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Das Ende der Monorail

Sydneys öffentliche Verkehrsmittel ... a never ending story bzw. eine never ending Blamage. Eigentlich ist das alles schon fast wieder witzig. Dass man das Konzept eines öffentlichen Verkehrsnetzes hier einfach nicht kapiert, das will mir nicht in den Kopf. In Sydney scheint dies eine reine Einnahmequelle zu sein. Ob das Netz funktioniert? Wen kümmert’s! Ob dadurch weniger Leute Auto fahren? Macht doch nichts! Ob man damit die täglichen Staus reduziert? Was soll's! Die Leute sind es sich ja eh gewöhnt. Und die Touristen müssen die Preise halt einfach schlucken. Sie sind ja schließlich in der schönsten Stadt der Welt zu Gast. Da bezahlt man doch auch gerne ein 5 Dollar Ticket für die Monorail bis zum nächsten Stopp 150 Meter weiter. Oder man nimmt gleich ein Tagesticket für 9,80 Dollar. Dass ich nicht lache! Und nebenbei – das Ticket gilt natürlich NUR für die Monorail. Weder für Bus, Zug, Fähre oder Light Rail. Man muss jedes Mal ein neues Ticket lösen. Selbst wenn man nur den Bus nimmt und dabei einmal umsteigen muss. Ja, damit macht man Geld!

Aus diesem Grund fährt die Monorail in den knapp 25 Jahren seit ihrer Entstehung verständlicherweise hauptsächlich für Touristen. Denn nicht mal die Aussies sind so dumm, sich dumm und dämlich zu zahlen. Ein Journalist hat es auf den Punkt gebracht, wie unsinnig das Konzept der Monorail eigentlich ist: »Mitte der 80er Jahre war eine kleine Minderheit fest davon überzeugt, dass die Monorail die Zukunft aller öffentlichen Verkehrsmittel ist. Wie sich herausstellte, entpuppte sich die Zukunft als ein Ort an dem Touristen 5 Dollar bezahlen, um in einer kleinen Schleife – die genau genommen nirgends hinführt – über die Betonfassade von Darling Harbour zu kriechen.« Link zum Artikel 

In dem Artikel wird auch festgestellt, dass das Konzept der Monorail in Sydney zu den uneffektivsten und teuersten öffentlichen Verkehrsmitteln der Welt gehört. Man hätte damals auch eine Light Rail (Tram) bauen können, die um ein Vielfaches billiger und wesentlich effektiver gewesen wäre (mehr Leute können in kürzerer Zeit befördert werden). Aber nein, die Romantiker mit ihrer Vision von der Monorail, die das einzigartige Stadtbild von Sydney vervollständigen sollte, hatte sich durchgesetzt. Vor lauter träumen wurde jedoch auf Sinn und Zweck der Monorail ganz vergessen. Denn wo sie einen tatsächlich hinbringt, war wohl eher nebensächlich. So fährt die Monorail auf einer 3,6 Kilometer langen Strecke einmal im Kreis von Darling Harbour in die Stadt und wieder zurück und verfehlt dabei knapp die zwei wichtigsten Punkte – Circular Quay (Harbour Bridge und Opera House) und Central Station (Anbindung an das Zugnetz). Wer sich das ausgedacht hat, war auch nicht ganz bei Sinnen.

Gestern war es dann soweit. Die Monorail hat (wieder einmal) angefangen zu zicken. 25 Jahre Monorail ist jetzt auch wirklich mal genug. Nach einem Stromausfall ist diese nämlich gegen Mittag voll beladen über einer Straße in sechs Metern Höhe stecken geblieben. Die Passagiere mussten mehrere Stunden bei 24°C und ohne Klimaanlage ausharren, bis sie schließlich alle gerettet werden konnten. 30 Leute litten unter Dehydration auf Grund der aufgestauten Hitze in den Wagons. Nachdem es bereits 2006 und 2011 zu Zwischenfällen mit der Monorail gekommen ist, ist ein Ende des unnützesten Verkehrsmittel der Welt nun endlich in Sicht. Link zum Artikel

Denn heute – Gott sei Dank gibt es Einsicht – ist in Sydney niemand mehr ernsthaft davon überzeugt, dass die Monorail mal so richtig groß raus kommt. Deshalb steht der Entschluss mittlerweile auch fest. Sie soll bis spätestens Mitte 2013 abmontiert werden. Stattdessen ist geplant, das Light Rail System (derzeit gibt es nur eine einzige Linie mit 7,2 km und 14 Stationen) weiter auszubauen. 

No worries!

FOTO: S A HOOPER (FLICKR)

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