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Darf man Kinder alleine lassen?

In letzter Zeit liest man immer wieder Berichte über dieses Thema in der Zeitung. Es gibt in Australien nämlich ein Gesetz, das besagt, dass man Kinder nicht unbeaufsichtigt alleine lassen darf und das gilt auch fürs Auto. D.h. wenn man an einer Tankstelle tankt und das schlafende Baby zwei Minuten im Auto lässt, während man bezahlen geht, ist das illegal. Auch ein älteres Kind zehn Minuten im Auto zu lassen, während man schnell in die Apotheke, zur Bank oder zur Post läuft, ist illegal. Verletzt man die Aufsichtspflicht, wird dies zur Anzeige gebracht und man muss sich vor Gericht dafür verantworten. Im Bundesstaat Queensland kann dies im schlimmsten Fall sogar drei Jahre Haft bedeuten, wenn man ein Kind unter 12 Jahren alleine lässt. Aber nicht nur im Auto, sondern auch daheim darf man Kinder laut australischem Gesetz nicht sich selber überlassen.

Daher wundert es mich, dass es in Australien (noch) kein Gesetz für ein vorgeschriebenes Mindestalter zum Babysitten gibt. Das soll dann doch wieder individuell entschieden werden, hier wird ausnahmsweise mal gesunder Menschenverstand erwartet. Es wird jedoch klar davon abgeraten, Minderjährige auf kleine Kinder aufpassen zu lassen, da im Falle eines Falles der minderjährige Babysitter nicht haftbar ist und somit die Eltern haften, sollte etwas passieren. In Deutschland darf man übrigens (mit Einschränkungen in Stundenanzahl und Uhrzeit) ab 13 Jahren babysitten und in Österreich ab 14 Jahren. Seltsam ist dann aber doch, dass eine australische Studie mit 10.000 befragten Kindern im Alter von 10-11 Jahren zeigt, dass jedes vierte Kind mindestens einmal in der Woche für eine Stunde oder länger allein zu Hause gelassen wird. Still und heimlich tun das viele also doch.

Auch die Polizei scheint hier im Nanny-Staat nicht müde zu sein, den Eltern im Umgang mit ihren Kindern drein zu reden. So wurden mehrere Eltern verwarnt und darüber belehrt, dass sie beispielsweise ihren 7-Jährigen nicht alleine zum Zeitungsstand (400 Meter vom Haus entfernt) laufen lassen dürfen, oder dass es verantwortungslos sei, eine 10-Jährige alleine Bus fahren zu lassen.

Ich weiß nicht so recht, was ich von dieser Debatte halten soll, zumal sich bei diesem Thema wahrscheinlich die Geister scheiden. Trotzdem habe ich so im Allgemeinen das Gefühl, dass die Australier schon noch ein bisschen mehr »overprotective« sind, als die Österreicher oder Deutschen. Ich selber bin als Kind sehr wohl ein paar Stunden allein zu Hause gewesen und ich kann mich nicht erinnern, dass mich das nachträglich in irgendeiner Art und Weise geschädigt hat. Auch habe ich als 12-Jährige schon für Verwandte auf kleine Kinder aufgepasst, bin im Alter von vier Jahren alleine in den Kindergarten gelaufen, im Alter von neun Jahren bin ich zur Schule geradelt und im Alter von zehn Jahren habe ich den Bus dahin genommen. Wie jeder andere auch damals. Und das ist doch eigentlich noch gar nicht so lange her bei Jahrgang 1985 ... 

Ein sehr guter und ausführlicher Bericht zur Gesetzeslage in Australien, deren Tücken und dem Phänomen dass Kinder zusehends in Watte gepackt aufwachsen, gab es auch mal im Australian. Zum Vergleich ein Bericht aus Deutschland in dem es um folgende Frage geht: »Ist es unverantwortlich, Kinder unter acht Jahren allein zu Hause zu lassen?« Interessant ist, dass die Debatte in Australien eher bei 10- oder 11-Jährigen beginnt. Von 8-Jährigen redet hier ja noch gar keiner ... das ist doch sonnenklar, dass die nicht alleine sein können! So bin ich auch nicht verwundert über einen der Kommentare zu diesem Artikel: »Als in Deutschland lebende Australierin bin ich immer wieder schockiert, mit welchem Leichtsinn Eltern in Deutschland ihre viel zu jungen Kinder allein lassen. Selbständig werden? So ein Quatsch! Ein 7-jähriges Kind für zwei Stunden allein zu lassen ist unverantwortlich und gefährlich. Warum muss jeder unwichtige Blödsinn im Gesetz hier festgeschrieben werden, aber es gibt keine Regelung für die Kinderaufsichtspflicht!?« Tja, der Frau würde ich jetzt einfach mal sagen, dass man in gewissen Ländern noch an den gesunden Menschenverstand appelliert, während man in anderen Ländern nur blind nach Gesetzen schreit.

No worries!
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Australien und der Rassismus

Australien ist, wie beispielsweise die USA und Kanada, ein Einwanderungsland. Die relativ kurze Geschichte ist jedoch eine völlig andere. Als der letzte unentdeckte Kontinent erobert war und Anfang des 20. Jahrhundert seine Unabhängigkeit erlangte, hatten die Menschen, die hier lebten, alles andere im Sinn, als ein multikulturelles Einwanderungsland zu werden. Jahrzehnte lang redete man vom »weißen Australien«, das geschützt werden sollte von »fremden« Einflüssen, namentlich den Ureinwohnern und den Asiaten. Dies war nicht nur eine generelle Gesinnung, sondern fest in den australischen Gesetzen verankert. Rassismus gegen all jene Menschen, die nicht weiß waren und/oder nicht aus Europa kamen, waren genauso an der Tagesordnung, wie die Vertreibung und Versklavung der Ureinwohner Australiens. Ein Umdenken fand erst nach der Zeit des Zweiten Weltkriegs statt. Mit dem Racial Discrimination Act von 1973 endete die Rassendiskriminierung in Australien offiziell.

Diese Fakten und die Tatsache, dass Australier nicht viel von Vergangenheitsbewältigung halten und ihre Vergangenheit deshalb weitgehend unaufgearbeitet bleibt, macht die Geschichte ja genau so problematisch. In Australien schaut man nicht gerne zurück. Zu lästig sind Erinnerungen an die Verbrechen gegen die Menschheit, die hier bis in die frühen 70er Jahre an den Ureinwohnern begangen wurden. »Das waren schließlich nicht wir, das waren die Europäer – also eigentlich wart das ja ihr!« So oder ähnlich grenzen sich die Menschen von ihrer eigenen Vergangenheit ab. Man schaut nach vorn und lässt die Geschichte lieber mal hinter sich.

In Australien wird ständig das Image aufpoliert, dass in diesem Land jeder gleich ist, jeder die gleiche Chance hat und jeder willkommen ist. Klingt ja auch irgendwie logisch, wenn man bedenkt, dass die Population hauptsächlich aus Einwanderern oder Abstämmigen von Einwandererfamilien besteht. Vielleicht kann man Australien aber auch genau deshalb als rassistisches Land bezeichnen. Denn wo sind die gemeinsamen Wurzeln in einem Land, in dem es keine Vergangenheit gibt bzw. in der man das kleine bisschen an Geschichte, das man besitzt, am liebsten vergisst oder tot schweigt?

Im Grunde genommen sehe ich das so: Australien mag vielleicht von der Gesetzeslage her heute ein offenes Einwanderungsland sein, die soziale Stimmung ist jedoch eine andere. Rassismus existiert hier, auch wenn das viele gerne leugnen. Und wenn man es schon nicht offen zugeben kann, dann packt man es mal schön in einen Witz und überspielt das ganze mit Humor. Jeder der sich dann angegriffen fühlt, gilt als humorlos. Nur allzu oft liest man in den Zeitungen auch über diskriminierende Übergriffe von »weißen« Australiern auf Andersfarbige oder sogar Touristen. Dafür gäbe es genug Beispiele, die ich hier auflisten könnte. Der bekannteste gewalttätige Zwischenfalls waren wohl die Cronulla Riots.

Blinder Hass, Alkohol und Gewaltbereitschaft, sowie eine Hetze in den Medien (die in Australien sehr viel Einfluss haben), führte dazu, dass eine Demonstration von 5.000 »weißen« Australiern am 11. Dezember 2005 in einem Vorort von Sydney eine Eigendynamik entwickelte, mit der die Polizei heillos überfordert war. Die rassistisch motivierten Unruhen gegen libanesische Bevölkerungsgruppen begannen mit Hassparolen und endeten mit Massenprügeleien, 26 Verletzen, 16 Verhaftungen und zahllosen Sachbeschädigungen. In den darauf folgenden Tagen griff das Feuer der Unruhen auch auf andere Vororte über und gleichzeitig mobilisierten sich Gruppen von libanesisch-stämmigen Zuwanderern, die einen Rachefeldzug starteten. Auf der ganzen Welt war man geschockt über die Unruhen in Australien – einem als offen und herzlich geltenden Einwanderungsland.

Vergleicht man beispielsweise Österreich und Australien, dann besteht in meinen Augen ein wesentlicher Unterschied darin, dass wir uns des Rassismus eher bewusst sind. Würde mich ein Australier fragen, ob Österreich ein rassistisches Land ist, dann würde ich ja sagen (so Leid es mir tut). Gerade in unserer Politik spiegelt sich das sehr unverblümt wider. Frage ich aber einen Australier, ob Australien ein rassistisches Land ist, dann würde dieser nein sagen. Politik und Gesetzeslage sind meines Erachtens weniger »rassistisch motiviert« als in Österreich – mit Ausnahme der Asylpolitik. Die persönliche Einstellung der (weißen) australischen Bevölkerung ist jedoch wieder eine ganz andere Geschichte. Da diese Art des »offen Zugeben« hier nur schlecht möglich ist, wird Rassismus von den meisten in Humor verpackt und somit gesellschaftsfähig gemacht. Es war also auch zu erwarten, dass viele Aussies über die Aussagen des britischen Komikers John Oliver, über die man vergangene Woche in der Zeitung lesen konnte, gar nicht glücklich waren: Der Artikel mit dem Titel »Australien fühlt sich sehr wohl mit dem Rassismus« handelt vom wahren Kern, der in rassistisch motiviertem Humor steckt und den so viele Australier gerne leugnen. Link zum Artikel

No worries!

FOTO LINKS: KATE ANDREWS (FLICKR) / FOTO RECHTS: WARREN HUDSON (WIKIPEDIA)
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Jedermanns Freund

Thema Arbeitskultur. Ein interessantes Gespräch mit einem Australier, der gerade in Europa lebt und arbeitet, hat mich zum Nachdenken gebracht. Mit was er sich am schwersten tut, ist die Tatsache, dass die Europäer so unfreundlich und unzugänglich seien. Er würde ständig versuchen, seine Arbeitskollegen als Freunde zu gewinnen, würde gerne mit ihnen scherzen und nach der Arbeit auf ein Bier ins Pub gehen. Die Arbeitskollegen wollen aber Arbeit und Freizeit nicht so unbedingt miteinander vermischen und blocken seine »Annäherungsversuche« deshalb eher ab. Arbeitskollegen müssen schließlich nicht unbedingt die besten Freunde sein ...

Er hat mir seine Bedenken so erklärt: In Australien kommt man im Beruf nur weiter, wenn man jedermanns Freund ist. Wenn man eine Idee hat und die will man seinem Boss verkaufen, dann muss man das auf eine coole, lockere Art machen. (Meine Anmerkung: Man verwendet möglichst oft das Wort mate und lädt nach der Arbeit auf eine Runde ins Pub ein.) Wenn man mal anderer Meinung ist, dann darf man das bloß nicht offen zeigen – wieder aus demselben Grund, man muss schließlich jedermanns Freund sein, um weiter zu kommen. (Meine Anmerkung: Man muss sich stets beliebt machen und darf bloß niemanden kritisieren.)

Das klingt doch ganz nach interkulturellen Missverständnissen. Die Europäer fühlen sich auf den Schlips getreten und der Australier weiß nicht, wie er bei ihnen punkten soll, wenn er nicht jedermanns Freund sein kann.

No worries!
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Ein Arztbesuch

Wie geht man in Australien zum Arzt? Eigentlich wollte ich nur eine ganz normale Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt, die von der staatlichen Krankenkasse bezahlt wird (Privatversicherung habe ich hier keine). Daheim ruft man beim Arzt an, macht einen Termin aus und geht dann dahin – ganz einfach! In Australien ist das etwas umständlicher. Als erstes muss man zum GP, das ist ein praktischer Arzt. Dieser arbeitet meistens in so etwas ähnlichem wie einem Ärztehaus. Da gibt es praktische Ärzte und oftmals auch noch andere Abteilungen, wie z.B. Röntgen und Ultraschall. Diese so genannten »Medical Center« sind also eine Mischung zwischen praktischer Arzt und Ambulanz (für kleinere und nicht lebensgefährliche Verletzungen).

Zurück zur Vorsorgeuntersuchung. Ich musste also zuerst meinen GP aufsuchen. Dieser hat mich dann an ein Ärztehaus für Frauen verwiesen. Dort könne man diese Vorsorgeuntersuchungen machen lassen. Also rief ich an dem besagten Ort an, um einen Termin zu vereinbaren. Die Untersuchung bestand dann lediglich aus einer Abtastung der Brust und einem Krebsabstrich. Untersucht wird man von einer Hebamme. Daher kann diese weder den Krebsabstrich selber beurteilen, noch werden die inneren Geschlechtsorgane untersucht, Ultraschall oder ein gynäkologischer Stuhl stehen dort nämlich auch nicht zur Verfügung. Und wie gesagt, da die Hebamme keine Ärztin ist, kann sie auch keine Diagnose stellen – diese bekommt man dann per Telefonanruf oder Post mitgeteilt.

Nach dieser Untersuchung musste ich wieder zurück zum GP, da meine Brust genauer untersucht werden sollte. Der GP gab mir dann eine Überweisung für den Ultraschall im »Medical Center« und ich musste zum Glück nicht wieder einen neuen Termin dafür vereinbaren, sondern konnte mich gleich drüben anmelden. Der Ultraschall wurde von einem »Ultraschallspezialisten« durchgeführt ... also wieder kein Arzt, der eine Diagnose stellen darf. Irgendwo im Hintergrund war dann aber wohl doch mal ein Arzt, der den Bericht gelesen bzw. gesehen und beurteilt hat. Man muss ihm aber mindestens drei Stunden dafür Zeit lassen, d.h. ich musste wieder einen neuen Termin für die Diagnose ausmachen. 

Als ich dann zum viertem Mal den Arzt aufgesucht habe, bekam ich auch endlich das letzte Ergebnis. Das lief so ab ... ich traf den GP und dieser las mir die Diagnose von dem »mysteriösen Arzt im Hintergrund« vor. Fertig. War doch alles ganz einfach, oder?

No worries!
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Eingestellt von : Nina Fischer
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Black Caviar: 25 Rennen, 25 Siege

Black Caviar, she does it again! Bereits letztes Jahr habe ich auf diesem Blog über das australische Wunderpferd berichtet: Die Vollblutstute Black Caviar hat mittlerweile 25 Pferderennen in Folge gewonnen und gilt somit nach wie vor als unschlagbar.

Unter tosendem Beifall einer aufgeregten Menge gewann die »Queen aller Rennpferde« gestern in Sydney mit drei Pferdelängen Abstand zum Zweiplatzierten – scheinbar mühelos. Das Event war bereits Tage zuvor ausgebucht und viele schaulustige Fans, die keine Tickets mehr ergattern konnten, mussten sich außerhalb des Zaunes versammeln, um ihr Lieblingspferd rennen zu sehen.

Mit 25 Siegen in der Tasche bricht Black Caviar alle Rekorde als Sprinter und hat sich ein für alle Mal einen Platz im Herzen des australischen Volkes erobert. Wie der Australian die Nachricht vom gestrigen Sieg betitelte: »Freudentränen als Black Caviar weiterhin ungeschlagen bleibt«

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Eingestellt von : Nina Fischer
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