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Tasmanien – Kultur und Geschichte

In Australien findet man Kultur und Geschichte meines Erachtens viel zu wenig. Wie vermisse ich manchmal einen Urlaub in Europa mit prachtvollen Kulissen, Architektur und Museen wo man nach Lust und Laune seine Wissbegierigkeit stillen kann! So was gibt es hier schon auch (wer sucht, der findet), aber Kultur und Geschichte werden zumeist eher versteckt oder vernachlässigt – auf keinen Fall jedoch groß angepriesen.

Da war ich äußerst erstaunt darüber, dass wir in Tasmanien anderes erlebt haben. Das MONA, Museum of Old and New Art, befindet sich in der Hauptstadt Hobart und gilt als eines der besten Museen in Australien. Man kann sich darin stundenland zwischen alter und moderner Kunst in den verschiedenen Stockwerken bewegen, hier ist für jeden etwas dabei. Das Gebäude selbst, dass in die Klippen der Küste hinein gearbeitet ist und sich auf der Anhöhe eines Weinguts befindet, ist allemal sehenswert. 

Auch befinden sich fünf der elf australischen »convict sites« (ehemalige Sträflingslager) die als Weltkulturerbe gelistet sind in Tasmanien. Darunter Port Arthur, wahrscheinlich der meist besuchte dieser Orte. Interessant ist die Tatsache, dass deren Bewohner nach der Schließung im Jahre 1877 die Zeit der Sträflingslager aus dem allgemeinen Gedächtnis ausradieren wollten. Man änderte sogar den Namen des Ortes kurzzeitig in Carnarvon und wollte einfach alles vergessen, was bis dahin geschehen war. Da sich aber bereits Ende des 19. Jahrhunderts viele Touristen auf den Weg machten, diese wichtige Kulturstätte zu besuchen, erkannten die Menschen in Port Arthur ziemlich schnell, dass man Geschichte nicht so einfach auslöschen kann. Die Leute die heute dort leben, scheinen stolz auf ihre Vergangenheit zu sein und darauf, dass sie ein Teil davon sind und ihr Wissen weitergeben können. Wie bitte? So was ist mir also in Sydney noch nicht passiert, dass da jemand gerne über die Zeiten der Sträflingslager spricht ...

Mit Staunen habe ich dann festgestellt, dass ich bereits eine andere dieser australischen »convict sites« besucht habe: Cockatoo Island – eine Insel im Hafen von Sydney. Schade, dass ich zwar dort war, aber gar nicht mitbekommen habe, dass ich mich an einem Ort mit so viel Geschichte und Vergangenheit befinde. Irgendwas machen die Australier hier also falsch ... Die Tasmanier sind wohl entweder etwas mehr an ihrem eigenen Erbe interessiert oder haben zumindest gemerkt, dass sich Touristen dafür interessieren und man damit Geld machen kann. Welchen Grund es auch haben mag, dass uns so viel Kultur und Geschichte in Tasmanien begegnet ist, es war jedenfalls die Reise wert.

Tasmanien wird von den meisten Australiern immer ein bisschen belächelt und auch von den Touristen gerne noch übersehen. Hobart sei mit seinen 210.000 Einwohnern ja nichts weiter als ein verschlafenes »country town«, sagt man. Die Kombination von alt und neu, Geschichte und Kultur spürt man jedoch in so machen Vierteln der Stadt und dass ab und zu eine kalte Brise weht und sich die Autofahrer nicht ganz so gehetzt durch den Verkehr bewegen, hat mich eigentlich auch nicht sonderlich gestört. Sollte ich jetzt noch erwähnen, dass der »Australia Day« in Hobart vergleichsweise ruhig verlief und zu meinem Erstaunen bei den Tasmaniern kaum Gefühle von Patriotismus und Nationalstolz aufgekommen sind? Kein Wunder, dass der Rest von Australien gar nicht nachvollziehen kann, dass Hobart im Lonely Planet unter den Top 10 Städten für 2013 gelistet ist – als einzige australische Stadt. Ich aber schon! Link zum Artikel 

No worries!

FOTO: NINA FISCHER

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