glücksschwein) and delicious little fellow in this country and there is no part of the pig that cannot be boiled, shredded, fried, processed, mashed, diced and consumed. And there is no end to the various pig likenesses that can be crafted from marzipan.
  • They are good at mostly anything they do. Or, if they’re not, they try hard and become competent. Because …
  • Germans are thorough. They seem to live by the ‘do it once and do it well’ principle. They work hard and effectively, despite working some of the shortest hours in the western world.
  • Consequently, they are the strongest economy in Europe. What they do during those short hours is probably double what every other country manages to do in twice the time.
  • They love a large, mind-bogglingly well stocked hardware store (with a bratwurst stand out the front). Perhaps because another mantra of the Germans could be; if you want something done well, do it yourself. Therefore they must be permanently well equipped to do things themselves, like renovate apartments with the help of a good friend and a few beers.
  • They are refreshingly comfortable with nudity. The further East you go, the more apparent this becomes.
  • Germans are generally candid, frank people. 
  • They don’t necessarily say it to your face, at the time … but Germans don’t like it when you go against the tide in the supermarket.
  • Or get on the bus through the wrong door. This they will say to your face, using a microphone and an unimpressed tone.
  • Germans struggle enormously with the concept of ‘naked feet’. It is better feet be clothed at all times.
  • They are not ones to make small talk at the supermarket check-out. Or in general, really.
  • In fact, Germans hate small talk. Words without purpose are wasted words.
  • This is because Germans are generally extremely direct people. They do not see a need for conversational subtext. They say it as they see it, while keeping you at the appropriate arm’s length distance. Directness and distance are valued social commodities.
  • They have the single most nerve-wrackingly rapid supermarket check-outs in the world.
  • They love their dogs. Often their dogs catch the bus with them and sometimes their dogs even dine with them in restaurants.
  • Germans. Love. Bakeries.
  • They don’t tend to go to the shops in track-pants and slippers.
  • It saddens me to report there seems to be a higher instance of socks and sandals paired together in Germany, than in other countries.
  • It is extremely rare to see a German throw out a recyclable bottle and, if they do (in the midst of a brain-snap) someone passing by the rubbish bin will very quickly pull the bottle out and take it to the recycling automat themselves. 
  • They aren’t big on bread slicing. Sliced bread, ‘toast brot’, is relegated to the toaster and sandwiches made with sliced bread enjoy a disproportionately small section of the bakery display in comparison to their friends, the brötchen.
  • They are bizarrely superstitious about wishing people a Merry Christmas too early, opening presents early and celebrating birthdays early.
  • Germans. Love. Football. Love it. In fact the most passionate you will ever see a German is when they are watching, talking about, thinking about, dreaming about or playing, football.
  • You may also catch a German in an act of passion if you raise the topic of cars. Germans love their cars and are very proud of their ability to make such good ones. Just ask them.
  • It is a good thing they have good cars and an Autobahn of terrifying speed because the Deutsche Bahn is Germany’s dirty little inefficient secret. Delays come with your ticket purchase, free of charge. It’s DB’s gift to you.
  • Germans can’t queue. Full stop, the end. They don’t know how, they have no interest in trying. This is the one time Germans embrace a lack of system and what happens when a queue is called for is the unfortunate culmination of Germanic forcefulness and uncertainty in the face of a system-less world.
  • Germans can have entire conversations that consist solely of the word ‘doch’.
  • They like ‘house shoes’. 
  • It is always too hot, too cold, too windy, too warm, too humid, too snowy or too rainy. 
  • No matter where you go – to a festival, on a road trip, to a sporting event – you will find a clean public toilet.
No worries!

FOTO: ANNA MOTTERLE (FLICKR)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Anne aus Deutschland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Anne aus Deutschland, die schon seit Kindertagen vom Leben in Australien träumt.

Über dich und deine Erlebnisse:

Woher kommst du, wie alt bist du und was machst du in Australien? Wie lange bist du schon hier? 
Ich bin Anne aus Deutschland, 26 Jahre alt und arbeite auf Stundenbasis für eine Universität in Sydney als wissenschaftliche Mitarbeiterin und leite dort außerdem mein eigenes kleines Pilotprojekt (unbezahlt natürlich) im Bereich der Gesundheitsförderung. In Australien bin ich nun seit knapp zehn Monaten und fliege in ein paar Tagen zurück. Eigentlich bin ich mit der Hoffnung nach Australien gekommen, hier auch zu bleiben – es war »Auswandern auf Probe«.

Warum genau Australien? 
Ich hab mich schon als Kind durch TV-Reportagen von der Einzigartigkeit Australiens hinreißen lassen. Die Koalas und Kängurus, die freundlichen Menschen, die immer scheinende Sonne und das Surfen – das zog mich damals schon an. Seit ich in der 5. Klasse meinen Aufsatz über meinen Wunschurlaub darüber verfasste, stand es ganz oben auf meiner Möchte-ich-mal-hin-wenn-ich-groß-bin-Liste. Nach dem Abi hab ich mich dann doch erst mal für die »sicherere Variante« entschieden und bin mit einer Agentur für ein Jahr in die USA. Nach dem Studium war dann Australien dran. Durchweg hab ich Leute kennengelernt, die schon hier waren, allerdings nur auf Urlaub oder zum Work & Travel. Sie alle schwärmten im Übermaß davon und ich habe nicht ein einziges Mal etwas Negatives gehört, was meine Erwartungen an mein Traumland ins Unermessliche steigen ließ. Im Nachhinein glaube ich, dass genau das das größte Problem war – meine Erwartungen waren viel zu hoch. Andererseits musste ich mich wohl selbst vom Gegenteil überzeugen, sonst hätte ich es mir ein Leben lang vorgehalten …

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt? 
Schon beim Landeanflug und dem Blick über die Stadt war ich völlig aus dem Häuschen (trotz des Regens)! Es regnete wirklich in Strömen und ich weiß noch, dass ich total begeistert war, dass ich hier niemanden rauchen sah bzw. roch. Und die ersten Australier, die wir im Zug trafen, waren super nett und haben uns geholfen, den Weg zu finden. Heute fragen mich Leute nach dem Weg – wie sich die Zeiten ändern!

Was war dein größter Kulturschock? 
Dass ich kaum »richtige« Australier sah – zumindest nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich hätte nie gedacht, dass Australier die Sonne meiden (was mit ein bisschen Menschenverstand auch Sinn macht). Außerdem hätte ich nicht erwartet, dass hier sooo viele Menschen mit asiatischem Hintergrund leben. Teilweise sieht man nach dem Aussteigen an gewissen Bahnstationen nur noch Schilder auf Koreanisch. An das zu Beginn sehr unverständliche Englisch musste ich mich auch monatelang gewöhnen. Die Preise und der freizügige Kleidungsstil zählen jetzt nicht primär zur Kultur, aber waren trotzdem ein Schock für mich.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir? 
Heimweh würde ich es nicht nennen. Ich weiß viele Dinge durch den Abstand einfach mehr zu schätzen. Am meisten fehlen mir gute Konversationen, echte Freunde, meine Mama und Ehrlichkeit. Damit eingeschlossen ist auch die Sprache, denn auch in 50 Jahren werde ich nicht akzentfrei ein 100% perfektes Englisch sprechen. Das nervt mich mittlerweile am meisten. Außerdem kann ich es kaum abwarten, wieder eine eigene Wohnung zu haben, die hier auf Grund der Mietpreise leider nicht im Budget lag. Das Essen hat mir am Anfang sehr gefehlt, aber man probiert dadurch auch mehr Neues aus oder backt sich sein Vollkornbrot selbst.

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben? 
Wunderwunderschön, sonnig, entspannt, ein großartiger Lifestyle und eine sehr große Vielfalt an Kulturen. Leider muss ich aber auch sagen, dass es gerade in Sydney sehr oberflächlich zugeht und viel Wert auf materielle Dinge gelegt wird, um das »Show and Shine« Image aufrechtzuerhalten und mit Geld meiner Meinung nach extrem verschwenderisch umgegangen wird.

Was gefällt dir besonders gut an Australien? 
Mir gefällt hier immer noch sehr viel gut und ich finde, dass die Australier einiges richtig gemacht haben. Aber besonders gut gefällt mir wohl die entspannte Arbeitsweise! In Deutschland sind 120% nicht gut genug, hier reichen 70%. Burnout ist ein Fremdwort, denn die Welt geht nicht unter, weil man dies und das jetzt zwei Minuten später fertig hat. Ich finde die Menschen hier deutlich weniger neidisch als in Deutschland, die Erfahrung habe ich gemacht und weiß das so zu schätzen! Die Leute gönnen dem anderen etwas, weil sie selbst alles haben und (meist) glücklich sind. Sie sind deutlich ausgeglichener als in Deutschland und dadurch auch wesentlich netter im alltäglichen Leben. Großartig finde ich hier auch die nicht vorhandene Gehässigkeit, wie man sie in Deutschland sehr oft erlebt. Hier wird man nicht schief angeschaut, von niemandem, NIE! Es interessiert die Leute einfach nicht, was andere tun und lassen. Das werde ich sehr vermissen! Was ich gerade in Sydney mag ist der Lifestyle. Wenn man hier einen vernünftigen Job hat, kann man sich einfach so viel mehr leisten als in Deutschland. Klar sind die Lebenshaltungskosten deutlich höher, trotzdem finde ich, dass die australische Regierung hier eindeutig mehr für die Menschen macht (z.B. kostenlose BBQ Stationen in Parks oder am Strand, kostenlose Sportprogramme, rauchfreie Zonen überall). Ich als Fan der Gesundheit bin fasziniert von dem riesen Vorsprung gegenüber Deutschland auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Die Mietpreise in Sydney, die Oberflächlichkeit, die Unzuverlässigkeit, dass hier für alles ein Vermögen berechnet wird, der freizügige Kleidungsstil und die teilweise unverschämte Inkompetenz von allerlei Angestellten.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien? 
Puh, das ist schwer! Wenn ich Ort im Sinne von dort Leben betrachte, wäre das ganz klar Sydney. Meinen schönsten Moment hatte ich zum einen am Great Barrier Reef beim Tauchen mit Schildkröten und zum anderen bei einem Fallschirmsprung am Mission Beach mit Blick auf ganz viele Trauminseln. Diese Momente sind unter den Top 5 meines Lebens.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Ich finde Australien und gerade Sydney nach wie vor traumhaft schön, deshalb kann ich niemals nie sagen. Wer weiß, was die Zukunft bringt?

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an? 
Ich kann mich beim besten Willen nicht an den australischen Slang gewöhnen. Aus Freundlichkeit und um ein Gespräch zu beginnen, ist es dennoch der beste Einstieg, dann aber in »ordentlichem« Englisch. Traurig finde ich allerdings, dass die Antwort auf diese Frage eh niemanden interessiert, denn es ist schlichtweg eine Floskel ohne Bedeutung.

Isst du Vegemite zum Frühstück? 
Baahh! Nee! Oder trinkt ihr Maggi zum Frühstück?

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Da war ich noch in Deutschland, also so, wie man es dort eben verbringt – Zeit mit der Familie, gutes Essen und leckeren Glühwein. Ich freue mich riesig, pünktlich zu Weihnachten wieder zu Hause zu sein!

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du? 
Ganz klar Wellen, aber am liebsten ohne die vielen Menschen und gefährlichen Tiere.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots? 
Nö. Aber dafür liebe ich Flipflops!

No worries!

FOTO: NINA FISCHER
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Bloggerin Nina aus Sydney

Passend zu meinem zweiten Jahrestag in Australien wurde ich zur Abwechslung mal von jemandem interviewt. In dem Interview geht es um meine Beweggründe nach Australien auszuwandern, meine (Miss)Erfolge im Beruf, Überraschungen und Enttäuschungen im Aussie Leben und dass man irgendwann wohl in beiden Welten zu Hause ist. Wer also mehr über mich erfahren will, der kann hier gerne nachlesen: Bloggerin Nina aus Sydney

Danke Dorothée und no worries!
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Reise zu mir selbst

Mein Heimaturlaub hat mir gut getan. Allerdings hat er auch zu einer Schreibblockade geführt. Sonst habe ich doch immer so viel über die Australier zu erzählen ... aber im Moment sehe ich das alles ein bisschen distanzierter. Man lernt mit der Zeit halt nicht nur die eigene Kultur schätzen, sondern auch die fremde. Gleich verhält es sich mit den Dingen, die man nicht so gerne mag. Die Medaille hat schließlich immer zwei Seiten. Deshalb denke ich mir heute: Manchmal ist es ja gar nicht so schlecht, in Australien zu leben.

Ich war genau ein Jahr und sieben Monate nicht mehr daheim. Als sich das Flugzeug im Abendlicht seinem Zielort näherte, fiel mir als erstes auf, wie grün alles ist. Grün. So eine schöne Farbe. Die habe ich doch wirklich vermisst. Rollende Hügel, Wälder, Bäche und so viele verschiedene Grüntöne auf einem Fleck. Es kam mir vor wie im Paradies. Oder im Auenland bei den Hobbits. Alles sah so saftig und gesund aus und nicht so verdorrt, kahl und trostlos gelb wie in Australien.

Am Flughafen angekommen ist mir gleich mal aufgefallen, wie ruppig die Leute daheim eigentlich sind. Doch fast ein bisschen unfreundlich, muss ich sagen! Das kann man gut so erklären: Als ich in Australien los geflogen bin (mit Australiern im Flugzeug) waren alle ganz freundlich, haben mich angelacht und mich gefragt wie es mir geht, was ich in Australien mache und wie mir das Leben dort gefällt. In Dubai zur Zwischenlandung angekommen, hat man höflich seinem Nachbarn die Tasche gereicht, eine gute Reise gewünscht und ihm auch lächelnd den Vortritt beim Verlassen des Flugzeugs gelassen. Keiner hat gedrängelt, alle waren sie geduldig (und haben sich wahrscheinlich »no worries« gedacht). In Dubai war das schon mal anders und daheim angekommen war nix mehr mit jeden freundlich anlächeln, eine gute Reise wünschen und der Vortritt wurde einem schon zehn Mal nicht gelassen, da musste man sich eher rein boxen und sich breit machen, damit man nicht gleich angerempelt wird.

Vieles daheim ist also gleich geblieben, viele Dinge sind immer noch ganz anders als in Australien. Es war z.B. schön, endlich wieder mal normales (raues) Klopapier verwenden zu können. Raus aus Australien und schwupps die wupps hat man kein Problem mit »tangleberries« mehr. Ich hatte eine extrem verregnete Zeit daheim erwischt, kalt und nass war es, und trotzdem hatte man es im Haus angenehm trocken und warm. Da bekommt man das Wetter gar nicht so mit! Und still war es auch im Haus. Ich bin mir das nicht mehr gewohnt, in einem gut isolierten Gebäude zu leben und habe mich schon (fast) an unsere »Höhle« in Australien gewöhnt. Wenn man die Gespräche der Fußgänger auf der Straße nicht hören kann, kann man nämlich auch die Vögel draußen nicht singen hören.

Was mir sonst noch so aufgefallen ist: Das Internet ist so schnell auf dieser Seite der Erde (Mensch hab ich das vermisst!), das Wasser schmeckt zur Abwechslung mal nicht nach Chlor, das Tostbrot schaut in meinen Augen plötzlich wie ein Mini-Tostbrot aus (bin mir nun amerikanische ähm australische Größen gewöhnt), Verkehrsabgase rieche ich irgendwie auch nicht, dafür steigt mir ganz viel Kuhmist in die Nase, es gibt viel mehr Raucher hier, Sahne im Kaffee schmeckt absolut scheußlich und sowieso hat Österreich ja gar keine richtige Kaffeekultur (jedenfalls nicht so wie die Australier, das ist mir jetzt klar geworden!), man bekommt zur Abwechslung mal keinen Zuckerschock, wenn man ein Stück Kuchen isst, alle fahren rechts (irgendwie ist das komisch), ein 3-Tagesticket für die Öffis in Wien kostet nur 15 Euro (wo gibt es denn das? jedenfalls nicht in Sydney!), der Schnellzug fährt auch tatsächlich an die 140 km/h (statt 90 km/h in Australien), in der U-Bahn gibt's Hunde und in den Cafés auch, Politik wird am Mittagstisch diskutiert und Frauen und Männer können sich gemeinsam in einer Runde unterhalten (es wird nicht ständig nach Geschlechtern getrennt).

Auch die Preise kamen mir vor wie im Paradies: Alles ist so unglaublich billig, ich kann mir sogar leisten in der teuersten Parkgarage zu parken (die noch zehn mal billiger ist als wie mancherorts in Sydney), es gibt so unglaublich viel Auswahl im Supermarkt (ich stehe vor den Regalen und kann mich gar nicht entscheiden!), endlich kann ich wieder mal guten Käse und richtiges Vollkornbrot essen, auf der Autobahn fahren alle so furchtbar schnell (schneller als 100 km/h bin ich mir nicht mehr gewohnt), meine Freunde meinen auch, ich fahre auf einmal so langsam auf der Autobahn, ich habe seit langem wieder mal Berge gesehen und Bergluft geschnuppert (wer braucht schon das Meer?), in den Clubs ist es viel zu stickig und eng, man wird dauernd angerempelt, ich vertrage den ganzen Rauchgestank nicht mehr, Converse scheint hier die beliebteste Schuhmarke zu sein, ich bin plötzlich nicht mehr der modische Außenseiter, sondern kann mich zur Abweschlung wieder mal ganz normal fühlen, die Leute sind viel stressiger hier (sollten sich ein bisschen öfter »no worries« denken), es gibt sogar richtige Nachrichten im Fernsehen und nicht nur »Buckie der Hund wurde geklaut«, es ist viel weniger staubig in diesem Land, aber leider scheint auch die Sonne nicht so oft.

Ich war nicht nur auf dem Land bei meiner Familie, sondern habe auch ein paar Tage in Wien verbracht. Dort ist mir wieder einmal aufgefallen, wie unzufrieden die Menschen hier doch sind. Immer müssen sie über alles motzen und sich über jede Kleinigkeit beschweren. Irgendwie fand ich das fast amüsant. Ein Australier würde sich denken, wozu soll man aus einem Mücken einen Elefanten machen? Ist doch viel gemütlicher für alle, wenn man sich ein bisschen weniger aufregt. Am liebsten hätte ich besagten Personen ins Gesicht gelacht und gesagt: »Jetzt chill doch mal! Alles easy!« Aber dann wären sie wohl noch saurer geworden. Tja, so sind die Gemüter nun mal verschieden. Ich muss in den letzten Jahren wohl doch auch ein bisschen australisch geworden sein.

So hat es mich auch nicht gewundert, als ich nach gut einem Monat daheim am Flughafen stand, bereit wieder abzufliegen und der Flughafenangestellte verzweifelt (und vergeblich) versucht hat, meine Mitreisenden – eine bunt gemischte Menge aus Asiaten, Arabern und anderen Ethnizitäten – ein bisschen umzuerziehen. Ich konnte mir das Lachen nur schwer verkneifen, als der Angestellte mit schmerzverzerrtem Gesicht und sichtlich bestürzt über den unkontrollierten Andrang am Gate durchs Mikrofon rief: »Meine Damen und Herren, das bringt doch nun wirklich nichts! Bitte stellen sie sich alle schön ordentlich in einer geraden Linie auf. Es ist viel effizienter und wird so auch viel schneller gehen – das kann ich ihnen versprechen!«

No worries!
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Buchtipp: Auswandern nach Neuseeland

Anke Richters Buch »Was scheren mich die Schafe« handelt vom tagtäglichen Leben einer deutschen Auswandererfamilie in Neuseeland und ist überaus witzig und spannend erzählt. Die Autorin beschreibt nicht nur ihre Annäherung an die neuseeländische Kultur, sondern zeigt auch auf, dass man im Herzen doch deutsch bleibt und die eigene Herkunft nicht so leicht verleugnen kann. Anke Richter lernt in ihrer Zeit in Neuseeland nicht nur die neuseeländische Kultur besser kennen und schätzen, sondern auch die eigene.

Da ich während dem Lesen fest gestellt habe, dass sich die Kiwis und Aussies in Lebensweise und Kultur im Grunde wohl nicht groß unterscheiden, kann ich das Buch nur jedem wärmstens empfehlen, der sich fürs Auswandern in diese Breitengrade interessiert. Anke Richters Geschichte hat mich zum Schmunzeln, zum Grübeln und auch zum Lachen gebracht – sowohl was ihre Erfahrungen mit der eigenen Kultur im Ausland betrifft, als auch mit der neuseeländischen.

No worries!
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Niina aus Finnland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Niina aus Finnland, die es der Liebe wegen nach Australien verschlagen hat.

Über dich und deine Erlebnisse:

Wie alt bist du, woher kommst du und was machst du in Australien? 
Ich bin 34 Jahre alt und komme aus Finnland, im Moment suche ich gerade Arbeit in Melbourne. Seit ein bisschen länger als einem Jahr teste ich bereits das Aussie-Leben in der schönen Stadt Melbourne.

Warum genau Australien?
Einfache Antwort: Der Liebe wegen. Mein Ehemann ist Australier und nachdem wir einige Jahre zusammen in Europa verbracht haben, wollte er in die Heimat zurückkehren. Auch ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war herauszufinden, wie es wohl ist im Land Down Under zu leben. Ich wollte auch mehr über sein Heimatland erfahren.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt?
Ich war davor bereits zwei Mal in Australien. An meinem allerersten Tag, das war an Ostern 2007, führte mich mein (damals noch) Freund durch das Stadtzentrum von Melbourne und ich weiß noch, wie komisch es für mich war, dass die Leute auf der »falschen« Seite Fahrrad fahren.

Was war dein größter Kulturschock?
Da Australien mir also nicht ganz neu war, wusste ich ungefähr was mich erwartet. Aber irgendwie war es doch ein bisschen ein Schock am Anfang, vor allem weil hier Sommer war, während in Finnland gerade der dunkle und kalte Winter herrschte. Als ich im Dezember 2011 in Melbourne ankam, hab ich mich schon innerlich darauf vorbereitet, dass ich wohl ein paar Monate hier bleiben werde. Ich habe mich dann aber schon bald dabei ertappt, wie ich viele Dinge mit dem Gedanken hinterfragt habe: »Was, wenn ich nun doch länger hier bleiben werde?« Manche der australischen Angewohnheiten haben mich anfangs besonders irritiert – sie sind mir sogar richtig auf die Nerven gegangen – wie z.B. dass Linksverkehr herrscht, dass in vielen älteren Häusern Warm- und Kaltwasser aus zwei verschiedenen Hähnen kommt, dass die Häuser so schlecht isoliert sind und dass die Australier Essensreste einfach mit dem Restmüll entsorgen. Wie dem auch sei, ich versuchte (und versuche noch immer) mir stets den Rat vor Augen zu halten, den mir jemand vor langer Zeit gegeben hat, als ich in Italien gelebt habe: Ich bin in einem fremden Land und muss die finnische Art zu denken einfach mal vergessen, sonst mache ich mich nur verrückt.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir?
Ja, sehr sogar! Das Heimweh kommt und geht in Wellen und während es mir vergleichsweise leicht fällt, mir die Distanz zum Heimatland als »nur 24 Stunden entfernt« schön zu reden, gibt es aber auch Tage, wo ich am liebsten sofort meine Sachen packen und nach Hause fliegen würde. Natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde, aber auch traditionell finnisches Essen wie Roggenbrot, Waldbeeren, Rentierfleisch und salzige Lakritze. Und da ich den Winter liebe, vermisse ich auch den Schnee und Langlaufen ganz schrecklich. Mir fehlen die verschiedenen Jahreszeiten, die Stille und die Schönheit der finnischen Natur mit Seen und Wäldern. Außerdem gibt es kaum etwas Besseres zum Entspannen, als in die Sauna zu gehen und anschließend zur Abkühlung in einen See zu springen (sehr erfrischend vor allem im Winter!).

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben?
Isoliert, Land der Extreme und der Möglichkeiten, gemütliche Leute und Beuteltiere.

Was gefällt dir besonders gut an Australien?
Das Land hat einige Naturwunder zu bieten, die Menschen sind generell sehr freundlich. Ich mag auch Melbourne mittlerweile sehr und entdecke immer wieder neue interessante Plätze, Veranstaltungen und Aktivitäten. Frische und saisonale Produkte von lokalen Bauernmärkten, süße kleine Cafés und der Radweg am Yarra River sind nur ein paar wenige Dinge, die Melbourne so liebeswert machen. Die Stadt ist auch ein Schmelztiegel der Kulturen, was sich in der vielfältigen Küche aus aller Welt widerspiegelt.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Erstens, die Distanz zu Finnland – sowohl in der Entfernung als auch in der Zeitverschiebung. Zweitens, obwohl viele denken, dass das Wetter eine der Hauptattraktionen von Australien ist, fühle ich mich persönlich bei heißem Wetter nicht allzu wohl. In Finnland haben wir ein spezielles Wort für heißes Wetter – helle – was jegliche Temperaturen über 25°C beschreibt. So gesehen gibt es in Australien unzählige heiße Tage! Zum Glück ist Melbournes Wetter aber sehr wechselhaft (man sagt, dass man in Melbourne vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann) und die Temperaturen können auch sehr schnell fallen, wenn sich die Windrichtung ändert. Leider werden diese typischen Wetterumschwünge in der Baubranche nur bedingt berücksichtigt, was viel zu oft in Häusern resultiert, die im Winter viel zu kalt und im Sommer viel zu heiß sind. Das ist definitiv etwas, an das ich mich nur sehr schlecht gewöhnen kann, nachdem ich in gut isolierten finnischen Häusern aufgewachsen bin. Drittens, Australien ist sehr rückständig was Umweltprobleme betrifft (z.B. Kohlebergbau, erneuerbare Energien kommen nur spärlich zum Einsatz) und als Umweltwissenschaftlerin von Beruf finde ich es sehr entmutigend, dass es auch kaum Unterstützung auf staatlicher Ebene gibt, um die Situation zu verbessern. Andererseits ist eine Veranstaltung wie das Sustainable Living Festival, das kürzlich in Melbourne stattfand, ein fantastisches Beispiel wie man auf diese Dinge aufmerksam machen und Leute dazu inspirieren kann, umweltbewusster zu leben. Achja, und während die Top 3 der tödlichsten Tiere zu Hause Hunde, Wespen und Kühe sind, sind die Top 3 in Australien wesentlich angsteinflößender: Würfelqualle, Taipan Schlange und Salzwasser Krokodile. Ich liebe es im Wald zu joggen, bin aber im besorgt, ich könnte potenziell gefährlichen Vertretern der Tierwelt begegnen!

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien?
Ich hatte noch nicht allzu viel Gelegenheit um zu reisen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre das wohl Fraser Island. Die Insel ist einer der schönsten Orte, die ich bis jetzt gesehen habe. Die Great Ocean Road hat aber auch eine atemberaubende Kulisse zu bieten.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Ich glaube, ich würde immer noch »ja« sagen, zumal ich mit einem Australier als Mann früher oder später sowieso den Schritt wagen hätte müssen. Trotzdem bin ich im Moment aber auf Probe hier, es wird sich zeigen wie lange.

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how’re you doing« an?
Nein, überhaupt nicht. Ich antworte oftmals nur darauf, wenn ich selber gefragt werde.

Isst du Vegemite zum Frühstück?
Nein, ich mag Vegemite nicht!

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Den Weihnachtsabend verbrachten wir zusammen mit Freunden. Wir haben typisch finnische Leckereien zubereitet – Quarkkuchen, Lebkuchen und Zimtbrötchen. Am nächsten Tag feierten wir auf australische Art zusammen mit der Familie meines Mannes. Es ist lustig, dass viele Australier alte englische Traditionen beibehalten haben und ein reichhaltiges, schweres Mittagessen zu sich nehmen, während es draußen sehr, sehr heiß ist. Zum Essen gab es Truthahn, Schinken und Braten mit verschiedenen Saucen und gegartem Gemüse. Als Nachtisch bekamen wir Pflaumenpudding mit Brandy, Eis, Vanillesauce und Brandy-Butter. Es gab auch traditionell englische »Bonbons«, die eine Papierkrone, einen schlechten Witz und einen unnützen Preis enthalten.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du?
Ein Strand ist ein Strand – mit oder ohne Wellen! Ich bevorzuge jedoch prinzipiell einen ruhigen Strand. Ich versuche aber auch immer mehr, mich durch Bodyboarding und Surfen an den rauen Ozean und die Wellen zu gewöhnen. Obwohl Wasser eigentlich gar nicht mein Element ist, ist Surfen etwas, das ich gerne lernen möchte, so lange ich hier bin.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots?
Nochmals, ich bin wirklich nicht sehr australisch – ich besitze keine Ugg Boots!

No worries!

FOTO: NINA FISCHER
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Wie sehen andere Australien?

Dieser »Brief an die Welt« den Dorothée, eine gebürtige Deutsche die seit sieben Jahren in Australien lebt, auf ihrem Blog Australien Ereignisse veröffentlich hat, ist einfach zu gut um nicht erwähnt zu werden. An alle daheim gebliebenen: Bitte lesen, lachen, schmunzeln, die Stirn runzeln, den Kopf schütteln – aber nie mehr sagen, dass ich mit meinen Erzählungen aus Australien maßlos übertreibe!

No worries!
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Australien: Bereisen oder auswandern?

Meine persönliche Antwort: Bereisen. Australien ist ein wunderschönes Land, das Touristen aus aller Welt viel zu bieten hat. Man könnte monatelang reisen und hat noch nicht alles gesehen, was es hier zu entdecken gibt. Auswandern wiederum ist jedoch ein ganz anderes Thema ...

Es ist immer wieder interessant, Rückmeldungen zum Blog zu bekommen. Diese sind sehr unterschiedlich. Diejenigen die selber ausgewandert sind, finden es zumeist sehr amüsant und fühlen sich, als ob sie endlich jemand versteht. Geteiltes Leid ist halbes Leid, wie man so sagt. Viele Daheimgebliebene meinen, ich würde mich sehr intensiv mit Australien auseinandersetzen und dabei auch einiges von kritischer Seite aus beleuchten. Andere wiederum finden es einfach nur informativ. Bei manchen wird jedoch der Anschein geweckt, dass bei den Aussies alles nur scheiße ist. Dabei ist Australien für viele das absolute Traumland schlechthin – wie kann das also sein? Ist hier wirklich alles im Eimer? Nein, natürlich nicht. Australien ist halt einfach ganz anders. Man denkt immer, hier ist es eh fast wie daheim, da kann der Kulturschock nicht all zu groß sein ... das ist jedoch weit gefehlt, wie man mit der Zeit lernt.

Ob ich jemals in diesem Land leben wollen würde? Mal abgesehen davon, dass ich das gerade mache – nein, eigentlich lieber nicht. Klar, daheim in Österreich gibt es auch Sachen, die nicht gut sind und mit denen ich nicht kann. Aber da gibt’s zumindest Leute die noch selber denken und kritisch hinterfragen können. In Australien scheint man diese wesentlich seltener anzutreffen. Manchmal kommt es mir fast so vor, als hätten viele Aussies chronischen Mangel an gesundem Menschenverstand: Hier ist doch bekanntermaßen alles einfach nur super und der Rest interessiert niemanden. Kritisieren oder Dinge hinterfragen? Das ist in den meisten Situationen nämlich absolut unangebracht. Die Australier sind meiner Ansicht nach viel zu wenig kritisch mit sich selbst und Selbstreflexion gehört auch nicht gerade zu deren Stärken. Deshalb reflexiere ich in diesem Blog ein bisschen für sie mit.

Aber in Australien da ist doch immer schönes Wetter und man kann jeden Tag an den Strand gehen! Das ist auch eher Klischee als Wirklichkeit. Kommt wahrscheinlich darauf an, wo man in Australien lebt. Die Wahrheit ist aber, dass es letzten Sommer in Sydney mindestens so viel geregnet hat, wie daheim im ländlichen Vorarlberg. Es kübelt manchmal sogar wie aus Eimern hier und Temperaturstürze sind auch keine Seltenheit. Was Sydney betrifft, ist es jedenfalls keineswegs so, dass das Wetter hier IMMER schön ist. Ich würde es eher als äußerst extrem bezeichnen – entweder man schwitzt bei Dürre und Trockenheit bis zum geht nicht mehr, oder es regnet so viel, dass Straßen überflutet werden und Bäche überlaufen. Und der Strand? Ja, die Leute die direkt am Strand leben, haben sicher was davon. Ich lebe jedoch im Landesinneren, wie die meisten Menschen, und für die ist der Strand so was wie für uns daheim die Berge, in denen wir am Wochenende oder in den Ferien beim Schifahren und Snowboarden unsere Freizeit verbringen.

Es ist am Ende halt doch was ganz anderes, ob man in einem Land Urlaub macht und nur die schönen Seiten sieht (bzw. jene Seiten die einem präsentiert werden), oder ob man tatsächlich hier lebt und sich dann auch mit den Sachen auseinandersetzen muss, die nicht so toll sind. Und da die Australier ja bekanntermaßen nach außen hin ein gutes Marketing haben, kriegt man viele Dinge erst mit, wenn man tatsächlich hier lebt. Und hinterher ist man sowieso immer schlauer. Deshalb also mein Rat, spart euch viel Geld an – denn das werdet ihr brauchen – damit ihr selber dieses wunderschöne Land mit den unschuldigen Augen eines abenteuerhungrigen Touristen bereisen könnt. Es lohnt sich allemal. Das Auswandern würde ich mir aber nochmals gut überlegen.

No worries!

FOTO: SAMUEL COLLINS (FLICKR)
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Die Heimat lässt grüßen!

Wenn man weit, weit von zu Hause weg ist, dann lässt man sich immer wieder mal Päckchen aus der Heimat schicken. Nach einem Jahr in Australien kann ich schon sagen, dass ich mich mittlerweile ganz gut eingewöhnt habe. Trotzdem gibt es aber einfach so Dinge, die man hier nicht findet. Oder man mag die australische Version davon nicht ... oder es ist einfach zu teuer. Manchmal sind es auch ganz kleine banale Sachen, die man hier irgendwie nicht bekommt, aber man will sich nicht umstellen und darauf verzichten. Manche dieser Dinge mögen in den Augen anderer geradezu lächerlich wirken, ich habe mich jedoch über jedes einzelne Päckchen sehr gefreut!

Hier mal spontan eine Auflistung, was ich mir im letzten Jahr alles schicken lassen habe oder bei mir demnächst auf die Liste kommt:
  • Thomy Sauce Hollondaise (die australische Sauce schmeckt einfach nur wääh!)
  • Arabischer Zucker (den brauch ich für meinen Kaffee)
  • Nagelschere (ist hier »Made in China« und nicht «Made in Germany« was man an der Qualität merkt)
  • gerade Haarklammern (die gewellten halten in meinen Haaren nicht so gut)
  • Kägi Fretli u.a. (meine Lieblingsschoki)
  • Profil Zeitschriften (muss ja wissen was in Österreich passiert)
  • Käsfonduepackung (ist zu teuer hier)
  • Dr. Oetker Puddingpulver (australische Version schmeckt wääh!)
  • MexaFit C (Kombination aus Vitamin C und Paracetamol gibt's hier nicht und wirkt Wunder bei mir!)
  • dünne, lange Socken (hier find ich nur kurze dünne oder lange dicke Socken)
  • Zahnbürste Mentadent C Soft (ich will mich nicht umgewöhnen) 
  • leere Notizblöcke (hier ist immer alles liniert oder kariert – ich brauch aber leere Seiten!)
  • Handtücher (die meisten Australier verwenden in der Küche nur Geschirrtücher)
  • normale Hausschuhe aus Kork (hier gibt's nur Plastiklatschen und Ugg Boots)
Da frage ich mich, wie diese Liste bei anderen wohl ausschaut ...
Auf was könnt ihr fernab der Heimat unter keinen Umständen verzichten?

No worries!

FOTO: AUNTIE P (FLICKR)
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Kathy aus Holland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Kathy aus Holland, die sich in Australien mit Southern Cross Horse Treks ihren Traum einer Pferdefarm erfüllt hat und für Urlauber Treks durch den australischen Busch organisiert.


Über dich und deine Erlebnisse:

Wie alt bist du, woher kommst du und was machst du in Australien?
Ich komme aus Holland, bin aber zweisprachig aufgewachsen, weil meine Mutter Deutsche ist. Ich bin 43 Jahre alt, bin gelernte Psychologin und habe einen Reitferienbetrieb in New South Wales in der Nähe von Port Macquarie. Ich lebe – wie so viele meiner Reitgäste sagen – ganz »im Paradies« zusammen mit meinem deutschen Freund, meinem australischen Hund und zehn Pferden auf einer 25 Hektar großen Farm im Hinterland, die ca. 25 km vom Strand entfernt liegt. Ich bin damals im Januar 2000 (zusammen mit meinem holländischen Ex-Mann) nach Australien ausgewandert, also bin ich mittlerweile schon fast 13 Jahre hier.

Warum genau Australien?
1993/94 (nach meinem Studium) war ich als Backpacker mit »Working Holiday Visum« neun Monate in Australien und zwei Monate in Neuseeland. Gleich als ich am Anfang in Australien war, wusste ich, dass ich in diesem Land bleiben und leben will. Es war ein Gefühl von Freiheit, Natur, Platz, wenig Menschen (außerhalb der Städte) und vor allem dass alles hier ganz anders ist als zu Hause, was mich so beeindruckt, fasziniert und angezogen hat. In Holland ist immer schlechtes Wetter und das Land ist zu klein für die vielen Menschen. Als wir 2000 ausgewandert sind, hatten Australien und Holland die gleiche Einwohnerzahl und dabei ist Holland in Größe die Hälfte oder zwei Drittel von Tasmanien. Ich hatte immer den Wunsch in einem anderen Land zu leben, aber war nie wirklich interessiert an Australien, bis ich dann hier war. Nachträglich glaube ich, dass die Anziehungskraft dieses Landes zwar teils auch wirklich mit Australien zu tun hatte, aber sicherlich auch zum Teil einfach nur dadurch entstanden war, weil ich ein Jahr die Freiheit hatte, zu reisen und zu machen was ich wollte. Viele Backpacker wollen am Ende ihres Jahres in Australien bleiben und so ist es mir auch gegangen. Um meinen Traum zu verwirklichen, musste ich aber fünf Jahre warten und in Holland arbeiten, bis ich die genug Berufserfahrung als Psychologin hatte, um mein »Permanent Residency« Visum zu bekommen (mittels australischem Punktesystem). Da hatte ich auch schon die Idee, einen Reitferienbetrieb aufzubauen. Wo und wie ich jetzt wohne und lebe wäre mir so in Holland nie möglich gewesen. 

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt?
Als Backpacker 1993: Ankunft im Hostel in Kings Cross, Spaziergang durch die »Botanical Gardens« und zum Harbour. Eine komplett unerwartete Welt da ich mich vorher überhaupt nicht informiert hatte über Australien. Ich bin zu den »Rocks« gelaufen, dort war eine Hochzeitskutsche, ich habe den Kutschenfahrer angesprochen, ob er ein Job für mich hat und er hat mir die Telefonnummer von seinem Kumpel gegeben. Daraufhin habe ich in Echuca (Victoria) fünf Monate mit Pferden gearbeitet – so hat sich mein erster Job in Australien ergeben. An den ersten Tag, als ich im Jahre 2000 nach Australien auswanderte, kann ich mich hingegen kaum mehr erinnern. Wir hatten eine völlige Krise, was wir da bloß gemacht hatten. Unsere Jobs, unser Haus, unser Alles zu Hause aufgegeben und ab nach Australien ohne genügend Vorbereitungen.

Was war dein größter Kulturschock?
Als wir hier angekommen sind und anfingen uns nach Jobs, einer Mietwohnung, Auto etc. zu erkundigen, haben wir viel per Telefon gemacht, und dann habe ich gemerkt, dass ich die Australier am Telefon gar nicht verstehe und sie mich auch nicht! Daraufhin wurde uns auch bald klar, dass man hier für alles eine »Reference« und einen »Good Credit Record« braucht, weil viele Australier wohl ihre Rechnungen nicht bezahlen. Also ohne ein vorheriges Leben in Australien kann man das ja nicht vorweisen und dann ist es ganz schön schwierig eine Mietwohnung zu finden oder Telefon- und Stromanschluss zu bekommen. Und als Drittes kam dann die Ernüchterung, als ich schließlich lernte, dass in einen Land herum reisen und in ein Land wohnen zwei ganz unterschiedliche Sachen sind.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir?
Mittlerweile bin ich schon so lange hier, dass ich kein Heimweh mehr habe, weil ich hier jetzt mein Zuhause habe. Manchmal wenn ich in Holland bin, habe ich Heimweh nach Australien! Aber bis ich dahin gekommen bin, hatte ich viele Jahre Heimweh – nicht so sehr nach Holland, aber nach meiner Familie und meinen Freunden. Irgendwann nach sieben oder acht Jahren kam dann die Gefühlswende. Am schwierigsten finde ich es, wenn meine Freunde mich hier besuchen und wieder abreisen. Dann wünsche ich mir, sie würden auch nach Australien auswandern.


Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben?
Das einzigartige Land auf der anderen Seite der Welt, wo alles anders ist.

Was gefällt dir besonders gut an Australien?
Mein Leben in Australien! Die Natur, das Leben draußen, die Ruhe, der einsame Strand, die Tiere, der Duft von Eukalyptus an heißen Tagen, das Wetter (wenn auch die letzten drei Jahre nicht so gut waren), das Gefühl von Freiheit. In Australien hatte ich die Möglichkeit, mir ein ganz besonderes Zuhause zu schaffen und mir meinen Traum vom Leben mit Pferden zu verwirklichen – etwas was mir in Europa wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre. Es gibt aber auch Nachteile: Vieles ist teuer (Futter für Mensch UND Tier, Leben in einer kleinen Wohnung in der Stadt UND auch auf einem Grundstück auf dem Lande), aber dafür sind andere Sachen hier doch noch viel einfacher und teilweise sogar billiger – so wie z.B. eine kleine Farm kaufen und ein Pferdegeschäft aufbauen.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Im Allgemeinem: Von vielen australischen Gewohnheiten, die in deinem Blog schon ausführlich besprochen wurden, bin ich nicht sehr begeistert. Obwohl ich mich in zwölf Jahren wohl an alles gewöhnt habe, staune ich manchmal immer noch über bestimmte Verhaltensweisen. Aber gib mir noch fünf weitere Jahre und mich wundert nichts mehr! Man kann aber auch so rum fragen: Woran werden die Australier sich wohl nie bei mir gewöhnen? Die direkte, unkomplizierte und informelle Art mit der man sich in Holland begegnet, ist für viele Australier merkwürdig. Entweder sie finden es witzig oder sie sind beleidigt oder auch beides. Nur eins lerne ich nie: Dass es nirgendwo zum Kaffee ein vernünftiges Stück Kuchen zu einem normalen Preis zu kaufen gibt. Und wie schrecklich viele Australier mit ihren Tieren umgehen.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien?
Zum Sonnenuntergang der Lighthouse Beach in Byron Bay (New South Wales); zum Sonnenaufgang die leuchtenden Farben der Felsen von Wilpena Pound in den Flinders Ranges (South Australia); unter dem funkelnden Sternenhimmel (am besten in Western Australia); im Sommer die roten Steine und glasklares Wasser im Freycinet Nationalpark (Tasmanien); im Winter die blaue Wasserfarbe und der weiße Sand bei den Whitsunday Islands (Queensland). Auf jeden Fall ist der schönste Ort für mich kein von Menschen geschaffenes, sondern ein Naturerlebnis. Und davon ist ganz Australien voll.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Ich weiß es nicht, aber ich habe mir damals Australien ausgesucht, wollte unbedingt hierhin auswandern, habe jetzt hier mein Zuhause und fühle mich wohl in meinem Leben hier.

 Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an?
Ja, soweit ist es jetzt tatsächlich gekommen. Es ist mit der Zeit automatisch geworden, wie sehr ich mich auch dagegen gewehrt habe. Antworten tue ich aber meistens nicht, wenn mich jemand damit anspricht (z.B. im Supermarkt) aber das ist eigentlich ja auch schon sehr australisches Benehmen.

Isst du Vegemite zum Frühstück?
Ich habe Vegemite vor vielen Jahren gekostet – einmal und nie wieder! Ich bin immer erstaunt, dass meine australischen Reitgäste das Glas Vegemite auf unserem Frühstückstisch tatsächlich essen, denn eigentlich habe ich das nur hingelegt als Witz, damit die Touristen das mal kosten können.

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Ich bin seit zwölf Jahren in Australien und habe seit zwölf Jahren keine Weihnachten erlebt. Dieses Fest ist aus meinem Leben verschwunden, seit ich hier bin. Und da ich im australischen Dezember sowieso keine Weihnachtsstimmung habe, vermisse ich es eigentlich auch gar nicht so sehr. Nur wenn man bei Aldi wieder mal Lebkuchen hat, dann fällt mir ein, dass wohl bald Weihnachten ist. Der Lebkuchen schmeckt aber gar nicht, wenn es draußen 30°C im Schatten hat.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du?
Ich bevorzuge das ruhige Meer, damit ich gemütlich schwimmen kann, ohne gleich in der Waschmaschine zu landen.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots?
Nein, ich teile – zum Glück – nicht das australische Modebewusstsein, denn da gibt es noch viel schlimmere Sachen, die die Leute hier anziehen!

No worries

FOTO: KATHY HOLTRUST
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Eingestellt von : Nina Fischer
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