Bild

Bild

Niina aus Finnland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Niina aus Finnland, die es der Liebe wegen nach Australien verschlagen hat.

Über dich und deine Erlebnisse:

Wie alt bist du, woher kommst du und was machst du in Australien? 
Ich bin 34 Jahre alt und komme aus Finnland, im Moment suche ich gerade Arbeit in Melbourne. Seit ein bisschen länger als einem Jahr teste ich bereits das Aussie-Leben in der schönen Stadt Melbourne.

Warum genau Australien?
Einfache Antwort: Der Liebe wegen. Mein Ehemann ist Australier und nachdem wir einige Jahre zusammen in Europa verbracht haben, wollte er in die Heimat zurückkehren. Auch ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war herauszufinden, wie es wohl ist im Land Down Under zu leben. Ich wollte auch mehr über sein Heimatland erfahren.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt?
Ich war davor bereits zwei Mal in Australien. An meinem allerersten Tag, das war an Ostern 2007, führte mich mein (damals noch) Freund durch das Stadtzentrum von Melbourne und ich weiß noch, wie komisch es für mich war, dass die Leute auf der »falschen« Seite Fahrrad fahren.

Was war dein größter Kulturschock?
Da Australien mir also nicht ganz neu war, wusste ich ungefähr was mich erwartet. Aber irgendwie war es doch ein bisschen ein Schock am Anfang, vor allem weil hier Sommer war, während in Finnland gerade der dunkle und kalte Winter herrschte. Als ich im Dezember 2011 in Melbourne ankam, hab ich mich schon innerlich darauf vorbereitet, dass ich wohl ein paar Monate hier bleiben werde. Ich habe mich dann aber schon bald dabei ertappt, wie ich viele Dinge mit dem Gedanken hinterfragt habe: »Was, wenn ich nun doch länger hier bleiben werde?« Manche der australischen Angewohnheiten haben mich anfangs besonders irritiert – sie sind mir sogar richtig auf die Nerven gegangen – wie z.B. dass Linksverkehr herrscht, dass in vielen älteren Häusern Warm- und Kaltwasser aus zwei verschiedenen Hähnen kommt, dass die Häuser so schlecht isoliert sind und dass die Australier Essensreste einfach mit dem Restmüll entsorgen. Wie dem auch sei, ich versuchte (und versuche noch immer) mir stets den Rat vor Augen zu halten, den mir jemand vor langer Zeit gegeben hat, als ich in Italien gelebt habe: Ich bin in einem fremden Land und muss die finnische Art zu denken einfach mal vergessen, sonst mache ich mich nur verrückt.

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir?
Ja, sehr sogar! Das Heimweh kommt und geht in Wellen und während es mir vergleichsweise leicht fällt, mir die Distanz zum Heimatland als »nur 24 Stunden entfernt« schön zu reden, gibt es aber auch Tage, wo ich am liebsten sofort meine Sachen packen und nach Hause fliegen würde. Natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde, aber auch traditionell finnisches Essen wie Roggenbrot, Waldbeeren, Rentierfleisch und salzige Lakritze. Und da ich den Winter liebe, vermisse ich auch den Schnee und Langlaufen ganz schrecklich. Mir fehlen die verschiedenen Jahreszeiten, die Stille und die Schönheit der finnischen Natur mit Seen und Wäldern. Außerdem gibt es kaum etwas Besseres zum Entspannen, als in die Sauna zu gehen und anschließend zur Abkühlung in einen See zu springen (sehr erfrischend vor allem im Winter!).

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben?
Isoliert, Land der Extreme und der Möglichkeiten, gemütliche Leute und Beuteltiere.

Was gefällt dir besonders gut an Australien?
Das Land hat einige Naturwunder zu bieten, die Menschen sind generell sehr freundlich. Ich mag auch Melbourne mittlerweile sehr und entdecke immer wieder neue interessante Plätze, Veranstaltungen und Aktivitäten. Frische und saisonale Produkte von lokalen Bauernmärkten, süße kleine Cafés und der Radweg am Yarra River sind nur ein paar wenige Dinge, die Melbourne so liebeswert machen. Die Stadt ist auch ein Schmelztiegel der Kulturen, was sich in der vielfältigen Küche aus aller Welt widerspiegelt.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
Erstens, die Distanz zu Finnland – sowohl in der Entfernung als auch in der Zeitverschiebung. Zweitens, obwohl viele denken, dass das Wetter eine der Hauptattraktionen von Australien ist, fühle ich mich persönlich bei heißem Wetter nicht allzu wohl. In Finnland haben wir ein spezielles Wort für heißes Wetter – helle – was jegliche Temperaturen über 25°C beschreibt. So gesehen gibt es in Australien unzählige heiße Tage! Zum Glück ist Melbournes Wetter aber sehr wechselhaft (man sagt, dass man in Melbourne vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann) und die Temperaturen können auch sehr schnell fallen, wenn sich die Windrichtung ändert. Leider werden diese typischen Wetterumschwünge in der Baubranche nur bedingt berücksichtigt, was viel zu oft in Häusern resultiert, die im Winter viel zu kalt und im Sommer viel zu heiß sind. Das ist definitiv etwas, an das ich mich nur sehr schlecht gewöhnen kann, nachdem ich in gut isolierten finnischen Häusern aufgewachsen bin. Drittens, Australien ist sehr rückständig was Umweltprobleme betrifft (z.B. Kohlebergbau, erneuerbare Energien kommen nur spärlich zum Einsatz) und als Umweltwissenschaftlerin von Beruf finde ich es sehr entmutigend, dass es auch kaum Unterstützung auf staatlicher Ebene gibt, um die Situation zu verbessern. Andererseits ist eine Veranstaltung wie das Sustainable Living Festival, das kürzlich in Melbourne stattfand, ein fantastisches Beispiel wie man auf diese Dinge aufmerksam machen und Leute dazu inspirieren kann, umweltbewusster zu leben. Achja, und während die Top 3 der tödlichsten Tiere zu Hause Hunde, Wespen und Kühe sind, sind die Top 3 in Australien wesentlich angsteinflößender: Würfelqualle, Taipan Schlange und Salzwasser Krokodile. Ich liebe es im Wald zu joggen, bin aber im besorgt, ich könnte potenziell gefährlichen Vertretern der Tierwelt begegnen!

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien?
Ich hatte noch nicht allzu viel Gelegenheit um zu reisen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre das wohl Fraser Island. Die Insel ist einer der schönsten Orte, die ich bis jetzt gesehen habe. Die Great Ocean Road hat aber auch eine atemberaubende Kulisse zu bieten.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Ich glaube, ich würde immer noch »ja« sagen, zumal ich mit einem Australier als Mann früher oder später sowieso den Schritt wagen hätte müssen. Trotzdem bin ich im Moment aber auf Probe hier, es wird sich zeigen wie lange.

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how’re you doing« an?
Nein, überhaupt nicht. Ich antworte oftmals nur darauf, wenn ich selber gefragt werde.

Isst du Vegemite zum Frühstück?
Nein, ich mag Vegemite nicht!

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Den Weihnachtsabend verbrachten wir zusammen mit Freunden. Wir haben typisch finnische Leckereien zubereitet – Quarkkuchen, Lebkuchen und Zimtbrötchen. Am nächsten Tag feierten wir auf australische Art zusammen mit der Familie meines Mannes. Es ist lustig, dass viele Australier alte englische Traditionen beibehalten haben und ein reichhaltiges, schweres Mittagessen zu sich nehmen, während es draußen sehr, sehr heiß ist. Zum Essen gab es Truthahn, Schinken und Braten mit verschiedenen Saucen und gegartem Gemüse. Als Nachtisch bekamen wir Pflaumenpudding mit Brandy, Eis, Vanillesauce und Brandy-Butter. Es gab auch traditionell englische »Bonbons«, die eine Papierkrone, einen schlechten Witz und einen unnützen Preis enthalten.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du?
Ein Strand ist ein Strand – mit oder ohne Wellen! Ich bevorzuge jedoch prinzipiell einen ruhigen Strand. Ich versuche aber auch immer mehr, mich durch Bodyboarding und Surfen an den rauen Ozean und die Wellen zu gewöhnen. Obwohl Wasser eigentlich gar nicht mein Element ist, ist Surfen etwas, das ich gerne lernen möchte, so lange ich hier bin.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots?
Nochmals, ich bin wirklich nicht sehr australisch – ich besitze keine Ugg Boots!

No worries!

FOTO: NINA FISCHER

1 Kommentar: