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Vom gespaltenen Verhältnis zum Essen

Die Australier haben ein leicht gespaltenes Verhältnis zum Essen. Auf der einen Seite gibt es Lebensmittel, die total verpönt sind und (aus welchem Grund auch immer) hier den Stempel »ABSOLUT UNGESUND« aufgedrückt bekommen, auf der anderen Seite essen die Australier so viel Zucker und künstliche Nahrungsmittel, dass mir ganz schlecht dabei wird.

Eine durchschnittliche Australische Familie würde als Vorspeise frische Früchte und etwas Käse servieren. Der Hauptgang besteht z.B. aus Fleisch oder Meeresfrüchten (wobei hier am liebsten alles frittiert konsumiert wird), dazu ziemlich geschmackloses aus dem Wasser gezogenes Gemüse (eventuell in der Mikrowelle gegart) und eine Sauce aus der Fertigpackung. Alles wird natürlich ganz ohne Butter zubereitet, weil Butter gehört zu jenen Lebensmitteln, die als absolut ungesund gelten. Falls es denn Brot dazu gibt, ist dies klassisches Weißbrot. Wer ganz gesund sein will, der isst »Mulitgrain« – Weißbrot aus Weizenmehl mit ca. 10 Körnchen drinnen. Vollkorn scheint hier noch nicht richtig angekommen zu sein. Zum Nachtisch gibt es dann Brownies oder Cupcakes aus der Fertigpackung, mit einer richtig fetten Zuckerglasur oben drauf und einen Kaffee mit Magermilch. Normale Vollmilch ist ja schließlich ungesund und macht auch fett.

Dabei muss ich mir dann immer wieder mal anhören, wie ungesund wir Mitteleuropäer essen und wie viel leichter die Kost in Australien doch ist. Aha, da hab ich wohl was nicht richtig mitbekommen. Ich ernte immer ganz entsetzte Blicke, wenn ich verlautbare, dass es in unserem Kühlschrank nur richtige Butter und Vollmilch gibt. Und dass ich niemals einen Kuchen oder Nachtisch aus der Fertigpackung servieren würde.

Zum Thema Milch: Wusstet ihr übrigens, dass der Verkauf von echter Rohmilch für den Konsum in Australien verboten ist? Nicht pasteurisierte Milch sei dermaßen ungesund und könne mitunter so gefährlich sein, dass die Bürger durch dieses Gesetz vor sich selber beschützt werden müssen. Link zum Artikel Komisch, ich bin ganz normal und habe als Kind auch ab und zu frische Rohmilch direkt vom Bauer getrunken.

In dem Café in dem ich arbeite, wird neben Vollmilch auch Magermilch und Sojamilch angeboten. Hier ist es ganz normal, dass man sich einen Kaffee bestellt und dabei auch die Milch dazu aussuchen kann. Ungefähr ein Drittel unserer Kunden trinkt nur Magermilch oder Sojamilch. Viele tun dies, weil Vollmilch angeblich so furchtbar ungesund ist. Oder weil sie auf ihre Linie achten wollen. Nicht selten bestellt jemand dann Kaffee mit Magermilch und drei Stück Zucker. Da versteh ich dann die Logik einfach nicht dahinter.

Manche erzählen auch, dass sie Sojamilch eigentlich gar nicht mögen ... aber sie trinken es halt, weil Kuhmilch zu ungesund ist und sie das ihrem Körper auf die Dauer nicht antun wollen. Und dann bestellt man noch schnell ein vor Fett triefendes Bacon & Egg Sandwich. Manche Leute, die aus reinem Gesundheitsbewusstsein Magermilch konsumieren, belohnen sich hin und wieder und sind ganz happy, dass sie heute mal richtig wagemutig sind und einen Kaffee mit Vollmilch bestellen. Sogar das gibt es: Leute die einen Kaffee bestellen und diesen zur Hälfte mit Vollmilch, zur Hälfte mit Magermilch wollen – in solchen Momenten bin ich mir dann im ersten Moment nicht sicher, ob dies ein australischer Scherz ist und ich den grad auf die Schnelle nicht verstehe? Aber nein – es ist kein Scherz!

Wenn ich die Australier mal schocken will, dann erzähle ich, dass bei uns viele Kaffee mit einem Schluck Sahne oder sogar Schlagsahne trinken. Dafür ernte ich verstörte Blicke – richtig eklig finden sie diesen Gedanken, wie kann man nur so ungesund leben? Da bleiben sie doch lieber bei ihrer Magermilch mit drei Stück Zucker.

No worries!

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