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Der australische Traum

Oder: Über das Heimkehren. Es gibt sehr viele schöne Dinge am Leben in Australien, Dinge die ich nicht vermissen möchte. Surfen und Strandkultur, die Nähe zur Natur und Tierwelt, die kulinarischen Abenteuer, der gute Kaffee, die Freundlichkeit der Menschen, die vielen Sonnentage und die wunderschöne Stadt Sydney. Aber dann gibt es auch die andere Seite, die mich selbst nach vier Jahren immer wieder in Zweifel stürzen lässt. Kann man im Leben Erfüllung finden, wenn man mit seiner beruflichen Situation absolut unzufrieden ist? Diese Frage habe ich mir nur allzu oft gestellt und egal wie ich es drehe oder wende, es hat mich ständig das Gefühl verfolgt, irgendetwas zu verpassen. Irgendetwas versäumt zu haben. Irgendetwas nicht zu haben, das alle anderen haben.

Spätestens dann, wenn ich wieder einmal eine Nachricht von einem deutschen Grafikdesigner erhalten habe, der sich gerne seinen Traum erfüllen und nach Australien auswandern möchte, wurde ich mit der Frage konfrontiert: Wie erfüllt ist mein Leben eigentlich? Ja, es ist schön in Australien zu leben. Aber man ist auch sehr weit weg von der Familie und den Lieben daheim. Und dann ist da mein beruflicher Werdegang, der so ganz anders verlaufen ist, als ich mir das ausgemalt habe.

Ich bin mit einem Bachelor und Master in Design und ein bisschen Arbeitserfahrung nach Australien gekommen, habe hier eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung und somit auch uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt und hätte gerne in Sydney in der Designbranche Fuß gefasst. D.h. in einer Agentur zu arbeiten, von anderen Leuten zu lernen, Kontakte zu knüpfen und neue Erfahrungen zu sammeln. Leider wollte dies nicht so wirklich klappen. Außer schlecht bezahlten Freelancejobs, falschen Versprechen, respektlosen Menschen und unfairen Arbeitsverhältnissen. Das frustriert auf die Dauer. Das entmutigt. Es lässt einen an sich selber zweifeln. Natürlich gab es einen Plan B, ich habe mich selbstständig gemacht, nebenbei auch mal in einem Café gejobbt, auf einer Pferdefarm gearbeitet und als Surflehrer für Kinder ausgeholfen. Das waren alles sehr positive Erfahrungen, bei denen ich mit lieben Menschen zu tun hatte und die mir keiner mehr nehmen kann, ändern aber nichts an dem Gefühl, irgendwie von mir selber enttäuscht zu sein. Ich habe es schlicht und einfach nicht geschafft in Sydney.

Das erinnert mich an eine Geschichte, die mir mal jemand erzählt hat und diese geht so: Es war einmal ein Mann, der die Idee hatte, in Australien einen Keksladen zu eröffnen. Das lief unerwarteterweise so gut, dass er sein Geschäft immer weiter ausbaute und neue Läden im ganzen Land aufmachte. Als seine Frau nach Amerika auswandern wollte, dachte er sich, was hier funktioniert hat, funktioniert dort sicher auch. Er muss zwar nochmals von vorne anfangen, wird aber seinen Keksladen einfach wieder aufbauen. Sie wanderten also nach Amerika aus. Der Mann ging alles genau gleich an, wie er dies in Australien getan hatte, dachte sich, so anders ist die Kultur ja nicht, da kann nicht viel schief gehen. Aber was er auch versuchte, es wollte einfach nicht klappen. Niemand schien zu erkennen, wie gut seine Kekse waren. Niemand schien sich so wirklich dafür zu interessieren. Und viele Male fragte er sich, wieso klappt es bloß nicht? Lag es an ihm? Ging er die Sache falsch an? Oder hatte es gar nichts mit ihm zu tun, ticken die Amerikaner vielleicht einfach anders?

Aller Anfang ist schwer und so hat auch das Heimkehren seine Tücken. Ich vermisse so viele Dinge aus Australien. Aber ich habe einen guten Job hier, der mir Freude macht, bei dem ich täglich von netten Menschen umgeben bin und fair behandelt werde. So Leid es mir tut – und es tut mir ganz ehrlich Leid drum – Sydney war wohl einfach nicht der richtige Ort für mich. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich einige Wochen vor meiner Abreise den Coastalwalk von Bondi nach Coogee gemacht habe. Ich bin auf den Klippen gesessen, hatte den Wind im Gesicht und eine wunderschöne Aussicht vor mir liegen. Und ich habe mir gedacht, ich will das alles nicht aufgeben. Aber Sydney war nicht gut zu mir. Ich habe vier Jahre lang versucht, beruflich irgendwie Fuß zu fassen und diese Stadt hat mir keine Chance gegeben. Auch wenn ich sehr gemischte Gefühle hatte, irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen und dieser Tag war für mich gekommen.

Ich bin mir sicher, es ergeht anderen Menschen da draußen ähnlich wie mir. Menschen, die davon träumen, sich in Australien ein tolles Leben aufzubauen und bei denen es auch nicht so wirklich klappen will. So habe ich mich in dem Bericht einer jungen Irin, die den Versuch gewagt hat nach Australien auszuwandern, ein Stück weit wiedergefunden. Sie beschreibt darin, warum sie enttäuscht vom australischen Traum ist. Und wie man so schön sagt, wenn man nicht damit zufrieden ist, wie sich sein Leben entwickelt, sollte man die Richtung ändern. Auch wenn dies bedeutet, wieder in die Heimat zurückzukehren.

Sydney, ich vermisse dich wirklich sehr, aber: Es ist besser, mit den richtigen Leuten durch den Regen zu laufen, als mit den falschen in der Sonne zu stehen.

No worries!

FOTO: CHRIS DEVERS (FLICKR)

Kommentare:

  1. Hey Nina, erst mal danke fuer die ganzen Artikel ueber die Jahre! War passiver Leser :) Bin ungefaehr zur selben Zeit wie du nach Sydney gekommen und arbeite auch in der selben Branche. Bin seit letztem Jahr selbststaendig und kann mir vor Job-Angeboten kaum retten. Wenn man selbststaendig arbeiten moechte, muss man der 'Typ' dafuer sein. Dazu gehoeren Skills und Einstellung - also ich kenne deine Arbeit und Dich nicht, nicht als Kritik aufnehmen bitte. Was ich sagen moechte ist, dass ich in Sydney eine andere Erfahrung mache. Ich habe in mehreren Agenturen gearbeitet und gute Designer sind immer gefragt. Freelance und Fulltime. Vielleicht hattest du einfach die falschen Kontakte und Recruiter. In der Branche lernt man z.B. viele Kontakte ueber Meetups kennen. Fokussiertes Networking ist genauso wichtig wie gut zu sein in dem was man macht. Fuer die Zukunft und allgemein wuerde ich raten in der Branche zu bleiben und sich zu spezialisieren - hier und da mal im Cafe usw. arbeiten hoert sich nicht fokussiert an. Sydney ist kein einfaches Pflaster wenn es um Geld geht. Alles einfach gesagt, ich weiss - aber ich finde, das kann Alles funktionieren. Familie und Freunde waeren fuer mich der einzige Grund zurueck zu gehen. Ich versuche im Jahr 2-3 Monate in D zu verbringen um eine Balance zu haben. Kostspielig, aber auch das klappt. Wie auch immer, wuensche dir alles Gute! Das Wichtigste ist, dass man gluecklich ist. Egal ob man in Bondi aufs Meer schaut und sonst wo in den grauen Himmel. Die Lebenserfahrung die du hier gemacht hast kann dir keiner nehmen und wird dir sicher weiter helfen. All the best und cheers!

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    1. Hallo du, danke für deinen Kommentar! Aber ich glaube, du hast es zu Beginn schon ziemlich gut getroffen: Manchen liegt das selbstständig sein, manche können das und manche nicht. Doppelt schwer ist es mir in Australien gefallen, weil ich dort niemanden kannte und ich weder ein Ass im Smalltalk bin, noch ein extrovertierter Mensch, dem es leicht fällt, auf Leute zuzugehen.

      Nur das mit dem "zu wenig fokussiert" sein, da muss ich widersprechen. Wenn du in harten Zeiten nämlich nicht genug Geld zum Leben hast, bist du froh, wenn du erstmals in einem Café jobben kannst. Leider hatte ich nicht den Luxus, dass ich vom ersten Tag meiner Ankunft mit Jobs überhäuft wurde. Eher das Gegenteil... Recruiter haben mir permanent nur gesagt, dass sie an jemanden, der noch keine Arbeitserfahrung in Australien hat, auch keine Jobs vermitteln. Da empfinde ich es eher als positiv, dass ich mir nicht zu schade war, in einem Café zu arbeiten.

      Hut ab also, dass du es geschafft hast und viel Glück weiterhin in Sydney!

      Lg Nina

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    2. Hallo Anonym,
      ich bin ebenfalls Medien Gestalter (abgeschlossene Ausbildung, kein Studium) mit 2 Jahren Berufserfahrung in einer Agentur und 1,5 Jahren als Freelancer.
      Ich habe ein Jahr davon als Freelancer in Australien gearbeitet, was absolut schlecht lief. Unzuverlässige, bzw nur teilweise Zahlungen und dazu noch viel zu wenig.
      Als "richtige" Arbeitserfahrung habe ich lediglich 4 Monate auf einer Baustelle gearbeitet.
      Ich möchte definitiv in einer Agentur arbeiten. Komme aber nicht so recht weiter. Ich glaube insbesondere die Voraussetzung eines Sponsorships und der Umzug nach Australien sind dabei Hindernisse.

      Ich bin über Tipps und Kontakte sehr sehr dankbar.
      Meine Mail ist info@zinke-design.de

      Lorena

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    3. * richtige Arbeitserfahrung IN AUSTRALIEN war die Baustelle

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  2. Hallo Nina,
    auch ich habe deinen Blog mit deinen so vielen Artikeln über Australien gelesen und fand ihn sehr informativ. Dass es in einem fremden Land auch einmal schwieriger sein kann, als gedacht, ist ja realistisch betrachtet auch nur folgerichtig. Für mich ist es gut vorstellbar, dass auch dort, wo das Gras vermeintlich oder tatsächlich grüner ist als da, von woher du gekommen bist, nicht alles so funktioniert wie gewollt. Nur fand ich deine Vorgeschichte etwas merkwürdig, weil schwer nachzuvollziehen, wenn ich bedenke, wohin es geführt hat :
    Du hast ein Auslandsjahr in Australien mit Work-and-Travel-Visa absolviert und dort deine (jetzige ?) Liebe kennengelernt, mit der du zwei Jahre zuhause verbrachtest und dann nach Down Under gegangen bist. Du hättest doch bereits während deines W&T-Jahres in Australien merken können, ob das Land was für dich wäre - das geht durchaus, wenn die rosarote Brille vorher abgelegt werden würde. ;) Und allein des Abenteuers und der Liebe wegen zu emigrieren ist - mit Verlaub - nie eine gute Idee, weil beides ebenso ein jähes Ende finden können. Und dann ? Und hast du dich schon einmal woanders länger aufgehalten als nur in Australien ? Work and Travel soll auch in anderen Ländern wie Kanada, Neuseeland u.a. möglich sein.
    Letzten Endes ist es ja nun mal eine Frage der persönlichen Weltsicht, und - mit Verlaub - bist du mir nie wirklich zur Genüge vorbereitet UND integrationsbereit erschienen, trotz der Möglichkeit besseren Wissens. Dann war es halt nichts für dich; die Welt ist aber groß genug, um es woanders zu versuchen, dann aber bitte mit mehr Bedachtheit. ;)
    Trotzdem fand ich deinen Blog toll, habe jeden Artikel gelesen und wünsche dir bei alledem alles erdenklich Gute und viel Erfolg auf deinem weiteren Lebensweg. Mach's gut. :)

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    1. Hallo Yannick,

      ich habe kein Work-and-Travel gemacht, das gibt es nicht für Österreicher. War drei Monate dort und bin durchs Land gereist. Reisen ist was ganz anderes wie dort zu leben und zu versuchen, sich ein neues Zuhause aufzubauen. Hast du das schon mal versucht?

      Ich habe entschieden, der Liebe wegen nach Australien zu gehen und es zu versuchen – und versucht habe ich es vier Jahre lang und Land und Leute ja auch sehr lieb gewonnen. Wieso wer was wann und wo macht, ist aber die persönliche Entscheidung von jedem einzelnen und da hast du kein Recht, meine Beweggründe in Frage zu stellen.

      Ich habe als Österreicherin auch schon in den USA, Frankreich, Finnland und Deutschland gelebt. An Auslandserfahrung mangelt es mir also sicher nicht.

      Und dass ich die Welt mit kritischen Augen betrachte, bereit zu Selbstreflexion bin und keine Angst davor habe, meine Meinung zu sagen und über meine persönlichen Erfahrungen zu berichten, heißt noch lange nicht, dass ich das zuhause oder irgendwo anders nicht auch genauso machen würde.

      Lg Nina

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  3. Hallo Nina,

    d.h. du lebst jetzt nicht mehr in Australien, schreibst aber noch Artikel darüber?

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    1. Ja, ich lebe seit kurzem wieder in Österreich. Ob ich weiter an dem Blog schreibe, weiß ich noch. Ich hoffe jedoch schon, weil ich mich eigentlich nach wie vor sehr gerne mit dem Land und den Leuten dort beschäftige!

      Lg Nina

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  4. Hallo Nina, danke für deine zahlreichen blog Einträge, welche mich immer gut unterhalten haben. Schade hat es für dich nicht geklappt aber ich denke du hast das einzig richtige gemacht und zwar etwas dagegen getan und unter uns gesagt...soooooo exciting ist jetzt dieses Australien auch wieder nicht :D Ich hoffe wir dürfen uns weiterhin auf Einträge von dir freuen!

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  5. Hallo Nina, ich finde du machst das genau richtig. Wenns irgendwo nicht klappen will (aus welchem Grund auch immer) muss man einen anderen Weg einschlagen. So viele Leute bleiben einfach hängen und tun gar nichts.... Respekt vor deinem Mut und deiner Ehrlichkeit! Und lass dich bloß nicht unterkriegen ;-)

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  6. Danke euch beiden für die lieben Kommentare und schöne Grüße aus Österreich :-)

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  7. Hallo Nina,
    Ich bin auf deinen Blog gestoßen als ich in Sydney war und plötzlich eine riiiesige Kakerlake rumkrabbeln sah, da half mir der Ungeziefer-Artikel weiter :-)
    Ich wünsche dir jedenfalls ganz viel Erfolg und alles Gute für den neuen Lebensabschnitt. Und im Endeffekt ist auch Bondi immer nur einen Flug entfernt :-)

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  8. Vielen lieben Dank! Ich plane schon meinen nächsten Australien-Urlaub ;-)

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  9. Hallo Nina,
    not sure if you still read this but I will try anyway.

    Welcome back to Europe!!
    Your decision is sound and wise. Trust me, a person like you would be totally wasted in dystopian Australia. There is no doubt now that the country is going to hell faster than anticipated, so the sooner one leaves, the better (took me even longer than you but I am happy with my decision).

    All the very very best!

    With warm greetings,
    'Former Aussie'

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  10. Don't come back, Australia sucks big time now.

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  11. hallo nina,
    auch ich habe deinen blog sehr genossen....und geniesse ihn noch. ich bin gebuertig aus hamburg und eine sogenannte langzeitbleibende in australien (sydney). als ich vor jahrzehnten hier ankam, hoerte ich auch immer nur "sie haben keine "australienerfahrung". ich kam aus der reisebranche mit vielen erfahrungen auf der ganzen welt und vier sprachen, aber das zaehlte nicht. ich habe mich dann ganz schnell selbstaendig gemacht, aber in einer ganz anderen branche, und das hat gut geklappt. deswegen bin ich gebliebe und fuehle mich auch wohl; allerdings vermisse ich deutschland sehr. ich kann deine entscheidung zurueckzugehen sehr gut nachvollziehen und wuensche dir alles gute. ich beneide dich manchmal um das schoene winterklima in oesterreich. halt die ohren steif, meine liebe, und schreib weiter.liebe gruesse, ilka

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    1. Hallo Ilka, danke für die nette Nachricht und grüß mir Sydney!

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