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Pascale aus Deutschland

Im Gespräch mit Auswanderern über das Leben auf der großen Insel, die schönen Seiten Australiens, an was wir uns nie gewöhnen werden und was man so alles von daheim vermisst: Diesmal mit Pascale, die mit 15 von Deutschland nach Neuseeland ausgewandert ist und mittlerweile seit zwei Jahren in Australien lebt. Sie hat sowohl einen deutschen, als auch einen neuseeländischen Pass und auf meine Frage, ob sie sich eher als Deutsche oder Neuseeländerin fühlt, hat sie mir geantwortet: definitiv beides. Nur ihren deutschen Akzent würde sie gerne verlieren.

Über dich und deine Erlebnisse:

Woher kommst du, wie alt bist du und was machst du in Australien? Wie lange bist du schon hier? 
Ich komme ursprünglich aus München. Als ich 15 Jahre alt war, zogen meine Eltern und ich nach Neuseeland. Erstmals sollte es nur für ein Jahr sein, wir sind dann aber geblieben. Meine Mama kam schon 1977 der Liebe wegen nach Neuseeland und hat damals auch eine Weile dort gelebt. Ich habe insgesamt sieben Jahre in Auckland verbracht und dort sowohl die High School, als auch meinen Bachelor gemacht habe. Jetzt bin ich 23 Jahre alt und lebe seit zwei Jahren in Brisbane. Mein Freund, der Neuseeländer ist, kam schon im Dezember 2012 hier an und ich bin ihm im März 2013 gefolgt, da ich noch einen Kurs an der Uni fertig machen musste.

Warum genau Australien? 
Mein Freund – mit dem ich seit fünfeinhalb Jahren zusammen bin – wurde an der Uni in Brisbane in Medizin angenommen und deshalb bin ich dann gleich mit ihm hierher gezogen. Während meiner Zeit in Deutschland haben meine Eltern mich jedoch fast jährlich nach Australien in die Ferien mitgenommen – anstelle von z.B. Italien oder Mallorca – und ich habe dieses Land daher immer schon geliebt. Lustigerweise haben wir Australien in den sieben Jahren, in denen ich in Neuseeland gewohnt habe, nur ein einziges Mal besucht.

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag? Was hast du erlebt? 
An meinem ersten Tag in Australien mussten wir gleich umziehen, da die Vermieterin meines Freundes hoch religiös war und uns nicht erlaubt hat, als unverheiratetes Paar dort gemeinsam zu wohnen. Ich weiss noch, dass wir nur eine Matratze und ein Bücherregal hatten. Die neue Wohnung war in der Garage unseres (neuen) Vermieters und es war total nett, da es draußen um die 35°C hatte und die Wohnung schön kühl war.

Was war dein größter Kulturschock? 
Nichts wirklich, da ich ja schon sieben Jahre in Neuseeland gelebt hatte und Australien eh kannte. Aber das Wetter – vor allem der viele Regen im Sommer – war etwas, an das ich mich in Brisbane gewöhnen musste, sowie die vielen Tiere überall. Die Trink-Kultur hat mich auch etwas geschockt, aber nur weil ich in einem Pub gearbeitet habe, und nicht wie in Neuseeland in einer französischen Weinbar. Australier und Neuseeländer sind sich generell aber sehr ähnlich, vor allem was die Freundlichkeit betrifft, und das mag ich total gerne!

Hast du manchmal Heimweh? Was fehlt dir? 
Eigentlich gar nicht … weder nach Deutschland noch nach Neuseeland. Obwohl ich in den ersten zwei Monaten, als ich keinen Job fand, eigentlich wieder zurück nach Neuseeland wollte. Ich habe zwei super Jobs in Auckland aufgegeben und dann mit Manager Certificate, Bachelor of Arts, vier Sprachen und fünf Jahren Gastroerfahrung in Australien nichts zu finden, war echt blöd. Neuseeland hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert – Auckland zumindest – und es gibt immer mehr tolle Restaurants: das vermisse ich. Ansonsten wirklich nur meine Katzen (noch nicht mal wirklich meine Eltern).

Was mir von Deutschland fehlt, sind die U-Bahnen und das billige Essen. Ich habe zwar noch einige Verwandte dort – Onkel, Tanten, Kusinen und ein paar Freunde – ich würde aber nie wieder zurück nach Deutschland ziehen wollen. Urlaub machen schon, wie zuletzt 2013 als ich eine 4-wöchige Europatour gemacht habe.

Erzähl mir von Australien:

Wie würdest du Australien mit ein paar wenigen Worten beschreiben? 
Ein Land mit tausend verschiedenen Landschaften, wo Menschen und Tiere tatsächlich zusammen leben.

Was gefällt dir besonders gut an Australien? 
Die Menschen, alle sind so freundlich hier! Sowie die Stadt Brisbane – ich liebe den Fluss, die Sonne und das Wetter.

An was wirst du dich nie gewöhnen?
An den vielen Regen im Sommer und die hohen Essenspreise kann ich mich nur schwer gewöhnen.

Wo befindet sich in deinen Augen der schönste Ort in Australien? 
Broome, Great Barrier Reef und die Wüste gefallen mir sehr gut. Aber eher für Ferienabenteuer, nicht um dort zu leben.

Würde deine Wahl wieder auf Australien fallen?
Immer wieder! Ich liebe dieses Land! Vielleicht mal eine andere Stadt, aber ansonsten ist alles hier richtig toll. Neuseeland ist zwar auch sehr schön, aber nicht ganz so warm und jobmäßig gibt es in Australien doch mehr Möglichkeiten.

Wie australisch bist du bereits?

Sprichst du jeden mit »how're you doing« an? 
Auf alle Fälle!

Isst du Vegemite zum Frühstück? 
Nein – und sogar meine Mama, die seit 1977 immer wieder in Neuseeland gelebt hat, mag kein Vegemite.

Wie hast du die letzten Weihnachten verbracht?
Letzte Weihnachten habe ich in Neuseeland mit meinen Eltern und meinem Freund verbracht, so wie jedes Jahr. Am 24. Dezember untertags haben wir gemeinsam den Baum geschmückt und dann gab’s Abendessen und Geschenke. Das Essen ist immer irgendwas … aber nichts Deutsches! Am 25. Dezember habe ich mit der Familie von meinem Freund gefeiert, so wie das die Neuseeländer und Australier traditionell machen.

Für die Aussies ist ein Strand ohne Wellen kein Strand. Was bevorzugst du? 
Strand find ich ganz nett, aber ich bevorzuge Städte, die was zu bieten haben, vor allem was Essen und Läden betrifft. Ich mag Schwimmen schon gerne – gesurft bin ich noch nie – aber irgendwie ist das Stadtleben eher so mein Ding.

Besitzt du ein Paar Ugg Boots? 
Ja, aber die ziehe ich nur im Winter in Neuseeland an!

No worries!

FOTO: PASCALE DE SULLY

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