Vor kurzem habe ich wieder einmal eine interessante Diskussion auf dem australischen Radiosender Triple J verfolgt. Ist Australien wirklich so teuer? Oder meckern die Australier einfach nur gerne? Ist es gerechtfertigt, sich über die (hohen) Preise zu beschweren oder sollte man lieber hervorheben, dass die Löhne in Australien auch dementsprechend hoch sind? Geht es uns viel zu gut?
Da sind wieder einmal viele unterschiedliche Meinungen zusammen gekommen. Ein Anrufer war vor kurzem in Berlin und hat von den »Dritte-Welt-Preisen« geschwärmt, die dort herrschen. Da kann man um den selben Preis, um den man in Australien ein Bier bekommt, gleich vier haben!
Ein anderer meinte, dass Australien im Grunde gar nicht so teuer sei. Man könne hier sehr gut leben, wenn man nicht über seine Verhältnisse hinaus lebt. Das Bild des »überteuerten« Australien würde nur dadurch entstehen, dass die Aussies viel zu viel Geld verbraten und nicht gut im Sparen sind.
Als nächstes wurde über Australiens hohe Löhne diskutiert, wobei die Kluft zwischen Vielverdiener und Leuten, die grade mal über die Runden kommen, ziemlich groß ist. Menschen unter 30 und über 60 sind diejenigen, die oft durch das Netz rutschen und ein Leben in der Stadt nur schwer bestreiten können. Gesetzlicher Mindeststundenlohn in Australien ist derzeit übrigens 15,96 Australische Dollar.
Ein Australier der in Amerika gelebt hat, meinte, es sei doch normal, dass in Australien alles teurer ist. Hier sei ja schließlich auch der Lebensstandard viel höher als in den USA oder in Europa. Da haben die Radiomoderatoren gleich zugestimmt ... In Australien hat man es nun mal wirklich gut – und das kommt nicht ohne Preis: »Wir genießen hier den höchsten Lebensstandard der Welt und dafür zahlen wir halt auch ein bisschen mehr.«
An dieser Stelle muss ich nun mal kurz protestieren. Ich glaube nicht, dass man allgemein sagen kann, dass es sich in Australien besser leben lässt, als z.B. in Österreich, Deutschland, der Schweiz oder einem der nordeuropäischen Staaten. Wenn die Australier mit Lebensstandard »Sonne« meinen, die relaxten Gemüter oder dass hier jeder ach so zufrieden mit seinem Leben ist, dann haben sie vielleicht Recht. Nicht umsonst zählt Australien zu den »glücklichsten Nationen der Welt«. Meinen sie aber grundsätzliche Bedürfnisse wie Kleidung, Nahrung, Wohnen, ärztliche Versorgung, Einkommen, Preis-Leistungsverhätlnisse usw. dann bin ich da anderer Meinung.
Da wären wir nämlich wieder einmal beim Thema, das mich so sehr beschäftigt: Sind die Australier deshalb so glücklich, weil sie sich das einreden bzw. weil sie von klein auf eingetrichtert bekommen, dass sie im besten Land der Welt leben? Wenn man sich auf diese Weise die viel zu teuren Preise schön reden kann und dadurch ruhiger schläft, dann hat der Staat auch noch was davon ...
Wie dem auch sei, einig war man sich in der Diskussion dann aber doch darüber, dass Australien zu den Ländern mit den höchsten Hauspreisen der Welt gehört und dass auch die Nebenkosten für Strom, Gas, Internet etc. im letzten Jahrzehnt kontinuierlich gestiegen sind. Die Preise für ein Eigenheim in der Stadt sind mittlerweile so hoch, dass sie kaum mehr höher werden können. Schon jetzt gibt es in Australien die »Generation Mieter«, Menschen, die keinen festen Partner haben und sich deshalb den Traum vom Eigenheim mit nur einem Einkommen allein nicht mehr leisten können.
Wie sehen andere Zuwanderer dieses Thema? Ist das Leben in Australien unverschämt teuer oder sind die hohen Preise angemessen?
No worries!
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Eingestellt von : Nina Fischer