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Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden

Wo wir Regeln eher als Richtlinien verstehen, die auch ab und an mal gebrochen werden können, ist es dem Durchschnitts-Australier wichtig, den guten Bürger zu spielen. Anders als bei uns wo die Exekutive eher »faul« ist, wird man hier schließlich für einen Regelbruch zu 100% verfolgt – und das passiert oftmals schneller als man denkt. Bricht man eine Regel, wird man bestraft. Punkt. Ebenso fällt auf, dass es in Australien unglaublich viele Regeln gibt, an die man ständig erinnert wird. Wie könnte man sie auch vergessen, es wird ja überall gleich mit dem erhobenen Zeigefinger gedroht. Da reicht es nicht einfach ein Schild aufzustellen, wo drauf steht: »Parken verboten«, es muss dann gleich noch erwähnt werden, dass bei Zuwiderhandlung eine saftige Strafe folgt. Also ungefähr so:

Parken verboten.
ZUWIDERHANDLUNG WIRD BESTRAFT.
HÖCHSTSTRAFE 200 DOLLAR!

Vor allem im täglichen Verkehr muss man immer auf der Hut vor den Ordnungshütern sein. Die Höchstgeschwindigkeit beim Autofahren zu überschreiten, kann einen mitunter bis zu 857 Dollar kosten. Ist das Parkticket mal zwei Minuten über der Zeit, gibt es auch keine Gnade. Und auf manchen Parkplätzen scheint es einen wesentlichen Unterschied zu machen, ob man vorwärts oder rückwärts einparkt. Nichtbeachtung kostet dann mal schlappe 80 Dollar. Und wieso? Tja, weil das halt die Regeln sind. Wer zu faul ist, sich zur Wahlurne zu begeben, zahlt übrigens auch Strafe. Dasselbe gilt für Alkohol trinken und urinieren in der Öffentlichkeit, einen Hund mit in ein Café zu nehmen, Zigarettenstummel auf die Straße zu werfen, am Strand Drachen steigen zu lassen oder im Zug die Füße auf dem Sitz gegenüber zu platzieren.

Weiters gibt es auch in jeder Bar einen ganzen Haufen Regeln, die einem gleich am Eingang ins Gesicht geklatscht werden ... Man darf nicht auf Tischen tanzen, kein Glas mit nach draußen nehmen, nicht auf das Geländer sitzen, nicht im Umkreis von fünf Metern vor der Türe rauchen (drinnen sowieso nicht) und bereits angeheitert wird man erst gar nicht rein gelassen. Als ahnungsloser Neuling, probiert man das alles natürlich trotzdem. Passiert doch eh nix. Doch man lernt auf die harte Tour. Es dauert keine zwei Minuten, da wird man von einem Security auf den Regelverstoß hingewiesen. Und auf die Frage, wieso man dieses und jenes nicht darf? Zu gefährlich! Alles nur zu deinem besten! Klar, ich könnte vom Geländer fallen und mir den Fuß brechen. Klar, ich könnte total betrunken irgendwo gegen rennen und mir den Hals brechen.

Aber was ist mit gesundem Menschenverstand? Traut man einem hier echt gar nichts zu? Dass wir alt genug sind, um selber zu entscheiden, was richtig und was falsch ist? Was angebracht und nicht angebracht ist? Schließlich sind wir ja erwachsen und unsere Eltern sagen auch nicht mehr ständig zu uns: »Setz dich nicht aufs Geländer, das ist zu gefährlich!«

Da sagt man doch immer, Deutschland ist ein Land in dem eine gut geregelte Ordnung herrscht und es für jeden Fall der Fälle eine passende Regel gibt ... Dazu kann ich nur sagen: Wer immer das gesagt hat, war wohl noch nie in Australien!

No worries!

FOTO: STEFAN JÜRGENSEN (FLICKR)

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